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Das moderne Judenthum

in Deutfhlaud,

beſonders in Berlin.

Bmwei Reden in der chriſtlich⸗ ſocialen Arbeiterpartei gehalten

von

Adolf Stöcer,

Hof- und Domprebiger zu Berlin.

Berlin. Berlag von Wiegandt und Grieben.

1880.

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Skandal, wenn es keinen giebt; an den Predigten in unſeren Kirchen, wie an den Verhandlungen unſerer kirchlichen Ver⸗ ſammlungen wetzen ſie ihre giftigen Federn; aber die Judenfrage ſuchen ſie todt zu ſchweigen und vermeiden es durchaus, ihre Leſer von jenen unangenehmen Stimmen irgend Etwas hören zu laſſen. Sie hüllen ſich in den Schein, als verachteten ſie ihre Gegner, als hielten fie dieſelben feiner Antwort werth. Es wäre richtiger, von den Feinden zu lernen, bie eigenen Schäben zu erfennen und gemeinfam an ber focialen Verſöhnung zu arbeiten, die uns fo nothwendig ift. Im dieſer Abficht möchte ich bie Judenfrage behandeln, in voller chriftlicher Liebe, aber auch in voller focialer Wahrheit. Gelegentliche Aeußerungen über dies Thema find aus ben riftlich-focialen Berfammlungen oft aus Parteizweden in das große Publikum getragen; immer entftellt, übertrieben, vergiftet. Die Reporter gewifjer Blätter, eine Schande für die Stadt der Intelligenz, find ebenfo unwiſſend als unwahr; Vieles fälfchen fie aus Unverftand, dad Meifte aus Bosheit. Ein Vorgang, ber fih im vorigen Jahr zutrug, ift lehrreich und charakteriftifch. Während meiner Abweſenheit war in unferen Berfammlungen mehr als nöthig Über die Juden geredet; die Judenpreſſe fchrieb, die Chriftlich-Socialen feien vom Judenhaß befeelt und drängten zur Judenverfolgung. Ich kam zurüd und ergriff bie Gelegen- | Heit öffentlich und feierlich zu erklären: Wir Kaffen Niemand, wir haſſen auch die Juden nicht; wir achten fie als unfere Mit⸗ | bürger und lieben fie als das Volk ver Propheten und Apoftel, aus welchem unfer Erlöſer hervorgegangen ift, aber das darf uns nicht abhalten, wenn jübifche Blätter unferen Glauben antafteı paar jübifcher Mammonsgeiſt unfer Volt verdirbt, dieſe Gefahr zu kennzeichnen. Diefe Erklärung wurde von Neuem verbreht; das ganze Elend Deutfchlande follte ich gefagt haben komme von ben Juden. Eine Fluth von Zufchriften hagelte auf mich herniever. Ein Berliner Jude, deffen Namen ich kenne, ſchrieb an mich, fein Volt fei ver Favorit Gottes und wenn

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deſſen Gedanken garnicht dem jüdiſchen Boden, ſondern einer aͤrmlichen Zeit ber chriſtlichen Kirche entſprungen und in ber Kirche ſelbſt überwunden find. Beide Parteien rühmen freilich, daß die Juden für die Welt und Menſchheit Träger ver höchſten religiöfen und fittlichen Ipeen feien, und baß die Miffton des Judenthums für jest und alle Zukunft darin beftehe, jene Ideen feftzußalten, weiter zu entwideln und auszubreiten. Die jüdiſche Preffe von rechts und links ift darin ganz einig; der Weihrauch, ber darüber aus den Synagogen beider Richtungen auffteigt, ift geradezu finnberaufchenn. ALS kürzlich die Säcularfeier des ebfen Moſes Menvelsfohn begangen wurde, ftand vor ber feft- lihen Verfammlung das Wort: „Von Mofes bis Mofes ift Niemand wie Dieſer.“ Eben auf dieſen liebenswürdigen Geift, ber aber doch auf die Entwidelung der Menfchheit gewiß feinen burchgreifenden Einfluß geübt hat, beruft man fich in befonderer Weife. Bei der Beier feines Tobestages im Jahre 1870 ſprach ber Landesrabbiner Dr. Adler vie begeifterten Worte: „Iſt auch der jübifche Staat untergegangen, das Judenthum lebt, feine Miffien befteht noch, fein Dafein ift noch ein wichtiger Factor in der Entwidelungsgefchichte des Menſchenthums, der fort - ſchreitenden Menfchenbilvung. Unſere Miffion war und ift und bleibt: der Sieg des fortfchreitenden Meenfchengeiftes, der Sieg de8 Menſchenthums. Auch der untergegangene jüdiſche Staat ift für uns fein todter. Das Untergegangene war aud) nur bie Hülle des unvergänglichen Lebens, eines mit einer großen welt geichichtlichen Miſſion betrauten Volksſtammes.“ Da fehen Sie zugleich, wie die Mienfchheit doch eigentlih nur das Poftament ift, um den unvergänglichen Volksſtamm ver Juden darauf zu ſtellen. So machen es faſt Alle, die als Israeliten über ihr Bolt Betrachtungen anftellen. Philippfon ſchreibt, indem er in ber Ausbreitung des Monotheismus, in der Vermittlung bes Weltverfehrs, in dem Erringen ber veligiöfen Gleichheit und Freiheit die große Miffion Israels erblidt, Folgendes: „Die Kämpfe auf allen Gebieten fichern dem Iudenthum eine bedeutende Zukunft fowohl für feine Bekenner wie für bie gefammte rin-

ſagt der eitle Mann zu ſeinen eitlen Zuhörern in einer Predigt wie die Sterne zu leuchten der Geſammtheit eurer Mitmenſchen.“ Meint man, das ſeien Uebertreibungen Einzelner, ſo iſt dagegen auf die Reſolutionen der augsburgiſchen Synode vom Jahr 1871 hinzuweiſen; da heißt es: „Der Geiſt der wahren Gotteserkenntniß und der reinen Sittlichkeit erfüllt immer mehr das Geſammtbewußtſein ver Völker. Das Judenthum er⸗ kennt hierin mit Freuden eine Annäherung an die Ziele, die ihm auf ſeiner geſchichtlichen Bahn zu allen Zeiten vorgeleuchtet haben?

Hier ftellen wir unfere erfte Forderung und bitten: ein Hein wenig beſcheidener! Wir leugnen nicht, daß Israel die Erkenntniß des perfönlichen, einigen Gottes durch das Alter- thum wie eine heilige Flamme getragen hat, bis Chriftus kam und ben vollfommeneren Glauben, ben reicheren Gotte&begriff und die höhere Wahrheit brachte. Aber e& ift doch eine hiftorifche Thatfache, daß das Volt Israel immer und immer in ben gröbften Gögendienft zurücfiel, daß Gott nur durch die Sendung gewaltiger Perfönlichkeiten ven Abfall auf kurze Zeit dämpfen konnte. Israels Verdienſt ift e8 wahrlich nicht, daß die Lehre von dem einigen Gott der Welt erhalten blieb, fondern Gottes Gnade. Ebenſo ift e8 unzweifelhaft, daß die Gedanken der Re⸗ ligionsfreiheit, der Toleranz in dem modernen Sinne nicht zu dem Charafter des Alten Teftaments gehören. Wer ven Sabbath brach, wurde gefteinigt; die Baalspriefter wurden gefchlachtet. Es gehörte dies zu der Eigenthümlichkeit der geſetzlichen Anftalt; wir find fern davon, dem Alten Teftament daraus einen Vor⸗ wurf zu machen. Aber e8 ift doch durchaus irrig, wenn bie Juden Ideen, bie ihrer Religion in ber Hiftorifchen Form gänz- lich unbefannt find, für fih in Anfpruch nehmen. Dabei wiffen fie, daß fie eine Prieſterkaſte hatten gewiß das Gegentheil der Gleichheit —, daß fie die Sclaverei übten gewiß bas Gegentheil ver Freiheit daß fie die Vielweiberei pflegten gewiß das Gegentheil idealen Familienlebens. Erſt das germa- nifch-chriftliche Leben Hat dieſen Mißſtänden abgeholfen. Es ift

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Straße, als in den Straßen von Jeruſalem. Ein gläubiger Chrift bedauerte einmal einen jübifchen Bruder, weil verfelbe keinen Hohenpriefter und feinen Tempel habe. D, ward ihm zur Antwort, unfer Tempel ift bie Synagoge und unfer Hohe- priefter ber Herr Oberrabbiner. Aber die altteftamentliche Religion erfordert Opfercultus und Tempeldienſt. Ohne viefe ift dies Judenthum ein trodener Brunnen und ein verborrter Baum. Und unfruchtbar ift es wirklich, überall nur ber Schatten der hriftlihen Kirche, in deren Bereich es fich findet: in Deutfchland aufgeflärt und in Parteien zerriffen, in ven romanifchen ändern zwiſchen dem ftrengften Talmubismus und dem Unglauben getheilt, bei den flavifchen Nationen in Formeln erftarrt, und wieber von wilder Begeiſterung ergriffen, unter dem Halbmond entgeiftet und verwefend wie ver Islam feldft. Das ift das Bild des Judenthums auf Erben. Ohne jeve veligiöfe Schöpferkraft lebt es nur feinen Einbilpungen.

Zuweilen kommt ein Strahl ber Erkenntniß von der eigenen Mifere auch über die jüdiſchen Schriftfteller ſelbſt; es heißt dann wohl in ihren Zeitjchriften: „Die veligiöfe Be febung ift im gegenwärtigen und im aufwachjenden Gefchlecht im Abnehmen. Die Symptone thätigen Antheil® an ben SInterejfen der Iudenheit und des Judenthums bürfen uns hier- über nicht täufchen; denn es ift nicht immer gerabe bie religiöfe Ueberzeugung, welche die Männer antreibt, und man hat babei mehr äußere Dinge als die Steigerung des inneren Lebens im Auge. Und aus Wien Hagt ein edler Jude: „Das moderne Creditweſen pflanzt eine tiefe Unruhe, ethifche Zrivolität, veligiöfe Gleichgültigkeit; die Lehrer und Sprecher unferer Religion find aber nicht muthig genug, diefe Dinge beim rechten Namen zu nennen?” Wenn fie einmal nüchtern werben, urtheilen auch folhe Leute wie Philippfon: „Eine Zweifelfucht Hat ſich der Tugend bemächtigt, daß die Wahrheit, daß eine fefte Ueberzeugung für den Menfchen beftehe und zu erreichen fei, geſchwunden ift, wo alles Ideale ſich verflüchtigt hat und nichts als greifbar und zuträglich erfcheint, al8 was einen materiellen Nuten und Reich-

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werbet Juden haben in der Bebeutung, bie ber fanatifche Haß diefem Namen unterlegt.‘

Und troß biefer Wahrheit, troß jeder Abweſenheit religiöfer Produetivität die beftänbige Illuſion, daß man eine religiöfe Macht fei. Eine irreligidfe Macht ift das moderne Judenthum allerdings; eine Macht, welche überall das Chriftenthum Bitter befämpft, in den Völkern den chriftlichen Glauben ebenfo wie das nationale Gefühl entwurzelt und als Erfa nichts bietet als Die abgöttifche Verehrung des Judenthums fo wie es ift, das feinen anderen Inhalt hat als feine Schwärmerei für fich felbft. Berthold Auerbach fagt im Roman Walpfried ſehr richtig: „Die gebilveten Juden find nicht fowohl Juden als vielmehr Nichtehriften. Daher ſchwärmen fie für Confeſſionsloſigkeit; ihr Bekenntniß fteht auf dem leeren Blatte zwiſchen bem alten und neuen Teſtament. Aber fie denken nicht daran, einfach ihre Armuth zu befennen, fondern brapiren fich aus ven Bettellumpen des Unglaubens einen Königsmantel und wiffen damit der un- kritifchen Lefermaffe zu imponiren. Denn e8 kommt nun einmal darauf an, den Juden eine welthiftorifche Aufgabe auch heute noch zuzufchreiben. Auch der Tiberalfte Neformer will Jude bleiben. „Daß unfer Judenthum uns werde und unfern Kindern und Kindeskindern bleibe, was es ben Vätern war, ein liebes theures Kleinod; daß wir Tag für Tag uns begeiftert fühlen als Juden, al Anhänger einer Religion, die Ausgangspunkt und Enbziel der Humanität in fich vereinigt,‘ fchrieb vor Jahren ber Gemeindevorfteher in Dresden an bie jübifchen Gemeinden. Man will eben durchaus Jude bleiben. Aber es leuchtet ein, daß es nicht angeht, nichts Jüdiſches zu glauben, und doch Jude zu fein, Jude im engften Geift zu bleiben und dabei mit Menſchheitsbeglückungsideen um fich zu werfen. Es kann gar nicht fehlen, daß die Tächerlichkeit eines folchen Treibens für den Kunbigen überall fichtbar wird. Geradezu fomifch ift es, wenn ein Dr. Berliner in ven Jahren des franzöfifchen Krieges die Weltgeſchichte unter der jünifchen Brille fieht. „Als Ausgangs- punkt des Mittelalters gilt mir das letzte Viertel des 15. Iahr-

sa

Beziehungen, durch ben milderen Geift der Zeit in der Synagoge der Chriſtenhaß mehr und mehr gewichen.

Der officielle Haß hat aufgehört; die erfte jübifche Synode beſchloß fogar: „In den zu überarbeitenben und neuen Gebet» ftäden follen alle Yeußerungen, bie irgendwie als Ausdruck ber Erbitterung ober des Rachegeiſtes gedeutet werden könnten, ges mieden werben.” Aber in der Judenpreſſe athmet ein Haß gegen das Chriftliche, der ben tiefften Abfchen verdient. Da in unferen Zeitungen und Journalen die Artikel nicht unterzeichnet werben, fo Könnte man uns erwibern, es fei gar nicht zu conftatiren, Daß die chriftenthumsfeindlichen Auffäge von Juden herrühren. Wir wiffen fogar, daß genug getaufte Schreiber in den Nebactionen fi) finden, welche das traurige Amt üben, ihre Kirche zu ſchmähen. Aber es ift eine Thatfache, daß die fehlimmften Berliner Zeis tungen in ben Händen von Juden find und daß in dem Re⸗ dactionsperfonal das jüdiſche Element eine Alles beherrfchenve Rolle fpielt. Vollkommen beweifend aber ift der Umftand, daß die religiöfen Streitigkeiten ber jübifchen Parteien kaum je er- wähnt, die Härten ber jünifchen Altgläubigfeit nie berührt, bie literarifchen Angriffe gegen die Juden nie befprochen werben. Nie wird das orthobore Judenthum angegriffen; es kann bie confeffionslofe Schule verwerfen und den ungetrauten Chepaaren die Ercommunication androhen: kein liberales Blatt nimmt davon Notiz. Kommt dergleichen in hriftlihen Verſammlungen vor, fo fällt die Preßmeute mit ſcheinbarem Wuthgeheul darüber ber. Unfere Heiligthümer werben beftändig in den Staub ge zogen, die Synagoge ift dur das file Einverſtändniß aller liberalen Zeitungsfchreiber gefhütt. Man zeige uns in ber libe⸗ ralen Breffe auch nur einen einzigen Artifel, der das Berföh- nungsfeft oder den Talmudverein in der unwürdigen Weife be- handelte, wie das Tugeblatt den biesjührigen YBußtag, einen unſerer heifigften Tage, verfpottet, wie die Berliner Juden⸗Preſſe die Auguft-Conferenz heruntergeriffen hat. Nur das Chriftentfum muß fi die Nichtswürdigkeiten gefallen laſſen. Der jübifche Stabtverorbnetenvorfteher von Berlin hat fich kürzlich über die

ſchaft des femitifchen Geiftes Über uns nicht blos unfere geiftige, fondern auch unfere wirtbfchaftliche Verarmung bebeutet. Der Deutſche ift ein ftarker Idealiſt; eine Zeit lang erträgt er es Thon, daß man feinen Hang zu ben Ideen benußt, um dahinter ein Gefchäft zu machen. Aber zulegt wird doch die Figur Na- thans des Weifen, die Leffing in chriftlicher Menſchenliebe er- funden hat, Hinter ver Shylocks verſchwinden und das warnende Urtheil über das Judenthum, das unfere beiten Männer: Kant, Fichte, Herder, gehabt haben, feine Kraft beweifen. Die Juden find und bleiben ein Volt im Volle, ein Staat im Staate, ein Stamm für fih unter einer fremden Race. Alle Einwanderer gehen zulegt in dem Volke auf, unter welchem fie wohnen; bie Juden nicht. Dem germanifchen Wefen fegen fie ihr ungebroche- nes Semitenthum, dem Chriftentfum ihren ftarren Gefegescultus oder ihre Chriftusfeindfchaft entgegen. Wir Können fie darum nicht verurtheilen; fo lange fie Juden find, können fie gar nicht anders. Aber wir müſſen und mit Harer Erfenntniß vor ben Gefahren ſchützen, die in einer folhen Vermifchung liegen. Allein in Berlin wohnen 45,000 Juden, foviel wie in ganz Frankreich, wie in ganz England. Das ift zu viel. Wenn fie wirklich mit ung verbunden wären, hätte bie Zahl nichts Bedenkliches. Aber da jenes halbe Hunderttaufend eine in fich gejchloffene Gemein- ſchaft Bilbet, in guten Verhäftniffen, in fteigender Macht, mit einer ſehr profitabfen Verſtandedkraft ausgerüftet, ohne Theil- nahme für unfere chriftlich-germanifchen Intereffen, fo Liegt darin eine wirkliche Gefahr. Wir nähern und dem polnischen Mifhungsverhältnig. Nur daß die Berliner Juden viel reicher, klüger, einflußreicher find als bie polnifchen Israeliten. In ihrem Beſitz find die Gelvadern, Bank und Handel; in ihren Händen ift die Preffe und unverhäftnißmäßig drängen fie ſich zu ben höheren Bildungsanftalten. Das Letzte ift gewiß ein fehöner Zug; mir ift es oft rührend gewefen, wie arme Juden Hab und Gut bingaben, um ihren Kindern eine gute Bildung zu geben. Aber biefe Entwidelung ift doch durchaus unheilvoll. Wir find auf dem Wege, daß bie öffentliche Meinung von ven Juden völlig

Zweite Rede.

ur

Gern Hätte ich die Aufregung einer zweiten Discuffion über die Iudenfrage vermieden, aber ich habe veriprochen, daß wir auf den wichtigen Gegenftand noch einmal zurückkommen würden; auch die Sfraeliten, welche an ber erften Verſammlung theilnahmen, haben eine Wieberholung der Verhandlung gewünfcht: fo fomme ich deun heute ihrem Wunfche und meinem Ber: fprechen nad.

Was ich vorausgefehen und angelünbigt habe, die lügnerifche Entftellung unferer erften Verfammlung, ift natürlich eingetroffen. Die antihriftlihe Preſſe Berlins ift gar nicht mehr fähig, vie Wahrheit zu fagen. Auch ein Blatt wie die Nationalzeitung brachte einen wefentlich falfchen Bericht; und bis heute hat fie troß der Aufforderung des Reichsboten benfelben nicht berichtigt, obwohl es doch fo leicht war, aus der gebrudten Rede bie volle Wahrheit mitzutheilen. Bon manchen anderen Zeitungen erwartet man gar nichts anderes, als grobe Unmwahrheiten; diesmal hat ein aufrichtiger Ifraelit, der an ber erften Beſprechung thätigen Antheil genommen hatte, wenigſtens das Tageblatt in einem offenen Schreiben der Lüge geziehen!

ihm

wird?“ Ich habe Briefe empfangen, bie rein ſchrieben find, Der eine verwünfcht mich als einen zweiten Mafjenmörder Haman und prophezeit mir ein gleiches Ende; ber anbere erklärt, in England oder Amerika würde ich an ben nächften Laternenpfahl gehängt werben; ein dritter vergleicht mich mit Moſt und bedroht mich mit Ausweifung; ein vierter, ber fich, um größeren Eindrud zu machen, Freund und Amts— genoffe nennt, ftellt mir die Schreden einer Disciplinarimter- ſuchung und Amtsentfegung vor Augen und dringt in mich, alles Geſagte zurückzunehmen. Daneben fehlt es nicht an unglaub- lichen Gemeinheiten, bie ich nicht wiebergeben kaun. Das find die Refultate der orbinären Zeitungsfügen. Aus der Höhe einer anftänbigen, friedlichen Discuffion wird die Judenfrage ohne

erdichtet. Ich bin ber größte Gegner von Herrn Stöder, es gelang mir auch, bei der Berfammlung theilweite feine An- Ächten abzufhtwächen, und benmoc werde ich am Eude ge zwungen fein, Herrn Stöder Gerechtigkeit zulemmen zu laffen, als ex die Behauptung in feinem Vortrage aufftellte, „Daß die Neporter 26 Blätter eine Schande für die Stadt der Intelligenz find, daß fie eben fo un- wiffend als unwahr find. Bieles fäljhen fie aus Unverftand, das Meifte aus —— Was ſoll dieſer Popanz in Ihrer heutigen Zeitung? Es wurde nicht Theater efpielt; ed wurden Debatten geführt über die heiligften Kat zweier Olaubensgenoffen, umd die Verfanntlung

oße8 Interefje an für und wider, fo daß fie ein- Kane beſchloß, in der nächiten Zeit noch einen Abend diefem Thema zu widmen. Was kümmert fih die Welt um Ihr Tageblatt? Sobald es aber ba iſt, jo muß die Nepaction rein fein wie Gold; und wie ein jeder Richter über jeder Partei fteht, 73 muß biefer Vertreter feiner

Beiorng Be ee fie > i F —— orter haben, jo unter! Sie koch ven Veridt; Sie für 5. ven Vortrag

baben, af der Mann die größten Autoritäten des Juden“ anführte, ſehr mäßig ſprach, ‘dadurch einem ſehr großen bei feinen Anhängern hervorbrachte; fünf ſprachen

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verordnetenverſammlung aufzufordern „an maßgebender Stelle fofort Schritte einzuleiten, welche derartige Vorgänge in Zukunft unmöglich machen.‘ Ich wünfche von Herzen, daß bie Stadt⸗ verorbnetenverfammlung diefe Vorgänge unterſucht. Sie ift aller- dings mit jübifchen Elementen weit über das Verhältniß ber Bevölkerungszahl durchſetzt; aber ich traue ihr doch die Gerechtige keit zu, daß fie nach gefchehener Unterfuchung nur Dr. Straß mann, ihren eigenen Vorſteher, tadeln würde. Denn eben bie Auslaffungen dieſes Mannes, eines Juden, über unfere Firch- lichen Verhältniſſe haben es zur abfoluten Nothwendigkeit gemacht, den jübifchen Anmaßungen ein energifches Halt zuzurufen. In feiner Stellung als ver Präfident einer Körperfchaft, welche neben den 45,000 Juden doch auch eine Million Chriften zu vertreten hat, durfte er nicht jagen, was er gejagt hat. Ich habe aus Schonung in meiner vorigen Nebe nur das weniger DBeleis digende feiner Angriffe hervorgehoben, ich muß heute, um jedem Unpartheiifchen ein Urtheil zu ermöglichen, ven ganzen Abfchnitt citiren. Derſelbe lautet folgendermaßen:

„Die kirchliche Reaction nimmt einen kühnen Anlauf. Schon erheben ſich nicht mehr die Dunkelmänner gewöhnlichen Schlages, fondern die wirklichen Ketzerrichter, die am Lichften die Anders⸗ gläubigen auf Scheiterhaufen verbrennen möchten, und in Er⸗ mangelung deſſen ftatt ber Liebe, zu der fie verpflichtet, nur Haß und Zwietradht prebigen. Gott möge fie nicht nad) ihren Thaten richten und noch weniger nad ihren Worten, denn ihre Zunge ift wie bie der giftigen Viper und ihr Athem ift wie der Hauch des Sumpfes, in veffen Miasmen das Leben hinſiecht.“

Nicht wahr, es würde einen ſeltſamen Eindruck machen, wenn Dr. Straßmann nach ſolchen feindſeligen, übrigens ge geſchmackloſen Aeußerungen gegen chriſtliche Parteien ſich darüber beſchweren wollte, daß man dergleichen Schmähungen höflich von ſich abweiſt? Darüber interpellirt, hat er ſich auf ſein Recht als Wahlcandidat berufen und erklärt, er meine damit nur bie- jenigen, welche Haß und Zwietracht fäen und den Frieden jtören.

obwohl ich von vornherein überzeugt bin, daß es mir nicht glüden wird, zu jemer tiefen Zerknirſchung zu gelangen, wie fie die Donnerworte der Kanzel erheiſchen. Aber bei einigem guten Willen gelingt e8 mir vielleicht doch noch, mid) etlicher Sünden zu überführen... . Nun theilt es die Sünden in Begehrunge- und Unter: laſſungsſünden und ftellt in Beziehung auf erjtere folgende Be- trachtung an:

Ad, von vornherein erhebt fich eine große Schwierigkeit: IH finne, finne finne Tag und Nacht zurück und kann abfolut nicht finden, wo und wie ich gefüntigt hätte. Ich bin eben ein harmlofer Dienfch, ver mit aller Welt in Frieden lebt, des Tages feine ernfte Arbeit verrichtet, des Abends fein befcheivenes Schöpplein trinkt und nach dem zweiten, höchſtens dritten fromm nad Haufe geht... . Am beften wirb es ſchon fein, ih Hammere mich an einen beftimmten Tag an, und fo nehm’ ich denn ven geftrigen. Gleich nach dem Auf: ftehen hab’ id, zum Mofa die Zeitung gelefen ja, aller- dinge, das war cine große Begehrungsfünde, daß ich durch die ewigen Zolltarifs-Artifel und “Debatten mir die Laune verberben ließ. Nun wird's ein Enve haben mit dem ftarten Molla und der Havanna-Cigarre wie auch mit dem Borbeaur- wein und allen andern Freuden, welche einen mitteljährigen Junggefellen über die Einfamteit feines Dafeins zu tröften vermögen. An Mehreinnahmen kann bei viefen Zeiten mur ein Bismard denken, und fo wird man denn ſchon die Zahl ver Schöpplein herunterfegen und zu Uckermärker mit Pfälzer Ded- blatt greifen müffen. In der ficheren Ausficht dieſer troftlofen Zuftände hab’ ich dann den Tag Über, ganz gegen meine Ge- wohnheit, mir noch einmal recht gütlich gethan in ten Ge- nüffen, die nächſtens unerſchwinglich theuer fein werden, und des Abends bin ich voll düfterer Bitterkeit in's Theater ge gangen. Wehe, welcher Berg von Begebrungsfünden fällt mir da ein! Ich bin ein Theaterfreund und laffe felten ein neues Stüd oder einen fremben Gaft aus, und wie ſchmählich hab' ich nun den vergangenen Winter hindurch in mehr als 20 ſchlechten Stüden und mindeftens einem Dutzend graufamlicher

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dringt ihr Glanz zu Dir, eine höhnende Lodung des Un⸗ möglichen, eine vorwurfsvolle Anklage unfühnbarer Schul.“

Alfo die Unterlaffung von Buhlereien, denn das bebeutet doch die Spielerei mit den ſchüchternen und trogigen Augen, ift die Unterlafjungsfünbe, welche ber frivole Schreiber als unfühn- bare Schuld bezeichnet. Und dieſer Bußtag war ber erfte nad) den Attentaten; ber erfte, nachdem in furchtbaren Freveln bie Wunde unſeres Volles aufgebrochen war. Iſt fol ein Artikel nicht felber ein Attentat auf die Sittlichfeit und Religion?

Im Auguft d. I. war hier in Berlin die Iutherifche Con⸗ ferenz verfammelt; die Art, wie dad Berliner Tageblatt darüber rebete, war durchaus orbinär und gehäffig.

