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NACHRICHTENBLATT

der

Bayerischen Entomologen

herausgegeben von der

Münchner Entomologischen Gesellschaft

4. Jahrgang

1955 f AU HSONgZ & 5 MAR 29 1055 N [RpRA mn ur Schriftleitung: neh

Dr. Walter Forster

| VERLAG J. PFEIFFER MÜNCHEN

1 ei Inhalt Seite Bachmaier, Franz: Ein neuer Wirt von Belaspidia obscura Masi (Hym.,

Chalcideidea) N 41 Rilek, Alois: Das bisher unbekannte Männchen von a Be

freyi Bilek 1954 (Odon.) DER 99 : Der erste Fall von Hybridisation bei Libellen. Ein Anax-Hybrid

ERENS R 115 Buhr, Herbert: Minierfliegen als Gallenerzeuger 1 Burmann, Karl: Ein kleiner Beitrag zur Kenntnis der Lebensweise der

Raupen von Acasis (Lobophora) appensata Ev. (Lepidoptera, Geome-

tridae) 23- Daniel, Franz: Probleme bei oberbayerischen Zygaena transalpina-Formen

(Lep. Het.) 49 ———: Ein Beitrag zur Lepidopterenfauna Steiermarks 73 Fischer, Richard: Beitrag zur Verbreitung von Larentia lugdunaria H.

Sch. (Geom.) 35 Forster, Walter: Ernst Pfeiffer DR Er 2 WS PER > ———: Melitaea (Mellicta) parthenie Borkh. (= aurelia Nick.) in Süd-

bayern. (Lep. Nymphal.) 88 Harz, Kurt: Das Trommeln der Eichenschrecke Meconema thalassinum De

Geer (Orthoptera, Ensifera) 91 Horion, Ad.: Aites und Neues über Stenus Kiesenwetteri Rosh. (Coi.,

Staphylinidae) 17 Kühlhorn,Friedrich: ERferSuchnnEnn über die Fangmethodik einiger

\MASsserWwäanzen ie ee a re Merz 1,.13,.20, 30, 455.56 Linke, Max: Einige interessante Käferfunde aus der Umgebung von Berch-

tesgaden. an, TR 8: See 105 Menhofer, Herbert: Inferpesäette Falterfunde in Nase . Beitrag 120 Moucha, J.: Zur Verbreitung von Phytometra zosimi Hb. in Mitteleuropa.

(Lep., Phalaenidae) 113 Müller, Anna: Beobachtungen an Harpalus (Ophonus) obscurus F. 63 Pfister, Hermann: Autobahn und Schmetterlinge. x) ——: Sonderlinge, Einzelgänger und Wandervögel (Lepidoptera) 69 Pröse, Herbert: Bemerkungen zu den ..Dualspecies‘' bei den Lepidopteren,

erläutert am Beispiel Pyrgus armoricanus Obth.-alveus Hbn. (Hespe-

riidae) Ex Jet ee a ee 5) Schadewald, Gerhard: Aus dem Leben der Schmetterlinge. 1. | —— —: Lichtfang 75 —: Köderfang 1953 a Ve NR: MEERE... 52,5 Schätz, Willi: Beobachtungen an Psyche viciella Schiff. de Psychi-

dae). no, San Seen Se 102, 107, 118

Im

k Seite 1 Schmidt, Günther: Bemerkungen über Evodinus interrogationis L. und Es ; Beschreibung von’ vier. neuen; Formen. = 2. rn. en. ne 29 } Schmütterer, H.: Bemerkenswerte Schildlausfunde in Süd- und Süd- $ westdenischland „(Homopt.,.Gogcoiden). Ay: ner aan 98 2 Wagner, Hans: Ergänzungen zu Josef Wolfsbergers Bemerkungen zu

meinem Aufsatz „Harmodia tephroleuca Bsd. und Rhyacia castanea f. cerasina Frr.‘“ und über einige neue Falterfunde im Kochelsee-

& N NE ee TE SSR _ Witzgall, Konrad: Beachtenswerte Koleopterenfunde aus Südbayern und den angrenzenden Kalkalpen. ee N a ne Ai Wolfsberger, Josef: Bemerkungen zum Aufsatz „‚Harmodia tephroleuca Bsd. und Rhyacia castanea f. cerasina Frr. in den bayerischen Vor-

3 alpen‘ von Hans Wagner. N EN N RE a a ———: Wanderfalterbeobachtungen 1954 in Südbayern . . . .2.0...26 ———: Neue Fundorte von Chloridea (Heliothis) maritima bulgarica Drdt. ir TIRMNIIITETEHROPAR TBEpr,- NOGt-) na ee ee en a re 29T B —— —: Ist Elaphria (Caradrina) gilva Donz. im südbayerischen Flachland A EmErbogenständigenArte (Dep= Nocb) 2. 2.2.20: 22 2:17 207.0.005109 Zir negieht, Beihar: Zur Rrage. Lycoata Knw: (Hym.) . ... %.......2...068 we: /Über ‘die Gattung Fenusa Leach. . . *. 2... 202 22093

Kleine Mitteilungen:

Freude, Heinz: Bemerkenswerte Geschmacksverirrung von Feldheu-

schrecken N ee kr ee a ze h Aaeie 6 Harz, Kurt: Die Eiablage der Westlichen Beißschrecke Platycleis denti- eulata@dentieslata Panzı (Orthoptera,- Ensifera) . x. ...". 2....82

Pe 2. Die Eiablage der Waldgrille Nemobius sylvestris Bose (Orthopiera, Ensifera) U ER De er a ee

Schätz, Willi: Larentia lugdunaria H. S. neu für Bayern

——— : Nachtrag zu Larentia lugdunaria H. S. neu für Bayern . . .. HH

Buchbesprechungen :

Blaschke, Paul: Raupenkalender für das mitteleuropäische Fawnengebiet 72 Brohmer, Paul: Fauna von Deutschland. 7. Aufl. 7 = Döring; Ewald: Zur Morphologie der Schmetterlingseier . . . . . 128 Engelhardt, Wolfgang: Naturschutz . .. 22 »2.2:20.2. 000. T ©, ———: Was lebt in Tümpel, Bach und Weiher? . . ... ...... 0.11 Bee Shlellmuthz, Prozessionsspinner” =. ...: 7... 2ER... 32

Gates Clarke, J. F.: Catalogue of the Type Specimens of Microlepido- ptera in the British Museum (Natural History) described by Edward Diener MONTE Fre De ee ee a 12R

Bee rlorse:-Die Eintagsfliegen u... cn... sel

Keilbach, Rolf: Goldaugen, Schwebfliegen und Marienkäfer Mell, Richard: Der Seidenspinner. 2. Aufl.

Müller, F. P.: Blattläuse :

Nolte, Hans-Werner: Käfer bedrohen den Raps

Schmidt, Hans: Holzinsekten. 2. Aufl. ee Sedlag, Ullrich: Hautflügler 11. < Weber, Hermann: Grundriß der ee 3. Aufl. 1 8 Jahrbuch des Vereins zum Schutze der Alpenpflanzen und Tiere ‘3 Aus der Münchner Entomologischen Gesellschaft: 3 nn 8,16, 5D,0A0 AR, GE Personalnachrichten : 15; 80°

Neubeschreibungen:

Odonata:

Agrion (= Coenagrion) freyi Bilek 5'

Lepidoptera :

Apamea platinea Tr. franconiae Menhofer ssp. n. Be; RN flavens Menhofer ab. n

Selenephera lunigera Esp. contracta Menhofer ab. n.

Coleoptera :

Evodinus interrogationis L. margineocellatus G. Schmidt ab. n.

Rn N marginelunulatus G. Schmidt ab. n. 55 > discofasciatus G. Schmidt ab. n. er semiobsceurus G. Schmidt ab. n.

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NACHRICHTENBLATT

der Bayerischen Entomologen

Herausgegeben von der Münchner Entomologischen Gesellschaft Schriftleitung: Dr. Walter Forster, München 38, Menzinger Straße 67 Postscheckkonto der Münchner Entomolog, Gesellschaft: München Nr. 31569 Verlag: J. Pfeiffer, München

4. Jahrgang _ 15. Januar 1955 Nr. 1

Untersuchungen über die Fangmethodik einiger Wasserwanzen

Von Friedrich Kühlhorn

Anläßlich meiner durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft geför- derten Arbeiten über die Anophelen Bayerns ergab sich u. a. die Not- wendigkeit, die wichtigsten Vertreter der Beifauna der Brutgewässer bezüglich ihrer etwaigen Feindbedeutung für die Anopheleslarven durch Freilandbeobachtungen und Laborversuche einer Prüfung zu unterzie- hen. Neben einer Reihe von Tierarten aus verschiedenen Gruppen schei- nen nach den bisher gewonnenen Ergebnissen raubende Wasserwanzen eine gewisse Rolle als Anophelesfeinde spielen zu können, wie Freiland- feststellungen und Versuche andeuteten.

Nach der Art des Beuteerwerbes lassen sich bei den carnivoren Was- serwanzen 2 Typen unterscheiden, die als Schwimmjäger und Lauerjäger bezeichnet werden. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, daß diese Typen bezüglich ihrer Fangmethodik kein starres, völlig einseitiges Ver- halten zeigen, sondern in abgeschwächtem Maße auch gelegentlich die Raubweise der anderen Kategorie annehmen können.

Die Schwimmjäger, zu denen z. B. Notonecta,.der Rückenschwimmer, und Plea, der Zwergrückenschwimmer, zu rechnen sind, zeichnen sich dadurch aus, daß sie nicht nur lauernd auf ein Opfer warten, sondern aktiv nach Beute suchen und diese bei Fluchtversuchen auch häufig ver- folgen, sofern sie nicht durch irgendwelche andere Erscheinungen abge- lenkt werden.

Die Lauerjäger, zu denen unter den Wasserwanzen Ranatra und Nepa zu zählen sind, versuchen dagegen vorwiegend, sich an ihrem Standort vorbeibewegende Beutetiere mit ihren stets fangbereit gehaltenen Vor- derextremitäten zu ergreifen und dann zu überwältigen. Sie verfolgen zwar manchmal ein ihnen entgangenes Individuum langsam auf eine kurze Strecke hin, geben aber bald ihre Bemühungen auf und nehmen ruhig sitzend wieder die Fangstellung ein. Gelegentlich ist auch ein gemächlich wanderndes Suchen nach Beute zu beobachten, bei dem aber nie die Gewandtheit der Schwimmjäger entwickelt wird. Meist hat man den Eindruck, daß dieses Umherwandern nur das Aufsuchen eines neuen ergiebigeren Fangplatzes bezweckt oder aber durch eine Beun-

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2

ruhigung hervorgerufen wurde. Beide Typen sind nicht nur durch ihre Jagdmethode, sondern durch diese im wesentlichen bedingenden bio- logisch-anatomischen Verhältnisse unterschieden, auf die hier nicht

näher eingegangen werden soll (vergl. dazu H. Weber 1954).

Bei der Kontrolle von mehr als 200 Gewässern hatte ich während der letzten Jahre mehrfach Gelegenheit, Notonecta, Plea und Ranatra beim Beuteerwerb im Freiland zu beobachten. Doch gestatteten der meist un- günstige Sichtwinkel und andere Dinge vielfach keine genaue Verfol- gung des Erbeutungs- und Freßvorganges. Deshalb wurden Wasserwan- zen der verschiedenen Raubtypen mit solchen Vertretern der Beifauna ihres Herkunftsgewässers im Labor zusammengesetzt, die ihnen nach meinen Feststellungen auch dort als Beute dienen. Die Versuche erfolgten mit Notonecta in Schalen mit den Abmessungen 23x24,5 cm und 5,5 cm Tiefe und mit Plea in Gefäßen vom Format 22x16 cm bei 4,5 cm Tiefe. Die Versuchsschalen enthielten stets schwimmende Vertreter der Bei- flora des Ursprungsgewässers, um vor allem den Lauerjägern ausrei- chende Deckungsmöglichkeiten zu bieten.

Die Raubnatur der in dieser Arbeit behandelten Wanzen ist selbst- verständlich schon seit langem bekannt. Es fehlt aber an Darstellungen, welche die Fang- und Freßweise auf Grund eines größeren Beobach- tungsmaterials im einzelnen schildern.

Wenn auch die einzelnen Gattungen im Grundprinzip bei der Jagd immer nach einer mehr oder weniger gleichen Methodik verfahren, er- geben sich doch auch nicht selten Abweichungen, die sich aus der je- weiligen Lage zwischen Räuber und Beute entwickeln. Ein Überblick über die verschiedenen Verhaltensweisen innerhalb der Gattung ist deshalb am besten durch die Schilderung von ausgewählten Einzelbeobachtungen zu gewinnen, die auf Grund meiner Tagebuchaufzeichnungen aus den letzten Jahren nachstehend gegeben werden sollen.

A. Schwimmjäger Notonecta glauca L.

Die Jagdmethodik besteht bei Notonecta vornehmlich darin, sich lau- ernd am Wasserspiegel „hängend“ aufzuhalten, um sich dann mit schnel- len Schwimmstößen auf ein sich vorbeibewegendes Beutetier zu stürzen, dem, einmal ergriffen, ein Entkommen kaum möglich ist, weil die Innen- seite der aus Schenkel und Schienen gebildeten Zange der Raubbeine mit starken Borsten besetzt ist (vergl. hierzu H. Weber 1929 Fig. 7b). Da- neben kann man den Rückenschwimmer auch nicht selten auf der Unter- wassersuchjagd auf Insekten beobachten. Wie schon erwähnt, lassen sol- che Freilandbeobachtungen in der Regel die Einzelphasen des Fang- und Freßablaufes nicht genau erkennen. Einige nachstehend angeführte Ver- suchsergebnisse geben einen Einblick in das dabei geübte Verhalten des Räubers.

1. Notonecta wurde mit einer Zygopteren- und einer Anisopterenlarve zusammengebracht.

Nach 10 Minuten stürzte sich der Räuber auf die sich bedächtig am Boden des Versuchsgefäßes bewegende Somatochlora-Larve und packte sie mit Vorder- und Mittelbeinen zugleich in der Weise, daß die Larve quer vor die Wasserwanze zu liegen kam. Dann suchte Noto- necta wieder den Wasserspiegel auf, „hing“ sich mit den Hinter-

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3

extremitäten und dem Abdomen an und begann, die Larvenoberfläche mit dem Rüssel nach einer für den Einstich geeigneten Stelle abzu- tasten. Dabei wurde der Körper des Opfers unter Mithilfe der Mittel- beine so lange herumgedreht, bis eine günstige Einstichmöglichkeit gefunden war. Während des zweieinhalbstündigen Aussaugevorganges hing der Räuber mit dem Abdomen an der Wasseroberfläche und streckte die Hinterbeine über diese hinaus.

2. Eine Notonecta wurde mit 2 Hydroporus erythrocephalus L. zu- sammengebracht. Die Käfer schwammen verhältnismäßig langsam futtersuchend in Bodennähe umher. Als einer in die Nähe des Rücken- schwimmers kam, verließ dieser seinen Dauerplatz an der Wasserober- fläche und bewegte sich mit schnellen Schwimmstößen auf Hydro- porus zu. Dieser erkannte die Gefahr und konnte dem Räuber im Was- serpflanzengewirr entgehen. Nach einiger Zeit wagte er sich bei wei- terer Futtersuche an eine pflanzenfreie Stelle und wurde sofort von der wieder am Wasserspiegel befindlichen Wanze entdeckt und um- gehend verfolgt. Diesmal gelang die Flucht nicht. Notonecta griff mit dem einen Vorderbein zu und konnte sein Opfer trotz der glatten, ge- wölbten Flügeldecken so lange halten, bis die andere Vorderextremität und die Mittelbeine die Umklammerung vollendeten. Das Suchen einer Einstichstelle benötigte längere Zeit, weil zunächst erfolglose Ver- suche in der Flügeldeckenregion vorgenommen wurden. Beim Abtasten gelangte der suchende Rüssel schließlich auf die weniger Widerstand bietende Ventralseite der Abdomenspitze und bohrte sich ein. Das Auffinden der zum Einstich geeigneten Stelle erfolgte somit nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum.

Im Gegensatz zu der großen Aktivität hungriger Rückensch wimmer Re ‚gen gesättigte Tiere mitunter eine erstaunlich geringe Reaktion beim Nahen von Beute und durch letztere herbeigeführte direkte Berührungen zu zeigen. Hierfür einige Beispiele:

3. Eine Notonecta, die in den vergangenen Tagen mehrere Käfer ausge- sogen hatte, wurde erneut mit einigen Dytisciden zusammengesetzt. Die Wanze „hing“ in der üblichen Weise an der Wasserfläche auf Beobachtungsposten. Langsam schwimmend nahte sich ein Käfer, der sich schließlich die dem Wasserspiegel zugekehrte Ventralfläche des Abdomens des Räubers als Ruheplatz aussuchte und dort etwa eine Minute lang verweilte, ohne daß die Notonecta Notiz davon nahm.

4. In einem anderen Falle handelte es sich um das Zusammentreffen einer wohl ziemlich gesättigten Notonecta mit einem ca. 7 mm langen Aga- bus sturmi Gyli. Der Schwimmkäfer bewegte sich kurz vor der Hang- stelle des Rückenschwimmers gegen die Wasseroberfläc he zu. Der Räu- ber versuchte die Beute aus seiner „hängenden“ Beobachtungsstellung heraus mit den Vorderbeinen zu ergreifen. Dieser Fangversuch miß- lang, und die Wanze machte keinerlei Anstalten zur Verfolgung, wie meist im Freiland und im Versuch zu beobachten war.

Daraufhin dirigierte ich den nahrungssuchend herumschwimmen - den Käfer vorsichtig unter die Notonecta, ein Vorgang, der von seiten des Räubers keinerlei Beachtung fand. Selbst als der Käfer wie im oben geschilderten Falle das Abdomen des Rückenschwimmers be- stieg und sich dort kurze Zeit aufhielt, zeigte die Raubwanze keiner- lei Reaktion. Schließlich entfernte sich Agabus gemächlich schwim-

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mend, ohne verfolgt zu werden, schräg nach unten gegen den Boden des Versuchsgefäßes zu.

5. In einem anderen Versuch wurden 2 Notonecta glauca L., die schon 4 Tage ohne Nahrung gehalten worden waren, mit einer 3,5 cm langen Larve von Triturus vulgaris zusammengebracht. Bald nach dem Ein- setzen versuchten die Rückenschwimmer die Molchlarve zu überwäl- tigen, was von dieser aber durch Abwehrbewegungen und anschlie- ßende Flucht verhindert werden konnte. Am nächsten Tage griffen sich die beiden Rückenschwimmer gegenseitig erfolglos an. Hierzu sei bemerkt, daß sich außer der einen Molchlarve keine als Beute geeig- nete Tiere im Versuchsgefäß befanden.

Entsprechende Versuche wurden mit Anophelenlarven angestellt, die von Notonecta als Beutetiere nicht verschmäht werden. Da die Ver- suchsergebnisse nichts Besonderes bezüglich der Fang- und Freißmethodik zeigten, soll hier nicht weiter darauf eingegangen werden.

Diese mehr orientierenden Versuche vermögen natürlich noch kein vellständiges Bild von der Fangmethodik des Rückenschwimmers zu ent- werfen. Doch geben sie interessante Hinweise auf das Verhalten der Art bei der Jagd, deren Einzelphasen noch weitere ergänzende Ermittlun- gen im Freiland und Versuch bedürfen.

Beachtenswert war die verschiedentlich bei Versuchsanordnungen mit Käfern als Beutetiere zu machende Beobachtung, dafs Notonecta nur bei günstiger Lage des Objektes mit dem Rüssel z. B. an der Ventralseite des Abdomens schnell geeignete Einstichstellen fand. Waren dagegen durch die Art des Festhaltens der Beute die Flügeldecken dem Rüssel zugekehrt, wurde in den meisten Fällen versucht, diesen hier einzuboh- ren. Dem Rückenschwimmer scheinen demnach wenn man Labor- ergebnissen überhaupt eine gewisse Allgemeingültigkeit zubilligen darf die „schwachen“ Stellen seines Opfers nicht von vornherein bekannt zu sein und erst durch Versuch und Irrtum aufgefunden zu werden.

Wenn auch nicht direkt zum Thema gehörig, soll hier noch erwähnt werden, daß die Gewichte der Gesamtpopulation (23 Individuen) eines Grundwassertümpels bei Olching (Fang vom 21. 10. 1951) zwischen 0,130 und 0,215 g (eine gesonderte Feststellung der Männchen- und Weibchen gewichte war aus zeitlichen Gründen nicht möglich) schwankten. Diese Gewichtsermittlung verfolgte den Zweck, Unterlagenmaterial zum Pro- blem des Gewichtsverhältnisses zwischen Räuber und Beute zu geben. Gewichte von Nahrungstieren wurden bisher nur in Einzelfällen genom- men. Als Beispiel dafür erwähne ich eine 0,8 cm lange, 0,047 g schwere Somatochlora-Larve, die im Versuch von einer 1,5 cm langen, 0,215 g schweren Notonecta ausgesogen wurde. Es handelte sich hierbei aber keineswegs um die größte Beute, die bei den Laborversuchen von einem Rückenschwimmer überwältigt und ausgesogen wurde.

(Fortsetzung folgt.)

Schrifttum Weber, H.: Hemiptera in: Schulze, Biologie der Tiere Deutschlands. 1929/32. Weber, H.: Grundriß der Insektenkunde. Stuttgart 1954.

Anschrift des Verfassers:

Dr. Friedrich Kühlhorn, München 38, Menzinger Straße 67.

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5)

Bemerkungen zum Aufsatz „Harmodia tephroieuca Bsd. und Rhyacia castanea f. cerasina Frr. in den bayerischen Voralpen‘“ von Hans Wagner

Von -losef Wolfsberger

Herr Dr. Hans Wagner, Kochel, berichtet in Nr. 5, 1954, dieser Zeitschrift über das Vorkommen von Harmodia tephroleuca Bsd., Rhy- acia castanea Esp. und anderen Arten in den bayerischen Voralpen. So sehr diese Arbeit auf Grund mehrerer bemerkenswerter Funde und an- derer Hinweise zu begrüßen ist, halte ich es aber doch für notwendig, auf einige Fehlschlüsse hinzuweisen, bzw. diese richtigzustellen, da sonst ein falsches Bild über die Verbreitung dieser Arten in Südbayern ent- stehen könnte.

Auf Grund vieljähriger Beobachtungen kommt Wagner in seinem Aufsatz zu dem Schluß, daß eine Reihe der angeführten Falter durch die Föhnfaliwinde, die aus der Höhenschlucht zwischen Herzogstand und Jochberg herabstürzen, in tiefere Lagen gedrückt und dann von den Lichtquellen angezogen werden. Er hält es für sehr wahrscheinlich, daß diese Tiere durch die Seefelder-Einfalls-Pforte des Föhnzuges aus süd- licheren Gegenden in das Tal von Kochel gelangten. Ich kann mich die- ser Ansicht nicht anschließen, jedenfalls nicht für die von Wagner er- wähnten Arten, da sie alle in den bayerischen Alpen und dessen Vorland Lebensräume besitzen und z. T. als weit verbreitet nachgewiesen werden konnten, wenn man von den beiden Wanderfalter-Arten Sideridis vitel- lina Hb. und Melicleptria scutosa Schiff. absieht. Für Falterwanderungen mag die von Wagner aufgestellte Theorie vielleicht eine gewisse Gül- tigkeit haben, obwohl ein gehäuftes Auftreten von Wanderern in den Föhngebieten Südbayerns bisher noch nicht beobachtet wurde.

Für die alpinen Arten Rhyacia musiva Hb., helvetina B., Harmodia tephroleuca Bsd., Crymodes rubrirena Tr., Dasypolia templi alpina Rghfr. und Syngrapha ain Hochw. kann ein Zufliegen von etwas höher gelegenen Wohnstätten angenommen werden, obgleich musiva, helvetina und rubrirena im Gebiet der Chiemgauer und Berchtesgadener Alpen an mehreren Stellen in der Talsohle (also bei etwa 600 m Seehöhe) ge- funden wurden. Ich glaube aber, daß die Gründe des Zufliegens dann weniger dem Föhneinfluß zuzuschreiben sind, als vielmehr den enormen Lichtquellen, die diese Gebirgsorte heute ausstrahlen. Die Feststellung von ausgesprochen hochalpinen Arten in den Städten Innsbruck und Bozen sprechen sehr dafür. Die von Wagner erwähnten Arten können keinesfalls als hochalpin bezeichnet werden, denn sie alle bewohnen auch die tieferen Tallagen, wenn die von ihnen beanspruchten Lebensräume vorhanden sind, und ich zweifle nicht daran, daß dies im Gebiet um Kochel der Fall ist.

Dasypolia templi alpina Rghfr. scheint ebenfalls nicht ausschließlich auf höhere Lagen beschränkt zu sein, denn die Raupe wurde wiederholt im Tiroler Inntal und anderen Gebirgstälern zwischen 550 und 700 m Seehöhe in den Stengeln des Bärenklau (Heracleum sphondylium L.) festgestellt. Das Vorkommen von templi in der Talsohle von Kochel ist deshalb nicht so überraschend, faunistisch aber erwähnenswert, da die Art in den bayerischen Alpen bisher wenig beobachtet wurde.

Zu Syngrapha ain Hochw. bemerkt Wagner: „Nächstes Lärchen- vorkommen Seefeld i. Tirol.‘ Er vermutet deshalb offensichtlich ein Zu-

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fliegen aus den Lärchengebieten bei Seefeld. Auch diese Annahme halte ich für abwegig. Die Lärche (Lariz decidua Mill.) ist nach Vollmann, Flora von Bayern, im ganzen Zuge der bayerischen Alpen vom Bodensee bis Salzburg verbreitet. In den Allgäuer Alpen ist sie selten, östlich der Loisach nimmt die Verbreitung ständig zu. Außerdem wurde die Lärche in den letzten Jahrzehnten an vielen Orten kultiviert, so sicher auch in den Gärten von Kochel. In den Berggebieten um den Schliersee, deren Höhenzüge bis auf wenige Ausnahmen bis zu den Gipfeln bewaldet sind, finden sich ebenfalls nur ganz lokal einzelne Lärchen. Diese kleinen Be- stände aber genügen, der Syngrapha ain die notwendigen Lebensbedin- gungen zu sichern, denn der Falter wurde dort seit dem Jahre 1918 wie- derholt an mehreren Orten und zu verschiedenen Zeiten festgestellt. Ähnliche Beobachtungen liegen mir vor vom Hochrißgebiet im Chiem- gau 800 m, Hammer bei Siegsdorf 700 m, Bergen bei Traunstein 600 m usw. Nach diesen Feststellungen ist anzunehmen, daß es sich bei dem _ Vorkommen in Kochel ebenfalls um ortstreue Populationen handelt. Wie schnell die Besiedelung kultivierter Bäume und Sträucher, oft weit ab von ihren ursprünglichen Standorten, vor sich gehen kann, zeigt folgen- des Beispiel sehr deutlich: Der gemeine Wacholder (Juniperus-commu- nis L.) wächst im südbayerischen Flachland nur lokal auf trockenen Hü- geln und Heideflächen. Während der letzten Jahrzehnte wurde er nun in zunehmendem Maße in den Vorstadtsiedlungen von München (sicher auch anderen Orten) in Gärten und Anlagen als Zierstrauch angepflanzt. Seit dieser Zeit wird dort das Vorkommen der ausschließlich an Wa- cholder gebundenen Großschmetterlinge Cidaria juniperata L., Eupithe- cia helveticaria arceuthata Frr. und sobrinata Hb. beobachtet, obwohl die Futterpflanze früher fehlte. Die Populationsdichte dieser drei Ar- ten scheint sich aber noch ständig zu vergrößern. Von ähnlichen Beob- achtungen wurde mir von Herrn Pröse aus Hof an der Saale berichtet.

Fortsetzung folgt

Kleine Mitteilungen

38. Bemerkenswerte Geschmacksverirrung von Feldheuschrecken.

Am 7. XI. 1954 unternahmen wir einen Sonntagsausflug in den Forstenrieder Park. Bei herrlich warmem Sonnenschein rasteten wir an dem bekannten Eichen- platz westlich des Holzhackerhauses an der Olympiastraße. Das Insektenleben war zwar auf wenige Arten beschränkt, diese aber dafür in großer Individuen- zahl vertreten. Man sah noch Dipteren, vor allem eine Tipulidenart, und Feld- heuschrecken in Menge. Meine Frau hatte der Wärme wegen ihren neuen Winter- mantel ausgezogen und mit der Futterseite nach oben ins Gras gelegt. Das grün- schwarze Kunstseidenfutter schien die Heuschrecken in besonderem Maße an- zuziehen, denn es setzte sich eine größere Anzahl dieser grotesken Gesellen dar- auf und schien sich ganz ruhig zu verhalten. Wir ließen diese harmlosen Tier- chen ruhig gewähren. Als wir aber dann aufbrachen und meine Frau ihren Mantel anziehen wollte, mußten wir feststellen, daß das Futter längs der Nähte und be- sonders an gekanteten Falten vollständig abgeknappert war. Eine solche Ge- schmacksverirrung dieser Acridide, die sich wegen der gekeulten Fühler als zur Gatiung Gomphocerus gehörig erwiesen Aöropus war nicht vertreten —, hätte ich nie für möglich gehalten. Es schien mir geraten, diesen merkwürdigen Fall zu veröffentlichen, nicht zuletzt als Warnung an die Kollegenfrauen.

Heinz Freude.

- \

39. Larentia lugdunaria HS., neu für Bayern.

Im Jahre 1954 besuchte ich mehrmals einen Kalkberg etwa 6 km nördlich von Straubing. Es ist ein sehr warmer Südhang, etwa zur Hälfte mit Mischwald be-

_ deckt. An den Waldrändern findet sich allerlei Gebüsch, u. a. Schlehen, Espen,

Salweiden, Himbeeren, Brombeeren und Heckenrosen. An vielen Stellen wachsen

allerlei Arten von Ginster und Klee. Ein Großteil des Hanges und auch des Berg- rückens zeigt eine kurze Grasnarbe. Der Fuß des Hanges läuft in feuchte Wie-

sen aus.

Da ich hauptsächlich Widderchen und Bläulinge sammeln wollte, schenkte ich anderen Arten wenig Beachtung. Einzelne mir nicht bekannte Falter habe ich aber doch mitgenommen. in der 2. Julihälfte (17. 7. 2. 8.) sah ich mehrmals Spanner fliegen, die ich für Larentia alchemillata L. hielt. Aber sie kamen mir etwas groß vor, und auch die Zeichnung ließ in mir Zweifel aufsteigen, ob es wirklich diese Art sei.

Herr Wolfsberger an der Zoolog. Staatssammlung in München bestimmte ein eingesandtes Stück als Lar. lugdunaria HS.

Da der Fundort nördlich der Donau liegt, meldete ich die Art Herrn Studien- rat Menhofer in Erlangen, der mir kurz darauf mitteilte, daß die Art wenig- stens für Bayern neu sei. Ob aus Deutschland Fundorte nachgewiesen sind, ließ sich wegen der arg verstreuten Literatur bis jetzt noch nicht feststellen. Lar. lug- dunaria HS. ist bisher vor allem aus Niederösterreich, Ungarn und Bosnien be- kannt.

Im nächsten Jahr werde ich die Art besonders beachten und hoffe, dann mehr Angaben darüber machen zu können.

Herrn Wolfsberger und Herrn Stud.-Rat Menhofer sei für ihre Freund- lichkeit herzlich gedankt.

Willi Schätz, Paitzkofen bei Straubing.

Buchbesprechungen:

Brohmer Paul, Fauna von Deutschland. Ein Bestimmungsbuch unserer heimischen Tierwelt. 7. verbesserte Auflage. 8°. XII, 592 Seiten. 1283 Abbildungen im Text und auf 19 Tafeln. Veriag Quelle und Meyer, Heidelberg 1953. Preis gebunden 19,— DM.

Schon wieder ist eine neue Auflage des „‚Brohmer‘‘ erschienen, ein Beweis für den Wert und die Beliebtheit dieses bekannten Bestimmungsbuches. Gegenüber der letzten Auflage sind wesentliche Verbesserungen und Erweiterungen festzu- stellen. So wurden z. B. die Tardigraden (Bärtierchen) völlig neu bearbeitet und

eine ausführliche Tabelle zur Bestimmung der Säugetierschädel gegeben, wodurch

einem bisher bestehenden Mangel auf glücklichste Weise abgeholfen wird. Im Insektenteil sind keine wesentlichen Änderungen erfolgt. Die Zahl der Abbildun- gen wurde vermehrt und eine neue, den Zikaden gewidmete Tafel eingefügt. Das äußere Gewand, Druck und Papier sind wieder erfreulich gut. Der Preis ist an-

gemessen und dürfte der weiten Verbreitung des Buches kein Hindernis sein. WB:

Engelhardt Woifgang, Naturschutz. Seine wichtigsten Grundlagen und Forde- rungen. 8°. 65 Seiten. 36 Abbildungen. Bayerischer Schulbuchverlag, München 1954. Preis kart. 2,60 DM.

Naturschutz ist keine Angelegenheit wirklichkeitsfremder Schwärmer und Idea- listen, vielmehr eine an die Grundlagen unseres Lebens rührende Frage, die in irgendeiner Form letztlich jeden von uns angeht. Diese Erkenntnis schon unserer Schuljugend nahezubringen ist der Zweck des vorliegenden Büchleins, das vor- nehmlich für den Unterricht in den Schulen bestimmt ist. In knapper und klarer Darstellung werden alle wesentlichen Punkte des modernen Naturschutzes und seiner Probleme behandelt, wobei die Notwendigkeit der Erhaltung und Wieder-

8

herstellung einer gesunden und harmonischen Landschaft gerade auch im Hin- blick auf die zukünftige wirtschaftliche Nutzung und die kulturelle Entwicklung mit Recht stark betont wird. Als Anhang wird ein Überblick über die Organi- sation des Naturschutzes in der Bundesrepublik gegeben und die für die All- gemeinheit wichtigsten Naturschutzbestimmungen gebracht. Die guten Abbildun- gen unterstützen den Text aufs beste. Das Büchlein sei wärmstens empfohlen, der geringe Preis wird zur weiten Verbreitung beitragen. wi

Weber Hermann, Grundriß der Insektenkunde. 3. überarbeitete Auflage. 8%. XI, 428 Seiten. 220 Abbildungen im Text. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart 1954. Preis geb. 26,50 DM.

In wesentlich erweiterter Gestalt liegt der „Grundriß‘‘ nun in dritter Auflage vor, begrüßt von den Entomologen aller Arbeitsrichtungen, für die dies Werk schon lange unentbehrlich ist. In der von den früheren Auflagen her bereits ge- wohnten knappen und klaren Art der Darstellung bringt auch diese neue Auf- lage einen ungeheuren Stoff auf verhältnismäßig engem Raum und vermittelt einen vollständigen Überblick über den derzeitigen Stand unserer Kenntnisse auf dem Gebiete der Entomologie. Nahezu sämtliche Abschnitte wurden gegenüber der 2. Auflage erweitert oder neu abgefaßt, wie z. B. die Kapitel über die Sinnesorgane, Nervensystem, endokrines System und Verhalten, über die Jugend- entwicklung oder den Massenwechsel. Der „‚Grundriß‘“ ist in der Fachwelt bereits so sehr zum Begriff geworden, daß er keiner besonderen Empfehlung mehr be- darf, er ist für den Studenten in gleicher Weise unentbehrlich, wie für den beruf- lich tätigen Fachentomologen oder diejenigen Freunde der Insektenkunde, die sich bemühen, tiefer in die Probleme ihrer Liebhaberei einzudringen. Sehr ange- nehm fällt im Vergleich zur 2. Auflage die gute Ausstattung des Buches auf, wo- für dem Verlag gedankt sei. Obgleich der „‚Grundriß‘‘ ja im Laufe der Zeit selbst schon beinahe zum Lehrbuch geworden ist, möchte der Referent doch der Hoff- nung Ausdruck geben, daß auch das Lehrbuch des gleichen Verfassers recht bald wieder erscheinen möge. N

Aus der Münchner Entomologischen Gesellschaft e.V.

Sitzung am 13. Dezember 1954. Vorsitz: Professor Dr. h. ce. F. Skell. Anwesend: 35 Mitglieder, 5 Gäste. Unter starker Beteiligung fand die traditionelle Weihnachtsverlosung von In- sekten statt, deren Durchführung infolge der reichen Stiftungen von Insekten- material aus den Kreisen der Mitglieder ermöglicht wurde.

Einladung.

Die Ordentliche Mitgliederversammlung findet am 24. Januar, 20 Uhr, im Hotel „Wolff‘‘, Arnulfstraße, statt.

Tagesordnung:

. Jahresbericht

. Kassenbericht

. Haushalt 1955

. Wahl der Vorstandschaft . Anträge der Mitglieder.

Anträge der Mitglieder für die Mitgliederversammlung wollen bis spätestens 20. Januar 1955 beim Ersten Vorsitzenden, Herrn Prof. Dr. h. c. Fritz Skell, Diessen a. Ammersee, Johannisstraße 33, eingereicht werden.

Die Mitglieder des Ausschusses treffen sich um 18 Uhr zur Vorbesprechung.

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Die Schriftleitung der Hefte Nr. 1—8 des Jahrganges 3, 1954, wurde von Herrn Franz Daniel besorgt, ab Nr. 9 dieses Jahrganges hat Herr Dr. Walter Forster die Schriftleitung wieder übernommen.

NACHRICHTENBLATT

der Bayerischen Entomologen

Herausgegeben von der Münchner Entomologischen Gesellschaft Schriftleitung: Dr. Walter Forster, München 38, Menzinger Straße 67- Postscheckkonto der Münchner Entomolog. Gesellschaft: München Nr. 31569 Verlag: J. Pfeiffer, München

4. Jahrgang 15. Februar 1955 Nr. 2

Autobahn und Schmetterlinge

Von Hermann Pfister

Nach einer Autobahnreise von München nach Hof läßt sich bes:enfalls bei Glatteis viel sagen und das, Gott sei Dank, nur manchmal. Auch den Naturfreund kann die von einigen Stellen abgesehen mäßig hinreißßende Gegend, durch die uns unsere Fahrt führt, nur unier be- sonderen Umständen (honni soit, qui mal y pense) begeistern. Wie so oft in der Welt, so steckt auch hier hinter einer rauhen Schale doch ein goldner Kern. Nicht für jeden, aber für den Falterfreund bestimmt. Und zwar gerade an der unscheinbarsten und ödesten Stelle, die die ganze Fahrtstrecke aufzuweisen hat, nämlich an der Autobahnausfahrt nach Erlangen: Eine etwas wellige Sandfläche, reiner gelbbrauner Sand, der durch die Finger rieselt, ohne sie schmutzig zu machen mit wenig Be- wuchs von verstreuten kleinen, schwachen Föhren, etwas Ginster, Brom- beeren, blauen harten Gräsern, ein paar Birken und Eichenbüschen, Ja- sione, Heidekraut, das ist im wesentlichen alles bis auf ein botanisches Wunder: Hier auf dieser heißen, trockenen, ausgebrannten Sandfläche mit spärlicher, wochenlang im Jahr hart um das letzte Tröpfchen Boden - feuchtigkeit ringender, anspruchsloser Vegetation wächst auch die Sumpfheidelbeere (Dacc. uliginosum). Nur an einer engumschriebenen Stelle zwar (in der Ausfahrtschleife), aber sie ist da. Das glaubt zwar niemand, der die Pflanze kennt, aber sie ist trotzdem da. Aber auch dar- über wollte ich eigentlich gar nicht schreiben, sondern davon, was mein falterfreundliches Auge außer den genannten Pflanzen, vielen Konserven - büchsen, Zigarettenschachteln, Papierfetzen und Sand dort alles gesehen hat. Meine Wege führen mich gelegentlich dort vorbei, und wenn's geht und gerade „Halbzeit“ ist, wird auf eine Stunde Halt gemacht. Und da- bei hat mir dieses scheinbar unliebenswürdige Fleckchen Sand jedesmal neue liebenswürdige Überraschungen serviert und auf Schritt und Tritt entomologische Andenken verehrt: Am freigebigsten in den Monaten Juli und August. Reiche Falterernte liefern die Kiefernzweige: Crambus fas- celinellus Hbn. in vielen Formen von einfarbig zeichnungslos und gelben bis zu dunklen kontrastreichen schwarz und braun gefärbten Stücken, Crambus hamellus Thnbg., eine in Bayern nur auf diesem Platz und 1—2 weiteren nicht weit entfernten Stellen gefundene bis zur Langeweile kon- stanten Art und natürlich Crambus pinellus L., fesch, pikant und farbig, heuer massenhaft, sonst immer einzeln, aber hier hielten sie 1954 ihren Parteitag. Es kann ihnen gar nicht heiß, nicht trocken, nicht sonnig genug sein. Und wenn es so ist, fühlen sie sich am wohlsten. Mein alter Freund, der Spazierstock, scheuchte sie aus dem lockeren Kiefergeäst, sie

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setzten sich auf den glühendheißen Sand ich konnte es haargenau sehen —, ohne mit der Wimper zu zucken. Gelechia continuella Z. viel schöner als meine alpinen Stücke ließ sich nur einmal sehen, das erste Stück, das bisher in Nordbayern gefunden wurde. Grapholicha coniferana Rtzb. liebt die Distanz, sie fand ich nur an einem Baum, dort jedoch mehrfach. Auf nähere Bekanntschaft läßt sich das flinke Biest nur un- gern ein, wie auch Steganoptycha rubiginosana H. Sch. oder Diorycetria mutatella Fuchs. Zwei weitere Gelechiiden: Gelechia interuptella Hbn. und mulinella Z. sind lieber in Natterkopf, Disteln und Ginsterbüschen zu Hause, ebenso wie Psecadia sexpunctella Hbn. und Euzophera fuli- ginosella Hein., Tiere, die ich als Sammler der bayerischen Fauna wegen ihrer Seltenheit besonders schätze. Überhaupt die paar Ginsterbüsche haben es in sich: ihr Stammgast ist ein flottes Tier mit einem ziemlich umfangreichen Kleiderschrank: Fidonia roraria F., ein wirklich gold- echter Stammgast, denn man findet sie von Ende Mai bis tief in den Sep- tember ohne Unterbrechung in mindestens zwei einander die Hand rei- chenden Generationen. Ihre rassige Schwester Fidonia limbaria P. vari- iert wohl viel weniger und hat es gar nicht gerne, gesehen zu werden. Sie war bisher nur einmal da. Nicht ganz so spröde ist die in frühgeschlüpf- ten Stücken irgendwie imponierende Chesias rufata F., die mir in mei- nem Sammlerleben hier zum ersten Mal begegnete. Das interessiert aber nicht besonders. Viel interessanter war auch für mich 1954 ein ausge- sprochener Massenflug von Larentia obeliscata Hbn. an etwa 25jährigen Föhren, die in der Nähe standen. Meine Vorstellungen von der Art mußte ich gründlich ändern: Sowohl in der Intensität der Zeichnung wie der Färbung ist der Falter sehr wandlungsfähig, Abweichungen von der Nor- malform sind jedoch selten. Es gibt neben sehr hellen, orangebräunlichen Stücken Tiere, die fast zeichnungslos graubraun in recht dunkler Tönung sind. Sonstige Spanner an dieser Stelle. die nicht gerade dem überall zu findenden Allerweltsvolk angehören: Pachycnemia hippocastanaria Hbn., Pseudoterpna pruinata Hufn., Gnophos obscuraria Hbn., alle drei häufig, Acidalia muricata Hufn. wesentlich einzelner, Perconia strigillaria Hbn. auch häufig, Rhodostrophia vibicaria Cl.. Ortholita moeniata Sc., teils im Schatten, teils in glühender Sonne, wie auch Coscinia eribrum L., die, wenn sie sich unbeobachtet glaubt, sich mit eng eingerollten Flügeln, einem Papierröllchen nicht unähnlich, an Calluna-Ästchen anpreßt, aber dem geübten Jägerauge von weitem auffällt.

Die einzige Agrotis castanea Esp. meiner in allen möglichen Gegenden Bayerns praktizierten Sammeltätigkeit fand ich hier.

Damit ist eigentlich noch lange nicht alles gesagt, was ich von meiner Autobahnausfahrt bei Erlangen, dem Fleckchen Sand mit Krüppelföhren, dem Ginster, Blaugras, den Konservenbüchsen und Papierfetzen weiß. Es ist sicher auch gar nicht nötig. Ich wollte Ihnen, mein lieber Leser, auch keinen „Fundort interessanter Falterarten verraten, ich wollte nur eines: mich mit Ihnen unterhalten und Ihnen erzählen, was ein ganz an- spruchsloses Stückchen Erde, von uns Menschen übersehen und unbeach- tet, nach den Begriffen unserer Zeit völlig uninteressant, für Geheimnisse hat und daß es dem, der die Freundschaft mit den kleinen Dingen un- serer Welt noch nicht ganz aufgegeben hat, berichten und Freude geben kann,

Anschrift des Verfassers: Hermann Pfister, Hof/Saale, Hermann-Löns-Straße 29.

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Bemerkungen zum Aufsatz „Harmodia tephroleuca Bsd. und Rhyacia castanea T. cerasina Frr. in den bayerischen Voralpen“ von Hans Wagner Von Josef Wolfsberger

Fortsetzung

Was die Feststellung der Harmodia tephroleuca Bsd. in Kochel be- trifft, so handelt es sich hier zweifellos um einen weit nach Osten vor- geschobenen Flugplatz dieser interessanten Art. Dieser Nachweis ist des- halb so bemerkenswert, weil es der bisher östlichste Fundort dieser west- alpinen Art ist. Nach den bisherigen Funden in den Allgäuer Alpen möchte ich annehmen, daß es sich auch in Kochel um eine bodenständige Art handelt. Die von Vorbrodt angegebene Futterpflanze Silene ru- pestris L. (Felsen-Leimkraut) konnte Wagner allerdings noch nicht finden. Nach Vollmann ist sie in den Allgäuer Alpen weit verbreitet und häufig, im Wendelsteingebiet werden ebenfalls Standorte erwähnt. Ich traf 5. rupestris am Miesing und im Bodenschneidgebiet. Es ist sehr wahrscheinlich, daß sie auch in den Bergen um Kochel Standorte be- sitzt. Ob 8. rupestris die ausschließliche Futterpflanze von tephroleuca ist, scheint noch nicht sicher nachgewiesen zu sein, doch ist anzunehmen, daß diese wie alle anderen Arten der Gattung auch in den Blüten an- derer Silene-Arten lebt. H. tephroleuca wurde nun neuerdings auch bei Sonthofen im Allgäu gefangen.

Derthisa scoriacea Esp. vermutet Wagner in den höheren sterilen Schroffenhalden. Auch hier bin ich anderer Ansicht. Alle in Südbayern gemachten Funde liegen in den weit ausgedehnten Moorgebieten des Chiemgaues (Bergen b. Traunstein 600 m, Raiten b. Marquartstein in einem Moorgebiet und am Fuße des Hochriß b. Rosenheim). Für das Heidetier Rhyacia molothina Esp. lagen für Südbayern bisher nur Funde aus den Hochmooren des Chiemgaues vor. Nun erhielt Wagner den Falter mehrfach in Kochel a. Licht. Die Lebensräume sind zweifellos die warmen und trockenen Heidegebiete in unseren Hochmooren. Das Auf- finden beider Arten in Kochel ist doch der beste Beweis für die Richtig- keit meiner Annahme. Außerdem wurde scoriacea in den letzten Jahren in Oberösterreich bei Grünau, Vöcklabruck, Eferding und Traunstein- gebiet in ähnlichen Biotopen nachgewiesen.

Die Feststellung von Ahyacia castanea f. cerasina Frr. in Kochel am 1. 9. 1953 bedeutet einen Neufund für die Südbayernfauna und ist wohl die interessanteste Entdeckung der letzten Jahre. Das Vorkommen in Kochel begründet Wagner durch eine Zuwanderung aus Südtirol und nimmt an, daß sie sich eventuell an den Kahlschlägen dieses föhnbegün - stigten Gebietes nachhaltig angesiedelt hat. Diese Annahme halte ich ebenfalls für unrichtig. Rh. castanea bewohnt jedenfalls im Nordalpen - gebiet und dessen Vorland die trockenen und warmen Heideböden un- serer Hochmoore, und ihr Lebensraum dürfte mit dem der Rh. molothina und D. scoriacea zusammenfallen. Nach freundlicher Mitteilung von Herrn Löberbauer, Steyrermühl, wurde castanea in Oberösterreich auf dem Fornacher Moor, im Ibnermoos und im Land Salzburg am Wal- lersee-Moor nicht so überaus selten festgestellt. Am 28. 8. 1954 gelang Witzmann ein weiterer Fund der f. neglecta Hb. in Salzburg im Bür- moos, das noch im Bereich des Salzburger Gebietsanteils der Südbayern- fauna liegt. Nach Löberbauer wird die Raupe in Oberösterreich E. V.— A. VI., zuweilen in Anzahl an Daceinium uliginosum L. gefun-

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den. Die Falter schlüpfen E. VII. A. VII. Im Mühlviertel scheint ca- stanea nach Raupenfunden auch an Calluna vulgaris L. zu leben. Der Fund von Kochel ist doch wiederum der beste Beweis für die Boden- ständigkeit in den Hochmooren des Alpenvorlandes und den tieferen Ge-. birgstälern. Die Lebensräume sind deshalb in den Moorgebieten um den Kochelsee zu suchen. Nach den beiden Feststellungen (Kochelsee- und Bürmoos b. Salzburg) dürfte castanea auf allen größeren Hochmooren Südbayerns zu finden sein.

Ganz anders liegen allerdings die Verhältnisse in Gegenden, in denen

- Moorbildungen fast oder gänzlich fehlen, wie z. B. südlich der Alpen

und an verschiedenen Stellen in Süd- und Mitteldeutschland. Rh. casta- nea erreicht ihre Hauptverbreitung in den Südalpen und bewohnt die tiefeingeschnittenen warmen Gebirgstäler, meist in der Form neglecta Hb. Nach meinen Beobachtungen befinden sich ihre Wohnräume dort an trockenen und warmen Hängen mit reichlichem Unterwuchs von Heide- kraut und Ginster. In Mitteldeutschland, wo größere Trockenrasengesell- schaften, Heideböden und Steppenheiden vorkommen, scheinen die Bio- topverhältnisse von castanea mit denen der Südalpen gut übereinzu- stimmen. Bergmann erwähnt für Thüringen die Raupe in grasigen Sandheiden, an Heidekraut (Calluna vulgaris), Heidelbeere (Daccinium myrtillus), Ginster (Genista tinctoria und germanica). Als Lebensge- meinschaften erwähnt er Bestände der Futterpflanzen an trockenen Stel- len, warmen Lehnen und Hängen, in Zwergstrauchheiden (Heidekraut- Sand- und Heidelbeer-Moorheiden) sowie auf Heidemooren. Der Falter ist nach Bergmann Leitart grasiger Ginsterheiden. In Südbayern kommen ähnliche Biotope nur in bescheidenem Umfang im nördlichen Teil der unteren Hochebene vor. Dagegen scheinen die Hochmoore des \lpenvorlandes und der tieferen Gebirgstäler die Wohnstätten zahlrei- cher Arten zu sein, die an warme und trockene Böden gebunden sind, so unwahrscheinlich dies auch klingen mag. Die Beschaffenheit der Böden unserer Hochmoore ist jedoch sehr vielgestaltig. Besonders in den Torf- mooren, die z. T. fast unerschöpfliche Wasservorräte aufnehmen können, wurde in den letzten Jahrzehnten der Grundwasserspiegel durch plan- mäßige Entwässerung und Torfentnahme beträchtlich abgesenkt. Das Austrocknen der Oberschicht der Moorböden führte zur Umbildung von Mcorbeiden und schließlich zu Heideflächen, in denen Calluna und Pace!nium immer mehr überhand nahmen. Diese trockenen Heideflä- chen, die stellenweise bereits den Charakter einer Steppenheide ange- nemmien haben, weisen besonders am Tage ein extrem warmes Klein- klima auf, das auch während der Nachtstunden nur langsam abfällt. Es unterscheidet sich sehr deutlich von dem der feuchten Hochmoore. Durch die ständige Absenkung des Grundwassers. wurden diese besonders in ih- ren Randgebieten vielfach in größere Heideflächen verwandelt und da- mit die Lebensräume dieser Heidetiere beträchtlich vergrößert. Das immer zahlreichere Auftreten wärmebedürftiger Heide- und Steppen- bewehner, besonders in den zum Teil stark kultivierten großen ober- bayerischen Moorgebieten wie im Dachauer, Erdinger, Murnauer, Kochel- see-, Chiemsee-Moor usw. dürfte darauf zurückzuführen sein. Sie leben dort mit noch anderen Arten (z. B. Cerastis sobrina Bsd., Oligia haworthü Curt. und Cosymbia orbieularia Hb.) in echten Pioniergemeinschaften,

die wie alle Lebewesen bestrebt sind, ihre Wohnräume ständig auszudeh- nen, wenn die Umweltfaktoren dies gestatten.

Die systematische Durchforschung wäre eine dankbare Aufgabe der

Lokalfaunisten, deren Wohnsitz sich in der Nähe dieser Hochmoore be- findet.

Benützte Literatur

Bergmann, A., Dr.: Die Großschmetterlinge Diertäldentschlande (Band IV/l, Jena 1954).

Vollmann, F., Dr.: Flora von Bayern (Stuttgart 1914).

Wagner, H., Dr.: Harmodia tephroleuca Bsd. und Rhyacia castanea f. cerasina Frr. in den bayerischen Voralpen (Nachrichtenbl. d. Bayerischen Ento- molog. 3. Jg. 1954, Nr. 5).

Wolfsberger, J.: Harmodia tephroleuca Bsd. und Anaitis simpliciata Tr. in den

' Ostalpen (Nachrichtenbl. d. Bayerischen Entomolog. 2. Jg. 1953, Nr. 8).

Anschrift des Verfassers: Miesbach (Obb.), Siedlerstraße 216.

Untersuchungen über die Fangmethodik einiger Wasserwanzen Von Friedrich Kühlhorn Fortsetzung Plea leachi Me Greg. & Kirk.

Die Versuche mit Plea und Anopheles-Larven als Beute wurden in Kästen mit den Abmessungen 22 cm x 16 cm und 4,5 cm Tiefe sowie in Petrischalen von 5 cm Durchmesser und 3,5 em Tiefe durchgeführt. Die Fangmethodik und Freßweise des Zwergrückenschwimmers soll an Hand

nachstehender, tagebuchmäßig festgehaltener Versuchsabläufe in ausge- wählten Beispielen geschildert werden.

1. Kurz nach dem Einsetzen stürzte sich die Plea auf die an der Gefäß- wand angehäkelte, strudelnde Anopheles-Larve (II. Stadium) und ergriff sie nach verschiedenen vergeblichen Festhalteversuchen mit den Mittel- beinen am Thorax. Die Larve machte bald kaum noch Abwehrbewegun- gen. Plea versuchte nun, in das häutige Verbindungsstück zwischen Tho- rax und Kopf einzustechen. Sie lag dabei mit dem Rücken schräg nach unten im Wasser, wobei eine Hinterextremität schräg nach oben ge- streckt, die andere dagegen am Wasserspiegel angehängt war. Die Vor- derbeine lagen währenddessen leicht gewinkelt gegen den Körper ge- richtet. Nach gelungenem Einstich in die „.Halshaut‘ spreizte der Zwerg- rückenschwimmer verschiedentlich die Mittelbeine, so daß das Opfer nur noch durch den Stechrüssel gehalten wurde. Zur gleichen Zeit lagen 2 mm entfernt davon 2 Anopheles-Larven an der Wasseroberfläche, ohne sich um den nahen Feind zu kümmern.

Nach einigen Augenblicken erfolgte wieder ein Erfassen der Beute mit den Vorder- und Mittelbeinen und Ausführung heftiger deutlich erkenn- barer Saugbewegungen, die den freien Teil des Larvenkörpers in pen- delnde Schwingungen versetzten. Eine kurze Zeit später fand ein er- neutes Loslassen aller Extremitäten statt, an das sich dann ein Wieder- zufassen der Mittelbeine weiter gegen die Körpermitte der den Räuber fast um das Doppelte an Länge übertreffenden Larve schloß. Während des Griffechsels häkelte sich eine Larve III an der Plea an, ohne daß sich diese irgendwie gestört zu fühlen schien. Nun erfolgte der Einstich in die Mitte des Abdomens. Die dadurch hervorgerufenen Bewegungen veranlaßten die angehäkelte Larve zur Flucht.

Gelegentlich der Überquerung der Wasseroberfläche prallte jetzt eine Anopheles-Larve IV auf die dagegen völlig gleichgültige Plea und be-

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gann schließlich in 5 mm Entfernung von dieser nach Nahrung zu stru- gerne Der Zwergrückenschwimmer Ferdnielite erneut die Einstichstelle und fing an, in d er Endregion des Abdomens zu saugen, wobei der Lar- venkörper mit den \; order- und Mittelbeinen gehalten wurde. Nun er- griff die eine Hinterextremität den frei hängenden vorderen Teil der Larve und bog ihn U-förmig gegen das Abdominalende hin, während das andere Hinterbein an der W asseroberfläche angehäkelt w als;

Der von mir durch Anstoßen gestörte Zwergrückenschwimmer ließ seine Beute nicht fahren, sondern verankerte sich nach kurzem Umbher- schwimmen mit der linken Hinterextremität wieder am Wasserspiegel. Das rechte Hinterbein ließ nun den Vorderkörper der Larve los, der durch die kräftigen, deutlich sichtbaren Saugbewegungen des Rüssels in pendelnde Schwingungen versetzt wurde.

Plötzlich nahte eine andere Plea und stieß den saugenden Artgenossen kräftig an. Dieser ließ daraufhin die Beute spontan fahren und schwamm mit sc hnellen Stößen in das Pflanzendickicht hinein. Der Störenfried be- achtete die tote Anopheles-Larve nicht und verschwand bald darauf im Algenfilz. Die eben geschilderte Beobachtung ist insofern interessant, als sich der saugende Zwergrückenschwimmer beim Anstoß durch eine Plea anders verhielt als gegen Berührungen durch sich anhäkelnde oder auf IR prallende Anopheles-Larven, denen er keinerlei Beachtung schenkte.

. Ein mit einer anderen Plea durchgeführter Feindversuch zeigte im N und ganzen einen ähnlichen Ablauf. Der eingesetzte Zwerg- rückenschwimmer ergriff sofort eine Anopheles-Larve II und hielt sie dabei mit der Abdomenspitze am Wasserspiegel hängend mit allen Beinen parallel der eigenen Körperachse fest und begann sofort mit dem Einstich in die „Halshaut“. Nach Aussaugen der Thoraxregion schob die Plea die Beute durch nachfassende Bewegungen der Extremitäten weiter nach vorn. Durch kräftige Umklammerung aller Beine wurde nun der Körperinhalt der Larve von vorn nach hinten gepreßt und dadurch ein Ausbuchten der dehnungsfähigen Intersegmentalhäute bewirkt. Anschlie-

end erfolgte ein U-förmiges Abknicken des Larvenvorderkörpers, wo- durch ein Zurückfließen der Körpersubstanzen in kopfwärtiger Richtung verhindert wurde. Nun erfolgte der Einstich in die mittlere Abdominal- region. Nach einiger Zeit des Saugens zog die Plea den Rüssel heraus und schob die Larve mit Hilfe der Extremitäten noch weiter nach vorn, wor- auf dann der Einstich in das Abdominalende stattfand. Der Räuber hielt jetzt den Körper seines Opfers quer zu seiner Längsachse. Die durch den Saugakt hervorgerufenen Bewegungen spiegelten sich deutlich im rhyth- mischen Schwanken des Körperinhaltes der Larve wieder, die ihren Feind um ein Viertel an Länge übertraf.

Fortsetzung folgt.

Kleine Mitteilung

Nachtrag zu Lar. lugdunaria HS., neu für Bayern. Durch die Freundlichkeit von Herrn Schadewald, Beersdorf, konnte ich er- lahren, dafs Lar. lugdunaria HS. im östlichen Oberschlesien schon mehrfach ge-

fangen wurde. Nähere Angaben darüber, auch über Zucht und Lebensweise, finden

sich in der Entomolog. Zeitschrift, Frankfurt/Main, 56. Jahrg. 1942, p. 60.

Willi Schätz. Paitzkolen b. Straubing.

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15 Buchbesprechungen:

Von der „Neuen Brehm Bücherei’ liegen vor: Heft 36. Schmidt, Hans: „Holzinsekten.‘* 2. Aufl., 36 Seiten, 26 Abb. Heft 124. Nolte, Hans-Werner: „Käfer bedrohen den Raps.‘ 40 Seiten, 32 Abb. Heft 132. Keilbach, Rolf: „Goldaugen, Schwebfliegen und Marienkäfer.‘ 63 Sei- ten, 58 Abb.

Verlag A. Ziemsen, Wittenberg Lutherstadt, 1954. Preis für Nr. 36 und 124 geheftet je 1,50 DM; für Nr. 132 geheftet 3,— DM.

Die Hefte wenden sich an den allgemein naturwissenschaftlich interessierten Liebhaber sowie an die mit der Schädlingsbekämpfung in kleinem Umfang be- faßten Stellen, denen sie Einblicke in die Lebensweise von Insekten vermitteln, die den Menschen in seinem Existenzkampf berühren.

Die „Holzinsekten‘ zeigen unsere bekannten Holzschädlinge, und zwar so- wohl die in lebendem wie totem Holz vorkommenden Arten in gedrängter Form. Der Biologie ist erfreulicherweise ein breiter Raum zugedacht. Auf die Ernäh- rungs-Physiologie der an schwer verdauliche Holznahrung gebundenen Tiere, die nur durch Mitwirkung von Fremdorganismen, mit denen sie eine Symbiose ein- gehen, gelöst werden kann, ist gemeinverständlich eingegangen. Im übrigen liegt das Hauptgewicht auf der wirtschaftlichen Bedeutung der einzelnen Arten.

Das Heft „Käfer bedrohen den Raps‘ setzt sich ausschließlich mit der Lebensweise und Verbreitung der Rapsschädlinge auseinander. Es dürfte für Land- wirte und angewandte Entomologe n von Bedeutung sein. Von allgemeinem Inter- esse ist, daß der Verfasser eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg aller Bekämpfungs-Maßnahmen darin sieht, die heranwachsende Pflanze durch sach- gemäße Behandlung zu kräftigen und damit widerstandsfähig zu machen.

Recht bemerkenswert ist besonders für alle Gartenfreunde das Heft „Goldaugen, Schwebfliegen und Marienkäfer.‘ Es behandelt in anschau- licher Art die Lebensweise dieser Insekten, die uns im heute fast aussichtslosen Kampf gegen Blattläuse aller Art so erfolgreich unterstützen. Die Beschreibung und Abbildung von Imagos und Jugendständen der Feinde dieser Schadinsekten ist so, dafs sie an Hand derselben auch von jedem Laien gut erkannt werden kön- nen. Das umfangreiche Eingehen auf die Anatomie ist eine angenehme Zugabe, wäre aber zur Erreichung des Zweckes dieses Heftchens nicht unbedingt nötig. Deutlich zeigt uns diese Zusammenstellung, nach welchen falschen Wegen wir heute durch einseitige Giftanwendung die Schädlingsbekämpfung betreiben, bei der wir die (meist größeren) Feinde der uns so verhaßten „‚Schädlinge‘‘ in einem Spritzgang fast völlig vernichten, während von den (wesentlich kleineren) Läusen ein erheblicher Teil am Leben bleibt und sich nun, unbehelligt von den Wider- sachern, rasch weitervermehren kann.

Die Bebilderung der besprochenen Hefte ist reichlich und in der Qualität der Abbildungen völlig ausreichend. Die Aufmachung unter Berücksichtigung des

sehr niedrigen Preises gut. Die Anschaffung kann jedermann empfohlen wer- den, der sich über die Grundprobleme der angeschnittenen Fragen unterrichten will. Franz Daniel.

Personalnachrichten

Von der Deutschen Entomologischen Gesellschaft wurde Herrn Professor Dr. August Thienemann, Plön/Holstein, die Fabrieius-Medaille verliehen für seine Lebensarbeit auf dem Gebiete der Oekologie der Wasserinsekten und ins- besondere für sein Werk „Chironomus''.

Die Münchner Entomologische Gesellschaft beglückwünscht Herrn Professor

Thienemann zu dieser wohlverdienten Ehrung.

16 Aus der Münchner Entomologischen Gesellschaft e.V.

Sitzung am 10. 1. 1955. Vorsitz: Prof. Dr. h.c. Fritz Skell. Anwesend: 27 Mitglieder.

Es wurden bemerkenswerte Funde des Sammeljahres 1954 demonstriert und besprochen. Die Herren F. Daniel, E. G. Dankwardt, Dr. F. Eisenberger, H. Freude, K. Gaigl, Dr. F. Hörhammer, K. E. Hüdepohl, Dr. L. Kolb

und E. Siaut legten der Gesellschaft interessantes Material vor.

Sitzung am 24. 1. 1955. Vorsitz: Prof. Dr. h.c. Fritz Skell. Anwesend: 39 Mitglieder.

Mitgliederversammlung. Die Versammlung nahm den Jahresbericht entgegen, aus dem hervorgeht, daß das Jahr 1954 für die Gesellschaft ohne wesentliche Er- eignisse verlief. Die Mitgliederzahl betrug am 31. 12. 1954 385 Mitglieder, dar- unter zwei Ehrenmitglieder. Eingetreten sind im Jahre 1954 12 Mitglieder, ge- storben 6, ausgetreten 5. 27 Mitglieder wurden aus der Liste gestrichen, da von ihnen seit 1945 keine Nachricht mehr zu erhalten war. Gestorben sind: Hans Czadek, Trier, Dr. Hans Kment, München-Pasing, Dr. Ch. Lecomte, Paris, Prof. Dr. H. Leininger, Karlsruhe, Dr. G. Mariani, Mailand, und F. Rieger, München. Für das Jahr 1955 liegen bisher bereits 15 Neuanmeldungen vor. Kassenbericht und Voranschlag für 1955 wurden ohne größere Debatte angenom- men, der Jahresbeitrag ab 1955 auf DM 12.— festgesetzt. Für das verstorbene Ausschußmitglied F. Rieger wurde Herr K. Witzgall in den Ausschuß der Ge-

sellschaft gewählt. Eine von der Vorstandschaft beantragte Satzungsänderung, zum Zwecke der Erlangung der Förderungswürdigkeit, wurde ohne Debatte ge- nehmigt.

Wie aus vorstehendem Bericht über die Mitgliederversammlung zu ersehen, sieht sich die Gesellschaft gezwungen, ab 1. 1. 1955 den Beitrag auf DM 12.— zu erhöhen. Dieser schon seit Jahren fällige Schritt wurde von der Vorstandschaft nur sehr ungern und nach langen Beratungen vorgeschlagen, wobei sie hofft, daß die Mitglieder der Gesellschaft für die Notwendigkeit dieser geringen finanziellen Mehrbelastung Verständnis haben. Die durch die ständige Erhöhung der Druck- kosten entstandene Mehrbelastung der Vereinskasse wird durch den Mehreingang infolge der Erhöhung des Beitrages bei weitem nicht ausgeglichen, weswegen auch im Hinblick auf die Herausgabe eines Doppelheftes der „‚Mitteilungen‘ anläßlich der Feier des 50jährigen Bestehens der Gesellschaft alle Mitglieder gebeten wer- den, soweit sie dazu in der Lage sind Sonderbeiträge zugunsten des Druckkosten- fonds zu stiften. Auch um kräftige Werbung neuer Mitglieder wird dringend gebeten, jedes neue Mitglied steigert die Leistungsfähigkeit der Gesellschaft.

Stiftungen zum Druckkostenfond gingen seit Jahresbeginn bereits ein von G. Frey, München, Chemische Fabrik Merck, Darmstadt, Bayerische Vereinsbank, München, „Münchner Merkur‘, „Süddeutsche Zeitung‘‘, „Abendzeitung‘‘, Kli- schee-Fabrik „Osiris und Sporthaus Schuster. Auch an dieser Stelle sei allen diesen Förderern der Münchner Entomologischen Gesellschaft herzlich gedankt!

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NACHRICHTENBLATT

der Bayerischen Entomologen

Herausgegeben von der Münchner Entomologischen Gesellschaft Schriftleitung: Dr. Walter Forster, München 38, Menzinger Straße 67 Postscheckkonto der Münchner Entomolog. Gesellschaft: München Nr. 31569

} Verlag: J. Pfeiffer, München

4. Jahrgang 15. März 1955 Nr. 3

Altes und Neues über Stenus Kiesenwetteri Rosh.

(Col. Staphylinidae). Von Ad. Horion (mit einer Verbreitungskarte)

Stenus Kiesenwetteri wurde 1856 von Prof. Rosenhauer - Erlangen nach 2 Stücken beschrieben, die einzeln in der Umgebung Erlangens im Hochwassergenist der Regnitz gefunden waren. Aus Frankreich wurde die Art von Bedel 1869 und aus England von Fowler 1888 gemeldet, aber in Deutschland blieb sie völlig unbekannt. Ganglbauer 1895 kannte in seiner großen Staphyliniden- Monographie die Art nur aus Er- langen, Frankreich und England, und schließlich war sie in Deutschland so „verschollen“, daß Reitter 1909 in seiner „Fauna Germanica” sie gar nicht erwähnt hat.

Soviel ich feststellen kann, ist die Art zuerst von Helmut Riehn (Bergassessor aus Clausthal, gefallen 1915) in Deutschland wiederent- deckt worden, der bei Celle in der südlichen Lüneburger Heide von Februar bis Anfang Mai 1913 etwa 20 Stück durch Sieben des Sphagnums und durch Niedertreten der Sphagnum-Polster ins Wasser erbeutet hat (D. Ent. Z. 1913, S. 541). Damit waren die ökologischen und phänolo- gischen Verhältnisse der Art bekannt, und es wurde nun eifrig nach dieser „seltenen“ Art geforscht. Aus den Jahren zwischen den beiden Welt- kriegen liegen zahlreiche Meldungen aus den niederdeutschen Mooren vom Niederrhein über Westfalen-Oldenburg-Hannover bis nach Holstein (Umg. Kiel) vor, die ich an dieser Stelle wohl nicht mehr einzeln anzu- fünren brauche.