„Nun faß die erlefene Streitfchaar des Himmels auf den Rohrftühlen eine ftattliche Zahl, fie ging in die Hunderte. Welche Fülle falbungsvoller, ſcheindemüthiger, kampfluſtſprühen⸗ der theologifcher Gefichter! Neben ver ländlich zugefchnittenen Figur des fimplen Dorfpaftors der ſchlankgebaute „Streber” mit dem elegant geftutten Badenbart, neben dem corpulenten, gutmüthig dreinfchauenden Superintenbenten aus Hinterpommern der finfterblicdende Zelot vom „Generalſtabe,“ außerdem ein Heine Contingent von der heiligen Sache zugethanen Laien.‘

Noch dem „Driginalberiht des „Berliner Tage blatts“ fei hier ein Pla eingeräumt:

„Dufter im Innern und bufter im Aeußern das war die Signatur der Verhandlungen ver Auguft-Conferenz am Mittwod Nachmittag. Während des Tarmoyanten Bortrages des Paſtors Taufcher über „vie Iutherifche Kirche, ein Salz und Licht für die Zukunft unferes deutſchen Volles“ fenkte ſich eine ägyptifche Finfterniß auf die Häupter der frommen Herren, und es hatte etwas Gejpenfterhaftes, inmitten dieſer Finſterniß bie Umriſſe bes eifernden Paſtors von St. Yulas hervorragen zu fehen. Der ſchöne Saal ver Reichshallen, ver immer mehr einen interconfeffionellen Charakter annimmt und heute ver Dr. Kalthoffihen Gemeinde, morgen der Auguft>Conferenz und übermorgen den Juden Oelegenheit zur Andacht bietet, hatte nämlich die Eigenthümlichkeit, daß feine Lüſtres ven

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Sommerſproſſen. Darüber, ob er ſchielt, find die Anſichten getheilt. Beſagter mofaifcher Iſraelitenknabe fcheint mehreren Älteren Gentlemen von mehr hebräiſchem als reſpectablem Aeußern irgend etwas zu erflären. Er bewegt die Hände fo was man etwa im Berliner Iargon „er mauſchelt mit den Händen’ nennt.

Man bat ferner den vagen Eindruck, als ob fie [nämlich die Umgebung bed Knaben, von der es heißt: „ver Geflchts- ausbrud der Herren in ven Rüden und Gehetmänteln ſchwankt zwifchen brei Jahren Zuchthaus bis zu vier Monaten Gefäng- niß] Schmeie, Ielend, Jizchek, Awrohim, Szimche und Leibel hießen, während ber Heine vothhaarige Knabe, der mm um

" ein Weniges weniger fehlecht zu riechen ſcheint, al8 feine Um⸗ gebung fih ohne Frage in den officiellen Geburtsregiſtern „Leiſer“ nennt, in der holden Intimität des Privatlebens aber ficher „Leiſerche““, oder auch „Leiſerleben“ gerufen wird. Seine Beichäftigung auf dem Bilde ift erfichtlih vie, ven alten Gentlemen zu erflären, auf welche Art er, ver Heine Tauſend⸗ fafa mit ven rothen Haaren einen Profit zu machen gevente. Ein Theil ver alten Herren fcheint recht erfreut, während Einer augenjheinlih zu ſich felber fagt: „Mab, heißt e Marrifchkeit! und ein Anderer bie geflügelten Worte zu ſprechen ſcheint: „Will der Jung ſchon ſchmußen von’s Ges ſchäft!“ .....

Zu ſeiner Rechtfertigung ſagt dann der Maler, er ſei ein

moderner Maler:

„Chriſtus iſt der Sohn Joſephs, nicht wahr? Er iſt alſo ein jüdiſcher Knabe geweſen. Da wir modernen Menſchen an Wunder nicht glauben, kann ich mir nicht helfen, er wird jüdiſch ausgeſehen haben. Jüdiſche Knaben haben häufig rothe Haare. Warum ſoll Chriſtus nicht rothe Haare gehabt haben? Iſraelitenknaben tragen manchmal etwas ſchmutzige Kittel. Warum ſoll Chriſtus einen ganz reinen angehabt haben? Iüudiſche Knaben mauſcheln häufig mit den Händen; warum foll Chriftus, als er im Tempel mit den Prieftern die doch auch gewiß bie Hände nicht ſtill gehalten haben, nicht mit den vorderen Ertremitäten gemaufdelt haben? Hoher

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Ehriften aber, bie für folche fchimpflichen Gegner ihrer Glaubens⸗ genoffen unter die Waffen treten, wiſſen nicht was fie thun. Die Blätter, die ich citirt habe, find in jüdiſchem Beſitz; bie Eigenthümer find für ben Inhalt derſelben moraliſch verant- wortlich.

Ich bin von einem anſtändigen Juden gefragt, was ich eigentlich mit meinem Angriff gegen das moderne Judenthum bezwecke. Meine Antwort iſt die, daß ich in dem zügelloſen Capitalismus das Unheil unferer Epoche fehe und deshalb na- turgemäß auch durch meine focial=politifhen Anfchauungen ein Gegner bed modernen Judenthums bin, in welchem jene Richtung ihre hauptfächlichften Vertreter hat. Aber nie würde ich daran gedacht Haben, gegen Bloß volfswirthfchaftlihe Irrthümer auf- zutreten, wenn nicht mit denfelben biefe frivofe Hetzjagd gegen alle chriftlihen Elemente unſeres Volkslebens verbunten wäre. Der Iammer um mein Boll, das dabei ſittlich und religiös zu Grunde geht, treibt mich, dieſe Bosheit in die Deffentlichkeit zu ziehen und ven Kampf gegen viefelbe aufzunehmen. Was Hilft es, das Schlechte auf ver Kanzel zu befämpfen, unter welcher bie Schreiber und Leſer jener Preffe fich nicht verfammeln, ober in confervativen Zeitungen einen Schmerzensfchrei auszuftoßen, welchen jene Seelenmörber belachen, ihre Opfer nicht hören! Dagegen ift eine Volfverfammlung noch immer die geeignete Wahlſtatt, um den Kampf mit ven Vollöverberbern aufzunehmen. Daß ich dazu ein gutes Necht habe, fagt mir mein Gewiffen; daß es dazu die höchfte Zeit ift, vielleicht noch nicht zu fpät, aber wirklich die legte Stunde, jagt mir bie fittlich-veligiöfe Verwirrung der Gegenwart. Unrecht möchte ic Niemandem thun; bie, welche mir vorwerfen, daß ich als Geiftlicher, als Hofprebiger Zwietracht füe, möchte ich fragen, ob Abwehr ber Schande Ausfaat von Zwietracht ift. Jene Artilelfchreiber und Poſſenreißer find vie Säeleute des Haffes, nicht wir, bie wir ohne Haß im Herzen das weiß Gott! vor ihnen unfere Kirche ſchützen möchten. Das find entartete Juden fagt man und es ift ein Unrecht, da® ganze Judenthum für dieſen Ab⸗

nicht ſchicke, die Heifigthümer einer Nation zu verachten, unter deren Flügeln fie Schuß und Recht genießen. Wenn ein Freund, der aus ifraelitifchem Blut ftammt und jest ein gläubiger Chrift ift, mir fchreibt, daß die Hanptfchuld an dieſem Ueberhand⸗ nehmen ber gottlofen Prefje der elende Zuſtand der Chriften- heit felbft trage, ihre Gott- und Kraftlofigkeit, ihr Aber- und Unglaube fo ift das unzweifelhaft vichtig, und ich habe gerade dies oft genug in ben Verfammlungen ber chriftlich- fociafen Arbeiterpartei ausgeſprochen.

Nur erleichtert dies das Schufpconto der jübifchen Zeitungs⸗ beſitzer nicht; es ift meines Erachtens ein fatanifcher Zug, auf den vorhandenen Mangel an kirchlichem Ehr- und Schamgefühl zu fpeeuliven, um unfer Volk noch tiefer in den Abgrund dee Nihilismus zu ftoßen. Ich finde dafür feine andere Erklärung als den wilden Haß gegen das Chriftenthfum, einen Haß, ber gewiß ein Ueberreft tafmmbifcher Grundſätze, und eine Frucht jahrhumdertlanger Unterdrüdung, durch welche ſich die Chriften an Israel verfündigt haben. in junger jüdiſcher Stubiofus ber ‘Theologie, der fich in einer vermeintlichen Wiberlegung meiner Rede die Sporen verdienen wollte, hat freilich die Stirn zu be- haupten, der Talmud enthalte feine einzige inhumane Stelle. Ich ſcheue mich aufrichtig, den Talmud in die Debatte zu ziehen, aber es ift doch eine Thatfache, daß berfelbe erflärt: „wie die Menfchen über den Thieven ftehen, fo die Juden über ven Völkern der Erde.” Ich mag bie einzelnen Thicrarten nicht wieberholen, mit denen der Talmud die nichtjüdifche Menfchheit zu vergleichen die Unart Hat; ih kann nur jagen, daß es nicht die edelſten Thiere find, welche zum Vergleich Herangezogen werden. Aber es fei der Gerechtigkeit wegen bemerkt, daß der Talmud auch wieder Worte der Nächſtenliebe enthält.

Wie jene talmudiſtiſche Auffaffung fremder Völker an der Intoleranz der Inden umbeftrittenen Antheil hat, fo auch an ihrer Einbildung. Ein wenig befcheivener! Hatte ich gebeten und die Unbefcheidenheit mit einer Menge von unwiverlegbaren Aus- fprüchen der Juden bewiefen. Ich habe in den Zeitungsreferaten,

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Handel find die Juden mit 55 Procent ihrer Bevölkerung, bie Proteftanten mit 12 Procent betheiligt. Diefe Zahlen find in- teveffant, fie beweifen das fociafe Uebergewicht. Daß daraus ein Mebergewicht der Bildung folgen muß, ift klar; es zeigt ſich in ftärkiter Weife. Auf den Berliner Gymuaſien find 1488 Sfracliten bei 4764 proteftantifchen Schülern; alfo 5 Procent der Bevölkerung, aber 30 Procent der Beſucher höherer Schulen. Ein folder Trieb nad) focialer Bevorzugung, nad) höherer Aus- bildung verdient an ſich die Höchfte Anerkennung; nur bebeutet er für und einen Kampf um das Dafein in der intenfioften Form. Wächſt Ifrael in diefer Richtung weiter, fo wächſt es uns völlig über den Kopf. Denn man täufche ſich nicht; auf diefem Boden fteht Race gegen Race und führt, nicht im Sinne des Haffes, aber im Sinne des Wettbewerbes einen Racecſtreit. Dagegen verwahrt fich freilich da8 Judenthum mit allen Kräften; es will als völlig deutfch gelten und weift von alfen Gedanken meiner erften Rede am meiften den zurüd, daß es ein Volf im Volke, ein Staat im Staate, ein Stamm in einer freunden Race ſei. Dennoch iſt Dies der Ausdruck thatfächlicher Verhältniſſe. Iſt Iſrael durch die „Alliance Iſraelite“ auf der ganzen Erde zu ſocial-politiſchem Wirken verbunden, ſo iſt es ein Staat im Staate, international innerhalb der Nation. Iſt Iſrael in ſeinem Erwerbsleben iſolirt, nimmt es an unſerem Landbau gar nicht, an unſerem Handwerk wenig Antheil, fo iſt es ein Volk im Volfe, Israel hat noch heute religiöſe Satzungen, die es von den andern Völkern abſondern; die orthodoxen Israeliten glauben ſich zu verunreinigen, wenn ſie mit Chriſten zuſammen eſſen, ſie haben ihre beſonderen Schlächter und ihre Speiſegeſetze. Nun, "aber dann find fie doch gewiß eine fremde Race, wenn fie die chriſtlichen Deutfchen und ihre Mahlzeiten für unrein achten. Ich glaube, daß man bei der Judenfrage gerade biefen letzteren Bunkt all zu fehr überfieht; berjelbe beweift, daß Israel in ber That ein fremdes Volk ift und nie mit und eins werben Tann, außer wenn es fich zum Chriſtenthum befehrt. Die paar Mifch- eben von Reformjuden wollen dagegen nichts bedeuten. Und

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eben deßhalb liegt in der bevorzugten, glänzenden Stellung der Israeliten eine Gefahr. Es iſt unausbleiblich: der große, Alles beherrſchende Einfluß, der gegenwärtig mit dem Beſitz verbunden iſt, macht die Juden zu Herren in unſerer materiell gerichteten Zeit. Daß ſie vielfach unbarmherzige Herren ſind, offenbart der Wucher, daß fie leicht übermüthige Tyranııen werden, beweiſt ihre Preffe; daß daneben viel trefflihe Menfchen unter ihnen gefunden werben, ift felbftverftänpfich.

Die große Frage ift, wie wir die Gefahr diefes modernen Judenthums befeitigen oder verfleinern. Die Gefeßgebung, wenn fie die Herrſchaft des Capitals einfchräuft und damit den Juden ihre ‘Domäne einengt, kann Einiges thun. Das Beſte muß aus dem Wiedererivachen des lebendigen Chriſtenthums kommen. Wenn das deutjche Volk wieder ein chriftfiches Volt wird, gläubig an Jeſum Chriftum, frei von Geldgier, voll Ehrfurcht für feine Kirche, dann wird das moderne Judenthum mit feinem Mam— mondgeift, feiner ſchnöden Preſſe, feinem Haß gegen die Kirche nichts ausrichten. Vielmehr wird das febendige Chriſtenthum eine mächtige und unwiderſtehliche Miſſion treiben an dem alt: gläubigen wie an dem modernen Judenthum.

IE

Drud von 3. Mindolf in Nerlin, Alte Jakobeſtraße 120.

Die

jociale Lage und Frage.

Vortrag von

bofprediger ‘A. Städker,

gehalten in BiNingen, am 10. Oktober 1890.

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wieber geholt haben, das war ihnen nicht recht. Aber es muß ein elender Deutſcher fein, der den Mut bat, and- zuſprechen, man folle biele Provinzen ihren Räubern wieber zurüdgeben Gott fei Dank, wir haben fie wieder ımb wir wollen fie auch behalten! Eie können, meine Herren, anz Frankreich burchreifen nnd Sie werben feinen einzigen ee finden, dem e3 je in den Zinn füme, man fönne Nizza umd Savoyhen je wieber an Italien zurück⸗ ap Und da liegen doch die Sadıen ganz anders.

13 Italien einig wurbe, mußte der König von Italien fein alte Heimatland Savoyen au Napoleon abtreten für die Hilfe, die diefer ihm geleiftet Hatte. Dem König mag das jauer genug geworden jein, aber bie Franzoſen haben dieje Provinzen, die noch dazu ganz italienisch find, nım einmal an fi) gebracht und e3 giebt feinen Franzoſen, nit einen, der ſich dazu herbeilaflen würde, vor ganz. Europa zu fagen, man ſolle jene Ränder wieder an Italien zurüdgeben.

Daß e3 bei und fo ganz anders ift, das hängt noch mit ber alten Zeit zufammen, wo wir noch nicht einig waren, wo noch nidht das Bewußtſein, ein großes, einiges Vater: land zu Haben, in uns lebte. Sekt muß das anders werben! Denn fein eigene Baterland beichimpfen und veraditen, das follte fein Deutſcher thun! Aud fein Eocialdemofrat! Und ich Hoffe, daß auch dieſe Partei fih deifen noch bewußt wird, was unierm Volk vor allen not thut. Denn dad Erfle, worauf es ankommt, wenn wir und mit ihr verftändigen follen, das ift bie Siebe zum Baterland. Feſtſtehen müſſen wir auf dem Boden, den und Gott gegeben! Stets eingeben? ber mahnenden Worte unfered großen Dichters:

An’s Vaterland, an's teure, ſchließ dich an, Das halte feft mit deinem ganzen Herzen: Da find die ftarfen Wurzeln deiner Krait.

En haben unfere Borväter auch immer gedacht. Erft bei dem jungen Geſchlecht ift es ander geworben, dem find andere Ideen eingepflanzt.

Tas Zweite, was unfer Bolt groß madt, ift die Monardie, Kaijertum und Königtum, mit ihm verbunden die deutſchen Fürften, wenn es aud Träumer giebt, die fagen, eine Nepublit wit einem gewählten

D%5

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erfte abgehalten worden. Da hätte Bebel Iange rufen können, aber wenn der deutiche Sailer ruft, dann kommen bie Adgefandten ber Völker. Und tft bie ſociale Frage denn nicht beffer aufgehoben in der Hand der Monarden als in ber der Umftürzler? Das Vaterland muß man lieb haben, da3 Königtum hochhalten und das Ghriftentum nicht Leiden laſſen, wenn bie foctale Frage tim Frieden gelöft werden fol. Wenn meine Worte dazır beigetragen haben, fo hat fid mein Beſuch reichlich gelohnt.

Mit dem Hoch auf den Kaiſer und den Großherzog haben wir unſere Verſammlung eröffnet, laſſen Sie und zum Schluß unfere Gedanken richten auf unſer geliebtes teures deutſches Vaterland, unfer deutſches Baterland Iebe hoch, hoch hoch!

Tr

Yo Weser Hofbuchernderei in Berur itauicreiberitraſe 34. 35

Die Iudendebatte

im

Preußiſchen Abaeordnetenbanie.

Verden

Sr. Ercellen; des Herrn Winters von Goßler und der Herren Abgeordneten Stöcker und Rickert

antantich der zweiten Berathung des Kultusetats am 20. und 21. März 1890 nach den

jtenographijchen Parlamentsberichten.

20ö

Berlin 1890. Drug und Verlag dev Attiengeiellichaft fir Druckerei u. Verlag.

all 53h

....

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Abgeordneter Stößer: Meine Herren. ich würde glauben, ein Unrecht zu begeben, wenn ich es nicht versuchte, für das viel angeroch- tene Gmunaſium auch von unſerer Zeite ein Wort zu jagen umd, jo: viel ich kann, den Zchild darüber zu balten. Die Antite it nun doch einmal die Grundlage der eigentbüntlichen deutſchen Bildung und wird das, mit dem Chriſtenthum verbunden. auch bleiben. Ich kam mir nicht denfen, daß es je gelingen wird. die Hafiiche und die realiſtiſche Bildung an einer Schule fo zu verichmelzen. daß beide zu ihrem Nechte tümen, und muß beiomders Herrn Dr. Arendt gegenüber. deſſen An— griñe am ſchäriſten geweſen find, meine Ueberzeugung dahin ausiprechen: aut dieſem Gebiete wird es immer bei der Doppelwährung bleiben. Heiterkeit.

Er bat von der Ueberſchätzung der Gelehrſamkeit geiprochen. Das ii mikverniändlich. Die wahre Gelehriamkeit kann man nie hoch genug ichägen. Die Gielehriamfeit. welche die richtigen Theorien enwickelt und den vechten Uebergang in die Braris zeigt. iſt ganz michüßbar. fte wird and bei ums noch nicht hoch genug geachtet. Mur eine Faliche Welehriamteit, die jalſche Suſteme anftellt. oder ſich in Einzelheiten perkert, die eben nur gelehrt, aber Tomi zu nichts zu gebrauchen iſi, die tobt. glaube ich. in Deutichland in einen zu hoben Kurs, Die wahre und echte Selebrianttest nicht.

Man tkann aber auch Dre gelehrte Bildung unterichätzen und das Wr got vielfach bei der te Der Fall. »Sehr richtig!“ Ich muß doch age: sch würde gerina ärmer ſein und ſehr viele von den Herren hier mi Dede werden dasſelbe Geiühl haben wenn ich die griech:richen Klatiiter PHamer. Thutndider. Zerbotle, Demoſithenes und Plato wicht in: Der Urirrache geleien Ste. Dos Vrien allem macht es ga öreilebeunute Aber ich »rtutere meinxu eltern Schulireund, Den Herrn Abgeerd ir "or wir smwergesliche Vebrer baten. wehi VLiebe zur Matte at das Ser, vrägten. Damm Die alte Welt ums recht betrachte, A su erlangen. ii: nach immer hbr > Weitesleben

mit den Glementen der antiken Kultur durehzugen. Ich wilßte Ai wie man Theologie, Jura Philoſophie ſiudiren ſollte, ohne eine gründ⸗ liche Renntniß dev alten Sprachen. Mit dev Medizin iſt es ein wenig anders.

Gewiß kann und muß in den Betrieb der Sprachſtudien viel ge— ändert werden. Ich verwerje die Versmacherei, wie die grammatikaliſche Haarſpalterei durchaus: ich gebe auch den lateinischen Aufſatz und das Uebermaß von Ererzitien preis. Aber daß es gleichgültig jei ob man die alten Zchriftiteller in der Uriprache oder in der lleberſetzung lieſt, das werde ich niemals zugeben.

Was uns an der Antike fo durchaus wohl thut, iſt der Umſtand, da wir es bier mit einer abgeichlofienen Welt zu thun baben. in welcher wir von der Unruhe dev Gegenwart gleichijam ausruhen türen. Tiefe Welt zeigt uns zugleich das Höchſte, wozu Der Menſchengeiſt ohne Titenbaring auftteigen kann. Die Vergleichung derielben mir der Kultur, welche aus dem Chriftenthum ſtammit. it eine der frucht- barſten Aufgaben der Bildung, auf Die der Dienichengeitt ber ſeiner Ausbildung nicht verzichten farın. Wie dev Bildhauer immer und immer wieder zu Phidias ımd Praxiteles uriittehren wird, um die Schön— beit zu itudiren, ſo wird auch die Wiſſenſchaft immer wieder zu Der Tiefe Der Antite zurüchkehren müſſen. Hier ſind geniale Anlagen einer höheren Belt zum ſchönſten Ausdruch gekommen, die Gou ielbſt im die Völker gelegt hat. Das läßzt ſich durch nichts erietzen, das Ft in der Geritesgeichichte nur emmal vorhanden. bh wüßte wirklich nicht, wo anders man den Zauber und die ra't der antiten Welt von neuen fmden tollte: ich möchte Meielbe nuln enbekven.

Ich glaube, daß man bei der Veurtheilung diener Dinge venta irrt, weil man die Maſie des angeeigneten Wüſene hetont. er cn des klaiſiſchen Stofi jet es der Realien. Em lebermars 92 aui beiden Gebieten gleich ichädlich. Aber, oſien gritanden. uh une Ueber. ichätzung des gelehrten Aliens viel wenzer ou Geberte der tlaſſiiſchen Litieratur als anf dem der walct Wüienicheinen. Wenn Sie fragen, was unſere moderne Genteniet: fc} Zutludten und Religioſität mehr zerrüttet ung quad der Ranmoiienkbatten | Ai) Arnnete ur di ichen hingenonmenen alien Sprachen. te beit

welt übergrin mehr geſchadet Füchern.

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nun der Herr Minifter in jeinen Worten beides betont hat, das poſi—⸗ tive Wiſſen in den religiöſen Dingen und zugleich den kirchlichen Geiſt, jo bin ich darin ganz mit ihm einveritanden. Ich glaube, dak die Ver änderungen, die auf dieſem Gebiete vorzumehmen ſind, gewiß da liegen, daß man eben auch in den höheren Klaſſen in den unteren geht man ſchon immer mehr auf den Natedismus und die kirchlichen · Bez dürfniſſe zurück die MNeligion nicht als ein anmmaliales Fach ans fiebt, ſondern fortgejeßt die Schüler in Beziehung mit der Kirche, den kirchlichen Lehrbüchern und dem Ffirchlichen Bekenntniß zu balten und von da aus das ganze Wiſſen, beſonders das geichichtliche, das litte— rariſche und iprachliche mit chriſtlichem Beifte zu durchdringen Fucht. Dam, hoffe, ich, wird unſere Schule mehr leiten in der Erziebung der Perfönlichfeiten, die den großen Angaben der Gegenwart gewachien find. (Bravo! und jehr richtig!» Aber, meine Herren, nicht eigentlich zu divien all» gemeinen Bemerkungen hatte ich mir das Wort erbeten, ſondern zur Veto— numg eines beionderen Punktes, der aber mit den Angelegenbeiten, die, wir jeit einigen Tagen bier beiprocden, im engiten Zuſammenhang Ttcht. Ich wollte ein Wort jagen in Bezug auf die Neberlaftung einiger höheren Schulen mit jüdiſchen Elementen. (ba! und Heiterkeit links. Echr richtig! vechts. Es ift außerordentlich merkwürdig, wie ſchon die Nennung dieſes Wortes gewiſſe Menſchenklaſſen in Aufregung ver— jegt. Große Heiterkeit rechts. Ich füge übrigens von vornherein hinzu. daß ich das, was ich ſagen erde, nicht blor jür meine Person zu Jagen habe, jondern in Ucbereinſtimmung mit meinen Freunden. tZchr richtig! vechts.ı Wir halten es fir eine politiiche Pilicht. daraufj aufmerfiam zu macen, daß an gewiſſen Punkten unſeres höberen Schul⸗ weſens unerträgliche Uebelſtände vorbanden Ind, Die der vollen ſittlich⸗ religiöien Ausbildung des Charakters, welde auf den Zehuten nöthig iſt, hindernd gegenüberstehen. Sehr richtig!

Ich will damit begimien, einige Zahlen u verleien da Nic Somit Niemand cm Bild davon machen tann wie tet der Schaden bereits eingeirefien 1. Zelbimertiändlih handelt ich nicht um Verbält— miſſe im ganzen Yande, Sondern um Zuſtände m gewiiſen Gegetden und Zrädten. unter welchen Berlin, Broslau m Tüerihlefien Koien. Frankfuri a. M. herrortreten. Ai Barlın will ab näher eaeben. Im Jahre 158% waren nach dem letzten Jabrbnch der allen Gmunaſien der Hauptitadt Dei ſtaatlichen un üdüche Schüler auf tet enangel.be US Sa dentuce. Hört“ road wu iel none \

ich hoffe, dal; fie niemals zur praftifchen Ausführung kommen, £6 mir dahin gelangen, dat es chriſtlichen Eltern garnicht mehr möglich wäre, ihre Töchter in rein chriſtlichen Privatſchulen unterzubringen, ein Zujtand, den wir alle ohne Ausnahme, die wir Chritten find, vers werfen müfjen. Ich würde dem Herrn Miniſter ſehr dankbar jein, wenn er uns jagte, daß er mit dieier Anſchauung des Provinzialſchul⸗ kollegiums nicht übereinſtimmt.

Ich will noch ein ganz kurzes Wort über die Volksſchule ſagen, wo ja die Gefahr ſo groß nicht iſt. Doch haben wir bereits, obwohl die Nonfeifionalität der Volksſchulen in Preußen verfaſſungsmäßige Regel iſt, Gemeindeſchulen in Berlin, die mit dem jüdischen Element recht ſtart verieben find. So it x. B. in der Gipsſtraße, auch in ſo einem Dicht gedrängten Tuartier mit jüdiſcher Bevölferung, eine Ge= meindeichule, die jchon vor 3 Jahren 131 jüdische Nnaben, eine andere, die 151 jüdiſche Töchter hatte. Bier läge nun die Yölung ſehr nahe. Wenn in zwei dicht neben einander liegenden Gemeindeſchulen fi 131 Knaben und 151 Töchter zuſammenfinden, jo müßte man, der Ver: faſſung und dem geieglichen Zustande gemäß. eine jüdiſche Elementar—⸗ ſchule einrichten. (Zchr richtig! rechts. ı

Bier iſt die Zahl von Schülern vorbanden, welche nötbig ift, um mit Erfolg eine Schule zu begründen. Und es iſt mir völlig unver— ftändfich, warum man bier chrittliche Kinder mit jüdiſchen Mindern ge— meiniam unterrichtet. Die Geſetze vom \abre 1517 beitimmen ja. dat; Juden kein Recht haben, ın dev Schule eme Abſonderung ihrer Minder don den Ghrittentindern zu beamipruchen, daß aber die Zimagogen- oder Gemeindevorſtände bei genügender Zahl von mindern Die Errich— tung einer eigenen Schule beantragen tönen. Nun sche ich nicht ein, warum nieht auch Me Schulverwaltung. wenn Solche zzuftände hewors

ireten. und m der Hirtenſtraße ut auch eine Zehile, Die vor drei Jahren 144 Jüdumen, in der Reibelſtraße eine andere De 283 NE dinnen hatte. von Fb aus dazu übergehen könnte, ein jüdiiches

Schnlömiem zu begründen.

In Breſslau ſind Die Oberichleſien nd Ne ſchluumer.

Sir werden mir mgeſtehen. ermnere meh. un vauſe Der \abye wieder rer it Harne Die Riage land cine Uetervrodattien am G

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Ich menigitens würde feinen Grund ſehen. der das machte. (Einige Schmierigfeiten find vorhanden, ımd war megen des Sabbaths. In Frankfurt a. M. wird am Sonnabend in den beiden genannten Schulen fein Unterricht gehalten, und da man in einem chriſtlichen Staat am Sonntag doch nicht Schule halten kann. auch Sonntags nicht. Tas ir unzweijelhait ein Uebelſtand. Aber werm in den franzöftichen 0 (Snmnaiten arundiügfich wöchentlich ein ganzer Tag frei bleibt, der Tomeritag -- damit die Schüler ich an Privat- arbeiten gewöhnen, io liege darin cin beachtensmerther Vorgang. Ich würde den Vizttand von zwei auf einander folgenden freien Tagen immer noch nicht io buch veranichlagen, daß er die Beieitigung der von mir berührten Gejahren aufwiegen fönnte. Ich würde meinen, daß ein Schulweien, das weientlich jüdiſch iſt. Sonnabend und Sonntag den Unterricht ausſetzte und den Schülern Privatarbeiten fiir den Sonntag aufgeben könnte. Am Montag würden die Schüler über ihren Fleiß Rechenichaft geben müſſen: ich wiirde das für durchaus angängig halten. (Sehr wahr! vedts.ı

Alto, to ernit der Schritt it, wenn mir dazu Äbergehen. fir Diele überhoben Zablen die Gründung jüdricher höherer Schulen anzuitreben, unmöglich iſt es nicht, wie das Vorbild Frankiurts zeigt.

Vielleicht würde es auch bei uns geicheben. wie in Frantiurt a. M., dar bie und da eine chriftliche Familie ihre Ninder in die züdiſchen höheren Schulen ichick:?e: erwünicht ꝛw nicht, aber verbieten fünnte man v> auch nicht, da ja uniere höhern Zihnler br durmauns tonfeſionelle Sid.

Nun baben Gelehrte, welche Über Deren Geg haben, ich nenne die Pradefloren De Yagarde gut aut mund in Wien, gemeint, der e S möglich ſei. „drehe Schulen von cr ent. Die Juden zahlen iin 2 warum toll der Staat acht auch

Merne Herren. ib ber Aberzcint, weien. in welchent De Dart vorbenderen B ziöien Anregungen. obwehl Se wmiedriger dertichen Veben. richti Charatteren:twitſelurg wien

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nöthigen? ch jehe darin kein Unrecht, feine Minderberechtigung iche darin nur etwas, was wir uns find, wenn hir. Jugend im eigenen Geifte erziehen wollen. Das aber halte ich nur für unjer echt, ſondern ra unsere Pflicht (Bravo!

Meine Herren, wenn jüdiſche Großlapitaliiten in Berlin fid die Spige der Sozialdeinofraten jtellen, wenn jüdiſche Rechtsanwälte in unglaublicher, ich möchte jagen, affenartiger Geſchwindigkeit ihren Uebergang von der Demokratie zur Zozialdemofratie vollziehen und nun die vothe Fahme nicht ihrem, ſondern unferem Volke vorantragen, jo finde ich das unerhört. Das it eine Gefahr, gegen bie wir reagiven haben -- ein Reagiren, das ich nicht unter den Begriff der Reaktion ftelle, jondern unter den einer erlaubten, beredjtigten und nothmendigen Aktion. Bei unjeren Verfaſſungszuſtänden können wir uns gegen jolche Thatſachen nicht anders ſchützen, als durch Pflege des deutichen Geijtes. Die Gleichberechtigung iſt ausgeiprochen. Viele, die ihr jeiner Zeit zugeltimmt haben, werden das heute bedauern. Aber fie ift num einmal da; was bleibt uns übrig, als daß wir auf unjerer Seite die Kräfte zur Bekämpfung des Umſtürzes und des Unglaubens ſoviel wie möglich ſtärken. Das iſt aber nur dadurch möglich, dag wir in der Weile, wie es in dieſen Lagen immer wieder jur Sprache gekommen ift, den fittlich veligiöien eilt, den das Chriſtenthum hat, mit dem nationalen Geiſte, wie er deutſcher Art und Natur it, auf unſern niederen und höheren Schulen fo img wie möglich verbinden und gegenüber der Propaganda des Umſturzes ein junges Dentjchland beranzieben, das fir Die Güter unſeres Vaterlandes bis zum legten Blutstropfen und bis zum legten Pfennig eintritt. (Bravo! vedirs.)

Ich weiß fein anderes Mittel. Wiſſen Zie ein anderes, jo bin ich gerne erbötig, mit Ihnen Darüber u verbandeln, darauf zu hören. Zunächſt, glaube ich aber, bleibt nichts Anderes übrig. als das was üb vorzuichlagen mir erlaube. Ich bin mir ja bewußt, wie ichwierig die Sache iſt, die ich erörtere. Ich weit, wie ſchwer es iſt, in der ſo— genannten Judenirage die Punkte zu finden, welche politiſch zur Ber handlung rer ſind. Ich will auch bekennen, day ich bis jetzt nur wei Bunfte weis. die nach meiner Auffajſung vollkommen reif md: Der eine iſt die Arage der Juſtiz., beſonders Die ‚vage der freien Advotatur: Nie iſt völlig ſpruchreii. (Bravo! rechts.

Die andere #1 die des Ueberwucherns des jüdiſchen Elements an uniern höhern Schulen. Ta kann man, Da muß man ewwas th, um immer deuntiches Volt zu ſchützen. Ich kann dem Herrn Miniſter nur zurnien: Vie eensules nel deteitnenti respobliea eapint. yebhatter Beiiall verbts.)

Abgeordneier Vidert: Mene Daran sb haite guite eie Abſicht. wine Soezinlien De Ib au dieſe Materie auiilteten. iv Zprache ubringen. Indeß, ad gebe su da, nachdem Mer Herr Abgeordnete Ztöter Dre Debatte heute wieder ax em ſolches Aivent qebracht bat, ms Me Verrvilichtung auierlegt vr Die von Its te Frage Doc) Stab uniererieits noch eimmet n belenten und das Div übrigen Vunkte daneben zunächit im den Hintergrund neten.

einzulegen gegen eine derartige Rede, die in der That nur die Wirfung haben fan, daß die Minder in der Schule nicht mehr den friedlichen Verkehr mit einander haben können, den fie bisher gehabt haben. Meine Herren, der Herr Rultusminiſter ift der Wächter des Friedens, er iſt derjenige, dem die Zorge über die Schule, und namentlidy die Zorge Über den konfeſſionellen Frieden anvertraut it, ich lege ihm die Frage vor: war das cine Mede, zu der er ſchweigen konnte, jelbit wenn er mit den Zielen des Herrn Stöcker einverſtanden war? Ich glaube nicht. Und ich frage den Herrn Nultusiminifter ich muß es ihm natürlich anheimſtellen. ob er mich einer Antwort würdigt oder nicht erklärt er ſich eimwerltanden mit der Tendenz, die aus jeden orte jener Nede herauszuhören? erklärt er sich einverſtanden mit dem Ziel derielben? ent er cs dt möge er cs uns ganz offen jagen; es iſt gut, daß das Haus darüber aufgeklärt wird, dann werden Diejenigen, welche Dem nicht zuſtimmen wollen, wenigſtens willen, was ſie Dielen Beſtrebungen gegenüber zu thun haben. Ich glaube aber - vielleicht thut es der Herr Miniſter -- daß es lohnt, im dieſer Ztumde auch vom Megierungstiche ein Wort zu sagen, wie die Herren darüber deuten.

Ras mm die Thatiache anbetrifft, meine Deren: Ihnen find die Zuſtände unerträglich. daß Ihre Minder mit den jüdischen Kindern auf emer Zchulbant ſitzen müſſen m den höheren Yebranitalten - - 3urufe: des iſt nicht geiagth Nicht? Was bar denn Die ganze Mede für einen zweck? Nur das iſt doch der Grund. „Unerträglicd”, „ent ſiulicher Schaden” bat Herr Ztöcer geĩagt.

Es iſt winderbar, dar wei Zeelen in dieier Bruſt leben. Meine Herren, Zie md dach jene nicht jo ſehr gegen das die Mapital. Nseiterteit lints.n Wenn es ſich darum bamdelt, einen Mann aus der Junkerpartei unterzubringen. eine glänzende Yanfbabı ihm zu geben mit dient Napital, dann md De Juden aut genug, dann erhöht man Fe. dann Führt man Ar in De Geiellichaft ein. dann dr nam um tie beiorat. Sehr richtig! Lists. Und wenn gewiſſe jüdnehe Banfiers Geld geben zu polniichen weten. At Ihnen gerade dienen, dann tt der Jude ein ganz vormerlebev Diamm Im br wollen Sie ar Um nichte zu thun Daben amd madlen "eo Om ENDETE Der: ven. daß ſie nut den Ihrigen aut em 2 JIch imde dieie unände sub tan.

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Herr Stöcker will zunächſt diejenigen Punkte anfajien, die reif find nad) jeiner Meinung: die anderen ſind es noch nicht, fie werden es unter der Stöderihen Behandlung natürlich allmählid, werden. _ Er will die freie Advofatur aufheben da ſind, ihm die Juden zu ſiark eingedrungen: er will die jüdiſchen Kinder auch aus den jetzigen höheren Schulen hinausbringen da ſind ſie ihm auch zuwider.

Herr Stöcker hat auch weiter ſein Herz enthüllt, er jagte ganz often, die Öleichberechtigung set einmal durch die Verfaſſung gegeben, man könnte das bedauern. Daß Sie es bedauern, Herr Stöcker, glaube ich, ſicher und dar Sie natürlich auf getesmäßigem Wege - dahin kommen wollen, eine Reſorm Ihrem innerſten Wun'che gemäß Au er⸗ wirken, das glaube ich Ihnen auch. Darum fangen Sie mit den reiferen Früchten an, das andere joll nachfolgen. Ich babe aber das Zutrauen, dat, trotzdem Zie beinahe die Majorität in dieſem Hauſe baben bedauerlicherweiſe, Ihre Beltrebungen zu Schanden werden. Der Geiſt der Toleranz, welcher die Proteſtauten in Deutſchland und ins— beſondere in Preußen geleitet bat, und der dazu geführt hat, daß die proteſtantiſchen Rinder don je ber mit den Nindern der jlidiichen Mit— bürger auf einer Schulbank geſeſſen haben. von der Volksſchule an bis hinauf in die höheren Zchulen, er wird nicht je Leicht vernichtet werden, ev har eine lange Geſchichte hinter ſich. Ich möchte Deren Stöcker einmal einladen, daß er feine Rede von heüte verleiht, mit dem Bert, der in den Schruten des großen preutzuchen Rönigs Fri richs 1I1. herricht. Das Volt iit durchdrungen vor een großen cite, Der in unierer Geſchichte unauslöſchliche ren hinterialien bat. ar das Der Geiſi, Dev heute aus der Reke des Herrn Stöcker wehrte? Wahrhaſtig nicht! Friedrich dev Großze tagte einmal in Dieer Beriebung: „Jeſus war ein Jude. und wir zerbrenmen die Juden:

Jeſus predigte Toleranz md Duldung und wir Jeſus vredigte eine qute Moral; und wir üben dit au« Rufe rechts: und to welter!) Ja. es ktommnm nur auf Die Ztelle am. Ich werde men noch eine andere Ztelle vorleien. Gerade Friedrich der Giroße —und darüber hat iduchte ns toitbare Beiipiele aufbewahrt betämpit auis entichiedennte die tonciionelle

Engbersinteit”. wie er Das naunte, den „rabschen Eher Den „Fanga—- smus“, wie er zum Beupiel heute in de Mepe der Herrn Stöcter dach tundgegeben Dat. Vachen rate In der erchichne Hauſes

OA hat er die Spuren gein jener ariherag weitgehen; Sen Duldung und Toleranz. weiche zur Zierde der! aereich!. und er schluckt die Betrachtung iber die Wehbknte Br gs mit fol. enden Worten., die ich Herrn Zioler au ich RUN emviehlen e: Der satshe eher one ra er er ent die Toleran; und

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wohnen, daß man alſo Diele Stinder innerhalb eines, Üiberiehbe Raumes fonfeifionell horbert fam. Tas iſt aber unmöglich in Bezug auf die höheren Schulen: denn der aum, den in einer Stadt wie Berlin zum Beijpiel Kinder zurücklegen müßten. wenn wir bier ſpeziell katholiſche und ſpeziell jüdüche Gyjimngſien hätten, wäre unter uͤm⸗ ſtänden ein nicht zu überwindender. In anderen Städten, wie beis ſpielsweiſe in Breslau, hat es ich von vornherein ſehr leicht machen fajjen, datz fich die Katholiken und Bvangelitchen getrennt haben, denn da wohnten in einem verhältnißmäßig engen Bezirk zahlreiche evans geliſche und fatholiihe Schüler.

Nun iſt es gar feine Frage, wenn Sie die Entwidelung des höheren Unterrichtsweſens verfolgen, in Betreff der fonfeilionellen Be— völferumg dev höheren Schulen, daß da sehr merkwürdige Verichiebungen und Veränderungen eintreten.

‘sch darf am meine Nede, die ich neulich gehalten habe über die Berichiebung der Konfeſſionen, vielleicht anfnüpfen. Das Material habe ich Leider heute nicht mir: aber es Mt interefjant, Ich habe eine Dieunpiane fegen laſſen über dieie Frage im Januar 1583, wo id) für jedes Gymnaſium genan habe fertitellen Taifen, welche Schüler umd welche Yebrer den verſchiedenen Nonfeſſionen angehören. Sie werden aus dieſen Zahlen, die vor mir liegen und von denen id) vielleicht noch einige verloien werde, erſehen. wie Ichiwierig die Ztellimg der Schul— verwaltungen m. Wenn Sie beiipielsweiſe Schleſien nebmen wie geſagt, es ſind zahlen don 1883, mac einigen Jahren toll eine neue Statiſtit auigenommen werden to ſinden wir m Beuthen SO evan— aeliiche, 141 farboliiche und 171 jüdiſche under: an dem Johannis- anameikin zu Breslau 351 evangelsiche, 60 tatboliiche und s5 jüdiſche; an dem „Ariedrichsannrmaftun dort 125 evangelische, 12 fatholiſche und

50 züdiche: in Gleiwitz 8evangeliiche 235 tathnliiche. 162 jüdiſche; hart! rechtsy m Rattöwit ST eraigelute, 2 tatbaliihe, 124

auf dem Ehigherlen zrium u Breslau 232 erangeliſche, elle zn! mr Es iind em Beier und andere ehriste 8

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bin, aber fie gab ein ſehr intereffantes Bild von der Verſchieb Konfeſſionen und erklärt mehr oder weniger it jehr intereffanter vieles, wie die Konfeilionen wirken auf die Befiedelung der Orte,‘ ich jo tagen joll, und auf die ganze Erwerbs: und Gewerbsthätigkeit. Man hat aljo den Eindrud, dag die chriftlichen Konfeſſionen die großen Arbeitermafjen, die eigentlichen ländlichen Arbeiter und die ‚ländlichen Grundbeſitzer liefern, während ein großer Theil der jüdijchen Mitbiirger auf dem platten Yande fich nicht anſiedeln will, jondern größere Stüdte auficht. Daher das verhältnißmäßig ſtarke Weberbandnehmen des jüdiichen Elements in unſeren höheren Bildungsanitalten bezw. Unis veriitäten.

Alſo, meine Herren, daß hier Probleme vorliegen, die man ſich geitalten fan, wie man will, liegt ja aut der flachen Hand. Abgeordneter Ridert: Hört! hört! Große Heiterfeit rechts.) Meine Herren, ich weiß aber gar nicht, welche Noniequenzen Sie wünschen, daß ich daraus ziebe. Es ift die Frage an und für ſich wichtig, daß man ſich darüber klar wird, wie gruppiven ſich die Kon— feſſionen eines Staates, wie geſtalten fie ſich. wie verichteben ſie ſich, und wie ſuchen fie ihre Kräfte zu bethätigen, ſei es in körperlicher, ſei es im geiftiger Arbeit. Es iſt doch eine große, bedeutende Sache, day ein Bevölkerungstheil, der nur etwas Über ein Prozent der Geſammt-— beit ausmacht, ungefähr zjehm Prozent der akademiſch Gebildeten ſtellt. Sehr richtig! vechts.) Ich komme darauf zurück, wovon ich ausgegangen bin. Dieſe Frage ſieht bei mir nicht im Nopie ſo feit. daß ich bereits irgend eine Schlußiolgerung daraus ziehe: ich kann mw wiederholen, fir eine verſtändige Unterrichtsverwaltung it die Frage nach der kon— teifionelten Miſchung der höheren Rildungsanitalten eme ſehr wichtige. Die Auswahl des Vehrerperſonals. meine Deren, iſt eine ganz außer— ordentlich mißliche: ich muß für derartige Anſtalten Doch ſchon ganz beſonders bevorzugte Yebrer baben. Die Lehrer ſind auch Menſchen. tie haben alſo auch gewiſſe überlieſerie Anſchauungen. Nun denken Zie ſich alio ſolche Gmnnaſien, wie ich Nie genammt habe, wo jede Kon— jeiſion ein Drittel liefert: wie Sollen die Yebrer dort ihre Yehrmerbode mir Zicherbeit einrichten? Es giebt doch eine ganze Maſſe ragen, wo wirtlich auch ein einfacher Yehrer. der nicht gerade Neligionstchrer Sr, feinen veligiöien Empfindungen gend einen Ausdruck giebt. Wie sch den Boltsichullebrern gegenüberttebe, babe ich geſagt: Ach bulte feinen Hr einen richtigen Voltsichullehrer, der in ſeiner ganzen Perſönlichkeit sicht durchdrungen und erfüllt mt won emem religiöeen Bett. Denn

darm tann ich emer vorhin gehörten Aenßerung beitreten wenn man Se Meligten auf De emzelnen vieligionsſtunden magnzmiren will, ie gt das Sehr wenig, Tondern Die Haurnache vr die edle Berfönlichkeit, zon der ich wüniche. Dda% der Yebrev fie den Minden vortiiitt: Jedes strD Ber en Bares Emriinden Datin: der Memm tet Böben, weil er zu ement gereintgtien religtöien Standpuntte ſteln.

ah tann wirderhalen meine Derien es imd da: ragen, st Biete deine Abnurm. daß ſie augeinutten vürden ich vatte auch AHSSHSE, gar den: Intereiſe das Fe oangehbanten wurden welche, u jenge De Unterrichcsverwalimmg arme daeſelbe beſchäftigt haben ad beichaitigen müſſien. Mehr tann ich ſa sn dieiem Augenblick nicht ger. Ich Dart am

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Ministers iſt es micht mehr nöthig. jo zu fragen. Es wird mm Jeder, der fir das öffentliche Yeben überhaupt. Verſtändniß hat, bes greifen, zu welchem Zwecke man eine tolche Frage an die Staats⸗ regierung richtet. Sehr richtig‘)

Ich babe nichts weiter gewollt, als meinen Finger auf cine Wunde des Ztaatslebens legen. Dazu aber ſind wir Abgeordnete biev. Ich weils mohl, daß mir auf der äußerſten Yinfen das Nedjt beitritten wird, irgend eine Frage, die das Judenthum berührt. in die Debatte zu ziehen. Wir werden ums daran nicht hindern lafien, und ic) darf den Aniprud) macıen, Dan ich das heut in der aflerınatvolliten, objektivſten Weiſe gerhan habe. Schr richtig! vechts.) Was miv von jener Seite vorgeworfen wird, find lediglich eigene Zuthaten.

Der Abgeordnete Dr. Enneccerus tagt, daß die Gründung jüdiſcher Schulen kein Vortheil iſt. Ja, davon bin ich ja ausgegangen. aber der gegenwärtige Zuſtand iſt ein ungeheurer Nachtheil. Das habe ich bewieſen, das hat der Herr Miniſter beſtätigt. Weiter babe ich zu— nächſt nichts gewollt. Die wage iſt ſo ſchwierig, daß es nicht meine Aufgabe ſein kann, ſoiort mit formulirten Borichlägen vorzutreten. Nur das beſtreite ich Herrn Dr. Enneccerus, daß er aus ſeinen hohen akademiſchen Kreiſen ſich ein Bild macht von den zuſtänden wie von der Abhilfe. Die Volksnoth, auch die Noth in den höheren Schulen, it eine ganz andere als die in den höchſten Spitzen der Bildung. Wenn Herr Dr. Emmereerus tagt. er babe Mollegen, die er in feiner Weiſe unter die Chriſten Stelle, ja. meine Derren. auch ich kenne Juden, die ich hoch ichätze. Es giebt unter den Jiraeliten veditichaffene. be— icheidene, patriotüche vVeute, wer ſie angreift, thu: ein Unrecht. Aber das iſt Doch nicht politijſch, aus emiaen Erfahrungen auf das Ganze zu schlieken: polittich it es dar man das Judenthum als cin Nollefz tivum betrachtet. Und da wird mir Herr Pr. Enneccerus Die Sue ſtiimmung nicht verweigern w ich tage: Das Judenthum als Ganzes vr in der That ein beden ebenio Hr unier Erwerbs- leben. wie ii zier genſtig Pig der Preſie mer mm Der Umſiturzbewegung. Das ar der ich nicht zweifeln läßzt. Mo Dar wir davon en NMirperkbaft reden Das mus er ' db mache Abrigens irlber da hen ur De IR HUT ı Serr I. Nr Anden- i Miꝛrbů irger auch von

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4.

Wenn er nun emphatiſch fragt: wohin mit den Juden? mo das Unerträglihe? dann jehe ich daraus, daß Her Knörcke meine Rede gar nicht vernommen hat. ch kann mir aud) denken, daß jede Berührung dieſes Gegenftandes Die Herren von der äußeriten Linken in einen Sufanb verjeßt, daß fie nichts mehr jehen und hören; jeine Rede wenigftens hatte ganz und gar dieien Gharafter.

Wenn ſich die Herren über den Gedanfen jüdiſcher Schulen fo ereifern, die Thatjahen und Zahlen des Herrn Miniſters aeigen, daß wir bereits Schulen haben, welche, wenn man die Zahl der Schüler, die Feier des Sabbath und des Oſterſeſtes bedenkt, jlidiiche Gumnaſien genannt werden können. Sind die Zuſtände jo, dann thun wir am beſten, um unſere chriſtlichen Knaben vor dem Ausfall der Schule am Sonnabend und vor der Mitfeier jüdiſcher Feſte zu ſchützen, wenn wir Schulen mit jüdiſchem Charakter errichten. Dort würden die Juden ihren Bildungstrieb befriedigen fünnen. Die That⸗ tache aber, daß Frankfurt a. M. mit einem jo reichen, alten Juden⸗ thum dieſen Ausweg genommen hat, ſollte mich doch gegen jeden Vor⸗ wurf ſchützen, daß ich etwas Intolerantes vorgeichlagen hätte. (Schr wahr! vedjts.)

Herr Abgeordneier Knörcke kommt nun mit dem hochgeftellten Juden, der ſeinen Sohn hätte evangeliſch werden laſſen, aber dies be⸗ dauere, nachdem ich im öffentlichen Yeben erſchienen ſei, und nennt ibm einen eruſten fittlicben Mann. Ich weiß auch, was sittlich und ernſt it; aber wenn man mit der Meligion to ipielt, daß man jagt. ich möchte meinen Sohn criftlich werden Laffen, aber wenn ein Mann wie Ztörfer kommt. will ich ibn wieder zum Juden machen, Weiter— tein, So it das cine Auffaſſung von Religion. von der ich mm sagen kann, Herr Mnörde bat den leisten Buüchſtaben feines eviten Rolle— gienbeftes vergeſſen müſſen, um iolche Zuchen zu Tagen. Zehr que! rechts.)

Ich gebe mu zu Deren Rickert über. Er nannte meine Rede eine Hetzrede und da der Herr Präſident ihm Das bat Durchgeben laſſen. Dart uch über dieies Wort auch eiwas Tagen. Herr Rickert, das Dr die Tattit. Die Zie und Die Juden, Die Juden und Ze, (Heiterkeit) a ichönyten Verein seit zwölj Jahren gegen mich veriolgen. Ich bin Mann Wachen Into Sehr wahr! vehtsr ein be: eher dieier Frage. md ich alanbe daß chen heute ac Inden nielleichr ſind Sie ints ie mit ſolchen ngetommen iKgroize Heilerteitera der Meinung üind. de minen biberdenen und hen ‚ben hläügen an Aniang

winde co wirllei I Leiter Stehen. merogiin utirde unterblirben ſein.

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!inzen. versafter Beifall vedts. Dho! Ints) An der Beriier er zielet: Beichend wiiten. 2a er Beriger einer Zeitung vr: in der

aaldeme? rar:c unbewa Meine Herren,

narr ut ter Te oria!:den MOSER N Kr der Ngitator !er Zorialematraı s hi en gar Time Zozialdemotrarue in der gegenmärtigen —* wenn Diele beiden Nuten wären. ı Zchr rihrig! rechts. Cha! Inte. - Herr Micer: das ı do Bar! (Abe geordneter hıdert: Frantreich!

An Frankreich vr cs ja ichlimm lange mine. ı Schr richtig! rvedrs.ı Ich habe das menlih entwidelt. Zie baben nicht miderrprodyen. NRennen Ze mir ırgend em vand der Welt. wo 114 Mıllionen iozialdemokratiicher Stimmen hätten abgrgeben werden tönnen! Tas ilt nur möglich dadurch, Dat; bei uns das Außdenebum Se ‚sahne voranträgt, dar das \udenthum m der Preiĩe ſich euꝛe Macht geicham̃en bat, um unier Volk zu ruiniren: und ich kann nur Tagen. dar ıdı bes dauere von tiefttem Herzen, wenn ſich deutiche Menſchen dazu here geben, zu dieser Yerwirmmg ihres Vaterlandes und Volkes Bravo zu Ichreien. Ich werde, iolange em Blutstrorien in mermem Seren iſt, dagegen proteitren bier und Überall. Taranf farm ſich Der Ridert verlaiien. ıYebhaites Bravo reits, Unruhe Ente. Erneutes lebhaites Bravo rechts.

mie bern

Abgeordneter Wikert: Meine Herren, ich werde mich aui die von dem Deren Vorredner angeregte Frage heute nicht näher einlaiſen. da

fie ja mehr auf dem Gebiet des Volksichulweſens beat ih meine die Frage des Zimmltanichuhoeiens als auf dieſem. Ich giaube in

Ueberemiſtimmung mit meinen Freunden zu örrechen. went ıd der MWKemung Ansdrück gebe, daß die konieſſionell gerrennten Schulen als eine gute Einrichtung yon uns nuctt anertatuut wer and auch nicht Die gute Wirtung derielben. Tieogeimige A des Herrn Multüsminiſters bat mich von dem G— act heil nett über:eugt.

Meine Herren, im Vlebrigen b! zuirieden dan es mir qeitern gelungen m, den Herrn Kultusmintiter zu bewengen Sat er ieine Memumng öffentlich zum Ausdruck gebracht bat. : Der Haupt⸗ el memer geitrigen Benerbimgen werner 3 Dsthede des Herrn Ziiter. Dem op Samy ner wall v nprebrten Herrn femmen wir ge— Au wis dev Geichuente Da ichen

Bewegmig und an aber i van een mm N dentt md 2a heben mn geriern webäger,

° Der Bert SIEB Smaner dr danke Un Hrorn di Sim emmen a3 . Wenn er rielleicht saroalf ER dr letter 1853

riaminel: acht

galt, fertig guter vr mir veiltumute Herrn Rulige mintier

nen Antiülwringen "tb dante ale dem eriren: aber bin ich

wohlwollende Form der Diskuffion, eine Begrlindung, nie“ Herr Kultusminifter fie dargeitellt hat.

Nun weiter. Herr Störfer und das ſcheint der Herr Kultus— miniſter auch nicht gehört zu haben --- hat geingt, daß das jüdiiche höhere Schulweſen auf die Charakter- und Volksbildung der jüdiſchen Mitbürger beijer wirfen würde, als eine Bildung ohne rechtes Fun—⸗ dament.