Wir haben hier ein zusammenhängendes, kontinuierliches, nord- westeuropäisches Verbreitungsgebiet der Art, das sich von Nord- westdeutschland noch weiter in den atlantischen Raum ausdehnt: Holland (bisher nur ein Fundort bei Schieveld in Südlimburg: Ent. Be- richten IX, 1936, S. 232, t. Brakman), Belgien (bisher nur ein Fundort bei Keerbergen, zwisc hen Mecheln und Löwen: t. Fagel i. I. 1954), Frankreich (nur im Nordosten, in Moorgebieten vom Seine-Becken bis zum Kanal im Dep. Pas-de-Calais: nach St. Cl. Deville 1936, S. 93), England (nur im Südosten vom Kanal nördlich bis Berkshire, also nicht bis in die „‚Höhe‘ von London: nach Joy 1932, S. 7). Man achte auf den Zusammenhang zwischen dem französischen und englischen Vorkommen; die Art war in diesem Gebiet schon vor der Bildung des Kanals vor- handen. In diesem nordwesteuropäischen Verbreitungsgebiet sind auch die ökologischen Verhältnisse völlig übereinstimmend. Die Art wird nur in Moorgebieten aus Sphagnum gefunden, meist aus lebendfrischem,

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mehr oder weniger nassem Sphagnum, manchmal auch aus den toten Schichten unter dem lebenden Sphagnum (t. Fagel in Belgien, auch eigene Funde in der Wahner Heide bei Köln). Es handelt sich hier um eine tyrphobionte, d. h. moorgebundene Art, vergl. F. Peus (Die Tierwelt der Moore S. 121) und unsere Arbeit 1954 (geschrieben 1952) über die rheinischen Moorkäfer (Decheniana, Bonn, S. 21).

Aber nunmehr ist Stenus Kiesenwetteri von fünf sporadischen Fund- orten außerhalb dieses nordwestdeutschen Areals bekannt geworden, die der Art einen ganz neuen faunistischen und ökologischen. Aspekt geben.

Zunächst die Funde in der Dübener Heide Wildenhainer Bruch, nördlich von Leipzig an der Mittelelbe, im Frühjahr 1933 und 1934, worüber Linke (Ent. Bl. 1934, S. 86) und Dietze (i. 1. 1939) berich- ten; dort wurde die Art in 6 und 8 Exemplaren gefunden „in einem alten verwachsenen Torfstich unter Sphagnum und in abgestorbenen Grä- sern“. Dann die Fundstelle der typischen Stücke bei Erlangen in Fran- ken, die (wie schon erwähnt) im Hochwassergenist der Regnitz gefunden wurden. Aus Hochwassergenist ist die Art nie im nordwesteuropäischen Areal gefunden worden; ich kann mir nicht denken, daß die Erlanger Stücke aus einem Sphagnum-Bestand weggeschwemmt worden sind; sie stammten wahrscheinlich aus faulenden Gras- oder Schilfhaufen, wenn auch der Fundort in einem Moorgebiet gelegen ist, wie Peus (l. « S. 121 Anm.) nach einer Mitteilung des holländischen Koleopterologen . Everts festgestellt hat. Aus Südbayern ist zunächst der alte Fund- ort Schleißheim bei München bekannt, wo im Jahre 1881 v. Harold die Art gefunden hat; sie ist dort nicht wiedergefunden worden (nach Ihs - sen in Ent. Bl. 1935, S. 22). Im Würmmoos (an der Nordspitze des Starnberger Sees) zwischen Leutstetten und Heimathausen wurde Stenus Kiesenwetteri von verschiedenen Münchener Koleopterologen erbeutet, worüber Hüther (Mitt. Münch. Ent. Ges. 41, 1951, S. 262) und Stöck - lein (i. 1. 1954) berichten. Stöcklein, der von 1943 ab ca. 40 iixem- plare erbeutete, gibt genaue ökologische Angaben; er hat die Art im Spätherbst (vom 7. Okt. bis Anf. Nov.) aus abgemähten Grashaufen, die mit einem Moos durchsetzt waren, gesiebt; bei diesem Moos handelte es sich keinesfalls um Sphagnum, sondern „um das gewöhnliche Moos, das in sumpfigen Wiesen allenthalben zwischen den Gräsern wächst“. Auch Hüther berichtet, daß er im Würmm»os die Art im Herbst 1950 und im Febr. 1951 „unter Schilfhaufen“, also nicht aus Sphagnum, ge- siebt hat.

Im Coleopterorum Catalogus (Junck-Schenkling) Pars 129, 1933, S. 1178, meldet Scheerpeltz Stenus Kiesenwetteri aus den „Savinischen“ Alpen. Auf meine Anfrage schrieb er mir, daß es sich um die Steiner- und Sanntaler Alpen (längs des Save-Tales) in Nordkrain (heute Jugoslawien) handelt, wo Stenus Kiesenwetteri von dem tschechischen En- tomologen Rambousek im Feistritztal bei Ursice gefunden wurde (Casopis IV, 1907, S. 38). Wenn ich die tschechische Angabe richtig ver- stehe, hat Rambousek dort nur 1 Stück gefunden, das im Tötungsglas von einem Staphylinus fossor Scop. stark beschädigt wurde, aber noch unzweifelhaft als Stenus Kiesenwetteri bestimmt werden konnte. Über die Ökologie dieses Fundss gibt er keine genauen Angaben; es scheint sich um eine sumpfige Stelle am Bachrand gehandelt zu haben, da er dort auch Lesteva longelythrata Goeze und Paederus ruficollis F. ge- fangen hat. Dieser auffallende Fundort wird bestätigt durch ein weiteres Stück, das EE Moczarski an einer versumpften Stelle des Feistritz- Baches gefunden hat, und das sich heute in der Sammlung Scheer- peltz befindet.

Die neueste Meldung für Stenus Kiesenwetteri stammt aus Ungarn.

Im Naturschutzgebiet „Batorliget“, dem Rest des berühmten Ursumpf- Bahiets Nyirseg, das im nordöstlichen Teile Ungarns bei der Stadt Nyir-

ator liegt, wurden 2 Exemplare des Stenus Kiesenwetteri Ende Septem- ber und Anfang Oktober 1949 von Kazsab gefangen; es wird ausdrück-

lich hervorgehoben, daß in diesem ganzen Gebiet nicht einmal Spuren

von Sphagnum nachgewiesen werden konnten (vergl. Szekessy: Ba-

torliget Elövilaga, Budapest 1953, S. 240 und 461).

Wir haben also für Stenus Kiesenwetteri außer dem nordwesteuropä- ischen Verbreitungs-Areal noch sporadische Fundstellen im östlichen und südöstlichen Mitteleuropa, von Sachsen und Bayern bis Krain und Ungarn. In Nordwesteuropa ist die Art streng an Moore und an Sphagnum gebunden (,‚stenök“), sie ist und bleibt in diesem Areal eine tyrphobionte, sphagnikole Art: in Südost-Deutschland scheint sie noch an Moorboden gebunden zu sein, aber nicht mehr an Sphagnum; die Funde in Krain und Ungarn zeigen die Art als allgemein hygrophil, („euryök“), die wie so viele andere Stenus-Arten an sumpfigen Stellen unter faulenden Vegetabilien, unter Moosen usw. vorkommt.

In unserer Arbeit über die rheinischen Moorkäfer haben wir mit Nach- druck auf ,.die regionale Bedingtheit der Tyrphophilie” hingewiesen, ohne allerdings damals zu ahnen, daß auch Stenus Kiesenwetteri nicht in

Verbreitung von Stenus Kiesenwetteri Rosh.

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seinem ganzen Verbreitungsgebiet moorgebunden ist. Prof. Peus, der „Vater“ der modernen Moorkunde, schrieb schon 1931 (Mitt. D. E. G. 2, S. 116): „Moorgebundenheit tritt anscheinend nur in einem Teil des von einer Art bewohnten gesamten Verbreitungsgebietes auf, und zwar in einem Teilareal, das in einer Zone liegt, deren Allgemein-Klima für die betreffende Art ungünstig ist. Diese Ungunst kann nur noch an be-, stimmten Lebensstellen ertragen werden und führt so zur Stenotopie (Ortsgebundenheit). Die Hochmoore sind mit ihrem Eigenklima, das deutlich kontinentale Züge aufweist, Inseln in mehr oder weniger mari- timen, zur Bildung von Mooren führenden Klimazonen. Organismen, die bei uns (d. h. in Norddeutschland) moorgebunden sind, können nach ihrem Hauptverbreitungsareal, in dem sie also nicht stenotop sind, bo- real, boreo-alpin, ostpaläarktisch oder sogar mediterran sein.“

Wir müssen nunmehr nach den eindeutigen ökologischen Tatsachen für Stenus Kiesenweiteri annehmen, daß er seine eigentliche Heimat, seinen Ausgangspunkt im östlichen Mitteleuropa hat, wo er eurytop vorkommt, daß die nordwesteuropäischen Moore, wo er stenotop vor- kommt, an der Grenze seines Verbreitungsgebietes liegen. Ob die Art im östlichen Mitteleuropa wirklich nur noch einige wenige, sporadische (re- liktäre) Fundorte hat, muß die Zukunft lehren. Es scheint mir, daß die Phänologie dieser Art bisher zu wenig bekannt und beachtet worden ist. Stenus Kiesenwetteri ist ein ausgesprochenes „Wintertier“, in dem Sinne, daß die Imagines im Herbst schlüpfen, überwintern und nur bis zum ersten Frühjahr vorhanden sind. Die Hauptfangmonate sind Okto- ber-November und März-April.

Anschrift des Verfassers: Dr. h.c. A. Horion, Pfarrer i. R., Überlingen/Bodensee, Auf dem Stein 36.

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Untersuchungen über die Fangmethodik einiger Wasserwanzen Von Friedrich Kühlhorn

Fortsetzung

3. Wie die bisherigen Beispiele schon andeuteten, zeigen die Zwerg- rückenschwimmer während des Saugaktes manchmal eine ziemliche Gleichgültigkeit gegenüber den Vorgängen in ihrer nächsten Umgebung, soweit es sich nicht um Belästigungen durch Artgenossen handelt. Dafür noch ein weiteres interessantes Versuchsergebnis.

Eine Plea hatte sich eine Anopheles-Larve gefangen und „hing“ sich mit ihrer Beute kurz vor den Köpfen zweier dicht nebeneinander liegen- der Fiebermückenlarven an die Wasseroberfläche. Daraufhin bogen beide Larven ihren Vorderkörper in entgegengesetzter Richtung ab, um unbe- hindert Nahrung heranstrudeln zu können. Während des Strudelvor- ganges verhakten sich die Ruderborsten des Opfers in die Körperbebor- stung der einen Larve, die sich dadurch zunächst nicht stören ließ. Nach einiger Zeit versuchte sie dann durch drehende Kopfbewegungen die Beute und damit die Plea wegzuschieben. Als das nicht gelang, führte sie seitwärts gerichtete schnellende Schwingungen des Vorderkörpers ge- gen ihre Nachbarin hin aus. Diese nahm daraufhin einen Ortswechsel

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vor und häkelte sich an dem Zwergrückenschwimmer fest und begann sofort zu strudeln. Die Plea nahm von diesen ganzen Vorgängen keiner- lei Notiz und beschäftigte sich weiterhin intensiv mit dem Aussaugen der Beute. Manchmal spreizte sie alle Extremitäten ab und hielt ihr Opfer nur mit dem pumpenden Saugrüssel fest. Nach etwa einstündiger Saugdauer erschien eine andere Plea und ergriff die tote Larve in der „Hals“region (wo vielfach der erste Einstich hingesetzt zu werden pflegt) und begann zu zerren. Daraufhin ließ der wohl fast gesättigte erste Rückenschwimmer seine Beute los und entfernte sich. Die zweite Plea

_ zwängte nun ihren Vorderkörper in die Kopfkapsel der Anopheles-Larve

und riß diese dabei vom Thorax ab. Der Räuber erkannte bald die Zwangslage, in die er geraten war und bemühte sich, wieder freizukom- men. Das gelang ihm aber erst nach einer großen Zahl erfolgloser Ver- suche.

Der an der Oberfläche treibende Larventorso gelangte nach einiger Zeit in den Strudelbereich einer an der Gefäßwand angehäkelten Ano- pheles-Larve IV, die ihn einzuschlucken begann, dann aber bald wieder

‘von sich gab.

Inzwischen erschien die vorhin erwähnte zweite Plea wieder und irschte sich an eine an der Gefäßwand angehäkelte Anopheles-Larve ah und wollte sie fangen. Dieser Versuch mißlang. Der Zwergrücken- schwimmer verfolgte die flüchtende Larve noch ein kurzes Stück, wurde dann aber durch den dicht unter der Wasseroberfläche liegenden Larven- rest abgelenkt. Er umklammerte ihn und tastete die Oberfläche sofort mit dem Rüssel nach einer zum Einstich geeigneten Stelle ab. Bald zeig- ten dessen mit Hilfe des Binokulars gut zu beobachtende pumpende Saugbewegung, daß der Larventorso dem Räuber noch genügend Nah- rungssubstanz zu geben schien. Nach vier Minuten Saugdauer ließ die Plea dann aber wieder von der Larve ab und verschwand im Pflanzen- gewirr.

Die angeführten ausgewählten Beispiele aus vielen Versuchsserien ha- ben einen Eindruck davon vermittelt, in welcher Weise Plea Anopheles- Larven im Versuchsgefäß zu fangen und auszusaugen pflegt. Diese Be- obachtungen stimmen auch mit meinen diesbezüglichen Freilandfeststel- lungen überein, die ich u. a. in gut übersehbaren Lachen in der Kies- grube bei Geiselbullach in den Jahren 1951—1954 machen konnte. Na- türlich ergeben sich je nach der Art der herrschenden Umweltverhält- nisse oftmals gewisse, aber nicht prinzipielle Abweichungen von den oben geschilderten Verhaltensweisen, soweit sich das bis jetzt erkennen

ließ.

Der Zeitraum zwischen dem Zusammenbringen des Räubers und der Beute bis zum ersten Angriff war im Versuch außerordentlich verschie- den groß. Vielfach stürzte sich die Plea sofort oder wenigstens nach 5 bis 10 Minuten auf eine der Larven, während andere in Gefäßen glei- cher Beschaffenheit und Größe gehaltene Zwergrückenschwimmer nach Tagen die erste Larve überwältigten. Ähnliche Beobachtungen konnten auch beim Einsatz von Daphnien als Nahrungstiere gemacht werden. Der Einfluß der Gefangenschaftsverhältnisse, das jeweilige Nahrungsbedürf- nis der Plea und andere noch unbekannte Faktoren mögen die diesbe- zügliche verschiedene Verhaltensweise bedingen. Interessant war die Tat- sache, daß sich Plea bis zum Abbruch der Versuche gegen Ende De- zember bei durchschnittlich —+ 17°C Raumtemperatur gut halten ließ und sich während dieser Zeit in verschieden großen Abständen von den zugesetzten Anopheles-Larven (A. bijurcatus Meigen) ernährte.

Die Versuche wurden in den Monaten Juni bis Dezember während ver-

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schiedener Jahre durchgeführt. Dadurch war es möglich, durch die regel- mäßig geführten Kontrollisten u. a. auch einen ersten Einblick in die Größe der Intervalle zwischen zwei Nahrungsaufnahmen in einzelnen Jahresabschnitten zu gewinnen. Dabei ergab sich bisher (bei voll ent- wickelten Individuen) innerhalb des Beobachtungszeitraums insofern ein mehr oder weniger ungleichartiges Verhalten, als die Nahrungsaufnahme im Sommer vielfach in Intervallen von 1—4 Tagen, in den Herbst- und Wintermonaten dagegen häufig in solchen von 8 bis zum Extrem von 14 Tagen erfolgte. Doch muß in diesem Zusammenhange erwähnt wer- den, daß manche Zwergrückenschwimmer auch während des a stes und Winters zuweilen in Zeitabständen von wenigen Tagen Nahrung aufnahmen. Im ganzen betrachtet zeigen jedoch die bisherigen Befunde im allgemeinen ein Nachlassen der Aktivität bezüglich der Häufigkeit des Nahrungsbedürfnisses gegen das Jahresende hin, obwohl die Wasser- wärme in den Versuchsgefäßen gegenüber dem Sommer in den geheizten Räumen keine Änderung von Belang erfuhr. Die in dieser Richtung durchgeführten Versuchsreihen sind noch zu klein, um ein abschließen- des Ergebnis erzielen und Gründe für die geschilderte verschiedenartige Verhaltensweise angeben zu können.

Wie schon angedeutet, überwältigt der Zwergrückenschwimmer oft- mals Nahrungstiere, die ihn an Größe übertreffen, wie z. B. die IV. Sta- dien der Anopheles-Larven. Das Saugvermögen des Räubers reicht da- her vielfach nicht aus, um die gesamten zur Nahrung geeigneten Sub- stanzen des Opfers von einer Einstichstelle her aufzunehmen. So kann man immer wieder beobachten, daß Anopheles-Larven an mehreren Stellen angestochen werden, um möglichst viel Körperinhalt einsaugen zu können. In einer großen Zahl der untersuchten Fälle konnte (wie auch die angeführten Beispiele andeuten) festgestellt werden, daß die Plea häufig ihren ersten Einstich in die ‚„‚Halshaut“ setzt. Der nächste erfolgt dann im allgemeinen nach der Körpermitte zu und der letzte bei nicht zu großen Larven in den Endabschnitt des Abdomens.

Bei größeren Larven (vor allem IV) scheint die Körpermasse manch- mal das Aufnahmevermögen des Zwergrückenschwimmers zu übertref- fen. Es finden sich dann in solchen Fällen an der Larve mehrere Ein- stichstellen, deren angrenzende Bezirke Zerstörungen durch den Saug- vorgang aufweisen, der jedoch (auch in der nächsten Umgebung) keiner- lei gestaltliche Veränderungen des Larvenkörpers zur Folge hat, wie es Z. B. bei völlig ausgesogenen stets in oft sehr auffallendem Maße der Fall ist. Bei geringerem Nahrungsbedürfnis werden auch kleine Larven nur etwas ausgesogen und lassen daher ebenfalls keine sichtbare Ver- änderung ihres Körperumrisses erkennen. Deshalb muß grundsätzlich jede im Versuchsgefäß tot aufgefundene Anopheles-Larve unter dem Binokular auf Einstichstellen hin untersucht werden, um festzustellen, ob der Tod auf natürliche Weise oder durch Gewalteinwirkung eintrat. Oftmals kann man gelegentlich solcher Untersuchungen beobachten, daß eine Larve durch Einstich getötet, aber kaum ausgesogen wurde. Es scheint in solchen Fällen vielfach ein Töten über das zum Nahrungs- erwerb notwendige Maß vorzulisgen, wie das ja auch von anderen sich durch Raub ernährenden Tieren bekannt ist. Ob es sich hier bei Plea um eine normale oder aber um eine durch die Gefangenschaftsverhältnisse bedingte Verhaltensweise handelt, ist noch nicht zu entscheiden.

Der Saugakt kann sich mitunter auf einen größeren Zeitraum er- strecken. So wurden z. B. einmal zum Aussaugen einer Larve III 45 Mi- nuten und zum gleichen Vorgang bei einer Larve IV fast 70 Minuten benötigt. Hierbei ist aber zu berücksichtigen, daß das Saugen oftmals

unterbrochen wird und das Aufsuchen der nächsten zum Einstich als geeignet befundenen Stelle oftmals ziemlich viel Zeit in Anspruch nimmt. Auch in dieser Richtung sind noch ergänzende Untersuchungen nötig,

um zu abschließenden Ergebnissen kommen zu können.

Es wurden neben den Feindversuchen mit Anopheles-Larven auch noch eine Reihe anderer Arthropoden mit Plea zusammen gehalten. Diese Un- tersuchungen brachten zu dem in dieser Arbeit behandelten Fragenkom- Ds bisher keinerlei Ergebnisse von Bedeutung, so daß eine Schilderung

ieser Befunde erst nach Vorliegen weiteren Beobachtungsmateriales er- folgen soll,

Fortsetzung folgt.

Ein kleiner Beitrag zur Kenntnis der Lebensweise der Raupen von Acasis (Lobophora) appensata Ev. (Lepidoptera. Geometridae)

Von Karl Burmann

In der Entomologischen Zeitschrift Stuttgart, 64. Jg., Nr. 10 vem 15.5. 54, veröffentlichte Herr Eduard Schütze, Kassel-Wilhelmshöhe, eine bemerkenswerte Arbeit über die Lebensweise der Acasis appensata Exv.-

Raupen.

Schütze führt in seiner Arbeit über die Raupe dieser überall ver- hältnismäßig wenig beobachteten Geometridenart eine Reihe von An- gaben aus dem Schrifttum an. Die recht verschiedenen Feststellungen der einzelnen Gewährsmänner sprechen teils von einer Lebensweise der Rau- pen an Beeren, teils von einer solchen an Blättern vom Christophskraut (Actea spicata L.) Schütze kommt nach genauer Anführung seiner eigenen Beobachtungen zu dem Schlusse, daß die appensata-Raupe an Beeren von Actea spicata vorkommt und nach seinen Nachforschungen, wie er wörtlich schreibt: „kein Fall beobachtet wurde, daß die Raupe in Rlattgespinsten lebt‘.

Dem ist aber nicht so! Nach meinen langjährigen Beobachtungen kann ich sagen, daß beide Arten der Lebensweise der Raupe, also an Beeren und an Blättern zutreffend sind. Wobei ich aber fast mit Sicherheit an- nehmen möchte, daß die ursprüngliche Lebensweise der appensata-Raupe die an Beeren ist.

Die im gesamten Schrifttum so verschiedenen, oft sich stark wider- sprechenden Angaben über die Lebensweise der Raupen von. appensata gaben mir auch schon vor vielen Jahren die Veranlassung, etwas ein- gehendere Studien darüber anzustellen. Dies war umso leichter, als gerade in der nächsten Umgebung von Innsbruck die Raupe dieser Acasis-Art alljährlich verhältnismäßig häufig beobachtet werden kann. Die un- scheinbaren Imagines hingegen dürften ein sehr verborgenes Dasein füh - ren. Sie wurden auch bei uns nur vereinzelt, meist an feuchten Stellen von Waldwegen sitzend, erbeutet.

Am Fuße der südlichen Mittelgebirge bei Innsbruck wächst, besonders im Halbschatten von lichteren Fichtenwäldern und in kleineren Wald- durchschlägen, die Futterpflanze der streng monophagen appensata-Rau-

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pe. Das Christophskraut steht dort stellenweise in Gesellschaft von Spi- raea ulmaria L. Im Verlaufe des Wachstums werden oft die niedrigen Actea spicata-Pflanzen von den zu ansehnlicher Größe heranwachsenden Spierstauden überwuchert und sind dann schwer zu erkennen. -Solche dichter bewachsene Waldstellen sind aber wenig ergiebige Fundstellen für appensata-Raupen. Sie bevorzugen mehr freier stehende oder am Rande solcher Pflanzengesellschaften liegende Actea spicata-Bestände. Von Mitte Juni bis anfangs Juli findet man dort regelmäßig die Raupen dieser kleinen Geometride. Da bereits die jungen Raupen recht verräte- rische Spuren ihrer Anwesenheit zeigen, wird das Auffinden derselben wesentlich erleichtert.

In manchen Jahren zeigten zur Flugzeit der Imagines (Mitte Mai) die Actea spieata-Pflanzen, außer vielleicht an begrenzten, klimatisch begün - stigten Örtlichkeiten, noch keinerlei Ansätze zu Blütenknospen. Hingegen standen in anderen Jahren zu dieser Zeit die meisten Pflanzen in voller Blüte und zeigten sogar schon die ersten Fruchtansätze. Dann beobachtete ich, daß jahrweise an einzelnen Stellen die Christophskrautpflanzen keine Blüten entwickelten und daher unfruchtbar blieben. Die Falter, die all- jährlich ziemlich unabhängig von den jeweiligen Witterungsverhältnis- sen, regelmäßig Mitte Mai, ihre kurze Flugzeit haben, müssen sich diesen Umständen wohl zwangsläufig anpassen. Sie legen daher ihre Eier ent- weder vereinzelt an die Stielchen der Fruchtdolden oder an die Blattstiele nahe dem Blattansatz. Die Lebensweise der Raupe kann daher jahrweise und örtlich aueh recht verschieden sein. Man findet in Jahren, wo zur Flugzeit der Falter die Entwicklung der Futterpflanze weiter fortge- schritten ist, mehr Raupen an Beeren und in anderen Jahren, wo die Blütezeit später fällt oder strichweise Pflanzenkolonien keine Früchte tragen, die Raupe vorwiegend an Blättern fressend, ganz vereinzelt auch einmal an ein und derselben Pfianze eine Raupe an Beeren und eine an Blättern fressend. Die von Raupen bewohnten Pflanzen sind in beiden Fällen leicht zu erkennen.

Jie noch unreiien, kleinen und mit grünen Beeren besetzten Trauben sitzen auf einem steifen Stengel und stehen ziemlich aufrecht über den Blättern. (Erst mit zunehmender Reife werden sie größer und recht schwer, so daß sie meist bis zum Boden herabhängen.) An diesen Frucht- trauben sieht man öfters die unreifen, grünen Beeren durch einzelne Ge- spinstfäden ganz lose zusammengezogen. Und darin sitzt, an die kurzen Beerenstiele angeschmiegt, die ungemein träge Raupe von appensata. Die Raupe frißt die Beeren meist nur an oder höhlt sie teilweise aus. In den Beeren selbst fand ich bei uns nie die Raupe, auch nie eine die großen, reifen, schwärzlichen Früchte fressend. Meist ist nur eine einzige Raupe in einer solchen „Wohnung“, von einem richtigen Gespinst kann man ja nicht sprechen. Öfters leben auch zwei oder drei Raupen in einer Frucht- traube, ganz vereinzelt auch vier. Mehr als vier Raupen sah ich noch nie beisammen.

Fast noch auffälliger als bei den zwischen Früchten lebenden Raupen sind die verräterischen Spuren ihrer Anwesenheit bei den an Blättern lebenden. Die Raupen nagen den Blattstiel knapp am Blattansatz etwas an, so daß das Blatt bald schlapp, oft fast in Form eines stark gefalteten Blattkegels oder einer Biattrolle herunterhängt. Die Größe und Form dieser Blattüte ist je nach dem Alter der sie bewohnenden Raupe recht verschieden. Durch die teilweise Unterbindung der Saftzufuhr verliert das Blatt wohl die frische, grüne Farbe und wird etwas bräunlich, ohne aber auszutrocknen. Es sieht dann wie von einem frühen Herbstfrost verbrannt aus. Die kleineren Raupen nagen meist den Stiel eines der

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drei Blattlappen des Actea spicaia-Blattes an, während die größeren Raupen den größeren Blattstiel am Grunde des dreilappigen Blattes an- nagen, so daß das gesamte Blatt stark gefaltet, tütenförmig oder gerollt herabhängt. Die Falten des stielnahen, oberen Teiles dieser Blattüte werden mit einzelnen Fäden lose zusammengesponnen. In diesem Falten - zipfel sitzt die Raupe während der Ruhe. Diese Tüten beherbergen meist nur je eine Raupe, seltener zwei. Nur zweimal fand ich darin drei Raupen beisammen. Mehr als drei Raupen konnte ich nie feststellen. Die äußerst trägen Raupen fressen aus den schlappen Blättern, beim Blattansatz beginnend, kleine oder größere Löcher und lassen meist die stärkeren Blattadern stehen. Diese markanten Fraßspuren werden aber erst beim Ausbreiten der Blätter sichtbar. Da die Raupen entlang der Falten fres- sen, entstehen oft förmliche Lochmuster, ähnlich wie bei Faltpapier- schnitten. Mit zunehmendem Wachstum der Raupen wird der Löcherfraß immer größer und erst später wird meist das gesamte Blatt bis auf kleine Reste, entlang der starken Adern, zerfressen.

Die äußerst träge, gedrungene Raupe hält sich, wie die meisten Acasis- Raupen, ungemein fest an, so daß sie schwer gestreift oder geklopft werden kann. Sie ist ziemlich veränderlich. Die rötliche Rückenzeichnung der grünen Raupe ist oft recht auffällig und deutlich ausgeprägt, dann wieder sehr schmal, oft unterbrochen und hie und da fast gänzlich feh-

lend.

Die Zucht der eingesammelten appensate-Raupen in allen Größen führte ich alljährlich fast ohne nennenswerte Verluste in Blechdosen durch. Ich reichte einem Teile der getrennt gehaltenen „Beerenraupen“ Beeren und dem anderen Teile Blätter, den an Blättern gefundenen Rau- pen teils Blätter und teils unreife Beeren. Alle Zuchten ergaben alljähr-- lich normale Puppen und Falter. De Raupen fressen nach meinen lang- jährigen Beobachtungen, genau wie im Freien, auch bei der Zucht so- wohl unreife Beeren, als auch le Blätter und gedeihen dabei gleich gut. Bei gleichzeitiger Fütterung mit Beeren und Blättern wird beides ziemlich gleich gerne angenommen. Die Verpuppung erfolgt am Boden in kleinen Erdgespinsten. Nach der Überwinterung schlüpfen die Falter sehr zeitig (März bis April). Vereinzelt überliegen die Puppen auch noch ein weiteres Jahr.

Die Nordtiroler appensata-Falter sind verhältnismäßig konstant. im Saum- und Wurzelfeld leicht aufgehellte Tiere. bei denen die Mittelbinde dann dunkler wirkt, sind sehr einzeln.

Auf Grund meiner Nordtiroler Freilandbeobachtungen und Zuchter- fahrungen möchte ich kurz zusammenfassend folgendes festhalten:

Die Raupe von appensata Ev. lebt sowohl an den unreifen Früchten als auch an Blättern von Actea spicata L. Die recht unterschiedlichen An- gaben im Schrifttum, aus verschiedenen Gebieten, sind meines Erachtens im allgemeinen zutreffend.

Schütze selbst stützt seine Schlußfolgerung auf seine verhältnis- mäßig geringe Zahl von Raupenbeobachtungen mit sehr späten Fund- daten” (Mitte Juli bis Ende Juli). Meiner Ansicht nach wird die Lebens- weise der appensata-Raupe, klimatisch bedingt, örtlich größeren oder kleineren Änderungen unterworfen sein. In manchen Gegenden wird sie vorzugsweise an Beeren leben, in anderen wieder mehr an Blättern. Bei der Spärlichkeit der Beobachtungen werden naturgemäß Einzelbeobach- tungen oft zu sehr verallgemeinert und können zu Trugschlüssen führen So wie ich in Nordtirol auf verhältnismäßig kleinem Raume bereits ver- schiedenartige Feststellungen über die Lebensweise der appensate-Rau-

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pen machen konnte, liegen die Verhältnisse wohl auch in großräumigen Gebieten.

Klimatisch bedingt tritt in verschiedenen Gegenden dauernd, oft viel- leicht nur jahrweise, eine recht unterschiedliche Entwicklung im Wachs- tume der Futterpflanze augenfällig in Erscheinung. Die Raupen müssen ihre Lebensweise den geänderten Verhältnissen anpassen und leben hier vorwiegend an Beeren, dort wieder mehr an Blättern.

So wie wir bereits eine Anzahl von Beispielen von sogenanntem „regio- lem Futterpflanzenwechsel“ kennen, so ist es ja durchaus möglich, daß wir hier ein gutes Beispiel einer naturbedingten, gebieisweisen Änderung der Lebensweise der Raupen von Lepidopteren vor uns haben. Ich möchte diese Tatsache daher vielleicht als „regionale Änderung der Lebens- weise“ bezeichnen. Meine Zeilen mögen nur eine kleine Anregung zu weiteren Beobachtungen und zur Aufzeigung anderer Beispiele sein, wo Lepidopterenraupen „regional“ ihre Lebensweise geändert haben. Wider- sprechende Schrifttumsangaben weisen in den meisten Fällen bereits auf selche Arten hin.

Anschrift des Verfassers:

Karl Burmann, Innsbruck, Anichstraße 3#.

Wanderfalterbeobachtungen 1954 in Südbayern Von Josef Wolfsberger

Ein sehr ungünstiges Beobachtungsjahr, so daß die Ergebnisse noch weit hinter denen des vergangenen Jahres liegen. Auf längere Schlecht- wetterperioden folgten meist nur wenige Sonnentage. Dieses unbeständige Wetter mit mehreren starken Temperaturrückgängen dauerte bis etwa Ende September. Dann war .allerdings bis Ende Dezember ein meist schönes und trockenes Herbstwetter mit oft überdurchschnittlich hohen Temperaturen, das natürlich für die Wanderfalterbeobachtungen keine wesentliche Änderung mehr bringen konnte. Ich halte es aber doch für angebracht, über die wenigen vorliegenden Beobachtungen zu berichten, da nach menschlichen Begriffen auch denkbar ungünstige Jahre zur Lö- sung der Wanderfaiterfrage beitragen können. Es ist doch sehr bemer- kenswert, daß Melicleptria scutosa Schiff. und Cosymbia pupillaria Hbn. in den letzten extrem schlechten Jahren an vielen Stellen und besonders zahlreich beobachtet wurden, während diese früher nicht oder nur ganz vereinzelt auftraten. Beide Arten sind in ihrer Heimat an die trocken- sten und wärmsten Biotope gebunden. Das stellenweise massenhafte Auf- treten von Celerio lineata livornica Esp. in den zum Teil überdurch- schnittlich warmen und trockenen Jahren 1946—1950 in Mitteleuropa ist sicher sehr bemerkenswert, überraschend aber, daß Daphnis neri L.. M. scutosa Schiff. und €. pupillaria Hbn. in diesen Jahren nicht in Er- scheinung traten, in den wesentlich kühleren und niederschlagsreicheren Semmern 1953 und 1954 nördlich der Alpen jedoch an mehreren Orten festgestellt wurden, livornica dagegen wieder vollkommen fehlte. Es wer- den noch viele Jahre intensiver Arbeit notwendig sein, um der Lösung dieser Rätsel nähertreten zu können. Vielleicht sind weniger die Witte- rungsverhältnisse im Einfluggebiet zu berücksichtigen, als vielmehr die in ihrer eigentlichen Heimat, die sie zur Wanderung veranlassen bzw. zwingen.

Allen denen, die wieder Beobachtungsergebnisse zur Verfügung stell- ten, möchte ich auch hier noch bestens danken. TR

1. Pieris brassicae L.

Das Auftreten in Südbayern kann durchaus als normal bezeichnet werden. Folgende Beobachtungen erscheinen mir erwähnenswert: Bran- nenburg a. Inn am 14. VIII. gegen 14 Uhr zahlreiche Falter, ohne be- stimmte Flugrichtung, durchschnittlicher Abstand 10 m, teilweise in klei- nen Gruppen von 3—10 Stück heftig hin- und herfliegend und hastig Blüten besuchend (Pabst), Zugspitzgipfel (2963 m) am 4. IX. in süd- licher Richtung überfliegend (Mulzer).

2. Colias eroceus Fourer. (= edusa F.)

Offensichtlich nur sehr schwacher Einflug. Es liegen Einzelbeobach - tungen von folgenden Orten vor: Paitzkofen b. Straubing 22. und 24. V. je 15 in einer Kiesgrube, später im Gebiet um Straubing nicht mehr beobachtet (Schätz), Mangfalltal bei Miesbach 3. X. an einem sonni- gen Damm ein frisches 5 (Wolfsberger), Hauchenberg b. Sonthofen 1000 m 24. IX. und 3. X. je einen Falter an einem Südhang, beide Tiere wurden markiert (Mau), Garmisch-Partenkirchen 30. Vl.2 55 (Kau- sen), hinteres Sonnwendjoch, Nordtirol 1409 m einige frische 55’ am

10. X. bei sehr milder Witterung (Wolfsberger).

3. Pyrameis atalanta L.

Nach den vorliegenden Beobachtungen ebenfalls ein sehr mäßiges Auf- treten. Nur Kremser erwähnt für den Raum von Memmingen ein stärkeres gehäuftes Vorkommen der Herbstfalter. Er bemerkt dazu fol- gendes: Illertal b. Memmingen 4. VII. und 27. VIII. je 15, 1.—4. IX. in großer Anzahl in Nord-Südrichtung fliegend, 5. IX. zwischen 10.30 und 14 Uhr etwa 40 Stück von Norden nach Süden ziehend, 11. IX. zwischen Heimertingen und Fellheim a. d. Iller etwa 50 Stück meist sitzend oder kurze Strecken fliegend, in den Waldungen bei Eisenburg und Niederrie- den bei Memmingen ebenfalls eine größere Anzahl Falter beobachtet (Kremser). Von allen anderen Beobachtern werden meist nur Einzel- beobachtungen gemeldet. Sie verteilen sich wie folgt: Paitzkofen bei Straubing 19. und 23. VII, A. VIII. einzeln im Garten, Münchshöfen bei Straubing 11. VIII. (Schätz), Wolfratshausen 19. VII. ein Falter in nördlicher Richtung fliegend, Rosenheim 2. IX. ein frischer Falter an Gartenblumen (Kausen), Miesbach 3.X. einzelne Tiere im Garten an Blumen (Wolfsberger), Hauchenberg bei Sonthofen 1000 m E. IX. und M. X. je einige Falter, die grün markiert wurden, Stuiben 170) m 14.X. ein Falter (Mau), Hausham 809 m 20. IX. ein @ (Wolfsber- ger), Brannenburg a. Inn A. VII. und M.X. je ein Falter (Pabst), Bergen bei Traunstein 600 m 20. und 22. VI: einzelne Tiere, ein © an Brennesseln Eier legend (Beyerl), Hammer bei Siegsdorf 700 m 18. III., 30. VL, 17.X., Bischofswiesen bei Berchtesgaden 29. IV., 21. VIL, Inzell 3.X., Neubeuern a. Inn bei Rosenheim 9.V. (Wihr), Kufstein 10.X. einzelne Falter an einem stark besonnten Hang, hinteres Sonn - wendjoch ein frisches © bei der Bärenbadalpe 1609 m 17.X. (Wolfs- berger). Sehr bemerkenswert erscheint mir die Beobachtung eines Falters von Wihr am 18. III. in Hammer bei Siegsdorf zu sein. Da zu dieser Jahreszeit (jedenfalls nicht im Frühjahr 1954) ein Überfliegen des Alpenhauptkammes einschließlich der tiefer gelegenen Pässe wohl noch nicht möglich war, ist anzunehmen, daß es sich um ein Tier handelt, das nördlich der Alpen überwintert hat.

4. Pyrameis cardui L.

Sehr schwaches Flugjahr, es liegen nur Einzelmeldungen vor. Paitz- kofen bei Straubing häufiger als atalanta, aber nicht so zahlreich wie in den Jahren vorher. 25. V. wenige Stücke auf einem Feldweg und um

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Lindenblüten, dann immer nur ganz einzeln bis A. IX. (Schätz), Iller- tal bei Memmingen zwischen 27. V. und 22. VII. mehrfach, doch immer recht einzeln, nur am 20. VI. am Nachmittag 12 Falter von Süden nach Norden fliegend (Kremser), Diessen a. Ammersee 13.X. ein abge- flogener Falter (Kausen), Hauchenberg bei Sonthofen 1000 m M. IX. einzeln an Blüten (Mau), Zugspitzgipfel (2963 m) 4.1X. ein Falter nach Süden fliegend, Schwarzenbergalm bei Miesbach 2. IX. in südwestlicher Richtung ziehend (Mulzer).

5. Acherontia atropos L.

Nur wenige Angaben. Paitzkofen bei Straubing. A. IX. bis M. X. 16 Pup- pen erhalten (Schätz), Eisenärzt bei Siegsdorf 2.X. ein 5’ (Sche- Ber)

6. Herse eonvoivuli L.

Für Südbayern liegen nur wenige Ängaben vor; es war zweifellos ein sehr schlechtes Wanderjahr. Paitzkofen bei Straubing 20. V. ein stark abgeflogenes 9, frische Falter flogen ab 30. VI. aber nur einzeln, etwas häufiger ab M. VIII. an Geißblatt, der letzte Falter am 20.X. a. Licht, M. X. zwei fast erwachsene Raupen (Schätz), Miesbach E. VII. 1, 2.IX. 19 (Wolfsberger).

7. Daphnis nerii L.

In Südbayern nicht festgestellt. Dagegen erhielt Pfister einen Falter (A. X.) von Schweinfurt. Es ist sehr bemerkenswert, daß trotz des sehr ungünstigen Jahres ein Einflug dieser Art in den Raum nördlich der Alpen stattgefunden hat.

8. Macroglossum stellatarum L.

Das Vorkommen kann durchaus als normal bezeichnet werden. Falter wurden an folgenden Orten registriert: Illertal bei Memmingen 6. VII. zwei Falter an Wiesensalbei saugend (Kremser), Paitzkofen, Münchs- höfen und Irlbach bei Straubing E. VI. und M. VII. vereinzelt, keine Raupen (Schätz), München-Stadtgebiet M. VII. an Blüten fliegend, Miesbach im Garten an Flox 13. VIIl. und 5. IX. einzeln, am 3.X. dann ziemlich zahlreich (Wolfsberger), E. VL, M. VII. und im X. einzeln an Petunien (Mulzer), Brannenburg a. Inn E. VI. und A. VII. einige Falter an Buschnelken saugend (Pabst), Kufstein und hinteres Sonn- wendjoch in Nordtirol im X. mehrfach in Gärten und an sonnigen Hängen

(Wolfsberger).

9. Agrotis ypsilon Rott.

Auch heuer wieder viel seltener als in normalen Flugjahren. Für Paitzkofen bei Straubing bemerkt Schätz folgendes: A. IV. bis M.V. nicht häufig a. Köder und Licht, die Raupen traten nicht als Schädlinge in Erscheinung. Von September bis Oktober und auch an warmen Tagen im November die frischen Falter am Licht und Köder, häufiger als im Vorjahr. Die Weibchen dieser Falter hatten keine Eier. Ich beobachtete den Falter E.X. im Rotwandgebiet bei 1250 m einzeln a. Licht. Weitere Beobachtungen liegen nicht vor, doch trat der Falter sicher überall, wenn auch ganz vereinzelt auf.

10. Melicleptria scutosa Schiff.

Für Südbayern liegt nur je ein Nachweis vor von Paitzkofen bei Straubing 1 9 1. VI. a. Licht, die wenigen abgelegten Eier schlüpften nicht (Schätz), Haag bei Freising 21. VI. ein 5 (Hörhammer), Innsbruck am 24. VIII. und 3. IX. mehrfach, doch bereits stark abge-

29 flogen (Burmann). Es scheint auch heuer ein stärkerer Einflug erfolgt zu sein, denn der Falter wurde in Nordbayern ebenfalls an einigen Stellen im V. und VIII. beobachtet (teste Pfister).

11. Phytometra gamma L.

Der Falter wird von zahlreichen Mitarbeitern zwischen M.V. und E.X. erwähnt, doch meist einzeln.

12. Cosymbia pupillaria Hb.

Nur von BurmannM. bis E.IX. für Innsbruck erwähnt. Er be- merkte, daß das Tier nun in den letzten Jahren immer beobachtet wur- de, während es früher vollkommen fehlte.

Anschrift des Verfassers: Josef Wolfsberger, Miesbach (Obb.), Siedierstraße.

Bemerkungen über Evodinus interrogationis L. und Beschreibung von vier neuen Formen

Von Günther Schmidt (mit 5 Abbildungen)

Eine der variabelsten europäischen Bockkäferarten, von der schon etwa 100 Formen mehr oder weniger gut beschrieben worden sind, ist Evo- dinus interrogationis L. Die Art ist ein Bergtier und in Europa weit ver- breitet; trotz lokal oft massenhaften Auftretens ist die Biologie noch un- bekannt. Die Käfer besuchen auf Bergwiesen vorwiegend die Blüten von Geranium und Trollius. Es sind relativ träge Tiere, nur im Sonnenschein sieht man sie fliegen.

Die Unterscheidung der einzelnen Formen beruht im wesentlichen auf der variablen Verteilung heller und dunkler Farbelemente der Flügel- decken. Die Reihe der Variationen erstreckt sich von einfarbig hellen Fermen ohne jeden schwarzen Fleck bis zu völlig schwarzen Tieren, aber Häufigkeit und geographische Verbreitung dieser Formen sind sehr un- terschiedlich. Grob gesehen kann man drei Variationsgruppen aufstellen wie folgt: 1. Typ: Überwiegend hell gefärbte Formen mit nur wenigen, meist isoliert gestellten schwarzen Flecken oder Bändern; selten sind die Flügeldecken einfarbig hell ohne schwarze Zeichnung. Der helle Anteil der Flügeldecken beträgt mehr als 50% der Fläche. 2. Typ: Helle und dunkle Zeichnungselemente halten sich annähernd die Waage. 3. Typ: Dunkle Färbung ist überwiegend oder sogar nur allein vorhanden.

Obwohl genaue Studien über die geographische Verteilung dieser drei Färbungstypen bisher noch nicht gemacht sind, scheint es doch zweifellos zu sein, daß innerhalb des Verbreitungsgebietes dieser Art die Formen nicht gleichmäßig vorkommen, sondern es gibt Gebiete mit mehr oder ausschließlich dunklen Formen und wieder solche, in denen die hellen Formen überwiegen. Meine Untersuchungen, die sich auf ein erhebliches Material in privaten und öffentlichen Sammlungen sowie auf die Litera- turangaben stützen, zeigen, daß zumindest in Europa die Färbungs- typen 2 und besonders 3 vorherrschen, in Sibirien indessen ist Typ 1 nicht selten und die hellsten überhaupt bekannten Formen stammen nur von dort; daneben gibt es aber auch in Sibirien dunkle Farbformen. Alle bisher in Deutschland gefundenen Exemplare und ebenso die Böh- mischen Stücke gehören zu dem dunklen Färbungstyp 3. In den Alpen, insbesondere in der Schweiz, finden sich auch hellere Varianten, wobei mit Zunahme der hellen Färbung auch die Seltenheit zunimmt. Auf

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Grund der Gesamtverbreitung sprechen Holdhaus und Lindroth die Art als boreo-alpin an.

Man könnte es für überflüssig ansehen, durch Beschreibung weiterer Formen die Fülle der Aberrationsnamen zu vermehren, und in der Tat ließen sich auf rein theoretischem Wege die Kombinationsmöglich- keiten der Flecken- und Bänderzeichnungen errechnen. Ich halte es aber für notwendig und für die genaue Kenntnis einer variablen Art wichtig, jede tatsächlich neue Form bekanntzumachen. Selbstverständlich sind Abweichungen einer wenig variablen Art von größerem Interesse als solche einer schr variierenden. Für letztere sollte man bei der Beschrei- bung großzügig vorgehen, so daß bei der Abgrenzung einer Form kleine individuelle Variationen ohne Schwierigkeit zum gleichen Formenkreis gezogen werden können. Mit anderen Worten: die Definition der Formen muß so gefaßt werden, daß auch Exemplare mit geringen Abweichungen dabei ohne besondere Benennung Berücksichtigung finden. Natürlich muß dabei die Variationsrichtung in das Gesamtschema hineinpassen. Wert- voll ist es, eine wirklich kennzeichnende Benennung zu wählen und dabei sich des „Freien Atributes“ im Sinne Heikertinger’s zu bedienen. In Verfolg dieser Richtlinien wird es eher möglich sein, einen Überblick über die Variabilität zu gewinnen und geringfügige individuelle Abwei- chungen ohne neue Namensgebung einzuordnen.

Nachstehend gebe ich in diesem Sinne eine Ergänzung zu einer Form- beschreibung und Definitisnen für vier neue Formen, deren Typoide sich in meiner Sammlung befinden.

Evodinus interrogationis ab. bohemicus Heyr.

In Erweiterung der vom Autor 1947 in Acta Soc. Ent. Cechosl. Bd. 44 gegebenen Definition ist hinzuzufügen, daß man auch Exsmplare mit sehr schmal gelb gefärbter Flügsldeckenspitze und kurzer, schmaler, gelber Nahteinfassung im hinteren Flügeldeckenteil zu dieser Form rech- nen muß.

E. interogationis ab. margineocellatus n. ab.

Diese Form ähnelt sehr der ab. erternedecoratus Heyr., doch sind bei ihr die beiden gelben Flecke in der Mitte des Flügeldsckenaußenrandes so miteinander verbunden, daß eine halbmondförmige, zusammenhän - gende Zeichnung entsteht, die einen schwarzen Fleck umschließt. Der helle Fleck im äußeren Flügeldeckenspitzenteil ist sehr undeutlich und von bräunlich-gelber Farbe., Monte Rosa, 1 Expl. Abb. 1.

E. interrogationis ab. marginelunulafus n. ab.

Diese Form steht am nächsten der ab. tippmanni Heyr. (Acta Mus. Sil. 1951), unterscheidet sich aber einmal durch das Fehlen eines hellen Flek- kes im äußeren Spitzenviertel der Flügeldecken, außerdem ist die gelbe Verbindungslinie zwischen dem großen halbmondförmigen Seitenfleck zu dem Fleck unter der Schulterbeule schmäler, auf die Epipleuren be- schränkt. Die schmale, helle Nahtkante zeigt an der Flügeldeckenspitze eine schwache Erweiterung, reicht aber nicht so weit um die Spitze herum wie bei ab. tippmanni lleyr. Simplon, Juli 1938, 1 Expl. Abb. 2.

E. interrogationis ab. discofasciatus n. ab.

Eine interessante Form, ähnlich der ab. planeti Pic. (Mat. Longic. 1934, p. 29). Ein breites schwarzes Band reicht von der Flügeldeckenbasis bis zu derem letzten Viertel. Die Zeichnung ist basalwärts breiter als an

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ihrem Ende und hier leicht nach dem Flügeldeckenseitenrand zu gebogen und verbreitert. An den Schultern bleibt eine Partie gelblich, ebenso eine Linie längs der Naht, die allmählich vom Schildchen zur Flügeldecken - spitze hin breiter wird. Diese Linie vereinigt sich im Apicalteil mit dem gelb gefärbten Spitzenviertel der Flügeldecken. Der äußere Teil der Flügeldecken, mit Ausnahme des basalen Fünftels, ist gelb mit einem schwarzen Fleck in der Mitte nahe dem Außenrand. Das Spitzenviertel ist einfarbig gelb und zeigt nur einen undeutlich bräunlichen Fleck un- weit der Spitze. Epipleuren in ihrer ganzen Länge hell gefärbt. Schweiz: Champextal im Wallis, 1 Expl. Abb. 3.

E. interrogationis ab. semiobscurus n. ab.

Ähnlich ab. chamounyi Kr.; die Ausdehnung der hellen Partien der Flügeldecken ist variabel. Der gelbe Streifen längs der Naht beginnt dicht hinter dem Schildchen oder erst nahe der Flügeldeckenmitte, er ist bald schmal, bald etwas verbreitert und reicht bis zur Flügeldsckenspitze. Im letzten Fünftel der Flügeldecken ist diese Zeichnung mehr oder weniger verbreitert, im Extremfall zu einer gelben Querbinde entwickelt, die Naht und Flügeldeckenaußenrand miteinander verbindet. Flügeldecken- basis schwarz, nur unter der Schulter ein heller Fleck.

Abweichend von ab. chamounyi Kr. sind die beiden gelben Flecke in der Mitte des Flügeldeckenaußenrandes an ihrer Innenpartie miteinander verbunden, so daß eine annähernd halbmondförmige Zechnuaz entsteht, die einen schwarzen Fleck umschließt. Der Gesamteindruck dieser Form ist im vorderen Flügeldeckenanteil mehr schwarz, im hinteren mehr hell, doch insgesamt überwiegt die dunkle Färbung (Färbungstyp 3). Simplon, Juli 1938, 2 Expl.; Monte Rosa, 1 Expl.; Radstätter Tauern, 1 Expl.: Deutschland ohne nähere Fundortangabe, 1 Expl. Abb. 4 und 5.

Anschrift des Verfassers: Dr. Günther Schmidt, Berlin-Steglitz, Schildhornstraße 11.

Abb, 1 Abb, 2 Abb, 3 Abb. + Abb. 5 Abb, 1 ab. margineocellatus nov. ab. Abb, 2 ab marginelunulatus nov. ab.

Abb.

3 ab. discofasciatus nov. ab. Abb. #4 und 5 ab. semiobscurus nov. ab.

Buchbesprechungen:

Neue Brehm-Bücherei. Ziemsen-Verlag, Wittenberg 1954. Drei neue, den Insekten gewidmete Hefte dieser wohlbekannten Serie kleiner Monographien liegen vor: Nr. 136. Horst Gleiss, Die Eintagsfliegen. 48 Seiten, 23 Abbildungen. Brosch. DM 2,25.

NG

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Nr. 137. Hellmuth Gäbler, Prozessionsspinner, 38 Seiten, 40 Abbildungen. Brosch. DM 1,50.

Nr. 139. Ullrich Sedlag, Hautflügler II. 56 Seiten, 33 Abbildungen. Brosch. DM 2,25. '

Zusammenfässende populäre Darstellungen der Ephemeriden, der Eintagsfliegen, liegen aus neuerer Zeit keine vor, so daß diese gute und durch zahlreiche Abbildungen ergänzte kurzgefaßte Schrift nur begrüßt werden kann. Es wird Morphologie, Anatomie, Entwicklung, Biologie und Ökologie der Eintagsfliegen behandelt und auch kurz auf Palaeontologie, Verbreitung und ökologische Be- deutung eingegangen. Die einzelnen bei uns vorkommenden Arten werden nicht behandelt, es wird vielmehr auf die Bestimmungstabellen in der Literatur ver- wiesen.

Das nächste Heft bringt eine gute, kurzgefaßte Monographie der drei mittel- europäischen Prozessionsspinnerarten nach dem neuesten Stande der Wissenschaft aus der Feder eines bekannten Forstentomologen.

Das dritte der vorliegenden Hefte ist insoferne besonders zu begrüßen, als es die Blatt-, Halm- und Holzwespen behandelt, über die so gut wie keine populäre Literatur besteht, obgleich sie doch im Haushalte der Natur eine große Rolle spielen und von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung sind. Wie bei den beiden anderen Bändchen ist auch bei diesem die reiche Bebilderung hervorzuheben.

Jahrbuch des Vereines zum Schutze der Alpenpflanzen und -Tiere, 19. Jahrgang. 80. 144 Seiten, 1 Farbtafel, 12 Phototafeln, 48 Abbildungen und Karten im Text. München 195#.

Auch dieser neueste Band des bekannten Jahrbuches ist wieder ebenso reich- haltig wie seine Vorgänger. Gedanken eines Bergsteigers zum Naturschutz von H. v. Bomhard leiten das Buch ein. Über aktuelle Naturschutzfragen in der Schweiz berichtet M. Oechslin, OÖ. Kraus über die Nationalparke in den Ver- einigten Staaten, K. Magnus über das Naturschutzgebiet Königseealpen, K. Sepp über das Projekt des Sylvensteinspeichers. An botanischen Beiträgen finden wir einen Artikel über die Buchskreuzblume von G. Eberle, Botanische Streifzüge im Gebiet der Tübinger Hütte von H. Ch. Friedrich und den Abschluß der her- vorragenden, gerade auch für den faunistisch arbeitenden Entomologen lesens- werten, mit zahlreichen Verbreitungskarten ausgestatteten Untersuchungen von !i, Merxmüller über die Sippengliederung und Arealbildung der Pflanzen in den Alpen, die interessante Parallelen zur Verbreitung der Insekten aufzeigen. Aus der Reihe der Artikel mit zoologischem Inhalt sei hier besonders auf den Bei- trag von F. Daniel und J. Wolfsberger aufmerksam gemacht, die auf Grund eingehender Untersuchungen und umfangreicher Aufsammlungen über das Kauner- tal als Lebensraum trockenheits- und wärmeliebender Schmetterlinge berichten. Der Abschluß eines Artikels über die Geier der Salzburger Alpen aus der Feder von E. Tratz, eine Arbeit über die bodenständigen Haustierrassen der Alpen von W. Koch und ein kleiner Beitrag über die Biologie der Äsche von K. Walde sind die weiteren zoologischen Beiträge. Die meisten Artikel sind mit Textzeich- nungen und Photos gut illustriert, die Reproduktion eines Gemäldes von Comp- ton leitet den auch sonst hervorragend ausgestatteten Band ein. Dies Jahrbuch, das an die Mitglieder des Vereines zum Schutze der Alpenpflanzen und -Tiere (München 2, Limprunstraße 50/IV r.) gegen den Jahresbeitrag von DM 5.— aus- gegeben wird, kann nur wärmstens empfohlen werden. W.F.

Aus der Münchner Entomologischen Gesellschaft

Sitzung am i4. 2. 1955. Vorsitz: Prof. Dr. h. c. F. Skell.

Anwesend: 47 Mitglieder, 51 Gäste.

Herr Dr. Forster berichtete unter Vorweisung von Lichtbildern und Material über seine Reisen in den bolivianischen Yungas und in Chiquitos. Der Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen.

Sitzung am 28. 2. 1955. Vorsitz: Prof. Dr. h. c. F. Skell. Anwesend: 21 Mitglieder, + Gäste. 2 Unter reger Beteiligung der Mitgiieder wurde ein Tauschabend durchgeführt.

NACHRICHTENBLATT

der Bayerischen Entomologen

Herausgegeben von der Münchner Entomologischen Gesellschaft Schriftleitung: Dr. Walter Forster, München 38, Menzinger Straße 67 Postscheckkonto der Münchner Entomolog. Gesellschaft: München Nr. 31569 Verlag: J. Pfeiffer, München

4. Jahrgang 15. April 1955 | Nr. 4

Beachtenswerte Koleopterenfunde aus Südbayern

und den angrenzenden Kalkalpen

Von Konrad Witzgall

Auch im vergangenen Jahre 1954 ist es mir wiederum gelungen, eine Anzahl interessanter und beachtenswerter Käfer im Gebiete Südbayerns und der angrenzenden Kalkalpen (im Gebiet von Saalfelden, Leoganger Steinberge) zu erbeuten.

Carabus depressus Bon. var. Bonellii Dej.

Von diesem in den Zentralalpen häufigen Tier habe ich 1 9 bei Saal- felden in einem rotfaulen feuchten Fichtenstamme Ende Juli 1954 ge- funden. Trotz eifrigen Suchens kein weiteres Stück. Es handelt sich um einen recht beachtlichen nordöstlichen Fund!

Pterostichus subsinuatus De].

Mehrere Stücke unter Steinen am Funtensee bei Berchtesgaden Ende Juli 1952. Dieses Tier wird meines Wissens in Südbayern sehr selten ge- fangen.

Trichocellus placidus Gyli.

4 Stück an der Amper bei Dachau von Mai bis Oktober in den Jahren 1949—1954 aus Flußgenist gesiebt.

Bradycellus similis De].

Im Dachauer Moor unter Heidekraut im zeitigen Frühjahr 1950 bis 1954 zahlreich gesiebt. Das Tier lebt unter am Boden liegendem Heide- kraut.

Quedius brevicornis Thoms.

In der Riederau am Ammersee unter der Rinde einer vom Sturm ent- wurzelten abgestorbenen Eiche im Oktober 1954 9 Exemplare. 1 Stück auch bei Saalfelden Anfang August 1954 unter Ahornrinde. ;

Quedius tristis Grav.

Aus einem alten morschen Hainbuchenstock bei Riederau im Oktober 1954 gesiebt. Bemerkenswert ist, daß das Tier bei voller Ausfärbung braune Flügeldecken hat. Aus Südbayern ist wohl kaum ein weiteres Stück dieses Tieres bekannt.

Aylodrepa quadripunctata L.

In Anzahl in der Echinger Lohe in Waldlichtungen Mitte Juni 1954 teils auf Umbelliferen und teils schwärmend.

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Silpha carinata Hrbst.

Ebenfalls in der Echinger Lohe auf Waldwegen laufend Mitte Juni 1954 in sehr großer Anzahl. Besonders nach Gewittern war das Tier zu Dutzenden zu sehen.

Thymallus limbatus Fabr.

Unter der Rinde einer abgestorbenen Birke, die mit vielen Baum- schwämmen bewachsen war, einzelne Exemplare bei Saalfelden im Juli 1954. Das Tier war nicht in Gesellschaft von Calytis Thoms. und Zimioma Gozis. anzutreffen.

Phloestichus denticollis W. Redt.

Im Juli und August 1954 bei Saalfelden einzeln unter den schuppig ab- stehenden Rindenteilen des Ahorns; nur an einem einzigen Stamm in Anzahl.

Eniemus hirtus Thoms.

I Exemplar am 20. 6. 1952 aus einem faulen Hainbuchenstock in der Echinger Lohe gesiebt.

Xylobius corticalis Payk.

An abgestorbenen Erlen und Birken in Anzahl bei Saalfelden im August 1954. Teilweise befanden sich die Tiere im Innern der Stämme, teilweise liefen sie an entrindeten Stellen.

Dicerca accuminata Pall.

Im Nachrichtenblatt der Bayer. Entomologen vom 15. 10. 1953, Il. Jahrg., Nr. 10, S. 80, berichtete Herr Förster Ludwig Wiıhr, Ham- mer b. Siegsdorf, vom Fang zweier D. accuminata Pall. Nach eingehender Durchforschung des Hochmoores „Pechschneit“ b. Traunstein gelang es mir gemeinsam mit Herrn Hühdepohl, am 20. 6. 1954 das Tier dort in Anzahl zu fangen. Die Käfer sitzen träge an armdicken abgestorbenen Birkenästen und -stämmen und werden während der heißen Mittagszeit gefangen. Ich möchte an dieser Stelle nochmals Herrn L. Wihr dan- ken, daß er bereit war, mir im Jahre 1953 den Fangplatz zu zeigen und viele wichtige Hinweise zu geben.

Harminius undulatus Deg.

Bei Saalfelden im Juli 1954 mehrere Exemplare gefangen. Die 99 flo- gen Holzklafter an, die 5'5' schwärmten an Fichtenästen lebender Bäume.

Elater nigroflavus Goeze.

1 Exemplar an einer alten anbrüchigen Eiche im Forstenrieder Park am 19. 6. 1954.

Tillus elongatus L.

Ein 9 an einem abgestorbenen Ast eines Ahorns von meiner Frau bei Saalfelden im August 1954 erbeutet.

Phloeotrya rufipes Gyll.

| Exemplar an einer abgestorbenen armdicken Erle b. Saalfelden im August 1954.

Harpium sycophanta ab. latefasciatum E. Müll.

Nachdem ich am 15. 6. 1952 in der Echinger Lohe an einer Eiche 1 Stück fing, gelang es mir am gleichen Baume in der ersten Junihälfte 1954 zwei weitere Tiere zu erbeuten. Ein 5’ dieser Aberration beobach- tete ich in Kopula mit einem Q der Stammform!

Pachyta lamed L.

399 b. Saalfelden im Juli und August 1954 an Holzklafter anfliegend.

Rhopalopus hungaricus Hrbst.

An einem älteren Ahornklafter 4 Exemplare im Juli und August 1954

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bei Saalfelden. Ein Tier wurde vormittags 10 Uhr, zwei mittags und eines abends 18 Uhr erbeutet.

Leptura sexmaculata L. In Anzahl bei Saalfelden auf Umbelliferen Ende Juli 1954.

Saphanus piceus Laich.

1 Exemplar im Juni 1954 unter der Rinde eines alten Buchenstockes bei Siegsdorf (Traunstein), ein weiteres von einer gesunden Erle ge- klopft in ca. 1m Höhe bei Saalfelden im August 1954.

Phytoecia icterica Schall.

1 Exemplar im Juni 1954 in Schwabhausen b. Dachau tags ans Fenster geflogen. Trotz eifrigen Suchens an Pastinaca und Dauca kein weiteres Exemplar.

Chrysochloa viridis Duft. und viridis a. mirifica Wse.

Mehrere Ch. viridis Duft. unter Steinen am Funtensee b. Berchtesgaden Ende Juli 1952 und darunter 2 Stück der sehr seltenen a. mirifica Wse.

Anschrift des Verfassers: Konrad Witzgall, Dachau, Karl-Theodor-Straße 2.

Beitrag zur Verbreitung von Larentia lugdunaria H. Sch.

Von Richard Fischer

(Lep. Geom.)

Die Auffindung dieser seltenen Art bei Straubing durch Herrn W. Schätz (Nachrbl. Bayer. Entom. 4, 1955, p. 7) ist eine kleine Über- raschung. Zu der dort angeschnittenen Frage nach Fundorten in Deutsch- land möchte ich folgendes beisteuern. Von dieser neu für Bayern fest- Ser sehr seltenen Art besitze ich 1 52, bezettelt: Laband, 20. u. 22. 6. 36, welches mir Herr H. Raebel, Hindenburg, Oberschlesien, bei einem Besuch im Jahre 1944 freundlichst übereignete. In der von ihm herausgegebenen Fauna „Die Großschmetterlinge des oberschlesischen Hügellandes“, Beuthen (O.-S.), 1931, schreibt er über lugdunaria H. Sch. folgendes: „Am 11. Juli 1911 erstmalig von mir bei Laband in 4 Stücken als neu für Deutschland festgestellt. In den letzten Jahren fand ich mehreremale die Raupen Anfang September, welche in den Beeren von Cucubalus baccifer leben, die Raupen waren durchweg angestochen, es ist der bis jetzt bekannte nördlichste Fundort dieser Art, der nächste von hier ist Eperjes in den Karpathen.“ Darunter steht in dem mir geschenk- ten Exemplar handschriftlich: „1938 etwa 70 Falter erzogen.“ Hier han- delte es sich um Raupen, die Herr Raebel noch vor Torschluß sam- meln konnte, denn die Fundstelle, ein Wäldchen bei Laband, fiel einer Kanalanlage zum Opfer. Der Falter wurde noch an folgenden drei Stel- len Polnisch-Oberschlesiens am Licht gefangen: Im Kreis Ratibor, bei Pogrzebin und bei Ellguth-Tworkau; ferner bei Auschwitz. Herr Rae- bel hat auch die ersten Stände erforscht und die Raupen auf Änraten von Püngeler in den Beeren der Nelkenbeere (Taubenkropf) ent- deckt. Es ist dies ein bis 3 m rankendes Nelkengewächs, das nach der Sturmschen Flora von Deutschland an folgenden Standorten vorkommt: Im Gesträuch an den Ufern der Weichsel, Oder und deren größeren Nebenflüssen, an der Elbe zerstreut bis Dönitz hinab. nicht selten an der Donau bis Maxheim hinauf, am ganzen Main und der Regnitz sowie zerstreut am Mittelrhein bis Straßburg sowie am Niederrhein. Bei der großen Verbreitung der Futterpflanze bin ich überzeugt, daß der Falter noch an anderen Stellen gefunden wird. Die Raupe ist Ende August bis

Ende September erwachsen. Wegen der schwierigen Zucht verweise ich auf den Artikel von Raebel: Cidaria lugdunariae H. Sch. in Oberschlesien. (Ent, Zeitschr. 56, 1942, p. 60.) Das Vorkommen von Zugdunaria H. Sch. bei Straubing bestätigt die Annahme von Raebel (l. c.), daß der Fal- ter wegen seiner versteckten Lebensweise sowohl als Raupe als auch als Falter den Sammlern vielfach entgangen ist. Der neue Fund schließt die Lücke, die beim westlichen Stamm von Südfrankreich bis Linz an der Donau klafft, so daß dieser Stamm sich bis an die Karpathen verbrei- tet. Auf Grund der bis jetzt bekannten Fundorte ist die Verbreitung von !ugdunaria H. Sch. ja eine sehr eigenartige. Neben dem erwähnten West- stamm haben wir einen östlichen, der vom südrussischen Zentrum (Sa- repta a. d. Wolga) im Astrachaner Gebiet durch die Ukraine an der Nordseite der Karpathen bis zur Oder vordrang. Das Vorkommen im öst- lichen ukrainischen Raum ist allerdings infolge fehlender Sammeltätig- keit noch nicht bestätigt. Zum Schluß noch einige Angaben über die, bis jetzt bekannten Fundorte: „Seitz“, Südfrankreich, südlicher Teil von Österreich-Ungarn, Sarepta. „Spuler“ außerdem noch Kärnten und die Bukowina. Vorbrodt (Mitt. Schweiz. Ent. Ges. 14, 1930, p. 342) gibt Fundorte im Tessin an, Kitschelt (Groß-Schmetterlinge von Südtirol, 1925) aus dem Etschtal. Fritz Hoffmann führt auch die Steiermark an. Die bekanntesten Fundorte sind Wien, Linz und Ga- lizien. Wer kann mitteilen, was aus Herrn Raebei und seiner Sammlung geworden ist? Anschrift des Verfassers: Richard Fischer, Selb/Oberfranken, Bauvereinsstraße 2.

Untersuchungen über die Fangmethodik einiger

Wasserwanzen Von Friedrich Kühlhorr (Fortsetzung)

B. Lauerjäger

Ranatra linearis (L.)

Wie eingangs schon erwähnt, verfolgen die Lauerjäger unter den Was- serwanzen ihre Beute in der Regel nicht, sondern versuchen vorwiegend, sich an ihrem Standort vorbei bewegende Tiere mit den stets fangbereit gehaltenen Raubbeinen zu ergreifen und zu überwältigen. Daneben wurde bei Ranatra gelegentlich noch ein Suchwandern festgestelit. Gelangt der Räuber dabei in die Nähe eines Beutetieres, bewegt er sich sehr vor- sichtig heran und schlägt nach Erreichen der Fangdistanz blitzschnell zu.

Die bei Freilandbeobachtungen infolge meist ungünstiger Sichtverhält- nisse nicht verfolgbaren Einzelheiten der Fang- und Freßmethodik dieser Wanzenart sollen anschließend an Hand einiger Versuchsabläufe mit ver- schiedenen Beutetierarten näher erläutert werden.

1. Ranatra saß reglos im Bereich locker verteilter submerser Pflanzen. Eine der vor kurzer Zeit eingesetzten Wasserasseln (Asellus aquaticus L.) geriet beim Suchen nach einer Deckung in den Fangbereich der Stab- wanze und wurde zunächst mit der linken Zange in der Körpermitte gefaßt. Anschließend umgriff das rechte Raubbein mit seiner Klammer- einrichtung den Kopfabschnitt der Beute. Nun tastete der Rüssel den Asselkörper suchend nach einer zum Einstich geeigneten Stelle ab. Dieser erfolgte dann schließlich auf der Ventralseite. Wie bei längeren Beute-

B ‚objekten mehrfach beobachtet wurde, ließ die eine Vorderextremität der Wanze die Assel los, während die andere Zange das Opfer noch fest um- klammert hielt. Zeitweilig gab dann aber auch dieses Fangbein das Opfer

frei, das nun nur noch an dem deutlich sichtbar pumpenden Rüssel hing.