„Wenn das junge Judenthum jagt er jo unvermittelt in die chriſtliche Schule hineinfommt, ohne ſich das Chriſtenthum aneignen zu Eönnen, jo wird dadurch vielfach der Zweifel, der frivole Geiſt erzeugt, der eine jittliche Gefahr von der größten Tragweite ijt.”

Das iſt jo janft, jo objektiv! Natürlich, Herr Stöcer iit ja liber- baupt nur ein Yanım, ein Yamım der Yiebe, (Heiterkeit) er flieht über non Zärtlichkeit und Sanftmuth gegen jeine jüdiichen Mitbürger; es ift rührend, wenn man das hören muß.

Der Herr Kultusminiſter findet jelbit eine Rede, wie die geſtern gehaltene, ganz objektiv, er findet gar Feinen Grund, von jeiner Stellung aus zu proteltiven gegen derartige Schilderungen. Herr Stöcker hat ausdrüdlic) erklärt, daß die chrittliche nationale Bildung durch das Beiuchen der jüdiſchen Ninder auf den höheren Schulen erſchwert merde. Scheint das dem Herrn Kultusminiſter aud) jo ſehr harmlos? und wenn er wirklich der Meinung wäre: wäre es denn nicht teine richt, endlich einzugreifen und die Zchlußfolgerungen aus feinem Material zu chen?

Aber weiter umd auch dies ſcheint der Herr Kultusminiſter überbört zu baben: und das iſt es gerade, was mich dazu brachte zu erwidern —- am Zchluß der Stöckerſchen Rede, worin Herr Stöcker es wagte, ohne irgend welche weitere Begründung, zu bebauten, Das Großkapital in Berlin Stände an der Spitze der Umſturzbewegung. emige jüdische Nechtsamwälte, Die früher der Yinfen angebört hätten. wären jest in das ſozialdemokratiſche Yager übergegangen! Er vier dem Herrn Rultusminiſter zu, Die Frage des höheren Schulweſens jet ipruchreif: da müſſen wir daran denten, uns vor dem Umſturz zu ichützen. Wie dentt denn der Herr Nultusminiſter darüber? das Toll ’ı harmlos ſein. weun man unern jüdiſchen Mitbürgern in dieſer Wene ia uentlich in Bauich und Bogen geradezu Umſturztendenzen anterlegt? Zieht denn das nicht mit glatien Worten darm? Tas toll a eben der warneude Ruf an den Herrn Rultusminiſter ſein. Ich alaube m Uebrigen. dar alle Parteien auch Zi meine Derren, !a drüben erechtez eine andere Auinſiung von dev Störterichen Rede gelubt haben wie der Herr Kultusminiter. Das war der erite Mir.

vor; die Zube ioll weiter iorigeietzt werden.

Mer Herren mir war nur aumallend, dar Herr Stürter gerade den gritrigen Tag, an welchemeim unſerem umeren Sicateweren großze veitzragende Keränderungen zur Thatigche geworden mad. Th greignert le das vi. das er ISO begonnen und welcher in High ges beitetoom an dem Willen der deutſchen Natiön. wieder aufmelhmen. tvwiaub: Herr Stätber Ba ſeit geitern ſeine zeingetommen 1117 An glaube. De Herren nen eh Darin gerade So wie Sie öſich geirrt' aren in Bezug auf die agratz. Keinionsbewegung welche im Jahre 1880 ringeleitet wurde.

Miniſter, obne daß er ſebl ſchon eine beſſimmte Schlußfolgerung dem ſiatiſtiſchen Material gezogen hatte, doch vielleicht nicht abgeneigt wäre. uns zu führen.

Run. meine Herren, ich hoffe, das preußziiche Volk wird es nich erleben, daß es dem Herrn Kultusminiſter v. Goßler gelingt, eine ders artige Aenderung des geteelichen Zuſtandes berbeiqufiihren. Möge er weiter Material jammeln, möge er fich mit dieiem schwierigen Problem weiter beichäftigen. ich hoffe, wir werden nicht dazu kommen, daß der Wunich und Wille des Herrn Stöcker erfüllt wird.

Meine Herren, ıd weit nicht, ob der Herr Nultusminitter nach der zweiten Ztüderichen Rede heute noch jo denkt, dar fie objektiv, harmlos wäre, nur unterrichtstechniich. und daß keinerlei Antiſemitismus darin vorbanden wäre, fteinerlei Verurtheilung des Judenthums als iolchen. Die zweite Stöderiche Rede lärt dem doch ın der That jeden Zweifel fallen, tie läßt, obwohl Herr Ztüder den Deren Abgeordneten Enneccerus gegenüber jagte. da er in der allermaswolliten Weiſe die Sache vorgebracht hätte, aan, klar erkennen, wohin er will. „ine politische Aufgabe it es” jagt er, dar „man das \udenthum als ntolleftivum betrachtet. weldies iowohl auf unſer gewerblicdes als auf mer geiſtiges Yeben einen schädlichen Eintr ausübt.” Tas nennt man wohl teen Sntienitisuns' Ich dente: der ſchönſten Zorte! Und wenn Herr Stöcker ment, dar Die Rose ng .Hetzrede“ eines volitiſchen Mannes richt würdig te dene uch ihinn die Frage vor: iit es würdig., in einer jolchen Were über einen großen Theil unſerer Bevölkerung abznurtheilen? iſt es würdig. dar em ehrlicher, ein rer Diger der Yiebe, der Humanität, dev Menichenbebe. mit solchen An. Hagen fonmmt? Unruhe vedts.

Wie Nerv Stöcker es mu den Thatiachen vält, das zeigt Teine Vergangenheit. Großze Unruhe rechts und Ruie:

Herr Stöcker ment, wir brächten mar Ptiraie erlegen wir vr Flugblätter. Nun. der Ihn nor. aber ich weis nicht. ob es Jemand bo Ztöder paſſirt Dr im dem detannten Bäder

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mit ein paar Bemerkungen ihm aus der Hand gewunden. Wo bleibt Ihr ganzes Argument in Bezug auf Frankfurt a. M.? (Zurufe.) Ich wei nicht, vb Zie bier waren und Herrn Metler zugebört haben, Henn Stöcker. Ich empichle Ihnen, leſen Sie den ſtenographiſchen Bericht, dann werden Sie von einem ſachkundigen Mitglied hören, was an Ihren Behauptungen wahr iſt.

Meine Herren, Herr Stöcker hat dann ferner und dieſer letzte Ausfall in ſeiner Rede iſt das Glänzendite ums augeſchuldigt. dat wir als Deutsche uns dazu hergeben, zu dieſer Verwüſtung des Volkes durch das Judenthum Bravo zu rufen. Tas iſt auch jo ſanft, meine Nerven, das veine vVamm der Yiebe, der Mientchenliebe! (Yachen rechts.) Und vorber batte er erflärt, dar eine Nation, die wir als Gäſte aufgenommen, der wir das Bürgerrecht gegeben haben, ſich nicht herausnehmen jolle, die Grundlagen des Volkes zu unterwühlen. Ja, meine Herren, ich möchte den Herrn Kultusminiſter fragen, iſt das wirklich) die Methode, mit der man einen ſolchen angeblich unterrichts: techniichen Antrag begriinder? Ich meine, nein! Das iſt wirklich Aufhetzung der Gemüther, das iſt genan dieielbe Richtung, im welcher Hear Stöcker in den Soer und Ende der der Jahre die antiiemitiiche Bewegung unterſtützt bat. Wie Vieles Herr Siöcker darin Leiftet, das wiljen wir Alle, aber was er geſiern geleitet bat, das trönt das Ge: bäude. Er jagre in aller Ruhe und mit faltem Blute: Der große König Friedrich Dachte ebenſo über die Judenfrage wie id der Herr Stöcker. Meine Herren, das iſt wirklich eine famoſe Entdeckung, Die Herr Stöcker da gemacht bat! Ich möchte ibm empiehlen, daß er die Werke des alten Fritz einer näheren Einſicht unterzieht. Herr Stöcker hat uns geſtern eine Thatiache angeblich von dem alten Fritz mit: getheilt, day er den Zuzug der Juden nach Breslau verboten babe, meil ſonſt daraus ein neues Jeruſalem würde Meine Herren, don

eſtern auf heute babe ich noch nicht die Zeit gehabt. dieſe Behauptung es Herrn Ztöder auf ihre hiſtoriſche Nichtigkeit zu prüfen, ich weiß es nicht, ich will_teine zzweifel daran ausdrüden: nach der Bergangen: heit des Herrn Stöcker wäre ein ſolcher ganz berechtigt; wir wollen den Beweis dev Wahrheit abwarten. Meine Derren, was will den nun aber dieſe anefdotenhafte Mittheilung über den alten Fritz in einem Blatt oder Buch. das ich nicht tee - was will die bedeuten gegen die andere herrliche Fundgrube, Me wir im den Schriften des Königs ſelbſt haben. Es wäre Deren Stöcker wirklich ſehr dienlich, went cr die Werke Des alten Fritz einmal genauer ſurdiren möchte. Friedrich II. bare den Grundigatz, „Dat es feine Neligion giebt, welche in Betreſi der Sttienlelxe von der anderen Sehr abweiche.“ Er bat den Unterricht in der Zittentebre immer als Dauptiache betrachtet. Zoldie Worte wir .crifttah germmammiher Ziuat” was Die bedeute, das hat der betarnte Itwolone Bümagarten in termer Schrijt „Wider den Hoſprediger zu Weiie aus Nendergeickt, das Herrn Ziheer die van Aunwort zu geben, wie Ne Herr Stöcker poll gegehen cv das Material dazu gebabt hätte. Ich glanuse, ſcire Des Herrn Raum— garten gegen ven Dat der ſeiner Sen an hoher Stelle geiagt munde sale zeitgemäße Ericheinung Tel Ta

“5 Zeer den chrötlichen Ztant” Ziabls,

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son dem herr Stöder mir geſtern nachweiſen wollte, Dak das‘ che richtig ſei. Wie Zrabl über den chrirlichen Ztaat dachte. das wutzte ich. Ich habe es netten gerade als ronie bezeichnet cob! oh! redhtsı, dar der Betämpier des Judenthums auf dem Boden tteht, den ein Inde aufgebaut hat. der frübere Nude Zrahl. Gerade dieie Auss iührungen von dem dhrittlich = germaniichen Staat find seine Muse Führungen. Wär den Erifindungen eines Juden ſichmücken Sie ſich! tLachen recns. Ja, meine Herren. das müſſen Zw nachbeten: von einem Juden, der allerdings. weil er vom Judenthum zum GChriltens thum überamg, um jo schlimmer gegen Seme alten Bundesgenomſen war. ber Zie, die Zie Broteitanten md, tollten Doch anders denken - mir anderen Protettianten haben fülteres Blur. wir folgen ſolchen Renegaten nicht, wenn sie uns auch mir Dugen wie . christlicher Zraat” amd to wener kommen. Ich Hörde Herrn Stöcker auch emwichlen. daR er einmal den „sürteniviegel“ des alter Fruz durchiieht. Alles will ich nicht worleien, was er von den tindiſchen Brieitergäntereien” tagt, welchen er „nicht geng Slam enutgegen bringen” könne: jerner was er von dem Aberglauben und dem Fanatismus dicier Brieſter ipricht, die nur Kerderben fir den Staat öeien.

sch will aus dem Fürſitenipiegel un eine Ztelle vorleſen. wo er iagt: „hr id das Haurt dev Bihraer! Algo Eures Landes. Ziecie beiteht m Mechelichteit md Es nt Eure Pilicht. fie ber zui fallen welches die Haupfttugend dentenden \ che Neligion überlazt Dem höchſten Selen. Wir ſind Ulle in dieier Beziehung Blinde, durch verichtedene Irrthümer irre gele:iet. Wer ven uns möchte io dreiſt ſein, über Dem richtigen Weg abzunriheilen. Hütet Euch alle vor Riligionsiſanatismus, welcher Verioigungen erzeugt,. Wenn die armen Sterblichen dem hächiten Weien geigilen können, ſo tann es nur durch Wohlthaten geichehen. Die ſite an Menichen üben. mehr aber durch Gewaltthätigkeit gegen Eigenſinmge Durch Duldung erweitert Ihr die allgemeine vnebe. 3 macht Euch um Abſcheu.“ Sehen Zie, das it das. mas ber Große. Ser nach Bern Stöcker ebenſo aedacht haben ioll Über die Judenfrage. pie der Herr Höoiprediger Stöcker beit. dariiber iagt. Ich denke. Herr Ztücker würde ſich doch Febr winner, wenn unter Semi Namen Der- atige Artikel in Dre Welt gingen. Das var micht 2 emander.

Ich babe schon hervorgehoben. vs würde nir ont ge!ab haben, m Herrn Stöcker geitern No viel zu reden wenn vh nichr Sen Herrn Rultueninuſter hätte beiragen wollen. danu: das arapsihe Volt weiß. vas dieſer neue antiſemitüche Felding Hi wie Wet Die Arußiiche Regierung eine Unternürumg vinge beret St.

Ich habe schen hengewreirn auf Den ISO, Herr Stücker bat damals ebenie ram der Yiebe, der \hanamtär im ; ern een Dohen Hauie heir Sa im Mampie geltende Bub

Kede des Seren Stückter von

ger > ch mt H se rRenau Der Kerner Isa, Ich batte Damals

Selb die Freude Beerbei mit Herrn Ziöder zuiiammenigeratlen. Damals sein De Bewegung em auderes zZziel. Mar glaubte. mt ner Pe— zoomen Milben Unterichrüten se Duoeo wide eo chen

um das goldene Kalb alleräings wicht mitgemadit. Und &

nit einer jolchen Vergangenheit fühlt fich beveditigt (Machen. TEE einem solchen Ausfall gegen einen großen, fleißigen, patriotiichen Un unferer Mitbürger. Da Sie feine Ahnung davon haben, dag um jüdischen Mitbürger völlig gleichberechtigt find mit uns, und daß

für das Vaterland im Kriege und im Frieden ebenſo ihre Schuldigteit‘

gethan haben, wie wir Chriſten, begreite ich. Zie verdienen es nicht, dag man im dieier gebälligen, fleinlihen Weiſe gegen fie als Kaffe im Ganzen, wie Dar Stöcker früher gerban bat, losgeht. Ich babe aber die Doffnung, dag dieſer Standpunkt, dieſer engberzige, armielige Standpunkt, wie ich ihn nicht anders bezeichnen kann, feinen Widerhall im deutichen Volke finden wird, und daß dieſer ymeite antiiemitiiche Feldzug ebenſo kläglich endigen wird, wie der erſte. Dieie jeſte Zu— verſicht, dieſes Zutrauen babe ich zu dem deutſchen Volt. Dasſelbe wird feſthalten an den Traditionen des großen Münigs Friedrich, wenn auch Herr Stöcker ſich geſtern wir ibm identifizirt es wird feſthalten an dem ewigen Grundſatz, day die Menſchenliebe, die To— leranz, die Humanität die Pieiler nd, auf denen ein Staatsweien für die Dauer ficher vuben famı. ilnd Diele Grundlage wollen wir erhalten willen, und wir werden alle derartigen antiſemitichen Hetze⸗ reien a liminé“ zurückweiſen. «Bravo! links. Ziſchen rechts.)

Kultusminiſter Dr. 9. Goßler: Meine Herren, ich mußs meine Rede mit der Bitte um Entſchuldigung beginnen daß ich Me Erwederung auf Die eben gehörten Worte mit derielben Obiektirität uud Rube ertheile. wie ich es geſtern zu thum vertucbt habe, wie ich überhaurteun Sachen meines MReſſorts. wenn es irgend wöglich Hr. obletures Handeln u meiner Gewohnheit mache. Richt daß ich die Fährgtei: nicht beiäße, in ähnlicher Weiſe zu ſprechen, wie wir eben gehör: haben. Ich kann verſichern, als ich ſelbſit noch im Parlament war war es mir jehr viel beauemer. mit einer gewüſen leidenichaitlaben Verrenun De Distuiſion emzutreten. als mir dieſes Mar ton zzurückkaltüung und Beichräntung auizuerlegen: das ich, glaube ich gerade als Unterriismuniter zu Der wahren verpvilichtet bin.

Wenn der Herr Abgeordnete Nicder: ieine Mess Dam bar. day er iemer Verwunder: ab wie uweiſen önnen, daß er ur S:öcker ar etner Weiſe auigeiaßt zabe, Io dari nn daran ermrern Arui aiſtnrg Dev: harien und ichrotien Werie or: nach Herru Zrößer

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habe Ihnen geſtern gejagt: man kann der Auffaſſing huldigen, unter Umſtänden wünſchenswerth iſt, ſelbſt in den höheren

eine konfeſſionelle Sonderung der Schliler eintreten zu laſſen ich he be

aber gleich hinzugefügt: geſetzlich liegt es ſo, der Herr Abgeordnete Rickert bat die richtige Stelle heute vorgeführt. Ich habe dann auch gelagt, daß eben der Raum und die Fülle dev Kinder maßgebend iſt für die Konſtruktion unſerer höheren Schulen. Es iſt unmöglich, beis tvielsweiie bier in Berlin zwei fatholiiche Gmnnaſien einzurichten und die Kinder vielleicht zu ywoingen, im Durdjjehmitt einen Weg von 10 Rilometer dahin zurückzulegen. Man muß mit den gegebenen That— ſachen rechnen. Es liegen ſa auch noch andere Geſichtspunkte vor; ich babe das nur jo eingeſtreut. Alto nach dieſer Richtung bar der Herr Abgeordnete vieles geſehen, was eben nicht da iſt. Ich kann mich auch gar nicht darauf einlaſſen, hier vor dem Hauſe und dem preuziſchen Volke zu erklären, wie ich über eine Reihe von Fragen denke, die hier vorgekommen ſind; ich bin weder Zenit noch Antiſemit: die Königliche Staatsregiernng iſt es. ſo viel ich weiß, auch nicht. Ich habe mich niemals in dieſe Streitigkeiten eingemiſcht, werde es auch nicht thun; aber ich darf mir doch das Recht aumaßen, bei Sachen, welche meine Unterrichtsverwaltung betreffen, in einer tlaren, möglichit allgemein verständlichen Weiſe mich auszudrücken. Sehr richtig! vecdts.)

Nun jagt Herr Midert, Herr Metzler ber wieder Alles über den Haufen gewoöorſen. Ich babe mein Sienogramm nicht durchgeleſen, ich forrinive es auch nicht, weil ich feine zzeit dazu habe; ich babe mehr Geſchäfte noch außerdem wahrzunehmen: ich habe ausdrücklich geiagt: in Frankfurt if das Zchulmeien der jidiichen Bevölkerung gegenüber fonfeifiwnell getheilt: aber ich weis wohl. daß Dies nicht durchweg der Fall iſt: ich alaube, das babe ich ganz deutlich geſagt. Nun war cv mir ja sehr wohl befanmt. daß die eigentlichen Gmnnaſien wicht kon— jeſſionell getheilt Id, wohl aber it das höhere Schulweſen in Frank— jurt a. DM. -— ich will einmal sagen - zu Gunſten der \denichait fonfeittenell in anderer Beziehumg getheili. Wir haben dort ſogenannte Realſchulen, wir baben m Frantfurt eine Mealichele. welche Die ijrae— Liriiche Meligionsgeiellichaftt unterhäli, in welcher um Januar 1883 184 Schüler waren und zwar waren dieſelben iämmtlich dieier Religions— genieinichait angehörig. In Der Vorſchultlaiſe waren iämmtliche 86 Schüler ebenfalls der jüdiſchen Gemeinichait angehörig. Darm vr Dort eine Realichule der ürgelitiſchen Gemeinde. welche 335 Schüler hatte und davon waren 329 Juden: chört!“ in der Vorſchule 149 Schüler. davon 195 Juden. Es geht alle in Frantiare wie wir Sehen, ſo wer, daß Die Juden unter ſich nach Maßgabe ihrer veimiöten GGrund— iätze geichieden ſind, und wenn es Die Juden in Frant'iurt jertig bringen. ſich unter einander zu icheiden, jo braucht man Sich nicht au verwundern, wenn unter Umſtänden Sich einmal die Ebriſiten Iheiden wollen von den Juden. Webhaſter Berrall verbta.

Unter den höheren Anſtalten m Franutfurt a. Mi. st die Wöhlerſche als dieiemge bekannt Be am mepten von Juden bericht wird. es fir ein Realgyennaſium, wo ſich 107 Juden mier cnva don Zchüleri bes fanden. md auf dent damals allein beitehenden Humannnichen Gun- naſium waren 1334 jüdüche Zebitler. Ich erkenne alle an, daß in den eigentlichen Gmmnaiien eine konieſſionelle oder veligtöie Zonderung nicht

geichritten. Ich nlaube mid; zu entſinnen, daß da ficben inmden erma gegeben wurden. Das geht eben nicht; es m | liche Arbeit md mas die Religionsgejellichaften ertra neben, ei maßen den Anforderungen ber Schule anpajjen. .

Ich kann, meine Herren, damit schließen. ch kann mid) möglich auf den Standpunkt ftellen, dar id; mich auf das große gemeine politiiche Gebiet hinaufdrängen laſſe; aber ich glaube, jobiel geht hevvor, id) Fünnte ja noch mehr Material beibringen die Unterrichtöverwaltung ein großes praftiiches Intereſſe hat, bi ragen zu verfolgen, und daß unter Umftänden aud,) Wünſche eis ftchen, die Darauf gerichtet find, wie gewiſſe Unguträglichkeiten leichter” vermieden werden fünnten. Bor einigen Jahren fam eine Deputation der hieſigen altgläubigen Mabbiner zu mir und verlangte von min, ich tolfte ein schriftliches Abinwienteneramen verlegen. Ich bin in diejea Dingen ſehr gefällig, meine Herren, ganz egal, welder Ronfeſſion die : Herren angehören. Ich schrieb ſaſort an das Provinzialfollegium mit eigener Hand, vb es aud) möglich wäre, ich glaube, es waren fünf oder ſechs jiidiiche Abiturienten im Frage eine Verlegung eintreren zu lajien. Das betreffende Provinzialſchulkollegium reichte jojort Den Reiieplan des Schulraths ein, es ergab ſich daraus, daß es unmöglich war, den Termin zu verlegen. Darauf erflärten damı die Rabbiner, dann wiirden die Schüler eben iruſtriren. Ich Tante, das thüte mir tehr leid, dann würden fie das Examen nicht machen können und nad) ts Jahr warten. Darauf haben die Abiturienten neichrieben und haben das Eramen gemacht. (Dörr! bört! rechts.)

Ich will nur sagen: es ſtoßen ſich im Raum die Sachen. Ich bin in Ddieiem Fall darüber hinweggekommen. Dieſe altgläubigen Rabbiner haben mir ja auch dabei geholfen. Aber denken Sie fich in die Yage eines Lehrerkollegiums und eines Tiveltors: amd es treten nun, wie die Praris zeigt, fortwährend neue Anorderungen bevan. Dann wirt eme gewiſſe Unruhe in einer tolden Anſtalt em, welche ich fir die Eriüllung dev Aufgabe eines ergiebigen Unterrichtsbetriebes unerwünſcht balte. Leider kann ich nur Tagen: ich Nude die Sachen. und ſuche in einsehen Fällen, ijoweit es geht, Ordnung u Ichaffen. Aber ich tann mich unmöglich auf den Standpuntt Ttellen. daß id) Semiten vder Antiſemiten unterſtütze, oder ich mut Retrimmationen auf— trete, für welche für De Rönigliche Staatsregierung gar tem Intereſie und gar keine Röthigung vorliegt. (Bravo! rechts.

Abgeordueter Stöcker: Ich widerſtehe dev Verinchung ebenio wie geiteru, dieſe Frage auf das allgemeine Gebiet zu erren Wenn ich weitergeſührt wurde, als ich wollte, To verdautt das Dans. ab Das Audentbum. Dielen Gang der Sache jedtgleh Den Herren Rnörcke und ! Rickert. ehr richtig! rechts Die im übertriebener und von temerle Ber: Hand; zerigender Wehe rein aus agitator:ichen Mürichten Me Dinge un ihrer Weiſe vorgebracht baben. Sehr richtig! rechts.“ Ich muß aber einiges richtg ſtellen, was geiagt wi.

Herr Nickert Sagt. day; wir Den eriten Tag einer neuen Periode im unſeren Regierungsverhältniſſen dazu benutzen, um von der \uden«

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genoſſen nie eine größere Unwahrheit jagen bei einer ähnlichen Sache, wie ih bei diejer! «Beifall vechta.)

Nm, der Hexentanz ums goldene Kalb! (Zuruf des Abgeordneten Ridert.) -- Herr Rickert, ich babe damals die Namen der betreffenden Herren genannt, ich habe die volle Zahl genannt. a, id) habe mic) lange dagegen geſträubt, aber ich habe tie zuletzt auf dem Tiid) des Dauies niedergelegt, to daß fie jeder leien Forte, - - Zuruf links ja, ich habe die volle Zahl genannt! Aber das verstehen die Herren eben nicht, daß man aus Rückſicht periönliche Angrifte hier nicht machen will. In der Sache babe ich nichts verichen, Herr Rickert.

Was aber ein Gerichtshof Für wahr annimmt, dafür kann ich nicht. Denten Sie mw an den Torigenden dietes Gerichtshofes, dev den Prozeß Bäder leitete: erfumdigen Zie ih, wie man in Juriſtenkreiſen die Verhandlungen dieſes Präſidenten nannte. Ich will cs Ihnen nachher im Vertrauen ſagen. Vergleichen Sie das erſte Erkenntniß mit dem zweiten, wie da die Thatiachen verändert ſind: bemerken Sie, wie auch im zweiten Erkenntniß noch cine game Menge von Sachen aufgeführt waren, die der Wahrheit nicht entſprechen. Damit können Zie ſich wahrhaftig nicht hinſtellen und verſuchen, meinen Ruf anzıtaiten. Wenn Sie nichts Berferes wiiſen. werden Sie weder nich. noch irgend einen memer erde beimrubigen. Yallın Sie end: lich das Weichäft. vs kommt nichts Daber heraus. Es bar mir in den zchn Jahren nichts geichade: auch heute wird es mir nichts ſchaden. Jeder Menich wer; Das man der Preiſe aut Ihrer Zeite, vieliach auch den Aeußerungen das Mar der Wahrbeit nicht beimeſſen fan. das im Öffentlichen Yeben nörtzg it. u: Jemand u beglaubigen.

In der Zeche ielbit babe dh nichts hinkun Sachuch wi von jener Zelte nichts —— et. Alles. was ab geiag: babe, iſt durchaus beĩtäti richlan_ den ich gemzent habe. sr als möglich aner! aui jener das rechte Men der Er— teuntzuß m radage ngen nicht zur handen W fh tann

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ich nicht. Ich bi i A te ER ii iich mb handelt san ra waron dev Juden : tendern am Emanzivation der Criten ven Dim Jud ur reden werde ich mir dinch teine Bar! sverrand!ung ein Du be:

reten Aalen,

Kin eigenes Urteil über Stöders polirifche und Firdhen- politifhe Wirffamfeit ermöglichen feine VDeröffentlihungen:

J. Ebriftlich-Sosial. Geb. M. 4,—. 2. Wach auf, evangeliſches Volk! Geb. M.4,—. 3. Dreizehn Jahre Hofprediger und Politiker. 17.—,50.

+. Deutfche Evangelifcdye Rirchenzeirung. Wochenſchrift viertelj. M. 2,50.

Sämmtlid im Verlage der Buchhandlung der Berliner Stadrmiffion.

Mofl, ber mütende fozialiftiige Agitator und Reihätagsabgesrbneie, fagte: „Leit nur bie Bibel vorausgeſetzt, daß ihr den Etel überwindet, ber euch ergreifen muß, wenn ihr das infamfte aller Schanbbüder auf: ſchlagt und ihr könnt bald merken, baf ber Gott, ben man ba euch aufſchwatzt, ein millionenföpfiger, feuerfpeienber, radef$nauben: ber wüjter Drade iſt.“

Hafenclever erklärte: „Wenn für unſere Beftrebungen Nuten bar- aus entjtünde, würden mir getroft bie Hanb be& Teufels annehmen,“

Bebel bekannte offen: „Wir erfireben auf politiichem Gebiete Die Republit, auf bem dfonomijdhen Gebicte den Sozialismus, und auf bem, was man heute bas religiöfe Gebiet nennt, den Atheismus“ (Gotiröleug- nung, Gotilofigfeit).

Us öfterreihifhe Arbeiter in ber „Vollsftimme“ erflärten, fie wollten „für bie rubige Kortentwidelung des Staatölebens wirken“, nannte bas ber „Volls ſtaat“ „offenen Verrat an der Sache der Arbeiter,“

Der fozialbemokratifche Kongreß in Eiſenach wurde geidloffen mit den Worten: „Wir find entichloffen bie golbenen Früchte zu genießen und die Schlange zu verſcheuchen. Sollte das nicht gelingen auf gütlichem Wege, wohlan, dann find wir als Männer, die vor der That nicht zurüd: beben, bereit den alten Baum zu fällen, und an feiner Stelle einen neuen kräftigen Baum erftehen zu laſſen.“

Furchtbarer no klingt es in Form der Dichtung. Der „Brauns ſchweiger Volksfreund“ ſchrieb 1872: „3a, ja mein Freundchen Bourgeois (Bürger), Daß Unheil ift die immer nah. Du dauerft mid, du armer Wiät, Auch fiehft du ein, 's iſt unfere Pflicht, Um Beltverfhönerung zu feh'n Und nad Laternenfhmudf zu Ipäh'n.“

Am Proletarierliederbug finden wir „Der Menſchheit Kriegsgeſang“ nad) bee Melodie: „Ein feite Burg“: „Bei feht, bie Throne fallen ein, Die heil’gen Stühle zittern! Nun, brave Männer, drauf und brein!“

4. Stadtmiffion und Politik. Weil wir nun einmal bet dem Miber- fprud find, im ben fi Stöder mit den Thatſachen gefegt haben ſoll, fo mollen wir Bebel zu Hilfe fommen, und ihn an noch einen ſolchen Wiber- ſpruch erinnern, mit dem fogar ein Gerichtshof (1885) Stöder hat belaften mollen,

Stöder Hatte auf einer Berliner PaftoralsKonferenz die Mitteilung gemacht, daß es einem Stadtmiſſionar gelungen fei, in einer (oder einigen?) Familie das „Berliner Tageblatt“ durd den „Reichsboten“ zu verdrängen. Daraufhin Hatte Profeffor Beyfhlag Stöder den Vorwurf gemacht, baß er Politik mit Religion verquide, indem er feinerjeitS durch Die für bie innere Miffion thätigen Boten das Parteiblatt, den „Reichsboten“ folportieren liege. (Übrigens ein merkwürdiger Vorwurf nad) dem, was Beyſchlag über die jüdiſche Prefje gejagt hat; ſ. S. 12.) Stöder hat dieſe Thatſache in Abrede geftellt, Der Präfident des Gerichtshofs (1885) aber behauptete als von Stöder zugegeben: „1. daß allerdings ein Bote der inneren Mijfion das ‚Tageblatt‘ aus einem Haufe entfernt, und dafür ben ‚Reichsboten‘ hineingeſchoben hat, und 2. daß er die Boten der inneren Miffion beauftragt und angemiefen, nichts anderes zu thun, als bie Betreibung der inneren Miffion. Wenn num der Zeuge Stöder zugiebt, daß einer feiner Boten nicht bloß die innere Miffion, jondern Kolportage in der Form der erwähnten Journal-Unterfchtebung betrieben, jo war es einerſeits feine Aufgabe, biefem Verfahren entgegenzutreten und anberers feits befand er ſich nad) der Auffaſſung des Gerichtähofes mit feiner Bes bauptung, daß jenes in feinem Auftrage nicht geichehen fei, Halb und Halb (!) mit ben ermittelten Thatfahen im Widerſpruch.“

Dian kann ohne meitereß daraus fehen, daß ber Gerichtshof von bem Betrieb der Stabtmiffion feine Ahnung gehabt hat. Für die Kundigen war es nicht nötig, für die Döswilligen vergeblich, aber für den nicht Heinen Kreis der unmifjenden, aber doch der Belehrung nod zugänglichen Leute immerhin gut, daß der Vorftand der Berliner Stabtmiffion jhon am 19. November 1881 eine Erklärung erlaffen hatte: „In ber politifchen unb kirchlichen Prefje, ſowie auf den Provinzial-Synoden der Provinzen Brandenburg und Preußen ift neuerlih die Berliner Stabtmiffion der Gegenſtand mannigfacher Mißverftändniffe geweſen. Es ift ihr der Vor— murf gemacht, daß fie der Politik dienftbar gemacht werde; insbefondere ift Herrn Hofprebiger Stöder, dem Vorſitzenden bes Komitees der Berliner Stabtmiffion, nahgefagt, daß er durch die Stadtmijfionare den ‚Reichs— boten‘ habe vertreiben laſſen.

Tg

chen, feiner Wgitatise ja entfagem, er Hätte Bad

feiner e Amen wegen feine Anſichten nit aufgeben follen!” BWahrgaftig es if zum Baden! Stöder Hat bu jeim unbeugfameb Eintreten für feine Übergeugumg fit bie Feindihaft unb bem Haß der Halden Welt zugezogen, er bat aus bemielhen Grunde fi alle Ansfigten auf eine glänzende Laufbahn im offiziellen Kirhendienft zerflört. Unb dann ſagt man, er habe um einer fetten Pfründe willen jeine Un- fichten geopfert.

Singer Bat firmer aelagt: „Über feine fpätere Ent: lajfung erzählt man ji aud jehr erbauliche Dinge Es war eine zw jchr auf bie Spike gefricbene Imtimität gegen jeher babe Beriomen, die ba oben jehr mißlichig bemertt murbe.” Ginger beuiet ſchon felber an, daß bas weiter michts ift als ber im ber Reichshauptſtadt reihlih vorhandene und immer men ſich erzeugende laſch

Etwas von biefem Klatſch aus bem Fahre 1858, ber freilich mide harmloſen Uriprungs if, erzahlt Stöder ſelbſt.)

„IH füge noch Hinzu, daß ber Artikel bes ‚Figaro‘ vom umjerer Kaiferin ſchrieb, fie bürfe kein Buch lefen, das ich ihr nit erlaube. Bon mir ſchrieb damals bie Fortfcgrittäpreffe die plumpe Lüge, ich hätte Ihre Majeftät die Kaiferin meine liebe Freundin genannt unb mir bie Rolle als guter Onkel ber Faiferlihen Kinder angemaßt.

„Damit die Lejer einmal erfahren, wie jolde Lügen gemadt werben, will ih von dem Urfprung bes thörichten Geſchwätzes berichten. Ich war in Oftpreußen zu einem Stabtmiffionsfeft und nannte Ihre Majeftät die Kaiferin eine Freundin ber firhlihen Arbeit und ber Berliner Stabt: miffion. Nah einigen Wochen wurde mir ein Fortſchrittsblatt von dort zugeſchickt, das jene Verbrehung enthielt. Die Sache war fo kindiſch, daß ih felbfiverftänbli eine Berichtigung unterließ. IH Tonnte nicht denken, daß irgend ein vernünftiger Menſch die Lüge glauben würde, Was die Beziehung zu ben kaiſerlichen Prinzen betrifft, fo verhält fi das folgendermaßen. Ih hatte in Schmaltalden eine Rede gehalten. Jtgend einer flug dann vor, nad dem nahegelegenen Oberhof zu fahren, wo die Prinzen ihre Sommerfrifhe hielten. Died geſchah, und als ein höflicher Menſch machte ih dem anweſenden Hofmarſchall wie ber Hofbame meinen Beſuch. Zufällig fah ich dabei zwei ber Prinzen. Mit biefer Thatſache vergleihe man bie Entſtellung ber Fortfchrittspreffe und man

!) Dreizehn Jahre ıc. S. 22f.

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Gebiet der Öffentlichkeit, auch im wirtſchaftlichen und politifhen Leben zu: vollbringen bat, dann wirb auch Stöder die Ehre wiberfahren, bie ihm gebührt: Die Anerkennung, ber ofi einfame, aber troß. aller Anfehtungen in Treue gegen feinen Heiland bewährte Vorkämpfer bafür gemefen zu fein.

Und wer biefe Blätter zu Ende gelefen und mit uns bie Überzeugung, gewonnen bat, daß Abolf Stöder bisher feine Ehre unbefledt erhalten Hat, ber helfe mit, daß auch anbere dies Urteil fi) aneignen.

Dann wird über ben Reichstagsverhandlungen vom %. März 1901 die Inſchrift Teuchten: „Ihr gebachtet es böfe zu machen, aber Gott ge— dachte es gut zu machen.“

Drud von Hereof6 & Biemfen in Wiktenderg. m

LETTRE PUBLIQUE

A L’ADRESSE DE M. STOECKER.

Vouloir guerir M. Stoecker de son antisemitisme estunetäche aussi ingrate que de tenter de blanchir la tete d’un negre ! Aussi cette lettre ne tend-elle pas à opérer ce miracle.

Elle se propose modestement d'etablir quelques points de verite. Le triomphe de certaines de vos manoeuvres, M. Stoecker, pourrait vous faire oublier que ces attaques contre les faibles et ces persecutions contre des innocents, sont autant de crimes. Peut-&tre m&me prendrez-vous la joie que vous ressentez de ces succ&s pour le bonheur qu’am£ne avec soi toute bonne action.

Quelle tristesse et aussi quelle humiliation pour toute conscience droite, de voir un homme de votre instruction et de votre rang se fourvoyer aussi mise- rablement. Une route s’ouvrait devant vous, dans laquelle semblaient vous pousser votre caract&re de pasteur et votre intelligence et tout honnete homme eüt aime à vous voir marcher......... et vousprenez sans hesiter le chemin diametralement

Devant une telle aberration, on se y.-ı _ douter et ä desesperer de Thomme. Aquc sert !’education ?

Quand le progr&es semble rendre !’homme à la lumiere. n’y a-t-il pas comme une fatalite myste- rieuse qui le repousse dans sa fangeet sestenebres ?

Que le loup dechire lagneau, son instinct I’y pousse. Ou’il veuille persuader en outre à l’agneau qu'il fait ceuvre pie, cela se comprend, Interrogez des forcgats, le bagne vous paraitra rempli d’hom- mes de bien. Mais quelle bonne raison vous don- neront les mangeurs de juifs? D’oü vient cette ferocite, cette rage à s'acharner sur leur proie ? Serait-ce par hasard d’un autre inter&t que de celui du ciel, d'une legere envie d’or ? Mais alors MM. les antis&mites ne persecuteraient dans les juifs que leurs propres defauts, ils ne hairaient en eux que des concurrents heureux. Les juifs auraient- ils excit€ la jalousie par leur soi-disant influence dans toutes les aflaires publiques et sociales ?

O ministre de l’eglise evangelique, le Christ n’etait jaloux que de sa mission, il ne connut ni honneurs, ni honoraires, il ne brigua jamais qu’un titre, celui d’ami de la verite et de la justice. D’ailleurs, serviteur du Dieu de verite, avouez que cette influence si vantee, n’existe, avec beaucoup d’autres belles choses, que dans votre fertile ima- gination. Et füt-elle reelle : elle serait legitime et certainement moins funeste au monde que la vötre. Elle ne pourrait &tre que le resultat du

Em dem m u m 2 mm. anatigue un mul me m ee que 3 Pur se Sure 24 jugement derer Ce zz iur de ws smuons, zms me sur les ms mi les pruduisent_ = allem meinmemant Tan et Fautıe, mus aller sppemte a me de votre condaite, je vertahle moiule de wes mission Äımıne Ermmutez et et amender vous |

Vous zvez #x£ dlewe dans zne &oole ou le som de juif et de Cain out symomimes. On mus ya enseigrd que les juis sont des etres charwes de maleiictionm qui, depuis que le christianisme s’est galatitse judaisze. Do2ı mus aemira Texis- tencæ. Mais ıa Bibie Hsız UT Jue ie juirn Deni de Dieu, meme daasie chaümenT ne sera jamais abandonne. fJer.xıvi, 23, Sam.xır, 22.Ps.xcıv, 1234). D’oü vient cette enntradiction ? Deja un doute se glıas: dans votre creur, un doute qui se chanrera pour vous en une certitude poignante. Le juif, sana (roit ala vie, vit pourtant. Bien plus. jamais on n'observa pareille vitalite ni dans aucun climat, ni dans aucun pays. Quelle cause a ce phenomene? Iyoü vient cette exhuberance de qualites physi-

Lese ne 2 x ennemis des juifs. (Isafe xLıx 22 ; 23; Jeremie ırı ; Esth, vır 10, etc.)

En continuant votre examen de conscience, et en fouillant jusqu’au dernier repli de votre caur, vous trouverez une autre cause de votre haine du juif, et cette decouverte vous sera d’autant plus penible que vous souflrirez de vous l’avouer à vous- meme. Permettez que je vous dise franchement ce que vous craignez de lire en vous-möme, Quel depit, quel chagrin pour vous à l’idee, que tout ce que vous honorez, tout ce que vous vendrez, admirez, adorez, vous vient de cette race dont vous avez jur& la perte! O fureur, penser que sans elle vous ne seriez rien, un simple barbare, un mécréant paien, et que c'est d’elle que vous „vient votre foi et votre civilisation. Quel redou- blement de rage contre ceux qu'on hait, parce qu’on se trouve quelque motif de les venerer, eux, et leurs grands hommes, surtout quand ces grands hommes sont les patriarches, &ternels modeles de toute vertu, et leur posterite benie, puis les pro- phetes, heros sacr&s qui savaient €egalement bien mourir pour leur patrie terrestre et c&leste, et tous les grands noms de l’Evangile, Jesus en tete dont le seul sang juif faisait battre le coeur juif.

Ah! sile juif andanti, disparu avec toutes les preuves de son antique croyance, ne pouvait plus, aujourd’hui absolument comme autrefois du temps de ses prophetes, se glorifier de l’alliance de Dieu,

n’ayant pas de motif, elle n'a pas de remäde. Elle est la resultante de ces instincts pervers qui ont noms : orgueil, ingratitude, envie et jalousie.

L’antis&mitisme ne gu6rira pas plus que le negre blanchira. Ce changement psychologique parait aussi impossible que ce changement physique.

Ni les avertissements, ni les chätiments ne pu- rent detourner Pharaon de ses pers&cutions contre Isra@l. Pourquoi ses imitateurs, les antis&mites en general et M. Stoecker en particulier, preteraient- ils plus d’attention à la voix de la conscience ? (pas cette conscience &troite et mesquine de secta- teurs, mais la conscience large et impressionnable des gens que n’a pas encore infectes lamaladieä la mode, la haine des races.) Leur impunite dans le passe, les encouragements et les secours qu/ils semblent trouver dans le present, non seulement aupres des envieux ou dans les bas-fonds de la societe, mais encore aupres de fanatiques ou d’illu- mines appartenant aux classes superieures, tous ces triomphes apparents, leur ferment les yeux et endurecissent leurs coeurs. Ils n’ont ni le calme, ni le loisir necessaires pour rentrer en eux-me&mes par un examen de conscience serieux et attentif: leur aveuglement leur cache jusqu’au piege ils sont tombes. Aussi Pharaon n’a-t-il pu que mourir dans l’impenitence: Le vice tue le mechant. (Psaumes xxxıv, 22.) Car apres tout, reprend la conscience, 6 antis&mites, que reprochez-vous au juif? Quel est son crime, soit d’homme, soit de

patriote ? En quoi est-il inferieur à ses freres des autres croyances ?

Il est commercant, dites-vous, à qui la faute ? Et puis quel mal peut causeräun pays le developpe- ment de son commerce ? Le juif apporte-t-il moins de loyaut€ et d’honnetete dans ses transactions que le commergant non israelite ? La preuve en reste & faire et pour nous on ne le fera jamais. D’ailleurs à qui doit-on reprocher de voir le juif se jeter de preference dans la carriere du com- merce ? N’est-ce pas aux gouvernements, ou pour parler franc, à la societe chretienne, qui l'y a pouss& et l'y a maintenu impitoyablement pendant de longs siecles ? Il serait plaisant qu’apres avoir jete un homme à l’eau et l'y avoir maintenu, on lui fit un crime de s’etre mouill& ou d’avoir un peu appris & nager. D’ailleurs votreinconsequence et votre injustice ne lui Epargnent pas ce reproche me&me, s’il est cultivateur artisan et dans bien des pays il est l'un et l’autre.

Enfin s’il se destine aux carrieres liberales (et de- puis la creation des Ecoles des prophetes en Israel, les etudes y sont en grande faveur,) les criailleries antis&emitiques ne retentissent-elles pas cent fois plus fort ? Non, la faute est moins aux juifs qu’a vous, leurs persecuteurs presents et passes.

Convenez-en donc, theologiens tenebreux et fanatiques, Stoecker et consorts, la gratitude vous est un trop pesant fardcau ; la haine avec tous ses exces vous est bien plus legere. Antisemites de

haute et basse volee, le fanatisme religieux, la convoitise, l’envie et la jalousie nous expliquent toutes vos exceitations et vos pers&cutions.

Avez-vous au moins quelque conscience du but de vos sentiments et de vos actes ? Vous &tes-vous parfois demande ce que vous enviez, jalousez et convoitez si ardemment ? Le doute est permis. Les juifs sont-ils done tous riches et gorges de biens ? Il est ä peine necessaire de dire non, et la proportion entre riches et pauvres est la me&me chez les juifs que chez les non juifs. Mais supposons (supposition toute gratuite) que la balance penche legerement en leur faveur, l’acti- vite honnete, n’aurait-elle plus permission par hasard, de se deployer à son aise et de jouir paisiblement du fruit de son travail ? La pers&- verante poursuite d’un but social, le developpement naturel d'une force morale ou physique, la so- briete, l’&conomie, seront-ils proscrits et poursui- vis comme crimes ?

Le juif est-il jamais resté etranger dans son pays, & quelque manifestation de patriotisme ? N’accomplit-il pas consciencieusement ses devoirs d’homme et de citoyen ? Manque-t-il jamais de prendre partaux joies, aux triomphes et aux gloires de sa patrie? Ne contribue-t-il pas selon ses moyens à la grandeur et à la puissance de son pays ? Dans les mauvais jours ne souffre-t-il pas lui aussi du malheur commun, des peines, des angoisses et des humiliations ? quelle manifestation nationale le

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trouva jamais froid ou indifferent ? A-t-il jamais refuse son obole A l’infortune ou à la mis£re pri- vee ou publique ?

On ne nie rien de tout cela, on ne le peut pas. Mais il est de toute necessite de trouverdes defauts aux juifs. Alors on croit avoir trouve dans son patriotisme, le defaut de sa cuirasse, patriotisme d’un nouveau genre. On croit observer qu’il ne s'identifie pas avec la nation dans toutes les mani- festations de sa vie sociale, qu’il ne s’absorbe pas entierement dans l’äme du peuple ; et, comme comble de crime, on lui reproche son amour des siens et de sa race, et encore sa croyance indera- cinable à un ideal, son Messie et son Jerusalem, croyance qui n’est autre que l’attente d’un etat de grande perfection morale dans la societe, l’arrivee d’une Ere de paix generale et de progres universel.

Ce reproche pourrait paraitre fondé, si par le mot peuple on entendait non l’ensemble de toutes les parties qui le composent, mais l’unit€ d’ordi- naire la plus remuante.

Mais envisages serieusement, ces reproches ont- ils quelque apparence de justesse ? Pour &tre pa- triote est-il necessaire de s’absorber dans lanation, d’accepter sans discussions toutes les idees de la majorite, d’en approuver jusqu’aux écarts, jus- qu’aux erreurs et defauts ? Mais & ce compte-lä on ne trouverait pas de patriotisme dans n’importe quel parti politique ou religieux, et tous merite- raient de disparaitre sans retard. Avec l’association

haut la pire tyrannie et en bas le sk dissolvant

communisme, La barbarie reviendrait au galop, voire möme la sauvagerie.

Catholiques, rallumez les büchers de I’Inquisi- tion, protestants, revenez sans tarder ä la barbarie des iconoclastes, orthodoxes grecs, reprenez sans hesiter vos sublimes persecutions du moyen äge. Conservateurs et liberaux, qu’attendez vous, allons sus les uns aux autres, progressistes et radicaux, pas de pitie, devorez-vous !

Poetes et artistes, pour vous surtout voilä la derniere heure. La societ@€ moderne n’a plus de place pour vous. Arriere | vous qui osez encore croire A lideal, qui l’encensez, quile prönez et cherchez ä saisir par quelque endroit cet insaisis- sable Protee.

Erreur ou verite, vice ou vertu, personne ne pourra plus choisir entre les deux. Humble indi- vidu d’une grande nationalite, l’idee qui domine en elle doit &tre la vötre. Ses mœurs seront vos mozurs, ses travers vos travers et ses vices les vötres, sous peine d’etre coupable de crime de lese-nation. Le peuple hante le cabaret, donc per- sonne ne restera sobre; tu fais partie du peuple et tu te saouleras avec lui, et quand il insultera, que ta voix hurle avec la sienne !

Ici on se borne à hausser les &paules. L’histoire nous montre des progres, en toutes choses, long-

Mais court sera votre : triomphe IE. j 11 pourrez voir, et ce sera votre rege * mal que vous aurez seme, germer pour eux en moisson de benedictions. M&me amoindris en apparence vous les trouverez toujours grandis en force morale.

L’histoire du peuple juif nous montre en maint endroit que la Providence choisit des voies myste- · rieuses pour amener son peuple ä la grande e sainte mission quelle lui a confiee, suivant la parole de Moise et des prophetes,

Linstrument du mal sera andanti, voue aux maledictionsfutures, mais l’euvre dela Providence rayonnera jusque dans l'eternite pour la gloire de

Dieu et le bonheur des peuples.

Imp, Vre Michel Van Dantzig, à Bruxelles,

Der

Apofel Stöcker, feine Jünger

and

der deutfhe Kürgerkrieg.

Ein Beitrag zur Entwickelungsgeſchichte der antifemitifden Bewegung.

Verlin 1881. Stußbr'ide Buchhandlung.

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14

Ser Stöcker wollte allerdings weder von der Yiga noch von der Unterzeichnung der Petition etwas willen: aber «> wurde ihm nachgewicien, daß er mit feinem Namen für die Be: itrebungen der Peienten cingetreien sei. Zein Gedächtniß wer in dem Angenblid, als ev im Abgeordnetenhauie bei einer G. legenheit wegen Unterzeichnung der Petition interpeflirt wird. doppelt ſchwach geworden. Gr hatie vergejlen, daß er die Pe— tition unterſchrieben und was für emen Geiftlichen vir. schlimmer it, das achte Gebot: „Du jollit nicht lügen.”

Dieſe grobe Unmwahrbeit, bei welcher der Hoiprediger ertavpt wurde, war richt die erſte, Die er geiprochen. Zeine Anhänge: hätten, wenn fie denken konnten oder wollten, ſich tagen müiſer, daß ein Geiitlicher, ielbſt als pelitiicher Agitator, viel penible: mit der Wahrbeit nugehen muß, als andere Menichen. Aber die blinde und taube Menge zeigte Fich über derartige Sins erhaben.

Nach wie vor jauchzte fie in den Briammlungen Dual of. zu, und kein Menich durite wagen, br lern. San dennoch Jemand, der ſich von Seiner beſtrifenden Med Wr micht Fangen Fick. Den Muh, gegen th aufzurreten. dann erx gar baid ven den wackeren Mannen entweder mundtad: Jemacht, var mit träitigen Jänſten als guter Ehriit unte: der "nf „Jude wei" in's Freice Dfärdern Nah Selen zwiichen item prlexie man Me Veriſammtung, nachdem üch der aclegt, zu ichneßen. nud in wiider Beubtrima riente so YO .Dentichlaud, Teutichland uber Aites!

u den Veriammlungen und it andere:: war Seid erierderlich und wie die writeren gannen, wurde ein Eintriusgeld erheven neren den Unteritützungen md Zuichiien die von Dekan.

und unbekannter Seite yuflofer, recht beirächtluh angerwadit °

7

feat mußte, denn Me Agitaten: wurde Tanner zreütennur: Ute.

Stöcker und Heurie: giugen aui Wellen: Giterer Shih! nachdem cv die Brandiacke! unter Me Studenten der Barkreı Univerfität geworfen, ander Univerfiteiditadte. i dentiche Jugend Fir ſich zu gewimien am cd

Vorgänge, immer größer wurde die Gefahr für die Ortſchaften ielbft. Die Negierung erlich endlich eine Verfügung, daß Polizei und Gendarmerie im Verein mit den Schliengilden vorfommende Nevolten unterdrücken jollten. in Stettin mußte ſogar das Militär in Waffen treten und einichreiten: hier und dort jedoch richtete fih die Wuth des Pöbels gegen Diejenigen, welche den Beiehl hatten, Nude und Ordnung wieder herzuftellen, ein Br weiß für die anferordentliche Gefahr, welche die revolutivnäre Bewequng in fi birgt.

Der jo ansgebrochene Nrieg im eigenen Vaterlaude fand nicht einmal durch dieſe Vorkehrungen feinen Abſchluß. iondern der Ver- kehr der Bürger untereinander wurde erit daun wieder etır ficherer, als die Rädelsiührer in's Gefängniß geſteckt waren.

Die Verheißungen der Volksbeglücker batten ſich ſchlecht er: iüllt. Auſtatt Heil war großes Unglück über die Veriührten getomnien: He wurden ihren Familien entrüfen, Die, von Not und Elend beimaeincht, baut ibre im Kerker befindlichen Ernährer defaaen und die Veriührer derielben verdammen!

Die Unterſuchung gegen die Verirrten ſchwebt noch, arer Die welche Die Verirrung erzeugt, nd nicht nur nicht demſelben G id veriallen, Tondern ſie treiben ihr geſährliches Gewerbe in dev Reſidenz noch inmmer fort.

Aus Pommern nd Die revoritionären Reiſeprediger veriagit worden. Wollie Ah cm Henrici, Stöcker, Föriter over Viebermann dert medigirer, fie würden undedingt. wenn Tre nicht irciwillig vom Schauplatz abıräten, an: den Schub gebrach: werden.

Tagegen bat Förſter jüugſt in einer in Berlin gebaltenen RNede wieder Unerhörtes geleiſtet: ev hat fen Groul, weil er fir ſein unpaſſendes Betragen gegen einen Nude vüentlich m einem Pierdebahnwagen md fir die Stockhiebe, welche er don emem urdeutichen Geſinnungsgenoſſen empiangen, den Abrichied als Oifizier nehmen mußte, io recht Yırft gemacht. Und am feiner Brandrede Die rechte Würze zu verleiben, erllarte er am einer Stelle, daß dir Reichskanzler der eifrigite Alnarfemit Ser. - Mau darf wohlenwarten, Daß Towohl der Reichskanzler gegen Herrn Körfter wegen dieier kühnen Behauntung den Straiantrag

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durchaus nicht für rein halten kann, wenn er fich auch nicht direkt an die Tete von Revolutionären jtellt und ihnen ver: nehmlich Fommandirt: „Plündert und vanbt und jchlagt die Auden todt!“

Für die Reinheit des Stöcker' ſchen Gewiſſens find aud) noch andere Beweiſe als die Vorgänge in Pommern vorhanden. (Fine treffliche Illuſtration liefert ein Brief, welchen ein Herr Sillner aus Schrimm an Stöder, an feinen Verführer, wie v ihn ausdrücklich nennt, gerichtet hat. Derſelbe lautet;

„Shrimm, 25. Anguit. Herr Hofprediger Stüder!