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2. Über die bei der Erbeutung von Ephemeriden-Larven übliche Fang- methodik besitze ich keine genaueren Beobachtungen. Die wenigen, mit Cloeon-Larven durchgeführten Versuche zeigten aber, daß auch diese Tiere Ranatra zum Opfer fallen können. Doch gewann ich den allge- meinen Eindruck, als ob sie weniger oft als manche anderen Wasser- bewohner von der Stabwanze erbeutet werden. Zur endgültigen Klärung dieses Problemes sind noch weitere Untersuchungen erforderlich.

3. Eine Stabwanze wurde mit mehreren 1,4 cm langen Agrion-Larven zusammengesetzt, von denen eine sich in den Fangbereich des Räubers bewegende sofort erfolglos angegriffen wurde. Daraufhin folgte Ranatra der Libellenlarve bedächtig schreitend auf eine Strecke von etwa 4 cm und fiel dann wieder in Lauerstellung, als sich der Abstand zwischen dem Räuber und der sich schneli bewegenden Larve dadurch nicht ver- ringerte und diese offenbar dem Gesichtskreis ihres Feindes entschwand.

Es war dies der einzige Fall in einer längeren Versuchsreihe, in dem eine kurze Verfolgung einer entgangenen Beute durch Ranatra zur Beob- achtung gelangte.

Die Stabwanze schien durch diesen Mißerfolg außerordentlich erregt worden zu sein und klappte beide Zangen sofort zusammen, wenn das Versuchsbecken durch vorübergehende Personen in geringe Erschütte- rungen geriet.

Nach längerer Zeit bewegte sich wieder eine Agrion-Larve bis auf Fangdistanz an die Stabwanze heran, die mit beiden Raubbeinen zuschlug und den Körper der Beute fassen konnte. Der erste Einstich erfolgte nach sorgfältigem Abtasten der Larvenoberfläche ventral, der folgende dorsal in den Mittelabschnitt des Abdomens. Die Saugkraft der Ranatra reichte offenbar nicht aus, um größere Komplexe um die Einstichstelle herum herauszusaugen; denn anschließend wurden noch mehrere Einstiche beob- achtet, die fortschreitend zunächst nach dem Körperende der Larve zu, dann aber, von der Mitte des Abdomens ausgehend, in kopfwärtiger Rich- tung erfolgten und auch in die Kopfkapsel vorgenommen wurden. Das Aussaugen der 1,4 cm langen Larve beanspruchte mit Einschluß der durch das Suchen nach neuen Einstichstellen benötigten Zeit fast 4 Stunden.

Eine andere Ranatra, die mit Agrion-Larven gleicher Größe gefüttert wurde, sog hintereinander 2 Individuen aus und benötigte dazu ebenfalls je ungefähr 4 Stunden.

4. Der Fang von Somatochlora-Larven geschah in ähnlicher Weise, wie oben bei Agrion beschrieben wurde. Auch hier erfolgte das Aussaugen von mehreren Einstichstellen aus. Die ausgesogenen Körperabsehnitte nahmen oftmals eine deutlich erkennbar andere Färbung an und er- schienen gelblich. Dadurch war es vielfach möglich festzustellen, welche Körperregion schon ausgesogen und wieviel Zeit ungefähr bis zum Ende des Saugaktes anzusetzen war. Zum Aussaugen einer kleineren Larve wurden etwa 21/% Stunden benötigt.

5. Bei der Besprechung der Fangmethodik von Plea war auf die Beob- achtung hingewiesen worden, daß sich saugende Individuen mitunter erstaunlich reaktionslos gegenüber Beunruhigungen durch andere als Beute geeignete Tiere erwiesen. Hierzu auch ein Beispiel für Ranatra.

Eine Stabwanze hatte eine Somatochlora-Larve gefangen und war seit längerer Zeit mit dem Aussaugen beschäftigt. Langsam näherte sich mitten während des Saugaktes eine andere Larve dieser Gattung und

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kroch, dicht über die linke Hinterextremität der Ranatra gleitend, auf deren Thorax und verharrte dort längere Zeit in Ruhestellung, ohne daß sich die Stabwanze zu irgendeiner Reaktion bewogen fühlte. Ranatra zeigte auch dann noch kein Interesse an den Vorgängen in ihrer unmit- telbaren Umgebung, als eine zweite Libellenlarve unter den hochgestell- ‚ten Hinter- und Mittelbeinen des Räubers in cranialer Richtung kroch und schließlich direkt unter dem Kopf der Stabwanze sitzen blieb. Nach einigen Minuten verließ sie diesen Ruheplatz wieder, ohne durch irgend- welche Abwehrbewegungen dazu veranlaßt worden zu sein. Fortsetzung folgt.

Ergänzungen zu Josef Wolisbergers Bemerkungen zu meinem Aufsatz „Harmodia tephroleuca Bsd. und Rhyacia castanaea f. cerasina Frr.“ und über einige neue Falterfunde im Kochelseegebiet. Von Hans Wagner

I. Herr Wolfsberger bezweifelt für eine Reihe der von mir ange- führten Falter die Richtigkeit meiner Annahme, daß sie zum größten Teil unter dem Einfluß des Föhnzuges in die Tallage des Kochelsees ge- raten, „weil sie alle in den bayerischen Alpen und dessen Vorland Le- bensräume besitzen“.

Dies wird von mir auch gar nicht bestritten, wohl aber, daß ihr Vor- kommen in der Talsohle noch lange kein Beweis dafür ist, daß sie dort auch ihre Lebensräume haben!

Herr Wolfsberger läßt meine Ansicht lediglich für die sog. „Wanderfalter“ gelten, auf die ich meine Theorie gerade umgekehrt am wenigsten anwenden möchte, weil Wanderfalter wie Sideritis vitel- lina und Melicleptria scutosa eben gerade wegen ihres ausgesprochenen Wandertriebes ganz unabhängig von Föhnzugstraßen in manchen Jahren inbreiter Front weitnach Norden vorzustoßen pfle- gen, wofür andere Beweggründe vorliegen müssen als Winde! Dies traf z. B. für Celerio livornica im August 1946 und für Melicleptria scutosa im August 1942 und von Mitte Juni bis Ende August 1955 zu! (Siehe Georg Warnecke, Hamburg-Altona, „Der Flug von Melicleptria scu- tosa Schiff. im Jahre 1953 in Mitteleuropa“ in Nr. 19 der Entomologi- schen Zeitschrift vom 1. Oktober 1954.)

Diese Falter sind auf den verschiedensten Wegen eingeflogen, und ihr Erscheinen war offenbar nicht davon abhängig, daß sie „.per Föhnwind- Anhalter“ nach dem Norden ausreisten! Bei ihrem weiten Weg hätten die verhältnismäßig kurzen Föhnstrecken ihnen auch wenig ‚geholfen!

Herr Wolfsberger bemerkt auch ganz richtig, daß „ein gehäuftes Auftreten von Wanderern in den Föhngebieten Südhay erns bisher noch nicht beobachtet wurde‘.

Umgekehrt ist aber z. B. der Massenflug von Steganoptycha diniana, die am 27. 7. 1946 in 50—60 Stück an jenem föhnig-gewittrigen Abend an meiner Leinwand erschien, nur damit zu erklären, daß ein ganzer Schwarm dieser kleinen Falter an ihren Flugplätzen und zur Flug- zeit vom Föhn überrascht und sicher ungewollt die verhältnismäßig kurze Luftstrecke von etl. 30 km hierher transportiert wurde, wo er von meiner damals benutzten nur 200 W starken Lampe fast geschlossen an- gezogen wurde! Die übrigen Beleuchtungen bzw. Lic htquellen i in der gan-

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zen Gegend waren damals ein Jahr nach Kriegsende so gering und bescheiden, daß sie bestimmt nicht auf größere Entfernung eine An- ziehungskraft auf die Falter ausüben konnten!

Die Tatsache, daß musiva, helvetina und rubrirena nicht nur in mei- nem Fanggebiet, sondern auch im ganzen Gebiet der Chiemgauer und Berchtesgadener Alpen in der Talsohle, also auch in ca. 600 ım Seehöhe gefangen wurden, kann aber noch lange kein Beweis dafür sein, daß diese Tiere auch die tiefen Tallagen bewohnen, d.h. in diesen Höhenlagen ihre Lebensräume haben!

Daß es sich bei diesen Faltern doch tatsächlich um alpine oder hoch- alpine Arten handelt, beweist vielmehr der Umstand, dafs diese Falter in Höhen von 1200 bis 1400 m ungleich häufiger beim abendlichen Blumen- oder Lichtfang erbeutet werden können, während es sich bei dem Vorkommen in tieferen Lagen immer nur um Einzelstücke handelt!

Daß diese Tiere durch die vermehrten Lichtquellen der in den Tälern liegenden Orte in deren Bereich gezogen werden, ist aber nur dadurch er- klärlich, daß sie während ihres abendlichen Fluges in ihren eigent- lichen Lebensgebieten bei den in diesen Höhenlagen sehr häufigen Föhnwinden von diesen erfaßt und mit denselben in tiefere Lagen her- abgedrückt werden, wo sie dann an die Lichtquellen gelangen.

Auch in Innsbruck liegen die Verhältnisse ähnlich, da es ja auch stark unter Föhneinfluß steht, daher auch dort die Zuflüge alpiner Arten.

Aus meinen Beobachtungen, daß diese Falter fast ausschließlich an Tagen mit Föhnlage an der Leinwand erscheinen, erwächst diose meine Überzeugung, daß es sich bei meiner Anschauung nicht um Fehlschlüsse handelt, sondern nur um eine logische Auswer- tung dieser Beobachtungen als Mittel zur Klärung der bisher ungeklär- ten Falter-Vorkommen im Gebiet.

Was die Ausführungen von Herrn Wolfsberger bezüglich des bis- lang einzigen Auffindens von Syngrapha (Plusia) ain betrifft, so muß ich die Meinung, daß die Lärche in meinem Sammelgebiet ‚an vielen Orten kultiviert worden sei“, als nicht zutreffend bezeichnen. Ich glaube die Baumflora gerade meines Sammelgebietes hinreichend ge- nau zu kennen, daß ich behaupten kann, daß an den ganzen Berghängen zwischen Jochberg, Sonnenspitz und Rabenkopf überhaupt keine Lär- chen vorkommen und daß ich die wenigen Lärchen, die hier an den un- tersten Wiesenhängen vereinzelt als Seltenheit eingeschlossen ein in meinem Garten von mir selbst gepflanztes Probeexemplar an einer Hand aufzählen kann!

Ein so vereinzeltes, sporadisches Vorkommen einer Pflanze kann auf ein so monophages Tier, wie ain es ist, keinen Besiedlungsreiz ausüben oder gar „eine or tstreue Population“ bilden! So sehr ich es begrüßen würde, wenn dieses schöne Tier hier heimisch wäre, so sehr bin ich da- von überzeugt, daß der für hier nächste Lebensraum von ain die bei Seefeld i. T. vorhandenen Lärchenbestände sind!

In den vielen Jahren meiner und meines Vaters Sammeltätigkeit hier wäre der Falter sonst sicher scnon einmal aufgefunden worden.

Die Annahme, daf3 Silene rupestris L., die bisher als bekannte Futter- ne für Harmodia tephroleuca genannt wird, auch in den Bergen un

‚ochel Standorte besitzen wird, scheint mir nicht sehr wahrschein- lich.

Hegi gibt in Band 3 der „Illustrierten Flora von Mitteleuropa” aus- drücklich an, daß „Silene rupestris eine Charakterpflanze der Ur- gestein-Alpen ist und daß sie in den Kalkalpen fast völlig fehlt und nur ganz vereinzelt bei toniger oder kieselhaltiger Beschaffenheit der

Unterlage auftritt“. Die hiesigen Berge bestehen aber aus dem Haupt- dolomit des Keupers und dessen kristallinisch weißer Masse mit recht lockerem Gefüge (daher z. B. der Name „Griesberg“), auf denen sich die Bergkette vom Heimgarten bis zur Benediktenwand aufbaut! Dort tre- ten dann Wettersteinkalke auf.

Die geologischen Voraussetzungen für das Vorkommen dieser Pflanze in auch nur nennenswertem Umfang scheinen also bei uns nicht gegeben! Ich möchte dagegen die Meinung von Herrn Wolfsberger, daß die Raupe von tephroleuca auch in den Blüten anderer Silene- Arten lebt, nicht verwerfen.

Der Ansicht von Herrn Wolfsberger, der das Vorkommen von

Derthisa scoriacea Esp. in das Moorgebiet verlegt, kann ich aber nicht

beipflichten, da das Tier jedenfalls an die Futterpflanze Anthericum

ramosum gebunden ist und diese nach Garckes „Flora von Deutsch-

land“ ihre Standorte ‚‚nur auf trockenen Abhängen und sonnigen, schwach bewaldeten Hügeln hat“. Die Pflanze wurde darum auch bisher nie im Moorgebiet, sondern auf den stark besonnten, meist sterilen und räumlich sehr beschränkten Steilhügeln bzw. -halden gefunden, dort aber in ganzen Kolonien. Aus diesem Grunde vermute ich das Tier immer vorausgesetzt, daß es hier wirklich heimisch ist im Gebiete des Vorkommens seiner Futterpflanze, also nicht im Moor, sondern in den

Höhenlagen ab ca. 900 m. Fortsetzung folgt.

Aus der Münchner Entomologischen Gesellschaft

Sitzung am 14. 3. 1955. Vorsitz: Prof. Dr. h. c. F. Skell.

Anwesend: 19 Mitglieder, 4 Gäste.

Herr F. Daniel sprach über Veränderungen in den Populationen von Zygaena transalpina Esp. in Mitteleuropa. Auf Grund reicher eigener Erfahrungen und Beobachtungen schilderte der Vortragende die in jüngster Zeit festzustellenden Arealschwankungen der einzelnen Subspezies und die als Folge davon auftretenden Mischpopulationen. Eine anregende Diskussion schloß sich an den Vortrag an, zu der die Herren Dr. F. Eisenberger, Dr. W. Forster, Dr. W. Hellmich, Prof. Dr. h. c. F. Skell und Dr. H. Wiegel sprachen.

Sitzung am 29. 3. 1955. Vorsitz: Prof. Dr. h. c. F. Skell.

Anwesend: 52 Mitglieder, 46 Gäste.

Herr Dr. Forster berichtete von seinen Reisen im Amazonasgebiet und in Mittelamerika. Wie bei den beiden vorhergehenden Berichten fanden auch dieses-

mal die hervorragenden, von Dr. ©. Schindler aufgenommenen Farblichtbilder besonderen Beifall.

Berichtigung

Infolge eines technischen Versehens wurde in Heft 3 p- 31 die Abb. 3 zum Aufsatz von Dr. G. Schmidt fehllerhaft gebracht. Beistehen die richtige Abbildung.

L W232 e

der Bayerischen Entomologen

Herausgegeben von der Münchner Entomologischen Gesellschaft Schriftleitung: Dr. Walter Forster, München 38, Menzinger Straße 67 Postscheckkonto der Münchner Entomolog. Gesellschaft: München Nr. 31569 Verlag: J. Pfeiffer, München

4. Jahrgang 15. Mai 1955 Nr. 5

Ein neuer Wirt von Belaspidia obseura Masi (Hym., Chalcidoidea)

Von Franz Bachmaier, München.

Die Gattung Belaspidia Masi der Familie Chaleididae ist nur mit der einen Art obscura Masi in Mittel- und Südeuropa vertreten. In der Litera- tur sind Fundorte bis jetzt aus Mittel-Italien von der Insel Giglio (Masi), Belgien (Masi) und Ungarn (Erdös) verzeichnet. BouCek führt noch solche an aus Frankreich, Österreich, Tschechoslowakei und dem Balkan. Aus Deutschland ist noch kein Fundort bekannt geworden, doch ist zu vermuten, daß die Art auch bei uns vorkommt und bis jetzt nur über- sehen wurde.

Über die Biologie von B. obscura weiß man nur sehr wenig. Sie lebt wie alle Arten der Familie Chalcididae parasitisch und ist nach den bis- herigen Angaben nur bei den Puppen der Psychide Apterona crenulella Bruand gefunden worden, und zwar bei der weiblichen Form helix Sieb., die sich bei uns ausschließlich parthenogenetisch fortpflanzt und nach Art der Coleophora-Raupen in Blättern niedriger Pflanzen miniert. Der Sack der Raupe ist artspezifisch und in 2 Spiralen schneckenhausartig aufgerollt.

Bei der Durchsicht und teilweisen Bestimmung des reichhaltigen Chal- cididenmaterials der Zoologischen Staatssammlung in München fanden sich unter den 19 vorhandenen Exemplaren von B. obscura Masi neben 2 aus Apterona crenulella f. helix Sieb. stammenden Stücken auch 2 weib- liche Tiere, die aus Rebelia kruegeri Trti. gezogen waren. Der Sack, der von Herrn Fr. Daniel, München, in der Zeit vom 16.—30.7. 1932 am Südufer des Plattensees bei Balaton Szentgyörgy in einem Sumpf- und Schilfgebiet gesammelt wurde, ist den Tieren beigesteckt, so daß ein Irr- tum nicht möglich ist. Die Bestimmung der kruegeri Trti. erfolgte durch Herrn Leo Sieder, Klagenfurt.

Es wird in Zukunft darauf zu achten sein, ob B. obscura Masi auch in Deutschland gefunden wird, und ob noch andere Psychiden-Gattungen und Arten als Wirtstiere in Frage kommen.

Literatur:

Boucek, Z.: The first Revision of the European Species of the Family Chaleci- didae (Hymenoptera). Acta ent. Mus. nat. Pragae 1951, suppl. 1. Nikolskaya, M. N.: Die Chalcididen der Fauna der UDSSR (Chaleidoidea). CR. Akad. Sci. URSS. Moskau u. Leningrad 1952. Loebel, Fr.: Die Rebelien Mitteleuropas, Z. wien. Ent. Ver. 26, 1941. pp. 271 bis 282. Anschrift des Verfassers: cand. rer. nat. Franz Bachmaier, München 38, Menzinger Strale 67

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Ergänzungen zu Josef Wolisbergers Bemerkungen zu meinem Aufsatz „Harmodia tephroleuca Bsd. und Rhyacia castanaea f. cerasina Frr.“ und über einige neue Falterfunde im Kochelseegebiet. Von Hans Wagner

(Fortsetzung)

Bei Rhyacia molothina Esp., von der ich mehrere Jahre hintereinander von Mitte Juni bis Mitte Juli meist weibliche Falter am Licht auf mei- nem Leuchtplatz am Haus fing, möchte ich H. Wolfsberger zu- stimmen, daß die Art in den warmen und trockenen Heidegebieten die allerdings nur mehr sporadisch vorhanden sind heimisch ist. Da aber Calluna sich besonders auch in dem Geländestreifen, der seit 3 Jahr- zehnten unter und zu beiden Seiten der Bayernwerks-Hochspannungs- leitung mit lichten, immer wieder abgeholzten Baumbestand verstreut findet, möchte ich das Vorkommen der ersten Stände sogar nicht nur im Moorgebiet, sondern in meiner nächsten Umgebung für wahrschein - lich halten!

Bezüglich Ahyacia castanea, f. cerasina Frr. hat mir Herr Löber- bauer, Steyrermühle, auch brieflich die Meinung ausgesprochen, daß er das Vorkommen des Tieres in den hiesigen Moosgebieten vermutet. Wenn die Raupe auch hier an Dacceinium uliginosum leben sollte wie in Oberösterreich, so muß ich feststellen, daß das Vorkommen von klei- nen HKestbeständen dieser Pflanze in der Luftlinie mindestens 4 km von meinem Leuchtplatz entfernt ist, wobei mehrere Hügelketten dazwischen gelagert sind.

Freilich könnten die zwischen meiner Lichtquelle und dem Standort von Vaccinium uliginosum, aber frei gegen das Moos liegenden Licht- quellen des Ortes Kochel Falter in den näheren Breich meiner Leucht- lampe gelockt haben. Wenn Calluna vulgaris als Futterpflanze zu be- trachten wäre, so wächst diese Pflanze, wenn auch nur mehr beschränkt, an einzelnen Stellen des fast völlig zu Wiesen und sogar zu Kartoffel- äckern umkultivierten Moorgeländes sogar in 21, km Entfernung am gegenüber liegenden Seeuferstreifen; hier handelt es sich aber nur um ehemalige Niederungsmoore und nicht um Hochmoore es müßte denn sein, daß man wegen des durch Anlegen von Drai- nagegräben in diesen Flächen und durch das Tieferlegen des Loisach- bettes abgesenkten Grundwasserspiegels diese Moorgebiete als künstlich erzeugte Hochmoore betrachtet!

Natürlich könnte auch hier nur das von Herrn Löberbauer emp- fohlene nächtliche Raupensuchen an den in Betracht kommenden Plätzen sichere Aufklärung bringen! Eine Tagsuche wäre der reinste „Tototipp“, und nachts auf den schwer erreichbaren, weit entfernten, von nassen Tümpeln und nichttragenden, schwankenden Stellen durchsetzten Moor - teilen nach Raupen leuchten, ist eine so große körperliche Anstrengung, daß ich dies doch jüngeren Kräften überlassen muß!

Die Tatsache aber, daß castanea z. B. zahlreich am Köder zwischen 14. und 30. September an dem auch mir gut bekannten Toblinosee in Südtirol und im Sarcatal gefunden wurde (siehe Kitschelt S. 110 oben), einem Gebiet, in dem von Mooren oder Moorpflanzen keine Rede sein kann, dagegen Clematis vitalba in Menge wächst, außerdem wie schon erwähnt Herr Dannehl diesen Falter mit Clematis erzogen hat, möchte ich doch die Vermutung nicht abwegig betrachten, daß wenn der Falter sich tatsächlich hier angesiedelt haben sollte

2 Re a ee Sk a a

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er seine Lebensräume auch auf dem von mir oben näher bezeichneten Waldgelände finden kann!

Ich bekomme von einem Bekannten, der in einem großen Umspann- werk der Post, das unmittelbar an dem Moorgebiet liegt und in dessen Sälen Neonröhren-Beleuchtung ist, seit einiger Zeit dort am Morgen aufgefundene Falter, aber eine castanea war noch nicht dabei!

Aber alle solche Beobachtungen brauchen eben Zeit und vielleicht bringt ein neuer Falter- oder Raupenfund an der mir leichter zugäng- lichen Clematis weiteres Licht in diese Sache.

II. Cuculia gnaphalii Hbn.

Dieser allgemein recht seltene Falter, dessen Vorkommen bisher nach Osthelder, ‚Die Schmetterlinge Südbayerns usw.“, II. Heft Eulen, Seite 339 nur in der oberbayerischen Hochebene festgestellt wurde, der aber noch nicht für das Voralpengebiet meines Wissens nachgewiesen ist, erschien am 10. 6. 1951 an meinem Leuchtdach in einem frischen weiblichen Exemplar an der Leinwand.

Meine verschiedenen Versuche in den folgenden Jahren, die Raupe im Juli an Solidago-Pflanzen, die auf den unteren abgeholzten Berghängen nicht allzu selten wachsen, aufzufinden, waren leider vergeblich! Trotz- dem bin ich der Meinung, daß die ersten Stände des Falters an den nach Südwesten gelegenen Hängen einen geeigneten Standplatz haben; wahr- scheinlich wird aber die starke Anfälligkeit der Raupen gegen Schlupf- wespen der Grund für seine Seltenheit sein.

III. Cuculia thapsiphaga Fr.

Diese Art ist, soweit ich aus der Literatur ersehen kann, im gesamten Voralpengebiet noch nicht aufgefunden worden; aber auch für das wär- mere Donaugebiet istnach Metschl und Sälzl, „Die Schmetterlinge der Regensburger Umgebung“, unter Nr. 448 die Art nur mit der Bemer- kung aufgeführt: „Das Vorkommen dieser Art ist nach früheren Angaben für hier bekannt: später fand nur Schreiber einmal die Raupe.“ Ein sicherer Nachweis scheint mir dies nicht zu sein!

Im Juli 1952 entdeckte ich an einem Blütenstengel einer Derbascum- Pflanze (Königskerze) in meinem Garten ca. 1,5—2 cm lange, recht un- scheinbar gezeichnete Raupen. Ich erzählte davon Herrn Präs. Osthel- der, der darin die Räupchen von Pyrausta repandalis vermutete!

Ich beobachtete nun die Fraßspuren der Raupen öfter und fand nun, daß auch zwei andere Derbascum-Pflanzen solche aufwiesen; da die Räupchen meist ganz in den Blütenköpfen steckten, waren sie recht schwer zu entdecken. Nach ungefähr einer Woche fand ich nun zu meiner Überraschung eine Raupe, die schon nicht mehr die Ausmaße einer Microraupe hatte, sondern als eine Eulenraupe erkennbar war!

Nun band ich zur Vorsicht und zum Schutz gegen Vögel die Blüten- stengel der Königskerzen in Glasbatistbeutel ein, die ziemlich durchsich - tig und dabei fest sind.

Nach knapp einer Woche konnte ich bei der Nachschau im Gacebeutel 2—3 größere, offenbar schon fast erwachsene Raupen finden, deren Zeichnung und allgemeine Färbung nun so deutlich waren, daß ein Ver- gleich mit den Raupenbildern im Lampert und Spuler eindeutig die Tatsache ergab, daß es sich um Raupen von Cuecullia thapsiphaga handelte!

Eine Verwechslung mit Raupen von verbasci und Iychnitis, die ja auch an den Blättern leben, war bei den starken Zeichnungsunterschieden bei- der Arten ausgeschlossen.

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Da ich fürchtete, daß die zur Verpuppung schreitenden Raupen die Beutel durchbeißen könnten, um in die Erde zu gelangen, schnitt ich die mit Raupen besetzten Blütenstengel ab und steckte sie in einen kleinen Drahtgacekasten, der unten 2—3 cm lockere Erde enthielt; ich ließ den Kasten in meiner sog. Raupenkammer stehen, wo annähernd Außentem- peratur herrschte.

Da ich auf das Resultat begierig war, behielt ich den Kasten in den Augen und konnte auch am 12. 6. 1953 ein frisch geschlüpftes Weibchen finden; aber dabei bleib es in diesem Jahr! Ich hielt es aber nicht für ratsam, in der Erde nachzuwühlen, um zu sehen, ob noch weitere Cocons da waren, da ja bekanntlich Cuculien nicht selten zweimal überwintern, doch war meine Hoffnung, daß noch mehr Falter schlüpfen würden, recht bescheiden!

Im Jahre 1954 kam mir Anfang Juni doch wieder der Gedanke, in dem kleinen Zuchtkasten Nachschau zu halten, und so fand ich am 7. oder 8. Juni zu meinem Leidwesen einen völlig abgeflogenen männlichen Falter; dem am nächsten Tag ein leider einseitig verkrüppeltes Weibchen folgte! Ich setzte beide lebend auf eine Königskerze und konnte das 9 auch am nächsten Tag noch dort sitzend finden.

Natürlich galt nun mein erster Gang dem kleinen Zuchtkasten, und ich entdeckte am 11. 6. früh ein Männchen, das sich leider am Nacken- schild schon etwas abgewetzt hatte; am 13. 6. schlüpfte ein sehr schönes Q und am 19. 6. noch ein 9, die ich beide vollständig rein dem Giftglas überantwortete.

Ein Vergleich meiner 4 gezogenen Falter mit den Abbildungen in den verschiedenen Werken wie auch mit einem männlichen Falter aus Kärn- ten in meiner Sammlung stößt aber auf ganz erhebliche Farbunterschie- de! Während nämlich die Grundfarbe der Vorderflügel als bein- gelb, bleichockerfarben oder hell gelbgrau bezeichnet wird und nur der Vorderrand eine stark eisengraue Färbung haben soll, sind die Vorderflügel meiner 4 gezogenen Tiere im gesamten Ko- lorit ausgesprochen grau! Der Vorderrand hebt sich kaum merklich dunkler von der Gesamtfarbe der Vorderflügel ab! Dieser Unterschied fällt auf den ersten Blick auf. Ich besitze leider nicht genü- gend Vergleichsmaterial, um feststellen zu können, ob eine so auffallend graue Färbung auch anderwärts schon beobachtet wurde bzw. bekannt ist.

Die Entomologische Abteilung der Bayerischen Staatssammlung in München war so liebenswürdig, die Falter Herrn Ch. Boursin vorzu- legen, der freundlicherweise die Überprüfung der Falter vornahm und dazu schrieb: „Die 4 Cuculien sind echte thapsiphaga, sehr leicht zu er- kennen, wenn sie in diesem Zustand sind!“ Ob damit zum Ausdruck gebracht werden soll, daß ganz frische Falter der Art diese eisengraue Gesamtfärbung zeigen und sie erst durch den Flug ver- lieren und dann eine gelbgraue Grundfärbung zum Vorschein kommt, die den Beschreibungen zugrunde gelegt wurde, vermag ich zunächst nicht zu beurteilen.

Solange diese Frage noch nicht geklärt ist, möchte ich auch die graue Form meiner Falter nicht als eine eigene Population ansprechen. Viel- leicht überprüfen andere Entomologen ihr Material daraufhin?

Ich möchte dies um so weniger tun, als ich keinen Anhaltspunkt wenigstens keinen beweisbaren darüber besitze, woher das Weib- chen zugeflogen ist, das seine Eier hier ablegte!

Osthelder gibt an, daß der Falter nur aus der Umgebung von Innsbruck und vom Kleinen Göll bei Golling a. L. nachgewiesen ist. Kitschelt in den „Großschmetterlingen von Südtirol“, Wien 1925, gibt nur Fundorte südlich der Brennerlinie an (Schnalser-, Drau-

und Etschtal), und Hellweger, „Die Großschmetterlinge Nordtirols“, berichtet, daß die erwachsenen Raupen bei Oetz und Innsbruck gefunden wurden, und verzeichnet noch ein Männchen von Schwaz am Licht!

Im ganzen scheint der Falter mehr die südlichen Gegenden von Euro- pa, jedenfalls aber wärmere Gebiete zu bevorzugen!

Wie beim Fund von Harmodia tephroleuca erhebt sich auch hier die Frage: von wo und aus welchen Ursachen kam das Tier hierher an den Nordrand der Alpen? Hängt dieses vereinzelte Vor- kommen auch mit unserer Föhnzugstraße zusammen? Die Rätsel in die- sem Zusammenhang mehren sich sichtlich!

IV. Eupitheecia selinata H. S.

Diese wenig beobachtete und seltene Art fand Herr Schütze, Kas- sel-Wilhelmshöhe, in einigen Stücken in meiner Eupithecien-Ausbeute (vom 22. 6. 1951, 10. 7. 1951, 14. 6. 1952), die er liebenswürdigerweise überprüft hat, wofür ich auch an dieser Stelle besonderen Dank ausspre- chen möchte.

Nach Osthelder ist das Falterchen bisher nur für Oberstdorf (All- gäu) nachgewiesen worden, während es im übrigen Voralpengebiet noch nicht beobachtet wurde, dagegen aus der Umgebung von Regensburg von Metschl und Sälzl aufgeführt wird.

Die fast in der ganzen Literatur meist aufgeführte Futterpflanze der Raupe, Peucedanum oreoslinum, dürfte hier durch eine andere Umbelli- fere ersetzt werden, da diese Pflanze meines Wissens hier nicht beobach- tet wurde; vielleicht gelingt es im Frühherbst, die Raupe auf dem häu- figen Heracleum zu finden.

Anschrift des Verfassers: Dr. ing. Hans Wagner, Kochel (Obb.), Mittenwalder Straße 75.

Untersuchungen über die Fangmethodik einiger

Wasserwanzen Von Friedrich Kühlhorn (Fortsetzung)

6. In ein mit einer Ranatra besetztes Becken wurden mehrere Zwerg- rückenschwimmer gebracht. Als einer von ihnen in den Fangbereich der Ranatra geriet, schlug diese mit der linken Zange zu und konnte die Plea am Hinterbein festhalten. Ein Ergreifen des Körpers scheint wegen der glatten, hochgestellten Flügeldecken mit gewissen Schwierigkeiten ver- bunden zu sein, denn auch Käfer wurden in allen bisher beobachteten Fällen in der eben beschriebenen Weise gefaßt.

Nun versuchte die rechte Vorderextremität der Ranatra mehrfach ver- geblich, den Körper der Beute einzuklemmen. Immer wieder glitt das Fangbein an der glatten, abschüssigen Fläche der Flügeldecken ab und konnte nach verschiedenen vergeblichen derartigen Versuchen schließlich ein Vorderbein des Zwergrückenschwimmers ergreifen. Die Zangen zogen die gefaßten Extremitäten des Käfers in Streckstellung und brachten den Körper des Opfers auf diese Weise in eine horizontale Lage quer vor den Kopf der ne Nun wurde das Femur beider Vorderextremitäten stärker gewinkelt, wodurch die Beute mehr in die Nähe des Rüssels kam, der sogleich das Opfer nach einer geeigneten Einstichstelle abzutasten begann. In diesem Augenblick befreite ich die Plea, um das Verhalten des Räubers nach dieser Maßnahme zu beobachten. Dieser hob daraufhin so-

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gleich die Coxen unter starker Winkelung der Femora so an, daß die fangbereiten Zangen noch etwas hinter den Augen über den Kopf zu liegen kamen. Da eine derartige Extremstellung der Fangbeine mitunter auch bei Individuen, die nach menschlichem Ermessen keinerlei Störungen unterworfen gewesen waren, beobachtet wurde, läßt sich auf Grund des noch zu geringen Beobachtungsmateriales nicht entscheiden, ob in der oben geschilderten Reaktion unter Umständen ein Zeichen für eine besondere Fang- oder Abwehrbereitschaft zu erblicken ist.

Ich veranlaßte die Plea nun zu einem erneuten Änschwimmen des Fangbereiches ihres Feindes, dem es wieder gelang, sein Opfer an einem Hinterbein zu ergreifen. Durch Hin- und Herbewegen der Pinzette vor dem Kopf der Stabwanze versuchte ich diese zum Loslassen der Beute zu bewegen. Die Reaktion auf diese Maßnahme war ein Zuschlagen der linken freien Vorderextremität, der es gelang, die Pinzette zu erfassen und auch dann festzuhalten, als ich das Tier damit etwa 15 cm seitwärts schob. Erst nachdem die Ranatra mit der Pinzette ein Stück weit durch das Becken gezogen wurde, ließ sie diese, wie auch die noch unverletzte Beute los. Die Plea stellte sich wie es auch in allen beobachteten Fällen ergriffene Wasserkäfer zu tun pflegten bald nach dem Fang tot und trieb auch nach der Befreiung noch einige Sekunden reglos an der Oberfläche umher, um dann plötzlich wegzuschwimmen, als ob nichts geschehen wäre.

Nach dem zwangsweisen Verlust der Beute schien die Stabwanze weni- ger lethargisch zu sein. Suchwandernd bewegte sie sich für ihre Verhält- nisse ziemlich schnell schreitend vorwärts und folgte einem in ihrer Umgebung herumschwimmenden Zwergrückenschwimmer auf eine Strek- ks von etwa 4 cm mit äußerster Vorsicht, um dann im entscheidenden Augenblicke doch fehlzuschlagen. Auch ihren Weg kreuzende Ephemeri- denlarven wurden auf einige Zentimeter verfolgt, ohne daß ihr ein Fang gelang. Diese unbeholfenen Kurzstreckenverfolgungen sind aber keines- - falls mit den Jagdmethoden der Schwimmjäger vergleichbar, die ihrer Beute mit erheblich größerer Geschwindigkeit auf weit größere Ent- fernungen nachzujagen pflegen, wenn sie nicht durch irgend ein Ereignis davon abgelenkt werden (Auftreten eines Beutetieres in unmittelbarer Nähe, Störungen irgendwelcher Art im Jagdbereich).