Durch Ihre Brandreden gegen die Juden habe auch ich mid) verleiten lajjen, Erzeſſe gegen die jüdiichen Einwohner Schrimms, mit denen ich ftets im beiten Einvernehmen gelebt, zu begeben! Tas Ende vom Yiede war, dat ich ein Jahr drei Monate drei Tage ins VYoch mußte und mein Ani, welches ich pwanzig Sabre inne hatte, verlor und meine Franfe Ayan währen? meiner Sant mit Notb und Elend kämpfen mußte!

Tpihon Zie mich bricilich vorher mit den Worten: „Muthig vmwärts! Wir kämpien für eine gute Zache!” augeiruert deantworteten Zie meinen Hilierui aus dem Geiäugniß mir den jibungsdollen Werten: „Verlaſſen Sie ih auf Gott!" Dazu gebrauche ich Sie nicht, das habe ih Herz, auch obne Jören Rath gethan!

So wird es ach den Begenauern, Reuſfteunern, Schive zelnen, welche nuter Hochrnien auf „Stöcher und Nonorten' die abichenlichen Erzeſie gegen Die Inden unternahmen, ergeben! Tieie von Ihnen auigewiegelten, TDummen“ müſien wegen Yand iriedensbruchs er. ins Gefängniß, and Frauen und Kinder müſſen netteln geben!

Sie werden ſich um dieiſe armen Opier nicht lümmern. id) in« Fäuſtchen lachen und sagen: „Ter we heiligt Die Mittel!“ Denn was Ihr unſinniges Treiben bezweckt, das durchichauen wir Liberale längſt! Sie wiiien ganz aut. daß ir gerade die Hauptſtütze amter den intelligenten Juden fir unteren Liberalismus baben!

Mir Rückſicht darani, daß Zie mich und meine grau,

an

noflten die anmwefenden Arbeiter nicht nur nicht begreifen, jondern fie erflärten diefelben fogar für Thrafen und Blech. Dieſer unbegründete Vorwurf ergrimmte Herrn Ruppel gemaltig. Erregt und grollend bejtieg er noch einmal bie Rebnertribüne und donnerte mit lauter Stimme in den Zaal: „Meine Herren,

Sie fagen, ich hätte Phraſen gemadt, geben Sie mir die Macht und Sie werden Ihaten fehen.* Tiefem gewaltigen Rathos folgte eine mächtige Heiterkeit. Herr Rupnel hatte

in feiner Erregung bei dieiem bedeutungsvollen Ausinruch ſich unbedingt geirrt: er verwedjielte, da dic Entgegnung in feinem Manuifript nicht vermerkt war, die Begriffe „Macht und Geld“, denn Geld ipielt bei ihm, den Antifemiten, die Hauptrolle. Das weiß jein Hergog und einige weniger mächtige Gelbmänner ber Partei.

Die folgenden und neueſten Kandidaten = Vorleiungen des Seren Ruppel haben einen jo überwältigen humoriſtiſchen Gin- druck auf die anweſenden Wähler gemadt, dab dem Randidaten

der glänzendite Turchiall gefichert war. Ruppel it in der neuciten Zeit nun Telbit zu dieſer Ueberzeugung ac fommen und bat feine Randidatur, um eine Stimmen

jerfplitterung zu verhiten, zu Guniten der konierrativen Kandidatur niedergelegt.

Ter zweite, Tr. Henrici, cin Mann ven tiefer Einiicht und iehr klarem --- -WBeritande bat noch rechtzeitig die Situation in Berlin erfannt. In einer feiner Kandidaten: Reden hat er zum Troit für die Yiberalen die feierliche Erklärung abgegeben. daß er feinen Kopi aufd Sviel fege, gerade um dieien KRort würden Phyſiologen ftreiten: wenn in Berlin ein Nonfervativer durch käme, ern müſſe er liberal fein. Henrict weiß alle. was ein Reichstags > Nandidar im aceigneten Monien: zu ibhun bat. Sat er Austicht als Konfervativer -- Denrict war nach feiner crjten Fortichrittlihen Wandlung ein ächt Ariitlicher Reaktionär

gemäblt zu werden, dann Ipricht er tonſervativ: verlangt Der Moment einen liberalen Mann, dann winß er mich Hen— rici unbedingt liberal fein, ja nam kann dann iogar in vielen Punkien mit der Sozialdemokraten übereimitimmen. Nach ſolchen Ausführungen wird Niemand mehr an dem flaren Tenkvermögen

nn. -

beiten und brapjien Seite kennen zu fernen. ($r zeigte ſich auch dankbar, indem er das ſchamloſe Treiben der Antifemiten ur- iprünglich auf das Schärfite tadelte. Plötzlich erfolate, da anch der „Halleſche Thorbote“ lebendfähiger werden ſollte, als cs bis dahin der Kalt, die Umwandlung der Nolda ſchen Sefinmung und feines Organs Beide wurden verbittert antiſemitiſch

jo recht aus innerer Meberzeugung. -- Ten größten Autheil an diefer Umwandlung hatte der Redaktenr des Blattes, Herr Waſinsky, ein Manu, der fo liberal und duldiam war, daß er itets mit der Fülle jeiner Geiſtes- uud Mörperkraft für den Liberalismus und gegen die antiſemitiſchen Umtriebe eintrat. Mit feinen geiftigen Vorzügen kämpfte er in feinem Plättchen, mit jeinen körperlihen war er am Bieriiſch itets bereit, jenen Widerfachern, wenn es nothmendig geweien, entgegenzutreten. Man wird fich fragen, wie dann eine ſolche Umwandlung mög lich iſt? Nun es giebt Biedermäuner, Die beit fo und moracı anders denken, die bet dem Liberalismus hiidigen nnd morgen der Reaktion uinbeln, ganz wie es Die Sitnation erheiſcht.

Ter „Halleſche Thorbote“ genügte den bochgebenden Plänen des Herrn Waftnstn nicht. ans dem Blättchen follte ent viel genanntes Blatt werden, ein Beſtreben Das ev von jeher ver tolate, das cr jedoch Durch Seiner Seittes Krait nicht verwirk lichen fonme. Ta kam ihm der Gedanke, eine große Semiten geltimma aus ſeinem Organ zu Schaffen. Hierzn fehlte ea wieder an Mitteln. Er beablichtigte. ſich an den jüdiſchen Rrediger Tr. Ungerleider yu wenden, der ibm einige reiche Lente im Inier ciſe eines treiflichen Norbabens zuiühren ſollte. Von ver ichiedenen Zeiten wurde ihm die Ausächtsloiigkeit ſemes Vor habend auseinandergeſetzt und iiche nach Fünf Tagen lagen jich Rolda,. Waſinsty und Heurici in Den Armen und beſiegelten ihren Ireundſhaitebund mit der Umwandelung De» „Bullefchen Thorboten“ in ein Leiborgau der Antiſemiten.

Tie geringe Ahonnentenzahl des „Hallcichen Thorboten“ mt wenig oder gar nicht geitieaen, Dar Nolde pt durchaus kein reicher Mann und Dennoch erscheint ven 1. Oktober ar der Rote unter iolgender Ankündigung taglich:

„Allen Anhängern einer chriſtlich-iozialen Staatsidee, allen

2

temung ehrlicher Männer jüdiſcher Konfeffion aus den öffentlichen Aemtern, vornämlih aus dem Richterſtande; ſie wollen Die Juden, welche alle Pflichten eines Staatsbürgers gern und treu erfüllen, zurüddrängen in mittelalterliche Verhältniſſe und wo— möglid) einer Frohnarbeit überlicfern! -- Gemad, Ahr Herren, ‘Ihr werdet weder mit Euren Sehen noch mit Kuren Organen Etwas erreichen! Reformiret Euch ſelbſt, dann könnt Ihr, wenn es eriorderlich ſein ſollte, als ordentliche Staatsbürger reformiren helfen! Zeigt Euch würdig und brauchbar, dann werden Eure Mitbürger keinen Augenblick zögern, auch Euch (Fhrenänter zu übertragen. Mit Eitelkeit und Neid, mit Hetzerei und Sonderintereſſen werdet Ihr im Yeben nichts weiter erreichen, als dag Euch jpäter Die erkennen und richtig beurtbeilen werden, die Ihr vorlänfig noch bethört.

Tie Motive, welde Herrn Störfer u den Hevereien gegen das Judenthum mit acleitet haben, md, das gebe ch zu, anderer Art wie Die jener Männer geweſen. Tas orthodore Piaifen thum Firchter den Liberalismus, der durch Bildung und Auf klärung immer mehr un erſtarken veripricht. Ten oribodoren Herren iſt bekaunt, daß die meiſten Juden für cine tuchtige Aus bildung ihrer Kinder Sorge tragen, dat durch die Verbreitung der Bildnug unter den Inden Me Kuiklarung, altv uch der viheralismus, immer weitere Prlanytatten findet. Und gegen dieien ihren Hanptfeind waren, wir Ach bald beransitellte, Die Wnurigeſchoſſe gerichtet. Wer Der bethörten Menge wird heute noch das Judenthum beichimpft, um fie gegen Die Aortichritts vartei auizureigen.

Tieie Kampiesweije iſt in glenben Waage verachilich wie verderblich. Tas planvolle Vergeben gegen den in Berlin bis ber für unerichütterlich gehaltenen Fortichriit mußte Te tal ausgedacht, e> mußte ein Sprenggeihbon in denielben hinein. gewworien werden, Das Krait genug batte, oie Raben ya leder. Tesbalb inchte Stöcker dar von rise Unzuiriedenen angerent dete Indenthum mt dem AKortichritt zu identtiiciren

Nachdem gegen das Judenthum dange genug die ungerechte ſten Angriife geichleudert waren, da wurden die Geietze gegeißelt, welche durch den jüdvichen vLiberansmus aeichaften Sein sollen.

Trud ven Gempel u. Co., Vertin.

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geiſtliche Polypragmoſyne, auf der anderen Seite ein ungeheures Defizit an Glaubensmuth.

Den ſchwerſten Vorwurf aber trifft denjenigen, der Deutſch⸗ land und die Schweiz bereiſt, um eine Reform der chriſtlichen Geſellſchaft ins Daſein zu rufen, daneben aber das eine jener beiden beilfamen Reichsgeſetze leidenjchaftlid) verbächtigt, den anderen auf Befragen nur eine laue Zuftimmung ertheilt, alſo den kirchlichen Segen dieſer Geſetze theils verfennt, theils zerſtört. Wahrlich, es iſt nicht chriſtlich, wenn ein ſolcher Reife: prediger für chriſtliche Reform an dem öffentlichen Zeugniß über jenen ſchmählichen Bankerott des chriſtlichen Staates ſtumpf und ſtumm vorübergebt; es iſt noch weniger chriſtlich, wenn ein jolder die Hinweiſung zweier Reichsgeſetze auf den urkund: lichen Adel und die weltüberwindenne Grundfraft des Chriſten⸗ thums in geiſtlichem Unverſtand auszulöichen ſich beeitert. Ich weiß jebr wohl, daß Stoder dann und wann ſagt: „Niemand verlangt Stasteswang sur Taufe und zur Trauung“, er Terict aud gern von Mirchenfreibeit. Aber mit jolchen oteriaiichen Redendarten sit der gahnende Adarımd des 10V jährigen Mik: brands nicht zuzudecken. Wer jest endlich Das Unchrritlche alles

Kirchenzwanges einſteht. dev Seil vor allen Dinge

und an ſeinem Getite vorubergeben baten ad Mei den Miſſerbaten und Grauel.

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Bert Adolf Stürker,

riftliche Liebe und Wahrhaftigkeit

von

Bermann T. Strack, ber Theologie u. Philofophie Doktor, a.o. Prof. ber Theol. in Berlin.

Smeite, durchgeſehene Auflage.

„(Ber Reinertrag ift zur Förderung von Darlehenstaffen in Berlin beftimmt.)

Rarlsruhe umd Leipzig. Verlag von 9 Reuther. 1886.

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6. No. 46, Beilage ©. 2:

„Ein Gruß von Paris nad Bielefelbl

Der Parifer Korrefpondent des ‚Reich3boten‘ hat an die Wahlmänne von Bielefelb-Herforb-Halle, bie Herrn Hofprebiger Stöder am 5. Movembe gewählt haben, folgenden poetifhen Gruß gerichtet:

Dreimal geläutert in des Wahlgangs Feuer,

Der Trene und des Glaubens echtes Gold,

Der Liige Feind, der Wahrheit eine Steuer Standet ihr feft: brum war dad Schidfal Hold. Wer aljo fümpft, fteht in bes Geiftes Solb,

Der und.ber Menfchheit Biel treibt zu erreichen Und Iehrt zu fiegen in des Kreuzes Beichen.

Nun laßt den Mann ums auf den Schilb erheben;

Der glaubensſtark bleib’ unfrer Reihen Hort!

Der Sieg ber Wahrheit wird fein Schwert umſchweben, Dad Schwert bed Geiſtes das ift Gottes Wort; Weltbildend wirkt's in deutfchen Herzen fort,

Die neue Erde, die verheiß'ne bringend

Und um fein würb’ges Haupt die Krone Ächlingenb.

Ausdrüdlich fei noch darauf hingemwiefen, daß die vorſtehender Äußerungen nur aus ben Nummern 18—46 bes „Ch.S. E.-BL“ entnommen find und nur einen Zeil deffen enthalten, was unter den’ bier gemachten fünf Rubrifen hätte angeführt werden können

Wegen der Verantwortlicleit des Herrn Hofpredigerd Stöden ür das Ch.-S. C.-Bl. vgl. auch hernach Kap. IV 9. 10.

42 I, 4,5.

Herr Engel las nun meine Ermwiderung, erkannte an, daB „ganz ruhig“ geſchrieben fei umd verfpradh fie bald abzubruden; ob’ ſchon in die (Sonnabend erjdeinende) Sonntagsnummer aufge nommen werben fünne, vermöge er mir allerdings noch zu jagen.

An at ih aus der „N. Pr. Ztg.“ 10

boten“ No. 106 —— faſt —* wiederholt = Dara 309 ich den (jpäter als richtig erwiejenen) Schluß, daß diejer May” der Verfaffer der Einjendung jei.

In der Sonntagsnummer des „Reichsboten“ fand me Berichtigung nicht; die Dienstagsnummer (No. 109, 2. Beilag wiederholte in einem ausführlichen Referat über die Red Stöders und Mays die von leterem gegen mich begangenen E ftellungen der Wahrheit, ohne daß meine Widerlegung erwah worden wäre; auch in den beiden folgenden Nummern löſte & Engel jein Wort nicht ein, obwohl die Wiederholung des, m er mußte, unmwahren Angriffs gegen mich ihm ein mächtig Antrieb zur Erfüllung feines Wortes hätte fern müſſen. I ließ ih mir am Mittwod (13. Mai), abends gegen 9 Uhr, naı dem id) die Donnerätagsnummer eingejehen, mein Mamuftript a holen und veranlaßte nun Klarftellung in zwei anderen derjenig Blätter, welde über Mays Nede berichtet hatten. Da ih i zwiſchen von Mays Verhältnis zum „NReichsboten“ gehört, mir das Benehmen des Hrn. Engel zwar nicht entjhuldigt, doch begreiflich geworden.

5. Erftens forgte ich für Abdrud eines jhon am 11. M (Montag) für die „N. Pr. Ztg.“* gefchriebenen Artikels (No. 11

Schrift, aus welcher feine beiden Eitate gefchöpft find, unzuverläſſig unfanter ift. Ihr Verfaſſer hat ohne Kenntnis der jüdiſchen Pittera! Einzelne aus dem Zuſammenhange des Mc Caul'ſchen Werkes geri und dadurch einen faft entgegengefeiten Sinn herausgebracht.” ® bie hier friebliebend voramögefegte Schrift nicht eriftiert, betrachte ich als gewiß. j

W,1,2

und Schwüre, die fie im dem kommenden Jaıre leiften m des Judentums ihrer zu leiftenden Eide zu enfbinden.‘

Die von dem Borbeter vor- und von ber Gemeinde machgebetete Abſolution lautet zu deutſch wörtlid: .. - *

‚Diefe Abfolutionsformel‘ erklärt der jüdiiche Thalmudiſt weiter ‚trägt ber Worbeter drei Mal mit immer erhöhter Stimme vor. mei Rabbiner ober zwei jüdiſche Gelehrte poftieren fich bei ihm, einer zur Rechten, einer zur Linlen, bamit ihrer drei feien, welche Zahl bei einer Abfolutiom notwendig ift. Hierauf wirb ein Vers recitiert, welcher lautet: ‚Unb e8 iu rd der ganzen Gemeinde der Kinder Isſsraels vergeben werben.‘

So der jüdifhe Gewährsmann, anf welchen jih Herr Hofprebiger Stöder berufen bat. Eine einfahe Gegenbebauptung tann dieſe fo beſſtimmt aufgeftellte Angabe nicht entkräften, es bebürfte dazu ſchon unzweifelbafter Gegenbemweile. Einitweilen ftebt Behauptung gegen Behauptung. und wir find, wie gelagt, im biefem Falle eher dem Juden, als dem Epriften zu glauben geneigt, menn letterer fich zweifellos ſelbſt auch im guten Glauben befindet. Wäre der Souagogengemeinbe vielleicht eine diesbezügliche unmißverftändliche officielle Erflärung gefällig? Eine ſolche wäre doch viel beffer am Plate, als das elende Gemaufchel der Judenpreſſe über ‚eine neue Unmahrheit Hofprebiger Stöders.

2. Zeils diefer Artikel, teils die in demſelben Blatte ſtehende Ankündigung, daß Herr Hofprediger Stöder am 8. Mai abends einen Vortrag: „Der Eid der Juden und der Ehriften” halten werde, veranlaßte mid am 8. Mai an genannten Herrn folgendes Schreiben zu richten, welches er vor feinem Vortrage empfangen jollte und aud thatjählicd) empfangen hat (zwei durch Punkte be= zeichnete Auslaffungen zur Vermeidung unndtiger Wiederholungen):

„Hochehrwürdiger Herr Hofprediger!

Ein gegen mich gerichteter, von Ihnen felbft oder doch in Ihrem Auftrage gnefchriebener Artikel in der Beilage zu No. 19 des ‚Chriftlich- focialen Correfpondenzblattes‘ 1885 veranlaßt mich zu folgenden Bemerkungen:

1) Es ift nicht wahr, daß ich ‚eine einfache Gegenbehauptung‘ aufge ftellt habe. Ich habe in (Mo. 99) der ‚Kreugzeitung‘ folgende Begründung gegeben: ‚Erfiens nämlich .. hergenommen werden.‘ [S. oben Kap. III 2).

Außerdem habe ich behufs gemauerer Belehrung auf meinen Artikel »Kol Nidre« . . verwielen.

2) Der Artikel in dem ‚Chr.-foc. Corrbl.‘ erwedt in den Leſern des⸗ felben ben irrigen Glauben, daß der Wortlaut der Formel von mir ver⸗

(Den Wortlaut ſ. oben ©. 37).

IV, 4.

sine Antwort: „Berlin W., 95. 1885. [Sonmab. Nachm Sehr geehrter Herr Hofprediger!

Gern habe ich Kenntnis genommen von Ihrer Berficherumg, baf der Artikel nicht von Ihnen gefchrieben noch veranlaft ift umd daß die nächite No. des ‚Corr.-Bl.' die Berichtigung unverändert bringen ſoll.

Infolge deffen glaube ich heute folgendes hinzufügen zu follen. In der No. 99 der Kreuzzeitung babe ich nicht den mindeften Angriff auf Ihre Perfon gemacht, ſondern vorfichtig nefant: ‚Nach dem Berichte ber Kreuzta... Toll Hr. ©. gefagt haben‘, wonach fich meine Ausführung nur gegen das Be— richtete wendete. In No. 18 des ‚Ehrifil,-Soc. Eorr.‘, melde mir erft fpät zu⸗ nänglich wurde, iſſ über ben Vortrag nicht wefentlich anders berichtet; denn das mit ‚freilich fant man‘ Eingeführte wird durch ‚den leifeften Anfprüchen an Redlichkeit nicht genligenb‘ für unglaubwürdig erHärt. Somit fcheint auch diefer Bericht nicht nenau.* Ich bemerle noch freiwillig, daß ich, che ich

die denen des Hrn. Prof. Strad nicht konform, zum teil fogar enigegen- geſetzt find, bei unferer Meinung verharren, daß die Sache noch nicht ge: nügend aufgeflärt iſt. Zugeben können wir, daß Sr. Prof. Strad nicht eine einfache Gegenbehauptung aufgeftellt, ſondern feine Auffaſſung begründet bat, eine Begründung aber, die und [!) nicht genügen konnte. ad 2) mülfen wir eriwidern, daß ber Artikel bes ‚Ehrifil.:Soc. Corr-BL. in feiner Welſe den Glauben erweden kann [?], jedenfalls nicht hat erwecken wollen, als ob Hr. Prof. Dr. Etrad den Wortlaut der formel verſchwiegen habe.

Die Sache ſelbſt bleibt ftreitig [!) und wir behalten uns vor in einem befonderen Artikel darauf zurüd zu fonımen. D. Red.“]

* Gegenwärtig zweifle ich durchaus nicht an der Genauigkeit. Der betreffende Paſſus Iautet wörtlich: „Wie groß die Gefahr, wie grundver- fehieden die jittlichen Anſchauungen der Juden von den unferigen find, lehrt beifpiel3weife ihre Auffaflung vom Eid N. Ein gelehrter jüdiſcher Thals mudiſt hat unwiderſprochen [1] ans Licht geitellt [\), daß heute noch in den Synagogen am Jom Kipur, dem jüdifchen Verföhnungstage, ein Gebet ver» richtet wird des Inhalts, daß alle Eide, Schwüre, Gelüibde von diefern big zum nächſten Berföhnungstage Feine Giltigfeit haben Sollen. .Unfere Eide zc. ſollen feine Eide fein.‘ Freilich fagt man, das beziehe fich auf die jich ſelbſt⸗ gemachten Eide, aber das läßt doch auf eine Laxheit in der Auffaffung des Eides überhaupt ſchließen. Warum fchafft man diefes den leifeften An« fprüchen an Nedlichkeit nicht entfprechende Gebet nicht ab? Und Leute, die ihren Glauben in folcher Meife mißbrauchen ſll, thun . . .“ Wörtlich ebenfo in der gleichfall8 vom 29. April datierten No. 99 (Beilage) des ‚NeichSboten‘, welche ich im November zu vergleichen Gelegenheit hatte; nur fteht dort ‚jet felbitgemachten‘ ſtatt des zwar nicht gut deutfchen, aber fachlich richtigeren ‚lich felbitgemadhten‘). .

v4

den Diemft der Miſſſen Melle. Das kann ih a

w überzengt find, daß ich das Schlechte im ihren nmicht juche, ij ich übertreibenden Angriffen vielmehr mich Die Beſprechung dieſer Differenzen von Perſon zu Perſon kann eine mäce tige Waffe der Miffion werden. Die Beiprechung in öffentlichen Wer- fammlımgen ſchadet, mindeitens gegenwärtig. Und fpeziell muß das Bor« bringen einer nicht fundierten Anklage mie die Berichte über die Ber- fammlung der Ehriftlih-Socialen am 24. April eine enthalten die Juden gegen hriitlihen Einfluß verihließen. Sch bin überzeugt, dab Sie die Wirkung nicht beabfichtigen; aber ich weiß von vielen Fällen, im denen Juden durch bie Agitation gegen bie Juden, infonderbeit durch die über das Judentum gehaltenen Reden, unzugänglic, ja feindlich genemüber dem Ehriftentum geworden find. Wenn die Judenmiſſion nicht noch ſchwerer leiden fol, fo muß bier Wandel gefchafft werden. Ich bitte Sie alſo herzlich: enthalten Sie Sich möglichſt, über die Juden zu ſprechen; und wenn Sie einmal glauben, es thun zu follen, dann nur zweifellos bealans bigte Fakta aus ber Gegenwart!....* Bebürfen Sie einmal Auskunft (ausgenommen für Agitationszwede), To werden Sie mehr als Einen Chriſten finden, der Sie Ihnen gibt, der Sie jedenfalls nicht im Notfall ohne Hülfe Läht.

Durch mich ift die Aufmerkſamleit der Juden nicht auf Ihre Mebe vom 24. April füngelenft worden. Glanben Sie etwa, dad die Tuben nicht auf die Berichte fiber Ihre Meden, namentlich im „Reichsboten“, achten, zumal wenn das Thema fhon ihre Aufmerklamkeit erreat?

Es iſt mözlich, dag Sie auch nah Empfang dieſer Zeilen bei der bis— berigen Behandlung der -Judenfrage- bleiben zu ſollen überzeugt find. Sollte e3 dann wieder geichchn, day ich genen einen Bericht Bemerkungen machen muß, jo ſeien Cie gewiß, daß folder Gegenſatz mich nicht hindert, anzuerfennen, was Cie gegen die Socieldemofratie und auf dem Gebiete der inneren Miſſion und aud) fonit geleiftet haben. Sie entichuldigen wohl die Blüchtigfeit der Schrift. Sch bin mit mannichjacher Arbeit überbürder, und Krankheit macht mir im Haufe feit dem Oftober viel Sorge.

Mit freundlichem Gruße Ihr ganz ergebener H. L. Strad.

Nah Vollendung diefer Zeilen erhalte ich durch die Zeitung Kunde von Ihrem gejtrigen Vortrage. ch fehide den Brief unverändert ab, um meine Sefinaung zu zeigen. H. Str“

* {Die | bier im Manuffript folgende Warnung vor der Zurateziehumg des Hrn. Dr. Morgenitern, den ich wegen des „Dr. M.“ im „Ch.S. C.B.“ No. 18 (f. oben No 1) im Berdacht hatte, Hrn. Stöcker direlt informiert au Haben, iſt am 13. Mai durch die feierliche Berlicherung des Hrn. Dr. Morg. (f. oben IIT, 2, zweite Note) hinfällig und daher in meinen: Brief vom 14. Mai ıf. hernach No. 5) zurüdgenommen worden].

IV, 5, 6.

gendes bewiefen haben; ich erinnere endlich daran, daß Borabende des VBerfühnungdtages gefprochen wird and bie ‚or oe 8 Tages hauptlächlich aus Bußgebeten und Bitten um Ber- gedung befteht, daß bei Tolcher Gelegenheit Erteilung eines Freibriefes anf Eidbruch geradezu undenkbar ift.

Danach glaube ich erwarten zu dürfen,

1. daß Sie nun auch öffentlich erklären werden, daß Sie nad) noch⸗ maliger Prüfung ber einfchlägigen Pitteratur Ihre über das »Kol Nibree genannte Stück ber jübifchen Liturgie gegen Brof. H. Stracks Sachkunde gethanen Äußerungen zurücinehmen ;

2. daß Sie ben Fälfcher Mah bdergeftalt öffentlich rügen werden, daß Niemand mehr glauben Tann, es beftehe irgendwelche Verbindung zwiſchen Ihnen und ihm. Als felbitverftändliche Wolge dieſes Rügens betrachte ich, daß Sie aud) den P, Engel aufklären und ihn zur Entlaffung des genannten Menſchen zu bewegen fuchen.

In diefer Erwartung zeichne ich

ganz ergebenft Prof. D. Hermann 2. Strad.

14. 5. 1835.“

6. Am Abend des 15. Mai erjchienen meine Erklärungen in „N. Pr. Sta.“ 112 (f. oben IT 5) und „Boft“ 131 (f. oben III 6).

Sonnabend, den 16. Mai (Aufgabeitempel: „I—10 V.“), richtete Hr. Hofprediger Stöder die Frage an mid), ob wir nicht zufammenfommen jollten, um die Angelegenheit zu bejprechen. Wo, fer ihm glei; wenn ih am Montag zwiſchen 10 und 12 Uhr zu ihm zu kommen die Güte haben wolle, erwarte er weiter feine Antwort. Wer die erfte Hälfte des I. Kap. oder aud nur „N. Pr. Ztg.“ 112, Abſatz 3, oben ©. 43) gelejen hat, wird meiner Berfiderung, daß mir Erhaltung, bzw. Wiederherftellung freundlich - friedlichen Berhältniffes mit Herm Stöder als fehr wünſchenswert erfchien, gern glauben. Um fo mehr war id) ver- wundert, als id) an demfelben Abend eine Poftlarte (Aufgabeftempel : „4—5 N.“) folgenden Inhalts empfing:

„Schr geehrter Herr Brofeffor! Da Sie, wie man mir erzählt 1), in der Krenzzeitung fchon wieder eine Erklärung veröffentlicht haben, fo verzichte ich auf eine Beſprechung.