Wie bei einigen anderen Stabwanzen konnte ich auch bei diesem Indi- duum beobachten, daß sich von hinten nahende und sie sogar berührende als Beute geeignete Tiere keinerlei Beachtung fanden. So kroch eine Cloeon-Larve von hinten her an die Ranatra heran und setzte sich auf deren rechte Hinterextremität. Fast zur gleichen Zeit kam aus derselben Richtung eine andere Cloeon-Larve herangeschwommen, die sich für längere Zeit auf dem Thorax der fangbereiten Stabwanze niederließ, ohne daß diese irgend eine Reaktion zeigte, die sofort eintrat, als die oben erwähnte Plea von vorn herkommend in den Fangbereich des Räubers geriet und sogleich ergriffen wurde. Die bisher in dieser Rich- tung durchgeführten, mehr orientierenden Versuche genügen natürlich nicht, um das Problem der Weite des Gesichtskreises von Ranatra einer Klärung zuführen zu können.

7. Ein Laccophilus hyalinus Deg. schwamm an einer lauernden Ranatra vorbei, die mit der rechten Zange vergeblich zuschlug. Ein Verfolgen der entgangenen Beute fand nicht statt. Die betätigte Zange öffnete sich nicht wieder, sondern blieb in Schließstellung, während die andere in Fangbereitschaft verharrte. Einige Minuten später kroch ein Hydroporus palustris L. von hinten quer über die Augen der Stabwanze und bewegte sich dann gegen die linke Zange zu, die sofort zuschnappte und den Käfer am linken Mitteibein festhalten konnte. Das Opfer machte zunächst noch

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einige vergebliche Befreiungsversuche, die aber bald aufgegeben wurden. Nach etwa 2 Minuten erfolgte ein leichtes Anheben der Coxa bei gleich- zeitigem Einwärtsbewegen des Femur. Durch diesen Vorgang geriet die Beute näher an den Rüssel heran, der sofort mit dem Aufsuchen einer zum Einstich geeigneten Stelle begann. Erst jetzt etwa 3 Minuten nach dem Fang öffnete sich die seit dem Fehlschlag immer noch geschlossene rechte Zange und ergriff die rechte Hinterextremität des Käfers. Kurze Zeit nach dem Einbohren des Rüssels in die Ventral- seite des Abdomens ließen beide Raubbeine fast gleichzeitig die Beute los, die jetzt nur noch am Rüssel des Räubers hing. Vermutlich durch die nun einsetzenden Saugbewegungen hervorgerufen, schwankte der Kör- per des Opfers am Rüssel rhythmisch hin und her. Bei dieser Ranatra ließen sich beispielsweise in 25 Sekunden 30 Pendelschwingungen des Käferkörpers beobachten, während dieselbe Schwingungszahl von einer anderen Stabwanze schon in 20 Sekunden erreicht wurde.

Nach einiger Zeit verlangsamte sich .der Saugvorgang und damit auch das Pendeln des Käferkörpers. Immer häufiger wurde jetzt das Saugen unterbrochen, was jedes Mal mit dem Aufhören der schwankenden Be- wegungen des Beutekörpers verbunden war. Nach 11 Stunden lief die Ranatra den ausgesogenen Käfer fallen und ging wieder in die fangbereite Lauerstellung über.

8. Nicht immer verlief der Freßvorgang so relativ schnell und reibungs- los. Dafür ein Beispiel.

Ranatra faßte einen Agabus sturmi Gyll. erst mit der rechten und dann auch mit der linken Zange am Hinterbein und versuchte, den Rüssel in dieses hineinzubohren. Plötzlich ließ das linke Raubbein vom Opfer ab und schnellte automatenhaft nach vorn, klappte die Zange zusammen, öffnete sie erneut und wurde wieder körperwärts gezogen. Dabei be- rührte die Zange den Käfer zufällig, schlug zu und konnte das Hinter- bein der Beute fast an der gleichen Stelle wie vorher ergreifen. Hierauf wiederholte sich das Abtasten der Käferextremität durch den Rüssel. Wieder ließ die linke Zange los, bewegte sich blitzschnell roboterartig nach vorn und ergriff beim Zurückführen ein Mittelbein des Agabus. Der Rüssel führte sogleich neue Suchbewegungen aus. Nachdem das linke Raubbein wieder losgelassen hatte, drehte die Ranatra mit ihrer rechten Vorderextremität den Käfer so herum, daß dessen Flügeldecken quer vor den Rüssel zu liegen kamen, der diese nun vergeblich nach einer Einstichstelle absuchte. Die linke Zange erfaßte ein Mittelbein, ließ dann los und schlug ins Leere. Beim Zurückziehen ergriff sie das Hinterbein des Opfers dicht neben der Stelle, die von Anfang an vom rechten Raub- bein umklammert wurde. Erneuter vergeblicher Einstichversuch in die Käferextremität. Das linke Fangbein ließ los, schlug mehrfach planlos nach vorn und faßte schließlich das Hinterbein von Agabus wieder. Nun erfolgte ein Einstich im Bereich des Femur (die genaue Stelle war wegen Sichtbehinderung durch Wasserpflanzen nicht richtig zu erkennen). Jetzt ließ erst die linke und dann die rechte Zange los, so daß der Käfer nur noch vom Rüssel gehalten wurde. Saugbewegungen waren nicht feststell- bar. Nach 5 Minuten währender Reglosigkeit faßte die rechte Zange ein Vorderbein des Käfers und zog diesen durch eine Streckbewegung des Raubbeines vom Rüssel ab. Nun ergriff die linke Zange das linke Hinter- bein des Käfers. Daran schlossen sich erfolglose Einstichversuche in die Flügeldecken. Durch Anheben und Einwinkeln der Vorderextremitäten führte die Stabwanze den Käfer nun mehrfach dicht über die Augen nach rückwärts. Nach Rücktransport der Beute in Vorlage erfolgte ein er- neutes Abtasten der Flügeldecken durch den Rüssel. Ein anschließendes starkes Abwinkeln des Femur brachte die Beute quer vor den Rüssel, der

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jetzt einige Male suchend unter die Spitzen der Flügeldecken glitt und dann einstach. Nachdem die Saugbewegungen eingesetzt hatten, ließ erst die linke, dann die rechte Zange los. Eine Viertelstunde später ergriff die rechte Zange den Käfer am Vorderbein und zog ihn näher heran. Während der ganzen Vorgänge kroch wiederholt eine andere Stabwanze über das mit der Beute beschäftigte Tier, das sich dadurch in keiner Weise stören ließ.

Um einige Verhaltensstudien zu machen, nahm ich der Ranatra nach etwa 20 Minuten Saugdauer den Agabus weg. Daraufhin zeigte sich die Stabwanze ziemlich erregt und klappte schon bei geringsten Erschütte- rungen des Beckens durch Vorbeigehende die Zangen zusammen (vergl. die Zunahme der Aktivität des Individuums vom Versuch Nr. 3 sowie Nr. 7 nach Wegnahme der Beute). Beim Berühren des Femurdornes mit der Pinzette erfolgte ebenfalls ein sofortiges Zusammenschlagen der Zange. Bewegte man die Pinzette dicht über die Augen des Tieres hinweg, führte die Stabwanze beide Raubbeine bis hinter den Kopf und schlug blitzschnell nach dem störenden Gegenstand (vergl. auch Versuch Nr. 7).

9. Auch Käferlarven werden von Ranatra überwältigt, wie verschie- dene Versuche zeigten. Hierfür ein Beispiel.

Zu einer Ranatra wurden mehrere zwischen 1,4 und 1,7 cm lange Dytis- cidenlarven in das Versuchsbecken gesetzt. Eine der Larven geriet auf ihrem ersten Orientierungsstreifzug in den Fangbereich einer Ranaira. Beide Zangen schlugen kurz nacheinander zu und hielten die Beute so am Abdomen fest, daß dessen Dorsalseite dem Rüssel zugewandt war. Dieser bohrte sich zwischen 2 Segmenten in die Intersegmentalhaut ein. Nun begann der Saugakt, während dessen fast 2stündiger Dauer stets eine Vorderextremität das Opfer festhielt, während die andere in Fang- stellung gehalten wurde. Die Stabwanze benahm sich hier anders als z. B. beim Aussaugen von Käfern, die meist bald nach dem Beginn des Saug- akes von beiden Fangextremitäten losgelassen und allein vom Rüssel gehalten wurden.

10. In einem kleinen, dicht von Chara durchwachsenen Tümpel bei Hebertshausen beobachtete ich eine Ranatra, die sich mit vorsichtigen Bewegungen einer Nahrung herbeistrudelnden Anopheles-Larve näherte und sie auch zu fangen vermochte. Ähnliche Feststellungen konnte ich auch wiederholt bei Versuchen machen. Meist verzichtete der Räuber allerdings bei den Experimenten auf Suchwanderungen und hielt sich in Lauerstellung in einer Ecke des Beckens oder im Pflanzenfilz nahe der Oberfläche in Erwartung irgend eines sich seinem Fangbereich nähernden Beuteobjektes auf. Bei Oberflächenüberquerungen gelangten sehr häufig als Futtertiere eingesetzte Anopheles-Larven (A. bifurcatus und A. „macu- lipennis“ ) in den Fangbezirk der Ranatra, häkelten sich dort an der Ge- fäßwand oder an der Oberflächenvegetation fest und begannen zu stru- deln. Die nur wenige Zentimeter unter dem Wasserspiegel lauernde Ranatra schlug in der Regel schon während der Schwimmbewegungen oder aber sogleich nach dem Anhäkeln zu und hatte in sehr vielen Fällen Beuteerfolg. Die Larven wurden während des Saugvorganges vielfach mit beiden Zangen quer gehalten. (Fortsetzung folgt.)

Aus der Münchner Entomologischen Gesellschaft e.V. Sitzung am 25. 4. 55. Vorsitz: Prof. Dr. h. c. Fritz Skell. Anwesend: 20 Mitglieder, 2 Gäste. Dieser letzte offizielle Abend des Wintersemesters fand ohne Programm statt und diente dem Gedankenaustausch unter den Mitgliedern. Während des Sommers treffen sich die Mitglieder der Gesellschaft zwanglos jeden Montag, 20 Uhr, im „Hotel Wolff‘‘, Arnulfstraße, beim Hauptbahnhof.

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a NACHRICHTENBLATT

der Bayerischen Entomologen

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Herausgegeben von der Münchner Entomologischen Gesellschaft Schriftleitung: Dr. Walter Forster, München 38, Menzinger Straße 67 Postscheckkonto der Münchner Entomolog. Gesellschaft: München Nr. 31569 Verlag: J. Pfeiffer, München

4. Jahrgang 15. Juni 1955 Nr. 6

Probleme bei eberbayerischen Zygaena transalpina

Esp.-Formen. (Lep.-Het.) Von Franz Daniel

In der Zeitschrift der Wiener Ent. Ges. 39, p. 51—78, Taf. 2—4, 1954 (3), berichtete ich über das Vorkommen einer transalpina-Form, die wie ssp. rhatisbonensis Bgff. in Nordbayern an einer Reihe von Fund- stellen im oberen Murtal in der Steiermark in 5- bzw. 6fleckigen In- dividuen auftritt. Eine vergleichende Untersuchung wie zoogeographische Überlegungen ließen den Schluß zu, daß die bisher als zwei Arten iransalpina Esp. und angelicae O. beschriebenen Formen Vertreter eines präglacial einheitlichen Stammes sind, die sich über die Glacial- zeit zwar habituell verschieden umformten, jedoch nicht so weit aus- einanderentwickelten, daß sie nicht bei ihrem neuerlichen postglacia- len Zusammentreffen sich fruchtbar kreuzen konnten. An den beiden, nach unserer bisherigen Kenntnis der Verbreitung möglichen Berührungs- stellen treten denn auch Populationen auf, die sowohl 5- wie 6fleckige Individuen in unterschiedlicher Mengenverteilung aufweisen: ssp. rhatis- bonens«s Bgff. in Nordbayern und Mitteldeutschland, ssp. angelico-trans- alpina Dan. im oberen Murtal. Ich bitte den. für diese Frage interessierten Leser die angeführte Arbeit einzusehen, um hier Wiederholungen zu vermeiden. Für einige hier nur gestreifte Fragen ist dort ein ausführ- licher Erklärungsversuch gegeben.

In einem gewissen Widerspruch zu meinen Thesen stand die aus der Pupplinger Au südlich München (und einigen weiteren Fundstellen nicht weit davont)) beschriebene ssp. isaria Bgff., die, obwohl heute in nicht erheblichem Abstand davon (Icking, Lenggries) 6fleckige transalpinoide Stämme vorkommen, nach unserer bisherigen Kenntnis eine rein 5- fleckige Population blieb. In der eingangs erwähnten Arbeit habe ich diese westlichste bisher bekannte angelicoide Form übergangen, einer- seits weil sie mit der dort gestellten Frage nicht in direktem Zusammen - hang stand, andererseits weil mir ein am 8. Juli 1934 selbst gefangenes £ vorlag, welches einen 6. Fleck zeigte und ich deshalb diese Population nochmals untersuchen wollte.

Im Jahre 1954 war ich zur Flugzeit von isaria (Juli) abermals in der Steiermark und konnte die vorgesehenen Beobachtungen in Oberbayern nicht durchführen.

1) 1 Gleisental 24. Juni 1917, leg. Osthelder in Staatss. München.

BIV. INS,

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Nebenbei bemerkt ergab ein nochmaliges Studium der steirischen transalpina-Populationen eine völlige Übereinstimmung mit den für 1953 niedergelegten Beobachtungen.

Um so erstaunter war ich, als ich zufällig in der Sammlung unseres alten, eifrigen Mitgliedes Hans Schweikart, München, eine Serie von ssp. isaria, gefangen in der Pupplinger Au in den Jahren 1938— 1949, einsehen konnte, die sich, was die Zahl der Flecke betrifft, folgend zu- sammensetzt:

Zahl 9-fleckig 6-fleckig of ©) d 2 d Q 1938: 6 22 6 19 31) 1939: 4 5 3 4 1 dl 1940: z 3 == #2) 1942: 1 23 14 Al 9 1943: 1 1 1947: 2 1 —- 1 1948: 1 2 1 2 —— 1949: 1 —- 1 Zusammen: 15 60 12 43 3 17

Diese Werte geben nicht die Verhältniszahlen beider Formen wieder, da Herr Schweikart nur die Sfleckigen Stücke als isaria erkannte und hiervon bereits Teile abgegeben hat, während alle 6fleckigen als vermutete filipendulae kein Interesse fanden. Es ist also die Prozentzahl der 6fleckigen wesentlich geringer. Immerhin ist jedoch einwandfrei be- wiesen, daß seit 1938 6fleckige i5aria nicht selten auftreten.

Herr Schweikart hatte die Liebenswürdigkeit, mir diese Falter zur Auswertung zu überlassen, wofür ich ihm auch an dieser Stelle herz- lich danke. Die große Überzahl von 22 innerhalb der gefundenen Serien ist dadurch zu erklären, daß Schweikart stets erst in den letzten Julitagen sammelte, wo die 5’95' bereits größtenteils abgeflogen waren. Die Hauptflugzeit der Form liegt im ersten Julidrittel.

Wir können nun folgende Tatsache feststellen. Als ssp. isaria im Juli 1919 von Burgeff entdeckt und nochmals 1921 in Serie eingetra- gen wurde, erwies sie sich als eine rein Sfleckige angelicoide Form. Bei der Häufigkeit des heutigen Auftretens 6fleckiger Individuen erscheint es völlig unmöglich, daß ein Zygaenenkenner wie Burgeff letztere übersehen hätte. In den folgenden Jahren wurde isaria regelmäßig von vielen Münchner Sammlern gefangen (von mir 1925, 1927, 1932, 1934), ohne daß bis 1934 Stücke auch nur mit Andeutungen eines 6. Flecks be- kannt wurden. Es muß also angenommen werden, daß erst in den 25 Jahren seit der ersten Untersuchung die Sechsfleckigkeit innerhalb die- ser Population eine nicht selten vorkommende Ercheinung wurde. Wie läßt sich dies deuten und insbesondere mit meiner Ansicht einer Mi- schung transalpinoider und angelicoider Stämme erklären?

Hier muß ich zunächst weiter ausgreifen. Abgesehen von einer völlig unkontrollierbaren Angabe bei Kranz (6) aus dem Jahre 1860 wurde die 6fleckige transalpina im bayerischen Alpenvorland bis 1921 nicht

1) In der Staatssammlung München befinden sich zwei 6fleckige 9Q leg. Ost- helder, gefangen in der Pupplinger Au am 29. VII. 1938 und 13. VII. 1939.

2) Am 21. VII. 1940 wurde von Schweikart am Flugplatz auch ein normales o' der ssp. boica Bgff. gefangen.

Sl

festgestellt, während für die dort viel lokalere und seltenere ssp. ange- licae eine Reihe älterer Angaben vorliegen. In diesem Jahr entdeckte Burgeff erstmals einen transalpinoiden Stamm bei Seeshaupt und be- nannte ihn ssp. bavarica (1). Dieser Name wurde, weil präoceupiert, von Burgeff 1926 (2) in boica geändert. Heute ist transalpina in stets zu- nehmendem Maße im bayrischen Voralpenland und sogar auf der Schotterebene bis weit nördlich München an Dutzenden von Fundstellen heimisch.

Es erscheint mir völlig ausgeschlossen, daß diese Art falls sie früher bereits ihr heutiges Verbreitungsareal besessen haben sollte von den teilweise recht guten Entomologen, die wir in München gerade um die Jahrhundertwende und kurz vorher hatten, übersehen worden wäre. Sie fehlt auch in älteren Lokalsammlungen, wo sie zumindest als verkannte Art gefunden werden müßte, während aus dem bayrischen Alpenraum noch solche Stücke vorhanden sind. So besitze ich aus der Sammlung meines Vaters (und dessen Brüder Karl und Josef) noch Stücke von der Rotwand, 29. VI. 1885, die bereits damals richtig als transalpina be- stimmt wurden und im Tagebuch als ribpocrepidis® eingetragen sind.

Die hier geschilderten Feststellungen sollen meine Ansicht stützen, daß transalpinoide Elemente ins Voralpenland erst im Laufe der letzten Jahrzehnte eindrangen und eine Mischung mit den vorhandenen stark isolierten angelicoiden Stämmen auch erst von diesem Zeitpunkt an ein- treten konnte. Das so sprunghafte Auftreten 6fleckiger Formen in der noch vor zwei Jahrzehnten sicher rein 5fleckigen Population der Pupp- linger Au bekräftigt ebenfalls meine Ansicht über die Neubesiedelung des bayrischen Alpenvorlandes mit transalpinoiden Elementen, die ganz offensichtlich erst in allerjüngster Zeit die Möglichkeit hatten sich mit den vorhandenen 5fleckigen zu mischen. Auch im Murtal wies die prozentuale Verteilung der 5- bzw. 6fleckigen Individuen im Zusam- menhang mit der geographischen Lage der drei hierauf untersuchten Populationen darauf hin, daß die Mischung beider Stämme erst ein Pro- dukt allerjüngster Entwicklung ist. Ich habe diese an Ort und Stelle vielleicht mehr gefühlsmäßig erkannte Ansicht als Mutmaßung anzu- deuten gewagt. Die Habitusänderungen der seit 1920 regelmäßig beobachteten ssp. isaria lassen es mir als sicher erscheinen, daß meine Mutmaßungen hohen Wahrscheinlichkeitswert besitzen. (Vergl. hierzu meine wiederholt zitierte Arbeit p. 62.)

Nachdem Przegendza (8) bei Kreuzungsversuchen die Dominanz der 6fleckigen Form erwies, ist anzunehmen, daß diese Individuen bei isaria verhältnismäßig rasch einen höheren Prozentsatz in der Gesamt- population erreichen.

Die Diagnose Burgeffs der ssp. isaria war auf den Habitus dieser Form für die Zeit um 1920 abgestellt. Sie ist für die jetzt fliegende Po- pulation folgend zu ergänzen: /saria gehört heute nicht mehr zur „5- fleckigen Gruppe“, wohin sie Burgeff damals zu Recht stellte. In- dividuen mit angedeutetem bis kräftig entwickeltem 6. Fleck kommen darunter nicht selten vor. Dieser kann entweder mit Fleck 5 verbunden oder frei sein. Mit der Entwicklung des 6. Flecks geht meist eine Re- duktion der Breite des schwarzen Hinterflügel-Saumes einher.

Der heutige Habitus von isaria, der seine Entstehung einer Mischung eines bodenständigen angelicoiden Stammes mit der transalpinoiden Form boica verdanken dürfte, ist plumper als rhatisbonensis, der Apex beider Flügel stumpfer, die Flecke meist größer. Diese Abweichungen beider Mischrassen dürfte ihre Erklärung darin finden, daß rhatisbonen- sis nach geographischen Überlegungen nur aus einer Verbindung angeli- coider Elemente mit der wesentlich von boica abweichenden ssp. hippo-

crepidis abgeleitet werden kann, was sich bei letzterer auch in der durch- schnittlich stärkeren Verbindung der Flecke 5 und 6 ausdrückt. Der ssp. angelico-transalpina steht isaria recht nahe. Ich glaube auch hierin einen Indizienbeweis für meine Annahme von Mischformen zu sehen: Die ange- licoide Ostkomponente ist in ihrem ganzen Verbreitungsraum außer- ordentlich einheitlich. Zu ihr fließen verschiedene transalpinoide For- men, wobei die für angelico-transalpina anzunehmende Population Kärn- tens (ssp. carentaniae Rocci) und die für isaria allein mögliche ssp. boica einander recht nahe stehen, also auch ein ähnliches Kreuzungsprodukt ergeben müssen, während bei rhatisbonensis die allein mögliche 2. Kom- ponente (ssp. hippocrepidis) einer habituell völlig anderen Rassegruppe des transalpinoiden Stammes zugehört.

Die Untersuchungen an ssp. isaria bestätigen abermals die in meiner Arbeit ausführlich begründete Tatsache, daf5 die bisher als Arten ange- sprochenen Formen transalpina und angelicae Vertreter einer Species sind. Wo der transalpinoide Süd- und Weststamm dem angelicoiden Öststamm räumlich nahe kommt, treten Mischpopulationen auf. Bis heute sind solche bekannt geworden:

1. Im thüringisch-nordbayerischen Raum (etwa von Halle bis Regens- burg) ssp. rhatisbonensis Bgff. Hier dürfte die Berührung bereits seit langem erfolgt sein, da die Zahl der 6fleckigen Stücke weit überwiegt. Es gelang mir zwar noch nicht, so exakt errechnete Prozentzahlen wie für ssp. angelico-transalpina zu erlangen, doch stimmen die Angaben aller befragten nordbayerischen Entomologen im ganzen insofern über - ein, als sie 70—800% 6fleckige Individuen angeben.t)

2.Im oberen Murtal ssp. angelico-transalpina Dan. Hier scheinen trans- alpinoide Elemente neuerdings den von angelicoiden Stämmen bewohn- ten Raum zu überfluten. Die nach sehr großem Material gewonnenen Prozentzahlen liegen an dem transalpinoiden Populationen nächstgele- genen Fundplatz bei 50 % 6fleckiger Stücke, an der davon fernsten Fundstelle bei knapp 10 %, während alle von dort ab nach Osten fest- gestellten zahlreichen Populationen rein angelicoid bleiben.”)

3. In der Pupplinger Au südlich München ssp. isaria Bgff., das historisch noch nachweisbare jüngste Produkt der Umformung, von dem leider mangels exakter Beobachtungen genaue Prozentzahlen heute noch nicht angegeben werden können.’)

1) Herr Dr. B. Alberti, Berlin übermittelt mir folgende Zahlenangaben für die rhatisbonensis-Population von Pottenstein in Franken:

J'5-f. 21 Stück 5 6-fl. 34 Stück O 5-fl. 11 Stück 0 6-fl. 31 Stück

2) Die nach ganz anderen Gesichtspunkten zu beurteilende ssp. gulsensis Dan. sei hier, als nicht zur Sache gehörig, übergangen.

3) Eine der ssp. angelico-transalpina gleiche oder sehr ähnliche Form erhielt ich von Südwest-Kroatien, also gleichfalls aus einem Gebiet, in dem vom trans- alpinoiden Verbreitungsraum her (Küstensaum südlich Fiume) sich Populationen in den von angelicoiden Formen bewohnten Raum Innerkroatiens einschieben konnten. Das bisher vorliegende Material ist leider zu gering für eine Aus- wertung. Ich hoffe hierüber nach Erhalt größerer Serien noch berichten zu können. Daß auch die Form ternovanensis Koch vermutlich eine Mischrasse angelicoider und transalpinoider Formen darstellen dürfte, habe ich in meiner Arbeit (Fußnote p. 62) bereits erwähnt. Freundlicherweise hat mir Herr Manfred Koch, Dresden, darauf zustimmende Mitteilung zukommen lassen.

Zusammenfassend können wir feststellen, daß nun im ganzen 5 Bio- tope bekannt wurden, an denen sich transalpinoide und angelicoide Ele- mente räumlich nahe kommen. In allen diesen fünf Gebieten haben wir Formen gefunden, die Mischcharaktere im Sinne dieser Gedankengänge zeigen. Umgekehrt ist meines Wissens noch kein Kleinbiotop bekannt geworden, in welchem beide Formen nebeneinander fliegen. Diese ganz wichtige Feststellung konnte ich in meiner Arbeit in der Zeitschr. der Wiener E. G. nicht ins Treffen führen, da ihr die Pupplinger Population, die ich zu jener Zeit noch für Sfleckig hielt, im Wege stand. Heute, wo dieser scheinbare Widerspruch ganz im Sinne meiner Gesamtüberlegun - gen sich klärte, möchte ich die Tatsache des Fehlens gemeinsamer Fund- stellen beider Formen als das wichtigste Moment für die Richtig- keit meiner Annahmen hinstellen. Es wäre doch sehr sonderbar, wenn an einer Annäherungslinie von Mitteldeutschland bis weit in den Balkan hinein noch keine Stelle bekannt geworden wäre, die beide Formen be- herbergt, wenn sie wirklich das Bestreben zeigen sollten, als getrennte „Arten“ nebeneinander zu existieren. Zudem weder die allgemeinen Le- bensgewohnheiten noch die Futterpflanzen der Raupen noch die geologi- schen Voraussetzungen für das Gedeihen beider Formen an einer Stelle ein Hindernis bilden würde.

Die Tatsache, daß die transalpinoiden Formen als die Eindringlinge in einen von angelicoiden Populationen bewohnten Raum angesehen wer- den müssen, konnte für das Murtal nur durch Indizienbeweise mit erheb- lichem Wahrscheinlichkeitswert ermittelt werden. Bei isaria ist kein Zweifel möglich, daß die Sfleckige die zunächst allein Vorkommende im Gebiet der Pupplinger Au war. Diese Ansicht dürfte auch durch Frei- landbeobachtungen bestärkt werden, denen zufolge ich bei allen angeli- coiden Stämmen den Eindruck großer Standorttreue und sehr enger Bindung an ganz spezielle Biotope gewann, während meine Erfahrungen bei transalpinoiden Stämmen dafür sprechen, daß neben ortsgebundenen Populationen (oder Teilen davon) auch solche mit ausgesprochenem Wandertrieb vorkommen. Dies mag damit zusammenhängen, daß offen- sichtlich der transalpinoide Weststamm in viel höherem Maße befähigt ist, in unterschiedlichen Lebensräumen sein Fortkommen zu finden.

Es erscheint mir wahrscheinlich, daß das Vordringen des transalpinoi- den Stammes durch die Klimabesserung der letzten Jahrzehnte (vergl. Gletscherrückgang!) ausgelöst wurde. Die rezente Verbreitung des ange- licoiden Oststammes zeigt, daß er in wesentlich höherem Maße befähigt ist, sich ungünstigeren Klimaten anzupassen (Vordringen nach Norden bis Polen). Dem transalpinoiden Zweig war es scheinbar bis über die Jahrhundertwende im südbayerischen Raum nur möglich, an den wäh- rend der kurzen Entwicklungszeit der Zygaenen besonders wärmegünsti- gen Südhängen unserer Voralpen festen Fuß zu fassen. Mit der Klima- besserung der letzten Jahrzehnte konnte er, wie so viele andere Arten, seine Lebensräume erweitern und traf hierbei mit den bodenständigen angelicoiden Populationen zusammen. Ich glaube keinen Trugschluß zu tun, wenn ich die aufgezeigten Probleme in direktem Zusammenhang mit der bei so vielen Insektenarten beobachteten jüngsten Ausweitung ihres Lebensraumes nach Norden, bedingt durch die augenblickliche Klimaentwicklung bringe.

Ich möchte alle Münchner Kollegen bitten, in den kommenden Jahren die ssp. isaria zu beobachten, sich an Ort und Stelle Aufschreibungen über die gefundenen Verhältniszahlen zwischen 5- und 6fleckigen Stük -

ken zu machen und vor allem aufgefundene Freilandkopulas sicher bezettelt mitzunehmen. Aller Wahrscheinlichkeit nach dürfte ein

langsames Ansteigen des 6fleckigen Typs eintreten.

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Eine zweite, recht auffällige transalpina-Form Oberbayerns beobach - tete ich von 1949 bis 1954 regelmäßig. Es handelt sich um eine rein transalpinoide Population der Unterart boica Bgff., die in einem eng- begrenzten Biotop ziemlich isoliert vorkommt, welcher erst durch den Bau der Bahnlinie München—Herrsching im Jahre 1904 geschaffen wurde. Hierbei mußte ein hoher Moränenhügel zwischen Wessling und Steinebach in nordost-südwestlicher Richtung durchstoßen werden. Im Laufe der Jahre setzte sich auf dem Moränenschutt der sehr steilen Hänge eine magere Krautvegetation, untermischt mit wenigen kümmer- lichen Fichten und Weiden an, die jedoch bis heute so dürftig blieb, daß sie nicht wirtschaftlich genutzt wird. Im Osten und Westen werden die Hänge von (früher zusammenhängendem) Buchenhochwald, im Norden und Süden von Kulturflächen begrenzt, so daß in diesem engen, außer- ordentlich wärmebegünstigten Biotop (sowohl die Ost- wie die West- winde werden durch Hang und Hochwald weitgehend abgehalten) Zygaenen einen besonders zusagenden Lebensraum finden. Es haben sich denn auch alle im Gebiet möglichen Arten angesiedelt, besonders jedoch transalpina, die von Mitte Juli bis Mitte August nicht selten vorkommt.

Da der überall noch zutage tretende Schotter jede Feuchtigkeit sofort absickern läßt, zeichnen sich die beiden Hänge auch durch überdurch- schnittliche Trockenheit aus und waren zur Flugzeit der iransalpina- Falter in den Jahren 1949—1953 stets mehr oder minder ausgebrannt, litten in diesen Trockenjahren auch bereits im Mai-Juni, der letzten Fraßperiode der Raupen, sehr unter Feuchtigkeitsmangel. In dem über- aus regnerischen Frühjahr und Sommer 1954 hingegen war die Vege- tation noch am 19. August relativ üppig, ohne nennenswerten Vertrock- nungserscheinungen.

Zygaena transalpina kommt in der weiteren Umgebung auch überall zerstreut vor, dürfte aber ihren nächsten festen Standort erst in einer Entfernung von 3 km haben, der durch Biotope von dem besprochenen Einschnitt getrennt ist, welche transalpina keine Lebensmöglichkeiten geben. Es ist also anzunehmen, daß diese Kleinpopulation zwar gelegent- lich durch zugeflogene Tiere benachbarter Stämme beeinflußt wird, aber in der Hauptsache bei der Abgeschlossenheit des Lebensraumes sich doch innerhalb ihrer Sippe fortpflanzt.

Die besprochene Population ist mir schon bei ihrem ersten Auffinden durch ihre überdurchschnittliche Kleinheit aufgefallen. Ich beschloß deshalb, sie über eine Reihe von Jahren regelmäßig zu beobachten. Die in den Jahren 1949—1954 eingetragenen Falter weisen folgende Maße auf:

Durchsehnittliche

Jahr Zahl der es reälhinee Extremwerte mm mm mm mm 22 Jg 2 Jg Q 1949 (15.7. u.2.8.) 192089 13,9 14,7 13,0—14,5 13,5—15,0 1950 (21. u. 30.7.) 24 14 13.071390 11,0—15,0 11,5—15,0 1951 (10. 8.) 107712 13:95,199 12,0—14,5 13,0—14,5 1952 .@12.7..u.3.8.) 192.8 13.6 13.4 11,5—15,0 12,5—15,5 1953 (15. 8.) Be 13:57713:3 13,0—14,5 12,5—14,0 1954 (19. 8.) 4 20 13621339 13,0—15,0 13,0—13,5

Herr Dr. K. H. Wiegel, München, hat in den Jahren 1951—1954 gleichfalls in der Gegend des Wörther- und Ammersees (also in der

er RR Fa N + #5 Ka we RI ? . 4 ne er zn s el. NER Bi

bp)

Umgebung meines une teen) transalpina regelmäßig gefangen. Es handelt sich hierbei um Kleinpopulationen, welche an weniger stark zur Austrocknung neigenden Biotopen vorkommen. Diese Falter haben fol-

gende Maße:

Jahr _ Zahl der ee Extremwerte /orderflügellänge

mm mm mm mm

re d ® d 2 19517(29.7. u. 2.8.) 4 13,8 14,4 13,5—14,0 13,0—15,3 1952 (20. 7.) 4 4 13,92 1358 13,5—14,5 12,5—15,0 1953 (18., 24., 25.7.) a, 14.52 45:2 14,0—15,0 14,0—15,5 1954 (8.8) 10573 14,6 14,7 14,0— 15,0 14,5— 15,0

Der Vergleich beider Tabellen für die Jahre 1951—1954 ergibt (abge-

rundet auf Zehntel-mm):

durchschnittliche Vorderflügellänge

d 2 Für den Biotop Bahndamm 13,5 mm 13,6 mm Für benachbarte Biotope 14,2 mm 14,5 mm

Die Vergleichswerte beider Tabellen zeigen:

1. Die extrem warmen und feuchtigkeitsarmen Bedingungen, unter denen transalpina am Bahneinschnitt lebt, beeinflußt deren Größe gegen- über den ihr benachbarten, unter günstigeren Voraussetzungen auf- gewachsenen Faltern nicht unerheblich.

189)

. Auffallend ist, daß sich das feuchtigkeitsreiche und hierdurch be- dingt viel vegetationsüppigere Jahr 1954 auf die Größe der Jahres- serien kaum auswirkte. Ich wage nicht zu entscheiden, ob dies darauf zurückzuführen ist, daß die Raupe, die ja eine mehrjährige Entwick- lung haben dürfte, in ihrer letzten Nahrungsperiode im Frühjahr 1954 nicht mehr in Richtung einer Luxuration beeinflußt werden konnte, oder darauf, daß die Umwelteinflüsse bereits eine gewisse Festigung der Größenmaße innerhalb der Population herbeiführten. Letzteres wäre um so auffallender, als wir in diesem speziellen Fall ja die kurze Zeit der teilweisen Isolation derselben ziemlich genau festlegen kön- nen. Bis zum Bau der Bahnlinie (1904) war das Gebiet ein zusammen - hängender Buchenhochwald, es kann also die dortige Population noch nicht länger, sie wird wahrscheinlich sogar wesentlich kürzer bestehen, da es sicher eine Reihe von Jahren dauerte, bis sich die Hänge soweit mit Vegetation überzogen, daß eine Ansiedlung von Zygaenen möglich wurde.

Über eine ähnlich kleine, besonders zierliche Population aus der nord- westlichen Rheinpfalz berichtet Herr Rud. Heuser, Kaiserslautern, in dieser Zeitschrift (5). Er betrachtet seine auffallenden Tiere, die eben- falls einem ausgesprochen xerothermen Kleinbiotop entstammen, mit Recht als eine durch oekologische Einflüsse des Fundplatzes habituell veränderte Form der in Westdeutschland weitverbreiteten ssp. astragali Bkh. Es liegt hier zweifelsfrei ein Parallelfall zu den hier besprochenen Beobachtungen vor.

Zuletzt möchte ich noch den Herren Rud. Heuser und Dr. K. H. Wiegel für ihre Unterstützung bestens danken.

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Benützte Literatur:

Burgeff H.: „Verbreitung und mutmaßliche Wanderung der Zygaena trans- alpina in Bayern.“ Mitt. Münch. Ent. Ges. 11, 1921. i

Burgeff H.: „Kommentar zum palaearktischen Teil der Gattung Zygaena Fabr. des früher von Ch. Aurivillius und H. Wagner, jetzt von E. Strand herausgegebenen Lepidopterorum Catalogus.* Mitt. Münch. Ent. Ges. 16, 1926. .

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Anschrift des Verfassers: Franz Daniel, Zoologische Sammlung des Bayr. Staates, München 38, Menzinger Straße 67.

Untersuchungen über die F angmethodik einiger Wasserwanzen Von Friedrich Kühlhorn (Fortsetzung)

In einem Fall ließ die Stabwanze nach kurzer Saugdauer das Abdomi- nal-Ende der Larve mit dem einen Raubbein los, während das andere die Kopf-Thorax-Region der Beute weiter festhielt. Der Stechrüssel war die ganze Zeit über in das Abdomen eingebohrt, das nun nach dem Los- lassen der einen Zange durch die Saugbewegungen in pendelnde Bewe- gungen versetzt wurde. Der Einstich erfolgte häufig in den oberen Ab- schnitt des Abdomens. Um einen Größenvergleich zu geben, sei erwähnt, daß die Ranatra (ohne Atemrohr) 3,4 cm, die Anopheles-Larve dagegen nur 5 mm lang war.

11. Die bisherigen Versuche haben gezeigt, daß Ranaira in der Lage ist, eine ganze Reihe von Arthropodenarten seines Biotopes zu überwäl- tigen und auszusaugen. Der Vollständigkeit halber wurden noch einige Versuche durchgeführt, in denen Teichmolchlarven und kleine Fische als Beuteobjekte dienten.

Dabei ergab sich bisher, daß die zwischen 3,5 und 3,8 cm langen für diese Versuche verwendeten Stabwanzen Bitterlinge (Rhodeus amarus [Bloch]) von 3 cm Körperlänge nicht angingen. Es war verschiedentlich zu beobachten, daß einer der Bitterlinge unter den hochgestellten Ex- tremitäten der Stabwanze „stand“, ohne von ihr beachtet zu werden. Es wäre allerdings denkbar, daß die Ranatra deshalb keine Reaktion zeigte, weil sich der Fisch möglicherweise außerhalb ihres Gesichtskreises be- fand oder aber wegen seines ruhigen Verhaltens nicht als Lebewesen erkannt wurde.

12. Das negative Ergebnis der mit Bitterlingen durchgeführten Ver- suchsreihe legte den Gedanken nahe, das Mißverhältnis zwischen der Größe der Stabwanzen und den Fischen dafür verantwortlich zu machen. Da damals keine kleineren heimischen Fische zur Verfügung standen, wurden die Versuche mit Platypoecilus maculatus Günther von 1,3 cm

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Körperlänge wiederholt. Es konnten auch in dieser Versuchsserie keine Angriffe der Stabwanzen auf die Fische beobachtet werden. Gewöhn- lich zogen sich die Wanzen möglichst vor den schnell schwimmenden Mitbewohnern zurück oder blieben unbeweglich sitzen, ohne einmal mit den Raubbeinen zuzuschlagen. Innerhalb der 2 Wochen, in denen mit 5 ausgehungerten Stabwanzen und 18 Platypoecilus experimentiert wurde, starb nur ein Fisch (aller Wahrscheinlichkeit nach eines natürlichen Todes).

Der Ausgang aller dieser Versuche schließt aber die Möglichkeit nicht aus, daß doch gelegentlich noch kleinere Fische als die zu den Versuchen verwendeten von Ranatra erbeutet werden können. Deshalb sollen diese Versuche zu gegebener Zeit ihre Fortsetzung erfahren.

13. Mit Teichmolchlarven (Triturus vulgaris L.) als Beute konnte bis- her wegen der beschränkten zur Verfügung stehenden Zahl von Stab- wanzen nur ein Versuch angesetzt werden. Die dazu verwendete 3 cm lange Larve zeigte schon wenige Stunden nach dem Einsetzen Schwäche- erscheinungen und lag am folgenden Morgen tot auf dem Boden des Versuchsgefäßes. Es ließ sich nicht eindeutig entscheiden, ob der Tod durch einen Angriff der Stabwanze verursacht worden oder in anderen Gründen zu suchen war. Auch diese Versuche sollen bei Gelegenheit fortgesetzt werden. Nun noch einige allgemeine Bemerkungen zu den erzielten Ergebnissen. Die Saugdauer scheint maßgeblich von der Beuteart und -größe ab- zuhängen. Störungen und andere nicht immer erkennbare Einwirkungen können aber mitunter eine beträchtliche Verlängerung des Freßaktes zur Folge haben. Beispiele dafür gaben u. a. Experimente mit Larven von A. bijurcatus. Die gleiche Ranatra brauchte zum Aussaugen 4 verschie- dener Larven des IV. Stadiums 60 Min., 60 Min., 70 Min. und 135 Min. Sonstige beobachtete Saugzeiten: Mit Plea als Beute 20—30 Min. Mit Laccophilus hyalinus Deg. als Beute 90 Min. Mit Dytiscidenlarven als Beute (1,3—1,7 cm lange Individuen) um 100 Min.

Mit einer kleinen Somatochlora-Larve als Beute 148 Min.

Mit 2 Agrion-Larven von je 1,4 cm Länge als Beute je ungefähr 240 Min.

Mit Colymbetes fuscus L. als Beute fast 295 Min.

Bei den eben angegebenen Saugzeiten handelt es sich nicht um Durchschnittswerte, sondern um die Ergebnisse von Einzelbeobachtun- gen, die aus schon genannten Gründen keine Verallgemeinerung gestatten und noch ergänzender Untersuchungen bedürfen.

Wie aus den oben geschilderten Versuchsabläufen hervorgeht, können die Stabwanzen besonders, wenn sie etwas gehungert haben ohne Schwierigkeiten am Tage mehrere Beutetiere aussaugen. Nachstehend die höchsten jeweils im Versuch bisher beobachteten täglichen Beute- zahlen:

3 Larven von Anopheles „maculipennis“ Meig.

3 Laccophilus hyalinus Deg.

2 Somatochlora-Larven

2 Agrion-Larven

7 Cloeon-Larven.

Die Menge der an einem Tage ausgesogenen Beutetiere hängt u. a. natürlich weitgehend von der Größe und Häufigkeit der Nahrungstiere, sowie vom Hungerzustand des Räubers ab. Um einen ungestörten Ablauf des Fang- und Freßvorganges zu ermöglichen, wurden stets nur wenige

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Nahrungstiere in die Versuchsbecken gesetzt, so daß infolgedessen die Fangmöglichkeiten schon von vornherein beschränkt waren. Die Zahl der für die Experimente zur Verfügung stehenden Stabwanzen war bis- her leider zu gering, um neben den Hauptproblemen dieser Versuchs- reihen auch noch die Frage der täglichen normalen Beutemenge bearbei- ten zu können.

Die Zahl der Einstiche hängt offenbar im wesentlichen von der Beute- größe ab. Zum Aussaugen kleinerer Tiere (z. B. Asellus, Plea, kleinere Schwimmkäfer und deren Larven, Anopheles-Larven usw.) genügt in der Regel ein Einstich, der nur dann wiederholt wird, wenn eine ungünstige Stelle getroffen worden ist. Größere Nahrungstiere, wie z. B. Zygopteren- und Anisopterenlarven werden gewöhnlich von mehreren Einstichstellen her ausgesogen, weil dem Räuber offenbar die Aufnahme des Körper- inhaltes seines Opfers von einer Einstichöffnung aus nicht zu gelingen scheint.

Die Fangbewegungen von Ranatra zeichnen sich durch eine weit- gehende Automatik aus, die in häufigen Fehlschlägen und erfolglosen Einstichversuchen an ungeeigneten Stellen (z. B. Flügeldecken) deut- lich zum Ausdruck kommt. Wie Notonecta und Plea scheint auch Ranatra nur durch Versuch und Irrtum eine zum Einstich geeignete Stelle des Beutekörpers finden zu können, sofern dieser infolge seines schwachen Chitinpanzers nicht überall Einstichmöglichkeiten bietet.

Die Einstiche erfolgen soweit die bisherigen Versuchsergebnisse erkennen lassen vorzugsweise in folgende Körperbezirke:

a) Asellus: Ventralseite des Abdomens.

b) Zygopteren- und Anisopterenlarven: Mehrere Einstiche ohne Be- vorzugung einer bestimmten Region.

c) Plea und Schwimmkäfer: „Hals“region, Ventralseite des Abdomens, Abdominalende unter den Spitzen der Flügeldecken.

d) Anopheleslarven: Vielfach in die obere Hälfte des Abdomens.

Auch hier ist die Zahl der bisher vorliegenden Beobachtungen noch zu gering, um eine Verallgemeinerung der Ergebnisse zu gestatten.

Ein Problem, das noch einer näheren Prüfung bedarf, ist die Frage nach der Ausdehnung des Gesichtsfeldes der in Lauerstellung befind- lichen Ranatra. Wie einige Beobachtungen anzudeuten scheinen, werden nur von vorn oder vornseitlich anschwimmende Beutetiere sofort er- kannt, während von hinten herankommende offenbar erst dann entdeckt werden, wenn sie sich in Kopfnähe befinden.

Abschließend sollen noch die Körperlängsmaße (ohne Atemrohr) und Gewichte einiger für die Versuche verwendeter Stabwanzen (deren Ge- schlecht aus Zeitmangel nicht festgestellt wurde) zum Zwecke des Grö- ßenvergleiches mit den Beutetieren angegeben werden.

a) 4,0 cm lang 0,190 g schwer

b) 3.3 cm lang 0,113 g schwer

c) 3,7 em lang 0,165 g schwer d) 3,7 cm lang 0,155 g schwer e) 3,3 cm lang 0,105 g schwer f) 3,5 cm lang 0,185 g schwer g) 3,4 cm lang 0,122 g schwer

Nepa rubra 1.

Nepa gehört ebenfalls zu den Lauerjägern und ist bei seiner Fang- tätigkeit im Freiland fast noch schwieriger als Ranatra zu beobachten. Da mir nur wenige Wasserskorpione zur Ver fügung standen, waren bis-

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her nur einige orientierende Versuche möglich, über die anschließend berichtet werden soll.

1. Eine Nepa, die 8 Tage lang nicht gefüttert worden war, erhielt als Futtertier eine ältere Larve von Naucoris cimicoides L. Die Schwimm - wanze wurde noch am gleichen Tage gefangen und ausgesogen und trotz ihrer Größe während des Saugaktes nur zeitweilig mit einem Raubbein festgehalten. Am selben Tage fing der Räuber dann noch eine Larve IV von Anopheles „maculipennis“ Meig., die ebenfalls ausgesogen wurde.

2. Die mit Nepa zusammengebrachten Dytiscidenlarven wurden in der Regel sofort erbeutet, wenn sie sich dem Fangbereich des Räubers nä- herten.

3. Nepa wurde mit mehreren Larven (II—IV) von A. „maculipennis“ zusammengebracht. Schon nach 10 Minuten hatte der Räuber die erste Larve gefangen. Nachdem der Einstich in die „Halshaut“ erfolgt war, gaben beide Raubbeine das Opfer frei, so daß dieses wie ja auch bei Ranatra beobachtet wurde nur noch am Rüssel hing. Nach einiger Zeit wurde die Larve erneut von einer Zange gepackt. Anschließend daran erfolgte ein Einstich in die Mitte des Abdomens, und das Raubbein ließ dann daraufhin das Opfer (eine Larve III) wieder los. Der Saugakt nahm, verschiedene Unterbrechungen eingerechnet, etwa 75 Minuten in Anspruch. Versuche mit Larven van A. bifurcatus Meig. und Culex pi- piens L. hatten ebenfalls meist ein positives Ergebnis.

4. Der einzige Versuch, der mit Pirata piraticus Cl. angestellt wurde, nahm einen positiven Verlauf. Wie die Untersuchung des Beuterestes unter dem Binokular zeigte, hatte Nepa das Abdomen der Spinne völlig ausgesogen. Es muß allerdings fraglich erscheinen, ob Spinnen im Brei land öfter das Opfer des Wasserskorpiones werden. Immerhin ist es interessant zu sehen, daß der Räuber auch mit für ihn sicher ungewöhn- lichen Beutetieren fertig zu werden vermag.

5. Ein mit mehreren Teichmolchlarven (Triturus vulgaris L.) von 3 em Kopf-Schwanzlänge durchgeführter Versuch verlief ergebnislos, obwohl sich die Tiere Nepa oftmals auf Fangdistanz näherten.

Zusammenfassung

Abschließend nun noch einige zusammenfassende Bemerkungen. Die untersuchten Wasserwanzen gliedern sich in Schwimm- und Lauerjäger, die durch eine verschiedene Fangmethodik und einen dieser entspre- chenden Körperbau gekennzeichnet sind. Trotzdem ließen die Versuche bei beiden Typen eine Reihe von Gemeinsamkeiten im Verhalten er- kennen, auf die im folgenden kurz hingewiesen werden soll.

1. Besonders bei den Lauerjägern em sich soweit bisher be- obachtet wurde die Fangbewegungen durch eine weitgehende Auto- matik aus, die häufig zu Fehlschlägen führt. Dieses ziemlich starre Be- wegungsschema ist auch oftmals der Grund dafür, daß der Räuber, wenn er die Beute mit einer Zange losgelassen hat und dann wieder ergreifen will, dieses Ziel in den meisten Fällen erst durch Versuch und tum erreicht.

Auch die Einstichversuche der geprüften Arten haben in der Regel den Charakter eines ziemlich planlosen Herumprobierens an häufig da- für völlig ungeeigneten Körperstellen (z. B. Flügeldecken) des Opfers. Die „.schwachen“ Stellen der Beute, wie aber auch deren für den Ein- stich günstigste Haltungsweise, scheinen demnach im allgemeinen nicht von vornherein erkannt zu werden.

2. Während des Saugaktes lassen sich die untersuchten Wanzenarten im allgemeinen wenig durch anschwimmende und sie berührende Beute- tiere stören. Nur gelegentlich wurde z. B. bei Ranatra ein Zuschlagen

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mit einem freien Raubbein beobachtet, wenn sich dieses in Fangstellung befand. Sich nahende Artgenossen veranlaßten dagegen Plea verschie - dentlich zum Fahrenlassen der Beute. Bei Ranatra konnten bisher der- artige Beobachtungen nicht gemacht werden.

Zwangsweise Fortnahme der Beute führte bei Ranatra verschiedent- lich zu gesteigerter Aktivität, während satte Tiere (wie auch bei Noto- necta) meist darauf verzichteten, nach sich nähernden oder sie sogar berührenden Nahrungstieren zu schlagen.

3. Wie die Schilderung der einzelnen Versuchsabläufe zeigt, kann der Zeitraum zwischen dem Einsetzen der Beute und dem ersten Angriff des Räubers sehr verschieden groß sein und einige Minuten bis mehrere Tage betragen, eine Feststellung, die bei allen untersuchten Arten ge- macht wurde. Neben der individuell offenbar verschiedenen Auswir- kung der Gefangenschaftsbedingungen dürfte der Hungerzustand das Aktivitätsvermögen sehr wesentlich beeinflussen.

4. Zwischen Beute und Raubwanze bestehen vielfach erhebliche Grö- ßenunterschiede. Obwohl z. B. Plea (wie auch den übrigen für die Ver- suche benutzten Wanzenarten) stets sämtliche Larvenstadien von Ano- pheles angeboten wurden, wagte sich der kleine Räuber ohne Zögern an La IV, die ihn an Größe übertrafen (was allerdings nur längen-, nicht aber massenmäßig festgestellt wurde). Auch die übrigen geprüften Wan- zen-Arten griffen häufig Beutetiere an, die ihnen an Größe nicht viel nachstanden.

5. Wie bei verschiedenen Wasserwanzenarten im Versuch beobachtet wurde, gelingt es offenbar nicht immer, das Opfer von einer Einstich - stelle her auszusaugen. Es finden daher in solchen Fällen mehrere Ein- stiche statt, die manchmal in einer gewissen Aufeinanderfolge ausge- führt werden. Die Zahl der Einstiche scheint wesentlich durch das Ver- hältnis von der Beutegröße zu der des Räubers bestimmt zu werden. Doch konnten auch mehrfache Einstiche in solchen Fällen zur Beobachtung gelangen, in denen offenbar zunächst für die Durchführung des Saug- aktes ungünstige Stellen getroffen worden waren.

6. Der Saugvorgang beansprucht häufig sehr viel Zeit. Seine Dauer hängt soweit sich bis jetzt übersehen läßt vor allem vom Größen- verhältnis zwischen Beute und Räuber ab. Er kann eine weitgehende Verlängerung erfahren, wenn das Tier öfter gestört wird, oder aber aus meist nicht erkennbaren Gründen Unterbrechungen des Freßaktes ein- treten läßt, die sehr häufig feststellbar waren. Möglicherweise ist dabei wenn es sich nicht um eine Unterbrechung infolge des Suchens nach einer neuen Einstichstelle handelt an einen Wechsel von Aktivitäts- mit Ruheperioden zu rechnen. Da mir aus zeitlichen Gründen fortlau- fende Beobachtungen des Saugvorganges nur in Einzelfällen möglich waren, kann noch nichts Abschließendes zu diesem Problem gesagt wer- den.

Zum Schluß sei nochmals betont, daß die Untersuchungsergebnisse wegen der noch verhältnismäßig geringen Zahl der diesbezüglichen Fest- stellungen vorläufig nur mehr orientierenden Charakter haben und zur restlosen Klärung der in dieser Arbeit angeschnittenen Fragen noch eine Reihe ergänzender Freilandbeobachtungen und Laboratoriumsversuche erforderlich sind.

Anschrift des Verfassers: Dr. Friedrich Kühlhorn, Zoologische Staatssammlung, Entom. Abteilung, München 38, Menzinger Straße 67.

Aus dem Leben der Schmetterlinge I

Von Gerhard Schadewald

1. Agrotis segetum Schiff.

Im Frühjahr 1952 vertauschte ich eine Serie segetum von Beersdorf. Darauf wurde höflich angefragt, warum ich solche Zwerge sende, normale Falter wären !/; mal größer. Ich schüttelte den Kopf, für mich waren die Falter normal, ich kannte keine größeren. (Vdfl. 18—19 mm, manchmal darunter.)

An diesen Vorgang mußte ich denken, als im August 1952 zwischen den vielen Agrotis ypsilon Rott ein Tier saß, das beinahe deren Größe hatte, aber wie segetum aussah. Ich nahm den Falter mit in die Stube und besah ihn mir bei Licht, es war tatsächlich ein segetum-2 (Vdfl. 24 mm). Im Laufe der nächsten Wochen fing ich noch eine ganze Reihe solcher Riesen. Eingesperrte ©9 legten willig ab, die Zucht gelang, und im Oktober schlüpften wieder solche großen Falter aus den Puppen. Die gleichzeitig durchgeführte Zucht mit Eiern von „Normalweibchen“ ergab wieder normale Tiere. Futter und Lebensbedingungen waren bei den Zuchten vollkommen gleich, die Größe vererbte sich konstant weiter, auch bei den Nachzuchten.

Am 12. 10. 1953 fing ieh im Garten am Köder eine Zwischengröße, das O war nicht so groß wie die Riesen 1952, aber deutlich größer als die 1953 sonst ausschließlich gefangene Normalform. Ich ließ das 2 ablegen, zog die Raupen auf und erhielt am Schluß alle Größen durcheinander. Das © war mischerbig gewesen, und die Nachkommenschaft spaltete wie- der auf.

Die große Form war hier nur durchgewandert. Die Zuchten ergaben, daß sich die Raupen der großen Form schneller entwickelten als ihre kleinen Genossen. Bei vollkommen gleichen Bedingungen war die Zeit vom Ei bis zum Falter etwa eine Woche kürzer. Die Beersdorfer Form ist in der Regel einbrütig und ergibt im Freien nur zu 2—3% eine 2. Gene- ration. Bei der Zucht lassen sich viele Raupen nicht treiben, sondern wollen überwintern. Die Raupen der großen Form zeigten niemals solche Neigungen und verpuppten sich restlos.

Mit der Raupe von segetum machte ich 1947 die erste Bekanntschaft. Im Juli bepflanzte ich im Garten ein Beet mit Rosenkohl und verreiste einige Tage. Als ich zurückkam, lag die Hälfte der Pflanzen welk am Boden. Dicht über dem Boden waren sie durchgebissen und danach ange- fressen worden. Im Boden war ein Gang zu erkennen, ich grub vorsichtig nach und fand bei jeder Pflanze eine segetum-Raupe. Die Raupe lebt also versteckt im Boden und zieht das Futter zum Eingang ihrer Höhle. Sie kommt dabei nur soweit heraus, wie es unbedingt nötig ist. Ist das Futter aufgefressen, zieht die Raupe nachts um. Am neuen Wohnort muß sie Futter und lockeren Boden finden. Das ist hier auf dem schweren Lehmboden in der Hauptsache auf Gemüseflächen gegeben, die im Som- mer oft gehackt werden. Mein Beet mußte den Raupen ideal erschienen sein, täglich grub ich Raupen aus, bis keine Pflanze mehr stand. Den Falter fange ich in der Hauptsache auch um Gärten. Mit dem Futter ist die Raupe nicht sehr wählerisch, nur saftig muß es sein. Besondere Vor- liebe besteht für Löwenzahn und Kohl. Kartoffeln werden verschmäht, Rübenblätter nur ungern angenommen. In der Jugend fressen die Raupen gern junges, weiches Gras, erwachsene wollen davon nichts wissen. Gras- wurzeln werden in allen Stadien energisch abgelehnt. Unterirdische saf- tige Stengelteile, z. B. Möhren, werden benagt, wenn kein anderes Futter

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zu finden ist. Weiter habe ich die Tierchen im Verdacht, daß sie die Rinde junger Holzgewächse verzehren. In dem milden Winter 1952/53 setzte ich im Garten eine Anzahl Raupen aus und fand im Frühjahr von den dort stehenden 2jährigen Maulbeerpflanzen mehrere geringelt vor. Ich konnte die Raupen nicht auf frischer Tat erwischen, konnte aber sonst kein Tier finden, das ich hätte verantwortlich machen können.

2. Cheimatobia brumata L.

Am Schluß des Sammeljahres zieht mich brumata immer wieder auf seine Flugplätze. Ich wollte doch gern einmal sehen, wenn ein 5’ fliegend sein Q in die Baumkrone trägt, wie man es immer wieder lesen kann. Die vielen Beobachtungen haben mich davon überzeugt, daß das nicht möglich ist. Das schwächliche 5 kann den gefüllten Eiersack fliegend nicht schleppen. Es ist nicht einmal in der Lage, ernsthaft Widerstand zu leisten, wenn das @ gegen Ende der Paarung am Baum aufwärts steigt und das 5 dann einfach hinterherschleppt. Es muß mit, soviel es auch strampelt, oder loslassen. Leuchte ich die Pärchen an, versucht das 5 manchmal abzufliegen, wird aber sofort nach unten gerissen, wenn auch das © losläßt. Meist läßt sich aber das 2 fallen und reißt das 5’ mit. So sehr sich das 5’ auch anstrengt, den Sturz kann es nicht bremsen, es geht senkrecht hinab und nur bei stärkerem Wind wird das Pärchen ein Stück

abgetrieben.

3. Cossus cossus L.

An der Landstraße Leipzig—Z:itz, die an meinem Wohnort vorüber - führt, stehen alte, vielfach kranke Kirschbäume. Wunden in der Rinde, aus denen eine dicke Brühe fließt, verraten, daß darin Raupen von Cos- sus cossus hausen. Im Juli 1952 untersuchte ich eine Bohrstelle näher. Die Rinde ließ sich leicht ablösen, und darunter „schwammen” einige Raupen in einem dünnen Brei aus Saft und Nagespänen, die sich eilig in Sicherheit bringen wollten. Die Helligkeit, die plötzlich in ihre Schlupf- winkel fiel, war ihnen sichtlich unangenehm. Die Raupen wanderten als willkommene Beute in eine Blechschachtel.

Was tun sie aber unter der Rinde? Sie müßten doch Holz fressen! Dar- auf schienen sie aber wenig Appetit zu haben, die weichen Schichten unter der Rinde schmeckten sichtlich besser, das ist die eigentliche Nah- rung der Raupe! Betrachte ich die abgebrochene Rinde näher, so ist da- von nur die harte Borke stehen geblieben, die saftführenden Schichten sind vollkommen herausgefressen, vom Splint nur soviel herausgenagt, daß die Raupe Platz hat. Das so scharf nach Holzessig riechende Sekret der Tiere dient wohl dazu, Fäulnis und Gärung zu verhindern, denn da- von merkt man nichts bei der Brühe, in der sich die Raupen so wohlzu- fühlen scheinen.

Die Gänge im Holz dienen der Raupe nur als Versteck, z. B. nach der Sättigung oder während der Häutung. Auch im Winter bleibt ein Teil der Raupen darin. Die meisten Raupen spinnen sich zur Überwinterung in der Erde einen runden, etwas flachgedrückten Kokon, in dem sie zu- sammengerollt liegen.

Nach meinen Beobachtungen frißt die Raupe in der Regel 2 Jahre, unter ungünstigen Bedingungen kann die Entwicklung auch länger dau- ern. Nach der letzten Überwinterung wird keine Nahrung aufgenommen, die Raupe verliert die rote Farbe und wird weiß.

Die Fraßperioden sind verhältnismäßig kurz. Im ersten Jahr fressen die Raupen nach dem Schlüpfen etwa bis Ende September, im zweiten von Mai bis Juli-August. Die erwachsene Raupe verläßt meist den Fraß-

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baum und wandert weit umher, ehe sie sich den bekannten langen Ver-

puppungskokon spinnt. 1946 bekam ich im Herbst einen Kokon mit einer Puppe, die erst am

13. 6. 1947 ein © entließ. 1953 fing ich cossus zum erstenmal am Köder, im ganzen 5 99.

Anschrift des Verfassers: Gerhard Schadewald, Beersdorf bei Profen, Kr. Zeitz.

Zur Frage Lycaota Knw. (Hvm.) Von Lothar Zirngiebl

In den „Mitteilungen der Münchner Entomologischen Gesellschaft“ 43, 1953, p. 237, wurde die Frage gestellt, ob Hoplocampoides Ensl. synonym zu Lycaota Knw. gesetzt werden dürfe. In diesem Aufsatz habe ich die Frage mit nein beantwortet, jedoch eine endgiltige Antwort offen ge- halten.

Auf Grund des Typenstudiums glaube ich die Frage nun abschließend beantworten zu können. Der ganze Fragenkomplex wurde ausgelöst durch

ein Stück aus Finnland (von Helen) im folgenden mit a bezeich- net —. dessen Flügelgeäder verändert ist. (In meiner Sammlung.) Die

Giraudschen Typen befinden sich im Museum National d’Histoire naturelle. Der von mir untersuchte Paratypus soll als b bezeichnet wer- den. Stritt hat Stück a untersucht und mit dem von ihm gezüchteten Stück verglichen. Er stellte fest, daß beide Stücke gleich seien und es sich bei dem veränderten Flügelgeäder des Stückes a um Fehlschläge handle. Der Vergleich mit dem Paratypus (= b) ergab nachfolgendes:

1.Sowohl das Stück a als auch b haben mit Lycaota nichts zu tun. Die

Bestimmung nach Konow führt nie auf diese Gattung.

2. Hoplocampoides ist, wie bereits Stritt nachwies, nicht identisch mit Hoplocampa, sondern eine Selandriide.

3. Hoplocampoides scheint, wie manche Gallenbildner, in Größe und Farbe zu variieren. Im allgemeinen stimmen Stück a und b in Struk- tur und Plastik gut überein. Als Unterschiede lassen sich feststellen: a) Stück a mißt 100° (= 5 mm), Stück b nur 80° 4 mm). Augen-

scheinlich wirkt der Größenunterschied auffallender.

b) Stück a ist tief schwarz und elfenbeing:lb gezeichnet, Stück b dun- kelbraun mit hellbrauner Zeichnung. Rs könnte sein, daß entweder das Alter des Vergleichsstückes in Rechnung zu ziehen ist oder daß es sich’ um ein schlecht ausgefärbtes Zuchtstück handeln könnte.

c) Stück a besitzt auf dem linken und rechten Seitenlappen des Meso- notums neben den Tegulae je eine dreieckige Grube. Diese fehlt dem Stück b.

d) Soweit erkenntlich, sind die Sägeblätter des Stückes b wesentlich feiner und zierlicher als die des Stückes a. Doch lassen sich ohne Präparation genaue Daten nicht geben.

e) Bei dem relativ bedeutenden Größenunterschiede dürfte die viel feinere Punktierung des Clypeus und Scutellums möglicherweise nicht viel besagen.

4. Der erste Gesamteindruck, den der Paratypus erweckt, ist zweifelsohne der einer Hoplocampa- Art. Dies nicht nur durch die kurze plumpe Körperform, die etwa an H. chrysorrhoea Klg. erinnert, sondern auch durch die langen überstehenden Flügel.

Das Studium des Flügelgeäders der Selandriiden als Ganzes läßt diese Familie in zwei große Gruppen zerfallen. Hoplocampoides dürfte dabei zu jener Gruppe zählen, zu der die Gattungen Selandria, Thrinax, Strom- bocerus. Strongulogaster, Hemitaxonus und Pseudotaxonus zu zählen wären. Die Formung der Costa, der Subcosta und des Intercostalraumes, die Gestaltung des Cubitus und der Basalis mögen dabei eine gewisse Rolle spielen. Der Lebensweise nach dürfte die Gattung Hoplocampoides wohl auch nicht schlecht hierher passen. Ob und wie sich dieser ganze Fragenkomplex dann systematisch auswirken wird, läßt sich kaum vor- aussehen. Die Veränderungen und Öbliterationen des Stückes a sind so weitgehend, daß Auber -Paris und ich anfänglich glaubten, sogar eine neue Gattung vor uns zu haben. Jetzt, nachdem ich normale Tiere ge- sehen, kann ich Stritts Auffassung bestätigen, obwohl der Unter- schied zwischen Stück a und b wahrscheinlich größer ist als der zwischen a und dem Strittschen Stück. Es gilt hier der Satz, den ich bereits in einer meiner Arbeiten aussprach, daß man sich bei der Bestimmung niemals an einzelne Merkmale festklammern darf, sondern den Gesamt- eindruck im Auge behalten muß. Man wird weiter eher annehmen dür- fen, daß es sich bei den Fehlschlägen um pathologische, als etwa um erbbiologische Ursachen. handeln wird. Aus diesem Grunde wird man wohl allgemein entwicklungsgeschichtliche Folgerungen aus solchen Fehl- schlägen nicht als beweisend ansehen können.

Das Vorkommen dieser Art darf immer noch als relativ selten ange- sehen werden. Die östlichste Grenze, soweit ich sie bis jetzt kenne, läuft in Höhe Kassel—Karlsruhe. Wo Konow den Fundort „Gallia“ her- kennt, weiß ich nicht. De Gaule jedoch gibt drei Lonicera-Arten an, auf denen die besprochene Wespe Gallen bilden soll: L. zylosteum, coe- rulea und perielymenum. Stimmte das, dürften weitere Funde im We- sten und Südwesten zu erwarten sein. Demgegenüber steht die Tatsache, daß alles Suchen nach dieser Art bisher z. B. in der Pfalz und in Frankreich ohne Erfolg war, so daß französische Autoren das Vor- kommen der Hoplocampoides in Frankreich sehr stark in Zweifel ziehen.

Was die Gattung Lycaotella Ross anbetrifft, so ähnelt ihr Flügel- geäder auf das es hier ankommt derart dem von Lycaota (siehe Benson, 1938), d. h. die Lanceolatus ist nicht zusammengezogen, daß man, für unsere Aufgabe, sagen darf, auch Lycaotella Ross habe nichts mit Hoplocampoides Ensl. zu tun.

Der zusammenfassende Satz lautet daher: Hoplocampoides Ensl. ist eine gute Gattung und darf zu Lycaota Kow. und Lycaotella Ross nicht synonym gesetzt werden. f

Ich möchte die Gelegenheit nicht vorbeigehen lassen, mich bei den französischen Dienststellen für ihre Hilfsbereitschaft bei der Auffin- dung der Typen zu bedanken. Besonderen Dank schulde ich Herrn Assi- stenten Auber - Paris für die mühevollen Vergleichsarbeiten.

Anschrift des Verfassers: Hauptlehrer Lothar Zirngiebl, Birkenheide-Pfalz, Waldstraße.

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der Bayerischen Entomologen

Herausgegeben von der Münchner Entomologischen Gesellschaft Schriftleitung: Dr. Walter Forster, München 38, Menzinger Straße 67 Postscheckkonto der Münchner Entomolog. Gesellschaft: München Nr. 31569 Verlag: J. Pfeiffer, München

4. Jahrgang 15. Juli 1955 Nr. 7

Ernst Pfeiffer 7

Die Münchner Entomologische Gesell- schaft hat einen überaus schweren Verlust erlitten. Am Pfingstsamstag, den 28. Mai 1955, ist der Verlagsbuchhändler Ernst Pfeiffer im Alter von 62 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben. Herr Pfeiffer war eine der markantesten Persönlichkeiten im entomologischen Le- ben Münchens, viele Jahre lang war er maßgebend in der Leitung unserer Gesell- schaft tätig, wobei er besonders unsere Publikationen uneigennützig betreute. Als Entomologe widmete er sich dem Sammeln und dem Studium der Rhopaloceren des palaearktischen Gebietes, von denen er eine einzigartige Sammlung zusammen- brachte, deren Grundstock die Ausbeuten seiner zahlreichen Reisen bilden. Aber nicht nur um den hervorragenden Ento- mologen trauert unsere Gesellschaft, wir haben mit Ernst Pfeiffer einen güti- gen Menschen und Freund verloren, der immer und in jeder Lage hilfs- bereit und uneigennützig auch in den Kreisen unserer Mitglieder un- endlich viel Gutes getan hat, still und ohne Aufhebens zu machen. Hier an dieser Stelle seien ihm heute nur die paar Zeilen gewidmet, eine aus- führliche Würdigung der Persönlichkeit und des entomologischen Werkes Ernst Pfeiffers wird in den „Mitteilungen“ erscheinen.

W.F.