Hofpr. Stöder.”

IV, 9.

en. Als wir vom Thalmud und beffen verſchiedenartigem

(t Sprachen, fagte er, er „habe den Thalmub in der Überfehung. gelefen.“ Um der Unterredung ihren freundlichen Charakter zu faffen, begnügte ich mich zu bemerfen: „„Sie meinen wohl die Traktate, welche überjeht find"; worauf er replicierte „natürlich, die Traftate, welche überjegt find“ *. Noch ei, wegen beffen, was fi daran geknüpft hat, eines weiteren damals von mir gegebenen Beweiſes freundlicher Gefinnung gedacht. Im Laufe des Geſpräches erwähnte Herr Hofprediger Stöder, daß er wegen des bon mir in „N. Br. Ztg.“ 99 (f. oben ©. 36) gebrauchten Wortes „unmög- lid“ von jeinen Gegnern der Unwahrheit beichuldigt worden fei, Ich bemerkte darauf, daß ich, wenn mir eine derartige Außerung zu Geficht kommen jollte, gegen jolche falſche Deutung jenes Mortes proteftieren würde. Meine Befriedigung über die freund- liche Art, wie die Unterhaltung geführt ward und endete, wurde auf dem Heimwege nur dadurch getrübt, daß ich bedauerte, mid Herrn Hofprediger Stöder gegenüber auf allgemeine Warnungen vor jüdifchen Ratgebern, injfonderheit vor S, May, jowie vor generalifierenben Anklagen gegen das Judentum beſchränkt, nicht aber nochmal3 ausdrüdliche, Öffentliche Losfage von May gefordeit zu haben. Indes tröftete mid) über diefes durd die Art der Beredfamfeit des Herrn Hofpredigers Stöcder wohl entichuldbare Verſäumnis der Gedanke, nun Ruhe zu haben oder höchſtens mit May weiter ftreiten zu müſſen.

Legteres war jehr bald der Fall; denn jchon an demjelben Abend fand ih in „N. Pr. Ztg.“ 114 (Datum 19. Mai) eine längere Erklärung Mays gegen mid, auf welche ich jofort ant- worten mußte und aud antwortete, ſ. „N. Pr. 3tg.” 115, aus: gegeben Dienstag 19. Mai, Nachm, Datum 20. Mai. Wan wolle beachten, wie id im vorlekten Abfage dieſer (oben III 7 abgedrudten) Antwort Hrn. Hofpred. Stöder gegen den mir mır

* Diefe fcheinbar unbedeutenden Äußerungen über den Thalmud jind mir feft im Gedächtnis geblieben, weil ich wußte, daß Hr. Prof. Paulus Caſſel einige Jahre früher die gleiche Behauptung des Herrn Hofpredigers Stöder gerügt hatte (f. Kap. VII 2). Sie find charafteriitifch für das leicht- fertig aufahrende Neben und Urteilen Stöders.

5

14, Diefer Brief befrembete mich in hohem Mae; body giauote ich zu Stöders Ehre wenigftens das annehmen zu follen, daß er dem formalen Zurüdnehmen feines mir bedingungslos ge— gebenen, noch dazu im Berlaufe der Unterrebung wiederholten Wortes jedenfalls nicht gleich die That folgen laffen, jondern meine Erwiderung abwarten werde. Nod an demfelben Bormittag (Einwurf in den Brieffaften 11”) antwortete ich:

Hochwürdiger Herr Hofprebiger!

Nach dem überaus freundlichen Entgegenlommen, das ich Ihnen durch meine Karte am Sonnabend [f. oben No. 7) und durch meinen Beſuch am Montag bewiefen babe, fett Ihr Brief von geftern Abend mich jehr in Berwunderung. Wie können Sie wieber über etwas urteilen, was Gie nicht geleien haben!* Und wie lonnten Sie mir fo fchreiben, wie Sie jett thun, ohne Kenntnis von meiner doch vorauszufehenden Antwort an May, die, als Sie geftern Abend fchrieben, bereit8 in ber Kreuzzeitung [No. 116] gebrudt fand!!! In der ‚Poſt' fteht nichts, was Anlaß zum Angriff gegen Sie bietet; und aus ber Kreuzzeitung‘ No. 114 [lie8: 115] werden Sie eriehn, bag Hermann Strad noch mehr erfüllt, al3 er verfprochen Hat.

Den Artikel im ‚Neich8boten‘ habe ich nicht gelefen und ich beabfichtige auch jegt noch nicht ihn zu lefen, und zwar weil ich) auß folgendem Grunde das Blatt zu gering achte. P. Engel hat mir am Sonnabend, 9. Mai früh (gegen 9 Uhr) Abdrud meiner den Einfender der ‚Zufchrift‘ in No. 106 in feiner Weiſe angreifenden Widerlegung der gegen mich begangenen Fälſchungen verfprodhen; er bat diefe Miderlegung auch in der das Datum ‚Donnerstag 14. Mai‘ tragenden, am 13. Abends erichienenen No. nicht abgedrudt, obwohl die Wiederholung der Fälfchung in der von Dienstag datierten No. ihm ein mächtiger Antrieb fein mußte, fpäteftens in der von Mittwoch datierten No. fein Wort einzulöfen. Daher habe ih am Mittwoch, 13, Abends gegen 9": Uhr das Manuſkript abholen Laffen. Wenn im ‚Reichsboten‘ ‚Dienstag‘ fteht wie mir erzählt wird (ich beab⸗ fichtige, wie erwähnt, nicht das Blatt zu leſen), fo wäre da3 eine zweite Unwahrbeit Engeld ...... *

Sie haben mir geſagt, auf grund jenes ‚unmöglich‘ ſeien Sie von ‚liberalen Blättern‘ der Unwahrbaftigfeit beichuldigt worden. Ich erfuche

* [Der „Reich3bote” hat nur zwei Sätze aus meiner in der „Poft” 181 abgedrudtın Netiz (f. oben II 6) citiert: „ch habe dem ... zurüde geben laſſen“).

** (Bol. meinen Brief vom 1. Juni (unten No. 12). Das Urteil des Herrn Dr. Berliner über May fteht ebendort ausführlicher, it daher hier meggelaffen].

IV, 1.

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IV, 12.

„Herrn Hofprediger Ad. Stöder, Hochw. tein am 20. Mai (Mittw,) Borm. 11, Uhr an Sie abgefendeter Brief ıft ohne Antwort neblichen!

In bezug auf Engel bemerfe ich heute: Die von mir am „[20. Dtai]* nur hypothetiſch ausgefagte zweite Unmwabhrheit ift von ihm faftiich verübt worden; denn im Reichsboten ſteht wirklich (wie ich durch einen zuverläſſigen Zeugen weiß, den ich nachſehn ließ) die Behauptung, daß ich mem Manuftript am Dienstag (12. Mai) zurücgefordert hätte, während ich das erit am Mittwoch (13. Mai) Abend that, nachdem ich mich überzeugt batte, daß auch in der von Donnerstag (14. Mai) datierten No. mein Nach⸗ weis der Fälfhungen (Mays) nicht abgedrudt war.* Hier der Beweis für eine dritte Unmwahrheit Engels. Bor mir liegt das Original eines von Engel erſt im April diefes Jahres gefchriebenen Briefes, in dem es wört« lich heißt: ‚Ich habe Übrigens auch mit Dr. May feine Berbindungen mehr“ !!**

In bezug auf Simon May fhreibt Dr. A. Berliner, auf den May fih berufen, am 19. Mai 1885: ‚Ohne auf den weiteren Inhalt jenes Artikel [»N. Br. Zta.“ No. 114) einzugehen, darf ich dem Berfafler bes- felben das Zeugnis nicht verfagen, daß, als er vor c. 16 Jahren hierher nad Berlin fam und al8 Lehrling in ein Fellgeſchäft eintrat, er in etwa zwei Stunden mich zu der Überzeugung führte, daß er nicht im Stande fet, auch nur eine Zeile im Talmud richtig zu lefen, gefchweige zu über feßen und ich ihn damals ſchon für zu alt Hielt, folche fchwierige Studien noch aufzunehmen.“

Der jüdifche Geritlihe .....t bat mich ohne Veranlafiung meinerfeits zu der Erklärung autorifiert, daß May damals nicht einmal die Elemente der hebräifehen Grammatik ordentlich gefannt habe.

Die... .Tr Vergangenheit de8 Simon May fann Ihnen nicht unber kannt gemefen fein.

Und doch. haben Sie Sich jelbft von Ihrem mir am 18. Mai gegebenen Worte, daß über Kol Nidre und das damit Bufammenhangende im ‚Eorrefp.:Blatte‘ nichts mehr gedruckt werden folle, entbunden, Eich felbft ent- bunden um Mays willen und um Engels willen!

* (Am 30. Aug. babe ich mich auch direkt überzeugt, daß Hr. Engel in No. 114 in der That geichrieben hat: „Da ſchickte Herr Prof. Dr. Strad am Dienstag Abend”. Die anderen Behauptungen des Hrn. Engel bier richtig zu ftellen, iit mir des erforderlichen Raumes wegen leider nicht möglich]

** Simon Dan aber bat fich in diefem Herbſt vor Gericht als mehr- jährigen und ftändigen Mitarbeiter des „Reichsboten“ bezeichnet !]

+ [Hier habe ich Namen und Legitimation des Herrn weggelaflen].

++ [Die Punkte auch im Original).

|

IV, 17. =

e Anhänger auf Niemanben hören, ber eimas gegen ihn vor bringe. Ich ſchwieg, glaubte aber um fa zuverſichtlicher nun wenig⸗ ſtens völlig in Ruhe gelaflen zu werden, da auch Simon May, der „mehrjährige und ftändige Mitarbeiter" bes Freundes“ bes Hrn. Etöder, auf meine in der „Poft” vom 6. Juni (Ro. 151) abgedrudte kurze Zurüdweifung eines ſchwer beleidigenden Angriffes in Ro. 149 desjelben Blattes dort nicht? mehr erwibert hatte, ſondern fid) darauf beichränfte, in antifemitiihen Berfammlungen meiner in Reden zu gedenten, von denen ich mur gelegentlich er- fuhr und die mir fein Herzweh verurjadten.

IH ſchließe diefes Kapitel mit zwei Sätzen aus ber feierlichen „Erklärung“, die Hr. Hofpred. Stöder am 16. Juni, glei nad: dem das Urteil in dem Procefje gegen die „Freie Zeitung” ge fällt war, im „Eb.-©. E.-BL.“ No. 25, Beilage, im „Reichaboten“ und in ber „R. Pr. Ztg.“ veröffentlichen zu lafien den Mut hatte:

„Das Urteil über mid jelbft fann aus dem Munde „von Leuten, die mich perfünlih nit kennen, nit „maßgebend fein. Unter denen aber, die mich kennen, „wird Niemand behaupten, daß ich es mit dem Worte „und der Wahrheit leiht nehme.”

VL4 5.

Meine Frage, ob er zu irgend welchen Abmachungen befugt

jerneinte Hr. Ithr. v. 9.: er fei mırr zur Entgegennahme von Mitteilungen meimerjeits beauftragt. Infolge defien erflärte i&, nur einen Zeil bes Beweismaterials angeben zu fünnen. Die Beſchränktheit der Zeit (id war an demjelben Abend noch anber- weitig beanſprucht) und der Umſtand, dag Hr. Hofpred. St. über die mid, bewegenben Gedanken aus meinen Briefen genügend in⸗ formiert jein mußte, veranlaßten mid, die Herftellung des Aus- gleichs, wie ich fie mir dadte, im weſentlichen nur nad ihrem äußeren Berlaufe, weniger nad ihrer inneren Begründung und Abzweckung, zu flizzieren. Der Kürze wegen laſſe ih nun gleich das von mir jelbft, im Bertrauen auf die Diskretion der anderen Partei (j. oben VI 1), innerhalb weniger Minuten eilig aufge fegte Protofoll folgen:

3. „Berhandelt Berlin 24. Oftober 1885. Abends 5 Uhr.

Infolge der am 22. Oktober zwiſchen Hrn. Frhru. v. 9. und dem Hrn... veranftalteten Beſprechung fand fidh Heute Hr. Prof. H. Strad in ber Wohnung de3 erfigenannten Herm ein. Er erklärte, daß er, wie er über⸗ haupt ſtets Frieden gewünfdht und dies auch durch feinen Brief vem 21. Oft. bethätigt habe, To auch jet ſchon um der Termeibung öffentlichen Ärgernifies willen Frieden wünfche, aber nur ehrlichen und dauerhaften®. Zu foldem fei e8 erforderlich, dag feine etwaige Cinigung* mit dem Hrn. Dofpred. Stöder aud* im »Reichäboten«e zu unzweidentigem Ausdrud fomme, weil er nur dann vor weiteren Angriffen, namentlich de »Reichs⸗ boten«, gefhügt zu fein glaube. Er fchlägt vor, dag von Hm. Hofpred. Stöder, Hrn. Red. Paitor a. D. Engel und ihm felbft eine geweinfame Ers Märung im »Reichöboten« veröffentlicht werde, dahin lautend: 1. Die An- griffe im ⸗Reichsboten⸗ gegen Hm. Brof. Strad werden zurüdgenonmen; 2. May wird entlaflen; 3. Etrad nimmt feine Bezweiflung der Wahrheits- liebe** Ctöders zurück.

Als vorlänfiged Beweismaterial citiert Hr. Prof. Strad:

1. Stöders Brief vom 19. Mai (vgl. Stracks Antworten vom 2%. Mai und 1. Juni); 2. Iſt Schleiden Jude? [vgl. oben ©. 2]; 3. Stöder

* (‚„danerhaften“, „Einigung“, „auch“: Diefe drei Ausdrüde zeigen deutlich, daB der Ausgleich mir mit der Zuſtimmung zu der gemeinfamen Erklärung noch nicht perfelt war; dgl. noch den VI 9 zu ermähnnenden Cutwurf eines „Brivatablommens“.)

®® (micht: „feine vor Gericht abgegebene Erklärung”, was ich zu be achten bitte).

VI, 21, 22.

ı fie bie Wahrheit ihrer Behauptungen beweiſen follen, find ücht zu Haufe. Nad Prof. Strad ift mun ja aud Prof, Baumgarten losgegangen . . .*

232. Durch dieſe Herausforberungen war bie lehte Möglich keit, die dffentlihe Begründung meiner vor Gericht abgegebenen Erklärung zu vermeiden, für mid endgültig befeitigt, unb id ent⸗ fölo mich, ba ber Beweis in einer Zeitung nidht geführt werden tonnte, die nun vorliegende Broſchüre zu fchreiben.

Alle Rechte vorbehalten.

Hofprediger Stöder und der Hof,

brechlichen Arbeiter zu verforgen, oder wenn fie gar neue Negelung der Eigenthumsverhältnifie im Namen Ehriftenthums „als ein Heilmittel wider bie fozialen flände empfehlen. . . . . Dem Herrn und den Apoſteln es in ihrer der unfrigen mehrfach verwandten Zeit nicht Anläfen gefehlt, mit religiöfen Motiven cine Neugeſt ber fozialen Ordnung zu unterftügen. Allein Davon fie ſich fern, fie haben die vorhandenen Einrichtungen in Staat und Geſellſchaft unangefochten gelafen. Das Beifpiel ſolcher heiligen Beſonnenheit muß die Beiftlihen .... - namentlih von öffentlichen Parreibildbungen, wie von ber“ einfeitigen Vertretung Der Intereſſen eines einzelnen fernhalten. wodurd die Unzufriedenen mehr gegen Die bes ſſehende Ordnung aufgeregt, als fir chriſtliche Wahrheit ge— wonnen und zu einer Beſſerung ihrer Lage geführt werden. . Ber Den ſozialen Problemen handelt es ſich um ſchwie— ride. theils wiſſenſchaitlich. iheils techniſch zu erledigende Fragen, welche auszutragen uüberhaupt nicht Sache der Kirdbe iſt. Met fehle Den Geiſtlichen auf dirſem, ihrer eigenen Vor— bildung ſerngelegenen Felde die umicgnende K vente Ur:beil. Turch Ernterien in danelbe die Kerde iur mut, Zilden Dart Der Gut halt ĩentee ciacnen Werft u

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einzig gegebene Grunblage zur. Herftellung des feit Jahres hunderten erjehnten beutjchen Reiches, 1874 dem beiifchen Baterlande bie gegen feine feindlichen Nachbarn erforderliche Wehrkraft, 1878 dem Kailer den perfönlicen Schuß fir fein 2eben verwarfen was heißt das, in eimer folden verwilberten Stadt eine jo Eräftige Gegenftrömung zu fchaffen. und zu organifiren, daf ihr die Zukunft ber Hauptftadt ſicher it? Eine Gegenflrömung, die politifch und Kirchlich zugleih iſt? Möglich, daß ein anbrer es auch zit ſtande gebracht Hätte, aber es fand fich eben niemand, der bie Sammlung und bie Führung übernahm, niemand, der ſich ſtark genug fühlte, den. Waffen des Hohnes und bes Spolles, denen des perfönlichen Angriffs und ver Verbädhtigungen, auch denen der ermften und ehrlichen Gegnerichaft, ja jelbft ber Gefahr für Leben und Geſundheit unerfchroden zu troßen. Wer hätte eine ſolche Kraft der VBeredjantkeit, ſolche Be: geiiterung, jolde Ausdauer, ſolche Unermüdlichkeit, wie Adolf Stöder, ſich zugetraut? Erſt nachdem er die Bahn gebrochen, fanden ſich die Jünger.

Dafür hat er aber auch aus wenigen Hunderten von Konjervativen bis Hunderttaufend gemacht, und wer dies noch vor wenigen Jahren vorausgejagt hätte, würde ald ein Narr von Feind und Freund verlacht worden fein, zumal, wenn er fih zu der Prophezeihung verftiegen hätte: Berlin würde einmal zu Taufenden zu den Führen eines frommen, das Chriftentfum bis in die Wahlverfammlungen verfündenden Hofpredigers laufhen und mit nicht endenmwollenden Beifallg- ftürmen ihn erdrüden”.

„Welche Wandlung mit Berlin vorgegangen iſt, fo ſchilderte ein Berliner Correſpondent derin Barmen erſcheinenden „Chriſtlichen Monatsſchrift“ 1885 den damaligen Aufſchwung

10 Soforeviger Stöder und der Sa

Gedanken bei jener konſervativen Verſammlung, bie er vor zehn Jahren befucht hat, Er hat davon noch die Empfindung einer Krankenftube. VBornehmer war die damalige Berjamm: lung, aber Hein und gietbrüdig. Wer hat das Munber vollbracht ? iR

Das konſervative Berlin hat unter der Führung Stödur's noch feinen Wahlfieg errungen. Es märe aber auch ver meſſen, fo etwas jeht ſchon erreichen zu mollen Ein jo jäher Umſchwung des alten Sodoms könnte für die Solivität und den Beſtand ber jungen Bewegung. fürchten laffen. Nur allmälig, durch gejunde Entwicklung derjelben ift das Ziel zu erreichen. 15000 Stimmen für Stöder in feinem Mahl: freife it eine Errungenſchaft jonder gleichen. Es ift das der Wahlkreis der Hauptftäotifchen Intelligenz par excellence. Man denkt dabei vorzugsmeife an den Geheimen Nat und Profeffor. Sie wählen Stöcker nicht. Alles, was an dem Wahltage in Equipagen anfam, mählte ihn auch nicht. Aus einer ſolchen jprang, als ich zur Mahl ging, mein Haus— arzt, ein außerordentlich geſchickte Mann. Wir begrüßten uns, traten gleichzeitig in den Hausflur, der zum Mahllofale führee und mo die Poſten jtanden, bie Stimmzettel aus: gaben. Ich forderte einen Zertel mit „Stöcker“, mein Haus: arzt einen ſolchen mit „Virchow“. Tas Wahlgeheimnis zwiſchen uns war verrathen. „Aber Herr Doktor, ſagte mir mein Hausarzt verdutzt, Sie, ein Mann der Wiſſenſchaft verleugnen unſern Virchow?“

Derſelbe Correſpondent fährt forı: „Die herrſchende Fortſchrittspartei hat im Laufe der legten Jahre mehr und mehr Elemente, die der Kartei überdrüjlig find, nach zwei Seiten bin abgegeben, nad der jozialdemofratiihen und nach der tozialfonjervativen und wird naturgemäß fortfahren, nad

12 | Hofprebiger Sidder und ver Si. gefangen hat, habe ich mich oft recht geiebämt, daß ich jo

wenig gethan habe. Was mag den Mann treiben, anftalt -

rubig fein Gehalt zu verzehren, wie andere Geiltliche, ſich jo in die raftloje unangenehmſte Thätigfeit zu ſtürzen? Eigene nuß kann es nicht jein. Was in feiner Seele lebt, dag ift die Liebe Ehrifti, Die Dringet ihn alſo. Wir müllen ihn darum wieder lieben und ihm für alle Verfolgungen, für allen Haß und alle Feindſchaft, für alle Berleumdungen unfere Liche um fo mehr bezeugen und uns nicht ftören Laffen. Ich Tönnte nicht fo arbeiten wie Stöder, denn nicht alle haben ſolche Gaben, jo viel Muth.” Dagegen unterzog in feinem Yahresrüdblid des Jahres 1880 der „Evangeliſche Kirchliche Anzeiger” das Verhalten des Hofprediger Etöder einer tadelnden Kritif, indem er u. A. bemerkte: „Allgemein anerfannt wird, daß dem Hofprediger Etöder vine große Arbeitskraft und ein Geſchick der hinreißenden Volksrede innewohnt, weldes ihn zu einem Agitator und Vorkämpfer präbeftinirt. Was aber die Anerkennung feines Wirkens vielfach in kirchlichen Kreiſen hemmt, iſt vornehmlich, daß er ſociale Forderungen auf Grund der heiligen Echrift und im Namen des Chriſtenthums geltend macht und auf dem Wege feiner Agitation, namentlid in der Judenfrage, zu Mitteln des Angriffs und der Vertheidigung zu greifen ſich genöthigt ficht, die auch mohlgenrigten Freunden Bedenken erregen, weil fie cher Wunden jchlagen als heilen und Wafler auf die Mühle von euren geben, mit denen Hpfprediger Stöcker nichts zu Schaffen haben will.”

Ju feinen weiteren Ausführungen ſagte das Blatt be: züglich der chriftlich - ſocialen Verſammlungen, deren Werth zur Unterftügung der innen Miſſion es anerfannte: „Anders verhält ſich die Sache, jobald dieſe Verſammlungen vom chriftlichen und religiöfen auf da3 ſoziale und politifche Ge—

PR 7

Hofprediger Stöder und der Hof.

mit Berufung auf gewiſſe Bibalftellen aufgeftell, er bat ferner in ber Jubenfrage, weder im a noch in ber Vertheidigung, zu bedenklichen Mitteln gegriffen, darf man benn aber wirk— lich im Namen des Chriſtenthums Feine foziglen Forderungen aufftellen? Man muß ftaunen, jo etwas als Vorwurf in einem chriftlichen Blätte zu leſen. Wimmelt doch das alte wie. bad neue Teſtament non jozialen Forderungen und iſt doch die ganze Geſchichte bes Chriſtenlhums zugleich bie Ge— ſchichte der jozialen Erneuerungen ber Völker. Und ivo jegt das Chriftenthum zu den beidniichen Völkern kommt, bringt es auch foziale Reformen mit. Giebt's eine größere foziale Reform, als die Beleitigung ver Bielmeiberei und ber Sflaverei? Sind dieje Reformen nicht im Namen bes Chriften: thums gefordert? Mit Berufung anf gewiſſe einzelne Bibeljtellen hat wohl niemand ein bejtimmtes Steuerſyſtem ober eine Wirthſchaftsgeſetzgebung gefordert. Jedenfalls Hat weher Stöder nod die chriftlich-joziale Partei die Bibel zum Koder für die Finanz- oder Wirthichaftspolitif gemacht. Aber nichts deftoweniger ift Die chriftlihe Weltanſchauung auch für Dieje Gebiete, wie überhaupt aud für ale menſchlichen Verhältniſſe von der größten Bedeutung. Iſt es nicht vine gang un— geheuerlie Forderung, wenn ber Evangel. Kircbenanzeiger verlangt, eine chriftlich-joziale Verſammlung ſolle ſich Lediglich mit religiöfen und unter feinen Umſtänden mit jozialen Fragen beſchäftigen, jolle feine dahin zielende Beſchlüſſe faffen, keine Forde⸗ rungen ftellen, während wir jehen, daß der Naturaligmus ſowohl auf Seiten der Armen als Sozialdemofratie, wie auf Seiten der Reichen als mancheſterlicher Kapitalismus jeine Forderungen ſtellt. ..? Wenn wir ung blos mit religiöfen ragen be: ſchäftigen und politiiche den Naturaliſten überlaſſen, dann

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nehmen: „Stöder hat nie beſtimmte ſozial-politiſche Forderungen

“2

Bismard hat ſogar den Ausdruck entſchiedener Mißbllligung des Auftretens des Hertn Stöckers bis an die Allerhöchſte Stelle gelangen laſſen. Es iſt jedoch als irrthümlich erkannt worden, das Sozialiftengefeg gegen Herrn Stöder in Anwen dung zu bringen, weil feine fogtalspolitifche Thätigkeit emt: idjieden feine dem. Gefeh verfallende ift, wenn auch die Form feines Auftretens zu "Bedenfen und Augftellungen Anlaf geben mag. Wiederholt fol dann das Kirchenregiment angegangen worden jein, der Agitation des Herrn Stöder Einhalt zu thum. Wenn dies bisher nicht gefeheben, To ift einzig und allein der Umjtand daran ſchuld, daß immer‘ und. immer mwieber von hervorragend einflußreiher Etelle, der nicht wohl zumider er handelt werden Eonnte, die zweifellos redliche Abjicht des Herrn

Stöder geltend gemacht worden ift. Die bezüglichen Torftellungen

de3 Nirchenregiments folfen jedoch in neuerer geit dahin ge—

führt haben, daß Herrn Stöcker wiederholt eröffnet wurde,

die Stellung eines KHofpredigers fei mit feinen Auftreten

i&hwerlic vereinbar. Hieraus mag wohl das Gerücht ent

ftanden fein, daß Herr Etöder, ber ein vermögender Mann

ift, und ber aus innerfter Ueberzeugung den Kampf gegen

den Eozialismus und im Zufammenhauge damit gegen

das Gründerwefen und das Ueberhandnehmen des jüdiſchen

Einfluffes auf allen Gebieten bes öffentlichen und fozialen

Lebens für jeine Miffion hält, Lieber jeinen Abjchied nch:

men, al3 auf die nachdrückliche Geltendmachung jeiner Beitre-

bungen verzichten werde. So viel fteht feft, Daß man bie et=

waige Fortdauer der Stöderichen Agitation nicht als eine Folge

der von der Negierung geübten Connivenz bezeichnen darf. Pic

Regierung vermag Herrn Stöcker gegenüber fein wirkſames bisziplinarifches Mittel zur Anwendung zu bringen, in dieſem *

| Urfprünglich war Bismarck von = Stöcker ſche Agitation, ſo weit ſie eine rein „briftlich-foziale” war, Fingenomz r, men. Die Nordd. Allg. Zig. gab diefer Stellungnahme (1878). —J Ausdruck, indem fie u. A. bemerkte: „Die Hauptſache iſt, daß menſchenfreundlich und patriotiich gefinnte Männer ehrenuellen 4 Namens einen äußerſt zeitgemäßen Schritt thaten, daß fie es wagten, offen Farbe zu befennen, und an alle Gegner der. . fozialiftiichen Bewegung in ihrer heutigen Form bie Auffor⸗ derung erließen, zur⸗Vertheidigung der höchſten Güter ſich zu vereinigen, und zwar fi) zu vereinigen im vitalften Intereſſe derjenigen Klaſſen, die am ſchwerſten unter der Noth dieſes Lebens zu. leiden haben. Der Sozialismus der. Gegen: wart iſt ohne Miberreve feiner Natur nach atheiſtiſch und“ antimonardifhb. Die Bekenner des ChriftentHums und die Anhänger der monarchiſchen Staatsform mußte ſchon der Umftand, daß beide Prinzipe in den Vordergrund des Pro- gramm gejtellt find, mit nebenfächliben Mängeln deſſelben verfühnen.”