Bemerkungen zu den .„‚Dualspecies“ bei den Lepidopteren, erläutert am Beispiel Pyrgus armoricanus Obth. - alveus Hbn. (Hesperiidae)

Von Herbert Pröse

Den von M. Hering (2) in die lepidopterologische Literatur einge- führten Begriff der „Dualspecies“ hat insbesondere Heydemann (3) übernommen und an Hand mehrerer Einzeluntersuchungen zu erläutern versucht. Dualspecies oder „Zwillingsarten“ sind danach einander sehr

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ähnliche Arten, die „auseinander“ entstanden sein sollen, wobei die ältere Stammart sich durch weniger entwickelte, primitivere genitalanatomische Merkmale und durch eine schmälere „ökologische Valenz“ (geringere An- passungsfähigkeit, Vitalität etc.) von der descendenten jüngeren Art unterscheiden soll.

Hierbei ist die Ausdrucksweise, der wohl auch falsche Überlegungen zugrunde liegen, zu berichtigen. Die „Stammart“ existiert ja in dem Mo- ment nicht mehr, in dem sie sich geteilt hat. Dieses Aufteilen geschieht meist so, daß der eine Teil der Stammart morphologisch näher steht als der andere (vgl. die Deviationsregel nach Hennig [1]). Man kann beide entstandenen Arten aber nicht „alte“ und „junge“ Arten nennen beide sind ja gleich alt. Das Richtige treffen dagegen die Bezeichnungen „primitiv“ und „abgeleitet“ oder, wie Hennig sagt, „plesiomorph“ und „apomorph“.

Heydemann führt 36 Artenpaare unter den Macrolepidopteren und 4 unter den Kleinfaltern an, die Dualspecies darstellen sollen.

Darunter zählt er auch „Hesperia“ armoricanus Obth. und alveus Hb. Seine kurze Begründung dieser Ansicht fußt auf der Tatsache, daß die beiden zweifellos ähnlichen und nahestehenden sich in der Verbreitung und nach Zahl der Generationen in Mitteleuropa unterscheiden. Er schreibt alveus betreffend: „Letztere Art ist größer und kühleren Klima - gebieten dadurch besser angepaßt, daß sie in Höhenlagen und in Schwe- den wie in Norddeutschland nur eine Generation bildet, südwärts zwei.“

Dies genügt dem Autor, um armoricanus Obth. als „Stammart“ mit der „Descendente“ alveus Hbn. anzunehmen!

Es ist zunächst einmal sachlich zu berichtigen, daß alveus in seiner typischen Unterart stets nur eine Generation bildet, nicht nur an den von Heydemann angeführten Lokalitäten. Hier von irgend einer Anpas- sung im Zusammenhang mit armoricanus Obth. zu sprechen, ist abwegig. Die südlich der Alpen lebenden alveus-Populationen sind mindestens subspezifisch von der Nominatform verschieden, Kauffmann (4) trennt sie sogar artlich ab. Diese bilden allerdings zwei Generationen aus.

Um Heydemanns Ansichten zu präzisieren, ist festzustellen, daß Dualspecies, sollen sie überhaupt ein ernstzunehmender wissenschaft- licher Begriff sein, eine koordinierte monophyletische Beziehung zu- einander aufweisen müssen, Monophylie im engsten Sinn, d. h. ohne jüngere Verzweigungen der beiden zur zeitlich vorgeordneten Wurzelart zusammenlaufenden Stammlinien.

Wäre dies bei irgendeinem Zwillingsarten-Paar nicht der Fall, so wä- ren alle Spekulationen über Futterpflanzenwechsel, Generationenzahl, ökologische Anpassung u. dgl. hinfällig, da ja erst die Verhältnisse bei den jüngsten Verzweigungspartnern untersucht werden müßten. Es ist ja offensichtlich absurd, Evolutionsursachen zwischen zwei Arten zu su- chen, die gar nicht unmittelbar auseinander entstanden sind.

Man kann also nicht zwei mitteleuropäische nahestehende Arten her- ausgreifen, sie morphologisch, ökologisch und chorologisch vergleichen (ein solcher Vergleich muß ja stets ein ausdeutbares Ergebnis bringen) und dann Dualspecies-Beziehungen mit primitiver und abgeleiteter Form aufstellen. Es zeigt sich auch hier, wie leider so oft in unserer Wissen- schaft, daß die, wie Hennig (1, p. 107 ff.) es nennt, „ungenügende Scheidung der Begriffe ‚phylogenetische Verwandtschaft‘ und ‚Ähnlich keit der phylogenetisch in bestimmtem Grad miteinander verwandten Gruppen‘’“ an der ungenauen und schiefen Darstellung der Verhältnisse

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in dem relativ noch am sichersten zu erfassenden Bereich der unteren Gruppenkategorien schuld ist.

Folgen wir Hennigs Terminologie weiter, so können wir sagen, daß der Hauptfehler in der Begründung dieser Dualspecies darin liegt, daß nur die holomorphologischen Ähnlichkeitsbeziehungen oder Beziehungen ökologischer, chorologischer oder sonst welcher Art immer wieder zum grundlegenden Gesichtspunkt gemacht werden. Daß eine solche syste- matische Arbeit zu jedem anderen, nur nicht zum phylogeneti- schen System führt, liegt auf der Hand.

Pyrgus alveus Hbn. und armoricanus Obth. trennen, phylogenetisch gesehen, weite Räume und ihr zweifellos gemeinsamer Ursprung (im weiteren Sinn) geht auf einen alten Pyrgus-Typ zurück, der sich nun zufällig tatsächlich in armoricanus besser erhalten hat als in alveus. Dies ist aber nicht aus den von Heydemann genannten Gründen ersicht- lich. sondern nur aus der vergleichend-morphologischen Untersuchung

hauptsächlich der Genitalarmaturen der ganzen systematischen Gruppe.

Koordiniert zu alveus, mit letzterer also am nächsten verwandt ist armoricanus nun keineswegs, es sind diese Populationen vielmehr bei den oben erwähnten mediterranen Formen zu suchen, weiter bei acereta Vty. und foulquieri Obth. und vor allem im Osten (sifanicus Gr. Gr., iliensis Rev., speyeri Stgr. und reverdini Obth.).

Alle diese in der polytypischen alveus-Gruppe besonders schwer auf ihre Artberechtigung zu untersuchenden Formen stehen unserer mittel- europäischen alveus weit näher als armoricanus. Eine Betrachtung nach Heydemann müßte also erst hier einsetzen.

Die wichtigste Folgerung aus den Untersuchungen Heydemanns ist der Vorrang der „ökologischen Isolierung“ vor allen anderen Art- bildungsursachen, die geographische Isolation dagegen wird als Evo- lutionsfaktor weitgehend abgelehnt.

Dabei wird m. E. die Ursache mit der Wirkung verwechselt: die Ur- sache der spezifischen Trennung ist hauptsächlich die Weiterentwick- lung geographischer Unterarten, deren ursprünglich gemeinsames Erb- gut später durch geographische Trennung der Erbträger aufgeteilt wird und zur sukzessiven Isolierung und phy siologischen Entfr emdung beider Formen führt. Diese von Heydemann im Zusammenhang mit den Dualspecies verworfene These ist neuerdings durch umfangreiche Un- tersuchungen von Lorkovic (5), Mayr (6), Warren (7) u.a. weiter gestützt worden. Die gegenwärtig beobachtete ökologische Verschieden- heit ist meist Nebenfaktor, oft erst sekundäre Auswirkung der artlichen Trennung.

Wenn die meisten Heydemannschen Beispiele für Dualspecies keine Vikarianz aufweisen, so spricht das nicht gegen die Theorie der Artbildung aus geographischen Unterarten, sondern gegen die Berechti- gung dieser Zwillingsarten als extrem naheverwandte Arten, denn es zeigt, daß die beiden Arten phylogenetisch bereits so weit entfernt sind, daß in ihrer Verbreitung keine Anhaltspunkte dafür zu finden sind, daß sie erst vor relativ kurzer Zeit sich getrennt haben.

In diesem Zusammenhang ist interessant, daß eine wirklich Jüngste, koordinative Verzweigung,. die Heydemann anführt, nämlich Meli- taea athalia Rott. - pseudathalia Rev. eine ganz ausgesprochene Vikarianz zeigt.

Sieht man von den Microlepidopteren ab, die wegen ihres lokaleren

. y = . und viel enger an das Substrat gebundenen Charakters mit anderen Maß- stäben gemessen werden müssen, erscheint uns der Begriff der „Dual-

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species“, der überdies en geprägt den Eindruck erweckt, es handle sich hier um eine Besonderheit bei der Artbildung oder gar um eine neue klassifikatorische Kategorie, in diesem Zusammenhang als recht überflüssig.

Literaturverzeichnis:

(1) Hennig, W., 1950: Grundzüge einer Theorie der phylogenetischen Systema- tik. Berlin, Deutscher Zentralverlag.

(2) Hering, M., 1941: Dualspecies und Unterartenentstehung. Mitt. deutsch. Ent. Ges. 10.

(3) Heydemann, F., 1943: Die Bedeutung der sogenannten Dualspecies (Zwil- lingsarten) für unsere Kenntnis der Art- und Rassenbildung bei den Lepi- dopteren. Stett. Ent. Ztschr. 104.

(4) Kauffmann, G., 1954: Pyrgus iliensis Rev. ssp. colurnus nov. Redia.

(5) Lorkovic, Z., 1942: Studien über den Speciesbegriff. Mitt. Münch. Ent.

Ges. 32.

(6) Mayr, E., 1947: Systematies and the origin of species. Columb. Univ. Press. New York.

(7) Warren, B. C. S., 1937: On the evolution of subspecies. Journ. Linn. Soc. Zool. 40.

Anschrift des Verfassers: cand. rer. nat. Herbert Pröse, Hof a. d. Saale, Karolinenstr. >

Beobachtungen an Harpalus (Ophonus) obscurus. F. Von Anna Müller

Im August 1953, vor dem Grummetschnitt, sah ich auf fruchttragenden Pastinakdolden Käfer der Gattung Harpalus sitzen. Ich beachtete sie zuerst nicht, stellte aber dann fest, daß sie sich sehr sonderbar benahmen. Sie fraßen von den reifenden, aber noch saftigen Samen, saßen da mit aufgetriebenem Hinterleib, die Beine gespreizt, und waren wie betrunken. Noch nicht aufgeblähte ließen sich sofort zu Boden fallen. Da bemerkte ich einen leichten grünen Schimmer auf den Flügeldecken und nahm mir ein paar mit, betrachtete auch noch ca. 40 Stück, es waren lauter Weibchen. Ein einziges Männchen bekam ich, es saß am Boden unter der Dolde und streckte die Fühler lauernd nach oben.

Mitte August 1954 suchte ich den Platz öfters auf. Bei heißer Mittags- sonne war lebhafter Besuch auf den Dolden, bei kühler Witterung ist kein Tier zu erblicken. Ich fand dabei auch ein Pärchen in Copula, das Weibchen gierig fressend. Zwei Männchen auf den Dolden fraßen nicht, sondern machten auf die Weibchen Jagd. Diese bissen einige Male nach den Männchen, krochen auf die Doldenunterseite und ließen sich fallen, als das Männchen ebenfalls folgte. Diese Weibchen waren noch nicht aufgetrieben. In einer Eprouvette hatte ich ein Weibchen untergebracht, dazu brachte ich zufällig ein Männchen. Dieses tätigte sofort einen hef- tigen Angriff auf das Weibchen, wollte auf dieses klettern, das Weib- chen biß nach hinten, konnte sich in dem engen Glas nicht umdrehen, kam auf den Rücken zu liegen und suchte das Männchen mit den Beinen und durch Bisse in die Beine, Taster und Fühler abzuhalten. Auch das Männchen biß zu, dabei verlor das Weibchen drei Beine. Erst dann ging die Copula vor sich. Nach 1 Stunden trennte sich das Männchen vom Weibchen. Auch im größeren Glase (1% I weit) konnte ich diese Kämpfe

beobachten. Die Tiere haben nicht die Gewohnheit, im Glase rundum zu

"u ern naiN Zruzrrtn

laufen und einen Ausweg zu suchen, sie klettern auf die Dolden und fressen. Männchen sah ich nie fressen. Eines der aufgetriebenen Weib- chen untersuchte ich nach dem Töten. Es hatte wohl vier fast reife, gelbliche, ovale Eier von 1,8 mm Länge im Leib, aber den Hauptinhalt machte der Brei der zerfressenen Samen aus. Da die Samen ätherisches Ol enthalten, welches sich in Methyl-Alkohol verwandelt (ließ ich mir sagen), ist der zu Anfang genannte Zustand zu erklären. Eigentliche Starre konnte ich bei keinem der lebhaften Tiere beobachten.

Von dem Samen wird an der Breitseite ein rundes Loch ausgefressen (die Schale bleibt hängen), der noch saftige Kern wird mit den Kiefern entnommen und zerbissen. Es handelt sich nur um fast reife, schon bleiche Samen, meistens der Mitteldolde. Wenn man diese Gewohnheit des Käfers beachtet, wird er vielleicht noch an mancher Stelle Süd- bayerns gefunden.

Fundort ist eines der asymmetrischen Seitentäler der Isar östlich Landshut, das sich fast genau von Osten nach Westen zieht. Der sanfte warme Hang hat fruchtbare Lößäcker: der weniger gute Seitenstreifen neben einer Mulde trägt die kleine, nicht fette Wiese mit reichem Be- stand an Pastinaca sativa L.

Anschrift der Verfasserin: Anna Müller, Landshut Ndb., Freyung 632a

Armerkung. Die interessanten Ausführungen von Fräulein Müller ließen mich zunächst einen Irrtum vermuten, da bekannt ist, daß die Käferweibchen verschiedentlich durch die heranwachsenden Eier aufgetrieben werden. Meine Annahme schien sich zu bestätigen, als ich in einem Weibchen von Harpalus obscurus 21 der auffallend großen Eier fand. Es ist aber nach Angaben von Fräulein Müller und einigen weiteren Untersuchungen meinerseits, allerdings an nahezu trockenen Tieren, nicht daran zu zweifeln, daß die Auftreibung auch durch die in großer Menge aufgenommenen Samen des Pastinaks bedingt sein kann. Für die ausreichende Versorgung der Eier mit Dotter werden verständ- licherweise große Mengen an Nährstoffen benötigt, die die Weibchen von Har- palus obscurus und wohl auch einiger anderer Harpalus-Arten aus den ölhaltigen Pastinaksamen beziehen. Es ist deshalb anzunehmen, daß die Auftreibung zu- nächst durch die Nahrung und erst später allmählich durch die großen Eier verursacht wird. Heinz Freude.

Sonderlinge, Einzelgänger und Wandervögel (Lepidoptera) Von H. Pfister

Sonderlinge gibt's überall: Angefangen von Menschen, bei denen ein paar Schrauben zu fest angezogen oder auch verloren gegangen sind, über den Elefanten bis zu den Insekten. Unter allen Geschöpfen dieser Erde scheint es besondere Heilige zu geben, die aus der Reihe tanzen, den Lebenskreis ihrer Artgenossen verlassen und Dinge anstellen, die man, weil unvorschriftsmäßig. nicht von ihnen erwartet. Wer mich kennt, wird nun annehmen, daß die folgenden Zeilen nicht von Zeit- genossen eigener Art berichten, sondern daß ich wahrscheinlich etwas über Schmetterlinge schreiben werde.

Richtig geraten! Und zwar von Faltern, die, so will es scheinen, einem geheimnisvollen Trieb folgend, ausziehen, um in die Fremde zu gehen, vielleicht um die Welt kennen zu lernen (kann ich fast nicht glauben), oder um neuen Lebensraum zu erobern, oder weil es ihnen in der alten Heimat aus irgendwelchen Gründen nicht mehr gefällt, vielleicht weil sich Umwelt und Lebensbedingungen verändert haben. Oder weil sie ein

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banaler Zufall an einen Ort geführt hat, an den sie nicht gehören. Sicher handelt es sich auch bei manchen Beobachtungen um Reliktvorkommen von Arten, die weitab von ihren heutigen Verbreitungsgebieten heute noch winzige Populationen von wenigen Exemplaren an Stellen hinter- ließen, die vor langer Zeit im geschlossenen, allmählich verlorengegange- nen Lebensraum lagen und nunmehr hier ihrem Aussterben entgegen - gehen. Die Art der Zusammenhänge zu ergründen, wäre eine interessante Aufgabe, deren Lösung mir aber deshalb schwierig vorkommt, weil es uns nicht gegeben ist, die Vorgänge in einem Schmetterlingsgehirn zu erfassen. Im wesentlichen müssen wir uns wohl damit zufriedengeben, Beobachtungen anzustellen, festzuhalten, um mehr oder weniger glücklich formulierte Theorien daran zu knüpfen. Der Freund der Großschmetter - linge versteht viel über dieses Thema zu sagen und berichtet von man- chen Arten, die, obwohl nicht bodenständig, mal auftauchen, wieder ver- schwinden oder auch für längere oder kürzere Zeit, vielleicht auch für ständig, ansässig werden. Beispiele für Tiere, denen es erst in unmittel- barer Vergangenheit gelang, ihr Verbreitungsgebiet zu vergrößern: Ly- gris associata Bkh., Odezia atrata L., Melanargia galathea L. merk- würdigerweise schwache Flieger, die eines Tages auftauchten und da- blieben. Dagegen sind Tiere, die nicht „dablieben“ von wenigen Aus- nahmen abgesehen meist robuste Arten oder gewandte Flieger: ver- schiedene Sphingiden, ein paar Tagfalter, einige Eulen, Spanner usw. Diese Beispiele sind alle bekannt. Weniger dagegen weiß man von Kleinschmetterlingen, die ein ähnliches Verhalten an den Tag legen, am meisten vielleicht noch von einigen auffälligen Arten wie den Pyraliden Nomophila noctuella Schiff. und Pionea ferrugalis Hbn., weitverbreitete Tiere, die sich oft in unser Gebiet wagen, erstere gelegentlich in Massen- schwärmen, wieder verschwinden, um das Spiel in folgenden Jahren zu wiederholen oder auch nicht. Etiella zinckenella Tr. gehört auch zu diesem Konsortium. Die schöne Vertreterin wärmerer Breiten kann, nachdem sie vorher nie gesehen wurde, plötzlich bei uns auftauchen, um schon im folgenden Jahre wieder unsichtbar zu bleiben. 1953 war sicht- lich ihr Wanderjahr. In Nordbayern fand ich sie an mehreren Stellen (Jura, Fichtelgebirge, Maintal in Unterfranken), 1954 war sie wieder „abgereist“ kein Stück mehr zu sehen. Wo kommt sie her, wo geht sie hin? Exaeretia alisella Stt. in Bayern, auch im benachbarten Thüringen noch nirgends gefunden, tauchte, leider bisher nur in 1 Stück, 1954 in Hof auf. Ebenso Depressaria umbellana Stph., deren nächster Fundort sehr weit von hier entfernt am Rhein liegt. Von dort erstreckt sich ihr Ver- breitungsgebiet westwärts: Holland, England, Frankreich. Ein frischge- schlüpftes Stück kam Ende August 1954 in meiner Wohnung in Hof a. d. Saale an das Licht. Das Tier hat sich sicher hier entwickelt, die von Hering angegebene Futterpflanze (Ulex) kommt weit und breit nicht vor. Der Übergang auf die „Ersatzpflanze“ ist ihr sichtlich gelungen. Eine ziemlich rätselhafte Angelegenheit, ebenso wie auch der Fang einer prächtigen Depressaria cervariella Const. in Retzbach/Ufr., einer Art, die m. W. erstmals in Deutschland gefunden wurde und deren eigentliche Heimat in Südfrankreich liegt. Von Einschleppung kann hier kaum die Rede sein. Das Tier, das trotz häufiger Nachsuche Unikum blieb, fand ich weitab von der nächsten Siedlung und verriet überdies durch seine Frische, daß es zu den „Eingeborenen“ gehörte. Aber auf Überraschung muß man bei „Micros“ immer gefaßt sein, doch grenzt der Fall der Auf- findung von Zinckenia fascialis Cr. bei Bamberg beinahe an Jägerlatein. Die auffallende südöstliche (Syrien!) Pyralide, die hier in einem ziemlich frischen Stück am Licht gefangen wurde (1948), war sicher als Raupe oder Puppe irgendwie eingeschleppt worden. Wohl auf ähnliche Art, wie

Dem ui u um um

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eine größere Zahl aufregend bunter Kleinschmetterlinge, die ich einmal in Würzburg nachts an der Innenscheibe des beleuchteten Schaufensters einer großen Südfrüchtehandlung auf- und abtanzen sah. Ich kannte keinen einzigen von ihnen, ihre Eltern lebten wahrscheinlich irgendwo in Kamerun, auf Ceylon oder dort, wo der Pfeffer wächst. Doch zurück zu handfesteren Dingen. Daß sich besonders mutige alpine Arten sogar über den bayerischen Weißwurstäquator wagen, dafür geben Incurvaria ru- pella Schiff. (Höllental in Ofr., Pfister leg.), Scoparia phaeoleuca Z. (Kelheim, Osthelder leg.), sudetica Z. (Penkertal b. Regensburg, Sälzl s. leg.) Beispiele.

Um ein Vordringen von Arten handelt es sich hier kaum, es sind wohl sicher Reliktvorkommen. Wie dagegen das erst seit einigen Jahren bemerkte sehr zerstreute Vorkommen von Arten wie Evergestis limbata L. oder Pyrausta perlucidalis in Nordbayern zu werten ist, kann ich nicht recht beurteilen. Erstere wurde schon an einigen sehr weit von einander entfernten Stellen, stets aber einzeln aufgefunden, auch in einem sehr gut durchforschten Gebiet, wie Keilstein b. Regensburg (nur 1 frisches 5, 19. 6. 41, Sälzl jun. leg.) oder Dioryetria mutatella F. und schützeella Fuchs, für die ähnliche Verhältnisse gelten. Beide Arten finden sich jetzt regelmäßig unter verschiedensten Umweltverhältnissen in Nordbayern, letztere ist nunmehr auch aus Südbayern von einigen Stellen bekannt. Sie tauchten erst neuerdings auf und hätten früher kaum übersehen werden können, wenn sie dagewesen wären.

Eigene Ansichten über ihre Bedürfnisse hat mit Sicherheit Conchylis ardezana, die, wie ihr Name sagt, von Ardez (Schweiz) bekannt wurde. Das schöne Tier gehört zu den Seltenheiten unter den mitteleuropäischen Tortriciden. Es war daher immerhin eine Überraschung für mich, als ich es in den Berchtesgadener Alpen zwar lokal, aber immerhin regelmäßig und nicht einmal besonders selten auffand.

Noch etwas anderes. Arten, die noch vor einigen Jahrzehnten in be- stimmten Gebieten als häufig galten, verschwanden mehr oder weniger plötzlich. Die Ursachen sind oft nicht erkennbar. Beispiele gibt ein recht eingehend bearbeitetes Gebiet wie Regensburg. Zophodia convolutella Hbn. oder Phlyclaenudes turbidalis Tr., die Schmid vor der Jahr- hundertwende noch als häufig, letztere sogar „gemein“ feststellte, fehlen heute dort vollständig. Die kleine Wachsmotte, für die die gleiche An- gabe vorlag, ist dort ebenfalls so gut wie verschwunden, während ihre große Schwester nach wie vor oft zu finden ist.

Wer aufmerksam die Zusammensetzung von Lebensgemeinschaften eines Gebietes beobachtet, kann immer wieder feststellen, daß diese keineswegs ein endgültiger und unveränderlicher Komplex, gebildet aus einer Reihe von Arten, bleiben, sondern daß ein Teil der „Fauna“, auch wenn die Umweltverhältnisse nach unserer Beurteilung unverändert blei- ben, einem gewissen Wechsel unterworfen ist, z. T. schon innerhalb ver- hältnismäßig kurzer Zeiträume.

Damit Schluß. Meine Zeilen sollen nur Schlaglichter sein und keinen Anspruch auf Vollständigkeit meiner Beobachtungen erheben. Vielmehr sollen sie die Anregung geben, den Umfang unserer Kenntnisse zu er- weitern, Wesensart und Lebensweise der Naturgeschöpfe zu betrachten und, wo es möglich ist, auch zu ergründen. Wer Verständnis dafür hat, wird bald bemerken, daß es mehr Freude macht, Tiere zu beobachten, als nur Lücken in den Sammelkästen auszufüllen.

Anschrift des Verfassers: Hermann Pfister, Hof a. d. Saale, Hermann-Löns-Straße 29.

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Buchbesprechungen:

F. P. Müller; Blattläuse. Biologie, wirtschaftliche Bedeutung und Bekämpfung. Neue Brehm-Bücherei. Heft 149. 8%. 144 Seiten. 60 Abbildungen. A. Ziemsen Verlag, Wittenberg. 1955. Preis kart. 6,— DM.

In diesem neuesten Heft der bekannten Reihe von Kurzmonographien wird in guter Darstellung eine knappe Übersicht über die Blattläuse gegeben. Einleitend wird ihre Stellung im System behandelt, sowie ihr Körperbau. Im nächsten Ka- pitel wird die Lebensweise beschrieben, wobei in erster Linie die verschiedenen Typen des auftretenden Generationswechsels unserer wirtschaftlich wichtigsten Arten eingehend geschildert werden, aber auch ihr Vorkommen, der „Massen- wechsel” und die Beziehungen zu den Ameisen neben anderen Fragen dargestellt sind. Nach einem verhältnismäßig kurz gefaßten Kapitel über die Feinde der Blattläuse folgt das Kapitel „Blattläuse als Direktschädlinge“, in dem die wich- tigsten in Mitteleuropa schädlich auftretenden Blattläuse und die Art ihres Scha- dens behandelt werden. Bestimmungstabellen für die auf Rosen vorkommenden und in Gewächshäusern überwinternden Arten ergänzen dies Kapitel. Der erst in neuerer Zeit eingehender erforschten Rolle der Blattläuse als Virusüberträger ist das nächste Kapitel gewidmet, ein kurzer Abschnitt über die Bekämpfung und ein Verzeichnis der wichtigsten Literatur beschließen das Heft, das nicht nur dem Entomologen einen nützlichen Überblick über diese vielfach so vernachlässigte Insektengruppe bietet, sondern besonders für die Pflanzenzüchter aller Art das Auftreten, die Lebensweise und die Bekämpfung der für ihn so wichtigen Blatt- läuse vermittelt. Die zahlreichen Abbildungen erhöhen den Wert des Büchleins, dessen wünschenswerter weiter Verbreitung der verhältnismäßig sehr hohe Preis leider nicht förderlich sein dürfte. W.F.

Blaschke Paul: Raupenkalender für das mitteleuropäische Faunengebiet. Nach den Futterpflanzen geordnet. 149 Seiten. Alfred Kernen Verlag Stuttgart = In Leinen gebunden DM 8,75.

Als erstes muß Referent hervorheben, daß der Titel insofern irreführend ist, als nicht das gesamte Gebiet der Raupen Mitteleuropas besprochen wird, sondern nur diejenigen der sogenannten Großschmetterlinge.

Verfasser versucht an Hand eines alphabetischen Verzeichnisses der mitteleuro- päischen Pflanzenarten die daran lebenden Großschmetterlingsraupen aufzuzählen. An weiteren Angaben ist in der tabellarischen Übersicht noch die Zeit des Raupen- stadiums und unter Bemerkungen in manchen Fällen ein kurzer Hinweis gegeben, in welchen Teilen der Pflanze oder in welchem Biotop die betreffende Art gefunden werden kann. Leider ist von der in der lepidopterologischen Literatur offensicht- lich unausrottbaren Bezeichnung ,‚Niedere Pflanzen‘ reichlich Gebrauch gemacht, worunter doch nur die entwicklungsgeschichtlich primitiven Formen (Crypto- gamen) verstanden werden können und nicht die krautartige, niedrige Vegetation, welche der Verfasser unter diesem Sammelbegriff zusammenfaßt.

Die in einem kurzen Vorwort gegebenen „‚Winke für den Raupensammler“‘ sind so allgemein gehalten, daß hiervon nur der wirkliche Anfänger bescheidenen Nutzen ziehen kann. Hinweise für das Auffinden solcher Schmetterlings-Gruppen, deren Jugendstadien noch ziemlich unerforscht sind (z. B. Psychiden) fehlen.

Das Büchlein kann dem Anfänger zweifelsfrei Hinweise für das Auffinden ge- wünschter Raupenarten geben. Die Ausstattung ist dauerhaft, so daß es bequem auf Exkursionen mitgeführt werden kann. Der Preis entspricht dem derzeitigen

Standard. Daniel

der Bayerischen Entomologen

Herausgegeben von der Münchner Entomologischen Gesellschaft Schriftleitung: Dr. Walter Forster, München 38, Menzinger Straße 67 Postscheckkonto der Münchner Entomolog. Gesellschaft: München Nr. 31569 Verlag: J. Pfeiffer, München

4. Jahrgang 15. August 1955 Nr. 8

Ein Beitrag zur Lepidopterenfauna Steiermarks Von Franz Daniel

Im Juli des Jahres 1954 besuchte ich zum Zwecke der lepidoptero- logischen Durchforschung das Sausal-Gebirge. Dies ist die letzte, nur mehr hügelartige Erhebung der Ostalpen im Gebiet südlich Graz in Süd- steiermark nördlich der Sulm (eines rechten Nebenflusses der Mur) zwi- schen den Orten Leibnitz und Gleinstätten. Die höchste Erhebung er- reicht kaum mehr 600 m; gesammelt wurde in Höhenlagen zwischen 300 und 600 m.

Das Sausal besteht aus Schiefergestein. Da es jedoch auch zu Zeiten der stärksten Vergletscherung nicht mehr von den Eisströmen erreicht wurde, ist der Felskern bis auf die Gipfelhöhen von einer mächtigen lehmigen Humusschicht überdeckt, die das Gestein nur an Kunstbauten zutage treten läßt.

Das Sausal war ursprünglich ein großes, zusammenhängendes Wald-

ebiet, welches heute in erheblichem Maße für Weinbau genutzt wird. Jedoch sind Waldparzellen noch in großem Umfange erhalten geblieben. Sie bestehen in der Hauptsache aus Buche und Stieleiche; Edelkastanie und Hopfenbuche sind allenthalben eingestreut und geben den Wal- dungen ein stark südliches Gepräge. Mit geringen Ausnahmen handelt es sich um Mischwälder, die sich vornehmlich durch Selbstbesamung er- halten. Zusammenhängende Nadelholzbestände treten wenigstens im öst- lichen Teil nur in beschränktem Umfange auf, jedoch sind Föhren, Fich- ten und Tannen allenthalben eingestreut. Reichlich Unterholz wird in allen Waldgebieten geduldet.

Gesammelt wurde in den Zeiten vom 3. bis zum 9. und vom 19. bis zum 29. Juli 1954. Die dazwischenliegenden Tage waren von dem hochsom- merlichen Wettersturz ausgefüllt, der im Juli 1954 Mitteleuropa heim- suchte und es ratsam erscheinen ließ, andere Gebiete aufzusuchen, um diese Zeit nicht nutzlos zu verlieren. Wenn auch die östlichsten Alpen nicht in dem Umfange wie Tirol, Salzburg und Oberkärnten von den Kälte- und Feuchtigkeitseinbrüchen betroffen wurden, so überschritt in dieser Zeit auch in Steiermark das Thermometer mittags kaum die 10°- Grenze, und die dem Sausal westlich anschließende Koralpe wurde ab 1500 m von einer geschlossenen Schneedecke eingehüllt.

Auffallend war die große Armut an Tagfaltern sowohl vor wie auch nach der Wetterkatastrophe, obwohl die oft recht blumen- und wasser- reichen Biotope in normalen Jahren das Gegenteil mit Sicherheit er- warten lassen. Im Gegensatz dazu erwies sich der Nachtfalterbestand des Gebietes, was Arten- und vor allem Individuenzahl betrifft, als über-

BIV. INS,

aus reichhaltig. Besonders hervorhebenswert erscheint mir die Feststel- lung, daß nach dem Wettersturz bei Wiederaufnahme der Forschungs- tätigkeit ab 19. Juli ein Nachtinsektenreichtum festzustellen war, der alle Erwartungen übertraf und die Annahme einer Schädigung dieser Tiergruppen durch die außerordentlichen meteorologischen Ereignisse kaum möglich erscheinen läßt.

Ich beabsichtige, nach weiterer Durchforschung des Sausal zu anderen Jahreszeiten eine größere Arbeit darüber zu veröffentlichen. Da mir 1955 für diese Pläne keine Zeit zur Verfügung steht, möchte ich hier einige besonders bemerkenswerte Funde kurz festhalten, die nach der Landes- fauna von Fritz Hoffmann und Rudolf Klos: „Die Schmetterlinge Steiermarks“ (Graz 1914—1923) bisher entweder für die heutige Steier- mark völlig unbekannt blieben oder von denen nur ältere Einzelnach- weise vermerkt sind. Eine rasseanalytische Untersuchung der Ausbeute, die in vielen Fällen bisher unbekannte östliche Einschläge im Alpenraum aufzeigen wird, bleibt der vorgesehenen Hauptarbeit vorbehalten.

Um den Zusammenhang mit der einzigen größeren lepidopterologi- schen Faunenarbeit Steiermarks zu wahren, wird die von Hoffmann und Klos gewählte systematische Reihenfolge beibehalten. Die dort verwendeten Artnummern sind den Namen vorausgesetzt. Die Noctuiden und Geometriden sind leider erst teilweise bearbeitet. Die Determination dieser beiden Gruppen hat Herr Josef Wolfsberger übernommen, wofür ich ihm auch an dieser Stelle bestens danke. Die eingebrachten sogenannten Microlepidopteren sind noch nicht bestimmt.

An bemerkenswerten Funden seien aufgeführt:

(168) Acherontia atropos L. 1 5’Q am Licht. Es handelt sich um Ver- treter der kleinen, aus Afrika stammenden Geschlechtsform. Das Abdomen des © war prall mit Eiern gefüllt.

(174) Protoparce convolvuli L. Zu beiden Beobachtungszeiten nicht sel- ten am Licht. Wie bei der vorigen Art der kleinen, aus südlichen Breiten stammenden Form zugehörig.

( 196) Hoplitis milhauseri F. In beiden Beobachtungszeiten je 1 Jg’.

(196a) Gluphisia erenata Esp. Ein Pärchen 19.—29. VII. Der ssp. vertunea Derenne zugehörig. Neu für Steiermark.

(196b) Drymonia querna F. Beide Geschlechter im ganzen Beobachtungs- zeitraum ziemlich zahlreich am Licht. Eine dunklere, an die in Ungarn fliegenden Falter anschließende Population, auf die ich noch zurückkommen werde. Neu für Steiermark.

(203) Notodonta phoebe ochracea Vorbr. (= teriolensis Dhl.) Nicht sel- ten am Licht.

(206 ) Spatalia argentina Schiff. Wie vorige nicht selten. Die 92 er- scheinen nur in der Spätdämmerung am Licht. Der gen. aest. pallidior Horm. zugehörig.

(208a) Ochrostigma melagona Bkh. Einzeln. Neu für Steiermark.

(215) Phalera bucephaloides O. In beiden Beobachtungszeiten einzeln. Die 5'5* fliegen erst nach 1 Uhr, die 92 nur kurz nach Dunkel- werden zum Licht.

(299) Aretornis L nigrum Muell. Jeden Abend in großer Zahl am Licht. (257) Drepana curvatula Bkh. Sehr selten. (256) Drepana harpagula Esp. Die wesentlich kleinere zweite Gene-

ration ab 19. VII. in täglich zunehmender Häufigkeit. Agrotis praecox L. Einzeln.

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(450) Polyphaenis sericata Esp.

(457a) Heliotropha leucostigma Hbn. 1