Epäter (Nov. 1881) wurde eine Äußerung bekannt, die Fürft Bismard in Varzin gegen den Antijemitismus gethan. Derjelbe unterhält mit der Mehrzahl feiner pommerſchen Nachbarn fehr freundliche perfünliche Bezichungen, die in häufigen ungezwungenem Verkehr ihren äußeren Ausprud finden. Faſt täglich ſieht der Kanzler einen oder mehrere derſelben als Gäfte an feiner Tafel. In der genannten Zeit befand ſich darunter ein jüdiſcher Anduftrieller, der mit dem Fürſten inſofern in gejchäftlicher Verbindung ftand, als ein großes Fabrik - Etabliffement des Herrn fih auf dem dem Kanzler gehörenden Grund und Boden befand und Roh: materialien jür Die Fabrik aus den Barziner Maldungen entnommen wurden. Die genannte Perfönlichfeit war mit

Wohlwollen zurüdzugeben, auf Haß und Berlenmung I * mit Übelmollen ober ftiller Verachtung zu antworten. Rum

22 Hoiprediger Stöder und der Sof.

parhie für den Mann geſäet, unter deſſen Minifterium Die Juden überhaupt erit thatlächlih emanzipirt worden find Haß und Groll, Miftrauen und Verachtung allein haben jüdiſche Publiziften und Redner gepflanzt umd wenn nun ein Baum emmworgewahjen ift, der bittere Früchte trägt, jo haben sie allein es ſich zuzuichreiben. Niemals hat Fürſt Bismard Raſſenhaß geprebigt, noch durch Wort, Schrift oder That gebilligt; wogegen bie Leidenfchaftliche Wuth, mit der er jeit Nahe und Tag von der jüdischen Preſſe und von jüdischen Rednern verfolgt wird, faum durch etwas anderes, als durch Raſſenhaß zu erklären it. Tas Hemd ift auch den Fürften Bismard näher als der Nod, und wenn er überhaupt Veranlaſſung hätte, ſich über eine Hetze auszufprechen, fo würde das zunächit wohl über die ſchamloſe Bismarckhege fein, welche von Kortichritt und Juden zur Entrüſtung aller deutſchen Manner betrieben wird. Alsin Frankreich vor Jahr und Tag die tage der Abſchaffung der Todesſtraie ventiliert wurde und die leidenſchaftliche DTiscuſſion pro et contra ihren Höhe— punkt erreicht hatte, Lich ſich plötzlich eine Stimme vernehmen, die bald alle andern übertönte. „Auch ib bin dafür, daß der Menſch den Menſchen nicht tödten Toll, Ichricb ein fran— zöſiſcher Khiloſoph, aber nach meiner unmaßgeblichen Meinung ſollten die Herren Mörder den Anfang machen; ne Messienrs les assassins commencent!” „Dies ſchlug, fuhr die „Poſt“ fort, dem Faß, das red- und Ichreibielige Philanthropen bis zum Überfließen mir Milch der Menichlichfen gefüllt hatten, plöglib den Boden aus und Die beab'öichtigte Yebensrettung der Mörder unterblieb. Wir verwahren uns ausdrüdlic Dagegen, einen tendenziöſen Vergleich machen zu wollen. Mir haben Pre Vorialls aus dem varlamentariſchen Yeben tank reihs nur erwahnt, um daran anknüviend zu jagen, daR,

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—— äh ia in febr hohe Sreife bineinbi fe „Bei Belegenheit des jo jenaunten

unſerem Gewiſſen gedrungen, re Zeugniß für die grof oe. „Dienfte abzulegen, welche ſich Etöder dadurch ermorben, bafı er in der Hauptftabt bes deutſchen Reiches, zum erjien, Male fee Beginn eines öffentlichen Lebens, große Volfsmafjen um

und daburh einen Schupmall gegen bie Spztalbemofraf

aufridhtete, der, wäre 1871 ein ähnlicher In Paris geweſen, bie Cotmmmine hätte verbinbern Rönmen. Gleichzeitig führten wir das bebentende Vorwiegen der Berfammlungsagitafiom fr

“m.

26 Hofprediger Stöder und der Hof.

partei” ins Leben riet und ſich wie cin Löwe ber burd Moſt entfelfelten Volkswuth enigegenmarf und dadurch ben aewohnten Rahmen „innerer Miffionsthätigfeit‘ ſprengte und außerordentlib erweiterte, da war es gerabe Die „Nordd. Alg.=3tg.”, welche dieſem Auftreten den mwärnften Beifall zurief. Was fie im Jahre 1878 an dem Auftreten und ben Beltrebungen Stöders lobte, hat fie auch durch ihre neueften Veröffentlihungen nicht getadelt. Wenn fie neuerdingd auf die Aufgaben der „inneren Miſſion“ verweiit, jo faßt fie in Gemäßheit ihres älteren Artikels den Begriff der „inneren Miſſion“ im zeitgemäßer Weiſe jo weit auf, wie ſolches fchon B A. Huber, diefer große Vorkämpfer des chriftlich-fozialen Gedankens, hat. Huber behandelt die innere Miſſion aus- brüdfich als foziale Krane. Er wendet ſich gegen diejenigen Geiſtlichen, welche Davon nichts willen wollen, weil ie meinen, Die Soziale Arage babe mir dem geiſtlichen Amte nichts zu ihun. Er stellt der chrijtlichen Liebesthat die weiteiten Auf: gaben. Auf allen Gebieten des Yebens Toll iv Das moderne

Heidenthum bekämpfen und beſiegen. Hält man an diefer

%

Arbeitsſeld Erweiterung der inneren Miſſion feit, To Liege in der Zumuthung der „N. A. Zig.“ weder ein Wideriprud mit dem Beifall, den sie Stöcker vor Neben Jahren zollte, noch mir den Anforderungen, den die chriſtlich ſozialen Auf: gaben der Zeit an Siöcker ſtellen. Cine andere Frage iſt es freilich, ob der tapiere Hofprediger endlich für diejenige „Mille Arbeit“ innerhalb der Eoniervatven Vartei Helfer finder, welche er int Jahre 1578, alſo zu einer Zeit, wo von Antiſemitismus noch keine Nede war, namentlich im Rahmen des „Centralvereins fir Sozialreform“ anſtrebte. Ihm dieſe Mitarbeiter zu veröſhafen, ſollie jetzt das einmuthnae Beſtreben der konſervativen Breite, namentlich der „I. A. Zig.“ fein.

Prüfung werde man ertennen, Da es weit überwiegend gute, treme, patriorijch jelbfilofe Lene find, die man vor ſich habe, und was fi in beren Areifen zur Zeit etwas wilb geberde, und ſelbſt jebe

bebenfliche Itrlichtet aufleuchten laſſe, werde zur Ruhe klommen

ober fein Publikum verlieren, ſobald die beftändige Reizung:

von der Gegenfeite aufhören und man zur Mitarbeit ange- rufen werde. Ter erite Schritt alio mußte to meint bie „Sont. Corresv.” von den Mutel-Parteien ausgeben: man müſſe auziprecben, das man das Vergangene verac en fein laſſen möchte und bereit ſei in cin chrlicheg, loyales Cartell einzutreten.‘

„Ein loyales Kartell”! ruit die Staatsbürgerzeitung aus. „Was veriteht wohl die „Konſ. NKorreip. darunter? Tie ganze Berliner Bewegung war von vornherein auf der Grundlage eines loyalen Kariells der vericiedenartigiten Parieirichtungen begründer und gedichen. Tadurb, dab die Berliner Bewegung einen antifortſchrintlichen, vor allem aber antitemitiihen Charakter zeigte, wurde es jo verichieden- artigen politithen Elementen, wie fie eben in einer Groß- ſtadt vorhanden find, möglich gemacht, ſich an derielben zu betheiligen und nur hierdurch waren die Erfolge zu erreichen, wie fie Die Berliner Bewegung in To überrajchender Weiſe gezeitigt. Und darum find die Auslaſſungen des „Konſ. KRorreip.‘ nichts weiter al3 leere Redensarten. Mit ſolchen

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en Anberaumung ſchon aeplanı war, batten fie ihrem un— Verirauen zu ihm einen glänzenden Ausdruck ge: geben. est jtehr Die Zunkunft dunfel vor Der Parteı; aber der kleine Mann, der Handwerker und Arbeiter, halten treuer und feiter, al$ mande meinen. Zu Stiöcker werden fie halten 0 lange fie leben; zur jegigen miniiteriellen Negierung Das gegen haben fie zum großen Theil das Vertrauen verloren, und die reinen Antiſemiten, ſowie Die aufs auferite ermutbigten Freiſinnigen und Temofraren werden Die Früchte ernten, Die Rartellvarrien nicht. Stöckers Anhänger find aber nicht bloß in Berlin, jondern im ganzen deutſchen Reich verbreiten: in den Tirgrenzen, am Rhein, ın Baden, in Stutigart schlagen unzählige Herzen cbenio warm für ibn, wie in Berlin. Ter deutschen ſtudierenden Jugend ſit Stöckers Name in weiten Kreiſen ein Vannier, dent ſie folacn. Une Leute in hohen ht Steilungen, die der relitiichen Aauation Stockers durchbans iernitehen, baben doch dien Ausgang Dir Sache als ‚m Straigericht jur uniere evangeltide Munde bescherte, Wo— raui berubht der Zauber der th Stadiger Serauf, va ar ein Voitemann it, wie es in ı N in Teiche land keinen zweiten abe RAT bar iur wabhre, wirkliche Her ablanßung zu uhui, iur ſelbtloſes Tienen und Stcheviern in Kent Intereſe ein iemes Veritändriie., Tarum bangt es Stocker min folder Liebe ar. Sitocer Par von ailer ſeiner

Arben me den geringiten Köriei! ni 5 T

:kirit, tens Torauon und Danleideistombabr, er bat niben Iitt und rest Its auch ner Sam Geideem den Tem ſienner Sache acitelli. Tas wear ihnm ſelbitr rirandlich, Damm er liebt. Son deuiſches Wolf über alles: Und or wol als rechter Volksmann it Pr. M. Luthers Nacbfoler stm Das beit, erbalten,

ae ga bel, das Evangl!unn. Tarum Tprsne co Birem on

——— age Ihrer Seele das liebſte Loſungswort it, nicht

cs iſt das Mort: Freiheit, Gleichheit, und Brüderfic 1 c8 freilich eine Freiheit ohne Zucht; eine G

edlen Sinne nehmen, als die Freiheit des Gewiſſens, ala Die Gleichheit vor Gott und als die Brüderlichleit in der Liebe

Chriſto. DB meine Herren, es ift einer großen Partei ums _ würdig, Vaterland und Chriftenthum zu haſſen. Wollen Ste, als Arbeiterpartei, wirklich eine geſchichtliche Bedeutung gewinnen,

Menſchen gelebt bat, die Liebe zum Baterland nicht tobt Ichlagen bas dürfen Sie wahrhaftig nicht. Eins aber erbitte Ich zum Schluß von Ihnen, Wenn Sie in Blättern wieder bie

38 Hoiprediger Stoͤcker und Der Hof. die chriftlich-foziale Partei mir Stolz und Freude den Ihrigen nennt, fei hier in Liebe und Tankbarfeit beionders genannt. Seine Rede in der Oktober-Verſammlung des Jahres 1871 bat viel gethan, die kirchliche reife zuerit aus dem Schlummer zu wecken und fir bie foziale Frage zu intereſſiren. Sein unerſchrockenes und überzeugungsoolles Eintreten für die be> rechtigten Forderungen des Eozialismus har ſeitdem unzählige deutfche Herzen für die Zozialveforn gewonnen. Und wenn „das Aufwachen ber beutjchen Jugend‘ das Thena der vorlegten Rede and den hriftlich-fozialen Veriammlungen nicht bloß cin Redeſtoff, jondern eine Thatſache geworden iſt, To verdankt die Nation dieſen hoffnungsvollen Zuftand nicht zum geringsten Theile der fortreißenden Bered- ſamkeit und Yegeifterung, mit welcher Wagner durch feinen glühenden Patriotismus, eine Tozialen Ideale, Sein Belenntniß zur chriſtlichen Weltanſchauung Die akademiſchen Jünglinge bis in die tiefſte Seele bewegt bat. Tie „Nailerliche Bor: ſchait“ vom 17. November 1581 iit nad der einen Richtung bin als Wrogranım der Zicberung der Ardbeitereriſtenz auf Grund von chriftlih gedachten Norperationen nahezu Die Eriullung der chriitlich sozialen Hofinungen; auf fie laßt ich mit ebenſo großem Recht Das Wort von Sedan anrübren: „Welcheine Wendung durch Gottes Fugung“! Die andere Seite der ſozialen Frage, Die Hebung der Arbeuereriſtenz, ſowohl in den ſittlichen Bedingungen der Arbeit wie in dem reicheren Anteil am Ertrag der Krodukuon, iſt der praktiichen Politik noch aufbewahrt. Gerade bier liegt für die Kirche ein Stück ſchönſter underiolgreichſter Arbeit. Die thunlichſte Einſchränkung der Arbeit verheiratheter Frauen, die Beſeitigung der Kinderarbeit, die Auihebung der Sonntaasarbeit, Die geietzliche Beſchränkung dir Arbeitszeit Normalarbeitstag find Auigaben, welche der Kirche geradezu

falſchenden pieln As Munde Konfervativer, die durchaus Freunde des Kartells haben mir bie ſchärfſten Verurtheilungen der offiziöfen gehört. Und wie haben leider aub die Liberalen Zeit von gemäßigter politiſcher Richtung ihre Hehe gegen Stö Im letzten Grunde galt ihr Haß davon fi wir jet überzeugt der pofttiv:biblifh:gläubigen Perſbnlich⸗ keit. Weil er ein zundender Bolksredner über das en Net der göttlien Offenbarung, über die Sonntagsruhe als Menſchenrecht und als Stüd der göttlichen MWeltordnung, Über bie Schäden des mobernen Judenthums mit feiner zerſetzenden und-auflöfenden Kraft, kurz, weil er ein Jeuge Chrifti war, darum bat ein falfcher, unchriſtlicher Ciberalismus ihn gehabt. Die Grundjäge, welche Stöder vertritt, find die der chriftlichen Weltanichauung, der Monarchie, der geſellſchaftlichen Reform, des Schutzes der Arbeit und der Induſtrie gegenüber ber Allmacht des Fapitaliftiihen Handels, des hriftlichen Charakters des deutſchen Volkes umd feiner öffentlichen Einrichtungen. Daß Stöder bei der Vertheidigung diefer Prinzipien im einzelnen, in der Form oft gefehlt Dat, daß er manchmal hätte ruhiger und milder im Ausdruck fein fönnen, leugnet er felber nicht. Aber feinen Fehlern gilt eben der Haß feiner liberalen Feinde nicht, fondern feinen Tugenden. Tas haben fie am beften durch ihren Anſturm gegen die Berliner Ctabdt: miffion, Dies von der ganzen Gencraliynode der Evangeliichen Yandesfirche Preußens einmütig als fegensreih anerkannte Merk, bewieſen. Aber cben weil ich dieſe einzigartige, Kraft: volle Perfönlichkeit nicht unter die Bögen des Tages beugte und auch nicht in Die gemöhnliche, bureaukratiſche und eine falihe Kartell: Schablone vrejien ließ, darum mußte er gehaßt und verfolgt werden. Stöcker bat, was ib zum Schluß er:

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dom arg als alle anbertn, * das “aber bedeuten, dafı man auch en. Deiex Crchen Poren

geplanbt:haben, ihn won ber poliifien Bäkme: mil

. Mir greifen. bier auf Die vor einige Monaten erſchienene hochoffiziöfe Brochfire zuräd: „Die Bars

. gänge ber inneren Poluik feit der Thronbefteigung Karfer

Wilbelm’s II,“ Sie it, fo zw iagen, bie Einleitung zu Dem gegen Etdder fpäter eingeichlagenen Berfahren, fie bringt ; „Motive zu dem beabfichligten und daun ausgeführien Schritte. Der Verfaifer derjelben ift Proftſſot Rökler, ber ehemalige Divelior des 1882 von Herrn v. Bunlamer aufe

Sofprediger Stocer und der Sof. 43 gehobenen literaritchen Büreaus im Minifterium des Innern, Herr Roöfler stellt in feiner Schrift Richter und Stöder ein: ander gegenüber. „Herr Rider, jagt er, ficht cin, daß man mir einem Radikalismus nicht? ausrichtet, den die ftärkjten und dauerbafteften Elemente der Nation verabſcheuen. Er macht eine ganz andere Rechnung auf die Zukunft, nachden ihm die Rechnung auf die Gegenwart fehlgeichlagen iſt, daß der junge Kaiſer den Einfeitigfeiten der fonjervativen Partei verfallen werde Dann wäre es ja in der Thar möglich ge wejen, Die ganzen Mräfte der deutſchen Bildung in das frei: finnige Yager zu ziehen Seiner Partei und vor allem fi jelbit dieſe Möglichkeit zu erhalten, ift Herr Nichter wohl be: dacht. Er will fo operiren, daß, wenn die deutſche Bildung nur die Mahl har zwiſchen ihm und Stöder, fie ſich für ihn enticheiden muß, mährend, vor die Mahl geitellt zwiſchen Herrn Stöder und dem bodenloten Nadifalismus, die deutiche Bildung mir Stöder geben müßte. In Folgendem bejteht Herrn Richters Rechnung auf die Zukunft. Er alaubt, daß, wenn eines Tages Fürſt Bismard Die politifche Bühne ver: latien, die Monardie durch die konſervative Partei in eine Stellung gerifien wird, welche die deutſche Bildung nöthigt, ihre Zuflucht bei Deren Nichter zu ſuchen. Er hält fi für nicht zu alt, dies zu erleben, und hätte wahrſcheinlich Necht, wenn Fürſt VBismard nicht das Seine thäte, durd dieſe Rechnung einen Strich zu machen.”

Man darf wohl jagen, daß hier die Gedanken Bismarda wiedergegeben werden. „Das Auftreten Stöckers, fein hetzen⸗ der Antiſemitismus verſchärft Die politiichen Gegenſätze und ſtärkt die Sache des Fortſchritts durch den Übertritt von ge: mäßigten Yiberalen und die Füllung feines Geldbeutel aus den Spenden der reihen Juden, denen der gegen fie gerichteten

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Winirarbeit und

fouverane Derricaft, fuhren.”

Bismarck und Stoder Wunſche, es möchte dem deutichen Volke fir immer verjagt bleiben: „Die ihlaue Pñnigken und Die unrubige, beitändig auf der Lauer liegende auedirlberne Geibaftaker: Nie find unierm ganzen Weiten fremd, den Teurſchen in inneriter Zeele sumider, und ven dem Tage ab, mo fie su feinen Eis genſchaften zählten, würde auch ver friice, belle Tuell ver: tiegen, der den Boden trankt und ın immer junger Nraft er hält, aus dem Seine beiten QTuaenden bervorivriegen.” Einig aub Parin, daß tie aur Mittel und Weze ſinnen, um bie ehrlich arbeitinde chriſtliche Bevölkerung zu ibügen vor dem „Auspovern“ Durch Leute „Denen das uaere nummos als oberjtes Lebensprinzip gilt.“ Aber eiwas anderes iſt das Syſtem der Verhetzung gegen Das Judenthum. „Ein folder Antiſe- 2 mitismus kann niemals das Programm eines wirklichen Po: litikers ſein, auch keines koniervatiwen.“

Die Politik vr ein eignes Ting. Wir Temſchen haben

mp auch wohl ernig in Dem

J der ask inner ne Grundfäge jollen verhüten, dab die fittliche

geil . werde, aber -fie fönmen biefe Handlungen febft Ienfen. Die Tödtuug bes Menſchen als äußere Handlung kann durch feinen Grundfaß verboten werben, wohl aber die Tötung aus ſelbſtſüchtigen Motiven. Der Scharfrid "der Soldat, ber Naubntörber begehen gleichmäßig die En \ aber bie beiben erften gehen vor dem ſittlichen Richt frei aus. Es ift klar, daß ber deutſche Staatsinann win muß, ben über die Grundlage des deutſchen Staates: eini Parteien das Bewußtſein der aus den beweglichiten Elementen zufammengefeßten Aufgabe einzuflößen, welche dem beutjchen Neich während einer vielleicht jehr langen Periode aufgedrungen ift und der ſich mit fogenannten politifchen Grundjägen nicht beifommen läßt. Möchten die nationalen Parteien lernen, daß es feine grauenvollere Beritrung giebt, ale die jenes Wortes: que les colonies p6erissent plutöt qu' un prineipe.” Meil die Stöder- oder Kreuzzeitungspartei einer „Richt ſchnur fogenannter politifcher Grundſätze“ folgt, jo fteht fie auch in gleicher Linie mit den Teutich-Freilinnigen, Die auch eine jolde Richtichnur haben und daher gleich feindlich zu Bismarck ftehen. „Mas batte die demofratijch-liberale Partei vor allem von dem Kaijer Friedrich erwartet? Tie Enilaſſung des Fürften Bismarck. Was hatten die äuferiten Gegner des Yiberaliamus vor allem vor dem Kaiſer Wilhelm II. er wartet? Nicht gerade die Entlaſſuug des Fürſten Bismard, aber doc die unummundene Zumuthuung an den Kanzler, die innere Politik ganz in das Kahrıwafier dieſer Parteimänner zu Steuern: alfo etwa Widerruf der ftaatsbiirgerlichen Rechte für die Juden, evangelifche Kirchen: und Schulpolitif im Sinne

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Hofprediger Stöder und Der Ser. 47 des Herren von Kleiſt-Retzow, obligatoriiche Einführung der Handwerkerzünfte u. ſ. w. Mer fteht allen Forderungen der Demokratiſch-Liberalen ala das größte Hinderniß nad Naijer Friedrichs Tode gegenüber? Fürſt VBismard. Und zwar er: kennen jene Politifer ſehr gut, daß es gerade die Mäßigung des Kanzlers iſt, welche das Hinderniß unüberwindlich macht. Denn würde er in das Eonfervatine Fahrwaſſer einlenken, jo würde er ſich einer ganz andern Oppoſition gegenüberieben, ol3 der ganz hohlen, auf dem ftaatsverderblichen Gebrauch eines formalen Rechtes beruhenden Oppofition von 1862— 1866. Wer jtcht der Gewinnung des jungen Kaiſers für die äußerſte fonjervative Partei als das größte Hindernis gegenüber? Fürſt Bismard. Ti Partei ift überzeugt, Daß ihre forderungen dem wahren Bortbeil entſprechen, ja daß nur deren Erfüllung der Monarchie Die unerſchütterliche Grundlage wiedergeben kaun. Was ijt da zu wundern, daß die Partei in einem Kaiſer, der von dem thätigen, ſchöpferiſchen Berui der Monarchie ganz durddrungen iſt, ihr natürliches Haupt ſieht, daß fie nur dem Einfluß eines verblendeten Dämons die bittere Enitäuſchung zufhreiben will, dieſen Kaiier andere Bahnen einſchlagen zu jehen, als die ihrigen?“

Gilt Herr Stöcker als ein Hinderniß der Sartellvolitit, fo kommt die Methode feines Vorgehens binzu, die ſich als Demagogenthum Eennzeichnet. „Herr Stöcker, ſagt Rößler, iſt freilich fein Temagoge der Art, wie fie vor Zeiten in Athen, wie fie in Paris zur Revolutionszeit, wie fie in Amerika noch alle Tage, wie fie bei uns im Jahre 1>48 auftrat, Dieſe Demagogen beginnen alle mit derielben Tonart: „Volk, du biſt groß, tapfer, edel, weije, wenn Dort die Schurken nicht wären, du hätteft längit das Paradies aus den Aermel geſchüttelt.“ Aber man stelle ſich nicht ungeſtraft an Div

unter Balnıen wandelt, Goethe jagt: „Wer vor andern lange allein jpricht, ohne den Zuhörern zu ſchmeicheln, erregt Wider % willen.“ Demagoge fein, beißt Echmeichler fein. Wer nicht ſchmeichelt, wie die Demokraten, der mag es geſchickter thun, aber ber Nothwendigkeit entgeht er nicht. Der Demagoge muß herabfteigen zu dem Berftändniß, zu bem Geſichtskreis, zu den VBebürfniffen der Menge. Sind keine ſtarken Bes bürfniffe da, deren Befriedigung er fogleih in Ausficht ftellen kann, jo muß er andere Bebürfniffe werden. Es können nie bie edelften und höchften fein. Herr Stöder wendet fih an ben jelbftfüchtigften Inſtinkt der Zuhörer, an bas gemeine Bedürfniß des Haffes und an den gemeinen Glauben, daß Die Urſache aller Uebel irgend wo verkörpert jein müſſe, fo daß man fie mit einem Echlag zertrümmern könne Darin macht er e3 ganz wie die demofratifchen Temagogen. Alles Uebel kommt von den Xriftofraren und ihren Helfern, fagte man 1793; alle Ucbel fommen von ben Juden und Juden— genofjen, jagt Herr Stöder. Wenn die Macht der Juden gebrochen ift, oder wenn fie aus dem Lande vertrieben find Herr Stöder jagt nie, was er mit den Juben vorhat dann foll ein Paradies errichtet werden, von dem Kerr Stöder einige Umriſſe zeichnet. Als unentbehrliche Kräfte jol es ba ein Königthum, orthobore Prediger und Zünfte geben. Andere Dinge find zuläffig, aber gleichgültig oder entbehrlich.”

Fürſt Bismard hat ebenfalls jhon den Borwurf der Demas gogie hören müſſen, und zwar von Eciten der Fortjchritts: partei. in dieſer legteren früher naheſtehendes Blatt nahm den Fürften gegen biejen Vorwurf in Schutz mit den Worten:

„Die politifchen Rollen find im Mugenblid ganz eigen- thümlich ausgetheilt. Fürſt Bismard hat mit der ihm eigen-

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Hofprediger Stöcker und der Hof. 49

thümlichen hartnäckigen Energie die Anitiarive ergriffen und fi) zum Tribun einer Neihe mächtiger uno volksthümlicher Strömungen gemadt. Die Fortfchrittspartei bat ſich durch den Mund des Abg. Michter fogar Schon mehrfach über Tema: gogie beklagt. Wir halten aber ganz dafür, daß es gut iſt, dem Bruder Bauer die Hand zu drüden, und ſich mit ihm in feiner Sprache zu unterhalten, die Fürſt Bismarck meifter: haft verſteht. Ahmen wir doch dem Reichskanzler na, ſtatt über ihn zu klagen, bringen wir unſere Anſichten klar und volksthümlich vor und bedenken wir, daß die Fraktion der Wähler, wie der Abgeordnete v. Bühler ganz witzig bemerkt hat, diejenige iſt, mit welcher der Abgeordnete ſich in letzter Inſtanz zu verſtändigen hat. Sind wir denn ſo luftſcheu geworden, daß eine lebhafte Volksſtrömung uns mit der Furcht vor einen politiſchen Schnupfen erfüllt? Im Gegentheil, der Erfolg der ganzen Agiration wird eine dauernde Stärkung des volfsthümlicen Elements in Staat und Kirche fein welchen Grund baben wir, uns darüber zu beſchweren?“ Es war ein nationalliberales, alfo cin Nartellblatt, das die Bismarck'ſche „DTemagogie“ als Mufter empfahl.

Hofprediger Zröder iſt zu allerletzt Antiſemit; er iſt ein Chriſtlich⸗Sozialer, aber auch darüber hinaus gebt ibm noch ein anderes Ziel, dem er alle anderen Beſtrebungen dienttbar macht. Tas iſt die Freiheit und